Blut- und Boden-Architektur

Nichtmilitärische Zweck- und Repräsentationsbauten und -Projekte des Nationalsozialismus 1933-1945
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MikeG
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Blut- und Boden-Architektur

Beitrag von MikeG » 10.01.2006 13:36

Moin!

„Wohldorf und Ohlstedt“ von Alf Schreyer ist wohl das Standardwerk zu den Walddörfern. Die NS-Zeit wird aber mit kaum einem Wort erwähnt, ebensowenig in dem neueren Buch „Die Walddörfer“ von Katrin von Behr. Auch meine restliche Wohldorf-Literatur schweigt sich über die Jahre 1933 bis 1945 aus, erwähnt werden lediglich einige Bombenangriffe auf Hamburg, die Sprengung des Koopmann-Mausoleums und der Bau der „Norweger-Siedlung“.

Mike

hollihh
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Blut- und Boden-Architektur

Beitrag von hollihh » 14.01.2006 21:23

Ganz in der Nähe des Kupferhofs befindet sich noch ein interessantes Relikt aus der "unseligen Zeit", die sog. Landarbeiterhäuser des Gutes Wohldorf . Neben der sog. "Schwarzwaldsiedlung" in Langenhorn (so genannt, weil hier Spezialisten aus dem Schwarzwald angesiedelt wurden, die in der Zünderfertigung tätig waren) sind diese 10 Häuser ein Beispiel für die sog. "Blut- und Boden" Architektur der damaligen Zeit. Nachdem man sich einige Zeit darum gestritten hatte, was aus den Häuser (mit immerhin 12000 qm Land) werden soll, hat man sich nun wohl für den Verkauf und Erhalt ausgesprochen, die Verhandlungen sind aber wohl noch nicht abgeschlossen.


Gruß

Holger

Nachtrag: Über die "Schwarzwaldsiedlung" versuche ich auch noch etwas herauszubekommen - gibt es in anderen Gegenden eigentlich ähnliche Siedlungen ?
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Leif
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Beitrag von Leif » 14.01.2006 23:59

Hallo.
Dies ist der abgetrennte Teil aus Funkbetriebsstelle Spionageabwehr (Kupferhof) viewtopic.php?t=7427
Ich habe mich beim Zusammenbasteln gerade fast umgebracht ;) Und um zu beruhigen: Ich hatte holli gebeten, eine leere Nachricht zu erstellen, damit ich den Inhalt hineinfügen kann.

@ Mike: Könntest Du Deine Antwort, die eigentlich an die zweite Stelle gehört, noch mal schreiben.

Viele Grüße,
Leif

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Käpt´n Blaubär
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Re: Heimatschutzstil (Blut- und Boden-Architektur)

Beitrag von Käpt´n Blaubär » 15.01.2006 01:03

hollihh hat geschrieben:Nachtrag: Über die "Schwarzwaldsiedlung" versuche ich auch noch etwas herauszubekommen - gibt es in anderen Gegenden eigentlich ähnliche Siedlungen ?
Moin!
Zum Bauen in der Zeit des Dritten Reiches in Hamburg gibt es ein sehr gutes Buch:

Titel: "... ein neues Hamburg entsteht ..." : Planen u. Bauen von 1933 - 1945 / Michael Bose ...
Verfasser: Bose, Michael [Mitverf.]
Verleger: Hamburg : VSA-Verl.
Erscheinungsjahr: 1986
Umfang/Format: 230 S. : zahlr. Ill., graph. Darst. u. Kt. ; 27 cm
Gesamttitel: Beiträge zur städtebaulichen Forschung ; Bd. 2
Anmerkungen: Literaturverz. S. 216 - 221
ISBN: 3-87975-380-6

Darin auch ausführliche Kapitel zur Schwarzwaldsiedlung und zu den Norweger-Häusern.
Gruß
Michael
Das Leben ist kurz, behauptet man.
Ansichtssache, sage ich. Die einen sind kurz, die anderen sind lang, und manche sind mittel.
Außerdem hatte ich noch dreizehneinhalb andere davon.
(Walter Moers, Die 13 ½ Leben des Käpt´n Blaubär)

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EricZ
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Beitrag von EricZ » 15.01.2006 09:05

Moin,

zum Heimatschutzstil folgendes Zitat:
Die 'Kampfzeit'-Koalition der NSDAP mit "völkischem Ideologen und Vertretern des Baugewerbes basierte negatorisch auf der Ablehnung der 'orientalischen' Bauhaus-Architektur. Im Positiven herrschte Einigkeit über Schultze-Naumburgs 'Rasse-Kunst-Theorie' und seine Konzeption des 'Heimatschutzstils'. Man verstand darunter eine landschaftsbezogene Bauweise, die sich der örtlich vorhandenen Baustoffe und der Arbeitskraft der lokalen Kleinbetriebe bedienen sollte. Daß sich diese Art des Bauens nach der 'Machtergreifung' in ländlichen Gegenden und manchen Vorstadt-Gebieten tatsächlich durchsetzen konnte und nicht, wie so viele andere Modellvorstellungen der NS-Propaganda, 'vergessen' wurde, hatte eine Reihe von Gründen:

Die Mittelstandspolitik des NS-Staats war in der Vorkriegszeit durchaus bestrebt, dem Handwerk einschließlich Bauhandwerk gewisse Konzessionen zu machen;
der 'Heimatschutzstil' war geeignet, die BluBo-Ideologie, innerhalb der NSDAP am nachdrücklichsten vertreten von 'Reichsbauernführer' Richard Walther darre, zu versinnbildlichen;
die 'heimatschützende' Bauweise schonte kriegswichtige Materialien wie Stahl und Beton;
das Bauen mit Holz und 'Werkstein' (Granit, Muschelkalkstein, Travertin) gab den Häusern und Siedlungen unter dem Aspekt des Luftschutzes eine natürliche Tarnung.
Beispiele des 'Heimatschutzstiles' boten etwa die Siedlungshäuser Schultze-Frohlindes und seine DAF-Schulungsburg in Erwitte. Im Mantel dieser schlichten Bauweise ließen sich aber auch Privatbauten für höchste Ansprüche errichten, wie die landschaftsangepaßte Luxusvilla Karinhall von 'Reichsforstmeister' Göring demonstrierte.

Welchen Wert der NS-Staat in seinen ersten Jahren auf die Illusion einer überproportionalen Beteiligung des Handwerks an den sichtbaren Bauleistungen legte, zeigte sich beispielsweise in der Vorspiegelung manufaktureller Herstellung bei den Laternen des 1939 freigegebenen Teilstücks der Berliner Ost-West-Achse und bei der Verblendung von Stahlgerüst-Konstruktionen mit Haustein, wie sie im Rahmen des Reichsautobahnbrückenbaus praktiziert wurde.

Nach dem Vierjahresplan von 1936 und insbesondere nach dem Beginn der Westwall-Bauarbeiten 1938 verstand es sich von selbst, daß das zivile Bauen mit Werk- und Ziegelstein vorlieb zu nehmen hatte. Wenn der Reichsarbeitsdienst unter Hierl Jugendherbergen errichtete, die DAF Leys Freizeitheime für die Werktätigen erstellte oder Arbeitersiedlungen entwarf - es kamen nur 'natürliche' Materialien in Betracht, die in der kriegsvorbereitenden Industrie und Bautätigkeit nicht vermißt wurden. Als aber selbst an gewöhnlichem Bau-Stein Mangel zu herrschen begann, sprang Himmlers SS in diese Marktlücke. Die 'Deutschen Erd- und Steinwerke' verhalfen dem Totenkopf-Orden zu erheblichen finanziellen Subsidien, indem sie KZ-Häftlinge in Steinbrüchen und Ziegelbrennereien einsetzten.
Quelle: Reinhard Merker, Die bildenden Künste im Nationalsozialismus. dumont taschenbuch 132, gefunden bei: http://kunst.gymszbad.de

Grüße, Eric
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Talpa
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Waldsiedlungen

Beitrag von Talpa » 26.01.2006 23:04

Hallo!

In Damme, unweit des ehem. Mun.-Lagers befindet sich solch eine Siedlung.
Alles sehr gepflegt.


Talpa
Taktik ohne Technik ist hilflos,
Technik ohne Taktik ist sinnlos.

MikeAmmerland

Beitrag von MikeAmmerland » 27.01.2006 22:00

Ein interessante Internetseite ist: http://www.thirdreichruins.com/contents.htm

Wenig über Norddeutschland, leider, aber die Seiten des Geoff Walden sind immer einen Besuch wert, euch sicher allen schon bekannt...?

Na, auf jeden Fall eine der besten Quellen zum Thema Architektur vor 1945, "then & now".


Michael

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Re: Blut- und Boden-Architektur

Beitrag von dartanddive » 28.01.2006 09:02

hollihh hat geschrieben:Ganz in der Nähe des Kupferhofs befindet sich noch ein interessantes Relikt aus der "unseligen Zeit", die sog. Landarbeiterhäuser des Gutes Wohldorf . Neben der sog. "Schwarzwaldsiedlung" in Langenhorn (so genannt, weil hier Spezialisten aus dem Schwarzwald angesiedelt wurden, die in der Zünderfertigung tätig waren) sind diese 10 Häuser ein Beispiel für die sog. "Blut- und Boden" Architektur der damaligen Zeit. Nachdem man sich einige Zeit darum gestritten hatte, was aus den Häuser (mit immerhin 12000 qm Land) werden soll, hat man sich nun wohl für den Verkauf und Erhalt ausgesprochen, die Verhandlungen sind aber wohl noch nicht abgeschlossen.
Bei uns im Schwarzwald gibt es keine Häuser mit gekreuzten Pferdeköpfen am Giebel :holy:
Alles was alt ist.

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skyper
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Re: Blut- und Boden-Architektur

Beitrag von skyper » 28.01.2006 15:38

dartanddive hat geschrieben:
hollihh hat geschrieben:Ganz in der Nähe des Kupferhofs befindet sich noch ein interessantes Relikt aus der "unseligen Zeit", die sog. Landarbeiterhäuser des Gutes Wohldorf . Neben der sog. "Schwarzwaldsiedlung" in Langenhorn (so genannt, weil hier Spezialisten aus dem Schwarzwald angesiedelt wurden, die in der Zünderfertigung tätig waren) sind diese 10 Häuser ein Beispiel für die sog. "Blut- und Boden" Architektur der damaligen Zeit. Nachdem man sich einige Zeit darum gestritten hatte, was aus den Häuser (mit immerhin 12000 qm Land) werden soll, hat man sich nun wohl für den Verkauf und Erhalt ausgesprochen, die Verhandlungen sind aber wohl noch nicht abgeschlossen.
Bei uns im Schwarzwald gibt es keine Häuser mit gekreuzten Pferdeköpfen am Giebel :holy:
Das auch typisch Norddeutsch... das mit den Pferdeköpfen :)

hollihh
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Re: Blut- und Boden-Architektur

Beitrag von hollihh » 28.01.2006 20:59

dartanddive hat geschrieben: Bei uns im Schwarzwald gibt es keine Häuser mit gekreuzten Pferdeköpfen am Giebel :holy:
Die zueinander (in manchen Orten auch voneinander abgewandte) Pferdeköpfe sind "klassisches" Merkmal vieler norddeutscher Bauernhäuser - die Landarbeiterhäuser gehören nicht zur Schwarzwaldsiedlung, die befindet sich in HH Langenhorn- ich werde mal versuchen, beizeiten Bilder einzustellen.

Gruß

Holli

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