Lebensborn

Nichtmilitärische Zweck- und Repräsentationsbauten und -Projekte des Nationalsozialismus 1933-1945
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EricZ
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Beitrag von EricZ » 15.09.2010 17:36

Moin,

seit dem ersten Beitrag vor fast fünf Jahren sind u.a. auch hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Lebensborn ... n_von_1937
verschiedene und wesentlich detailliertere Informationen zusammengetragen worden, als zum damaligen Zeitpunkt (leicht) verfügbar waren.

Nachdem ich verschiedene mir neue Aspekte in der Himmler Biographie von Peter Longerich noch im Mai gefunden hatte, sah ich mich am letzten Sonntag erneut mit diesem Thema konfrontiert , als ich in der FAS folgenden Artikel fand:

"Die Patenkinder der SS
Bis 1945 kamen im "Lebensborn" uneheliche Kinder zur Welt. Viele wissen bis heute nicht, wer sie wirklich sind. Ruthild Gorgass wurde im Heim "Harz" geboren."

Leider kann man online nur gegen Bares darauf zugreifen... :cry:

Grüße, Eric
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EricZ
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Beitrag von EricZ » 15.09.2010 17:56

Nur als Zitat wegen der in den ersten Beiträgen angezweifelten Absichten, die hinter dem ganzen standen und der Satzung des Vereins ja zu entnehmen sind:
Aufnahmebedingungen

Frauen, die sich um Aufnahme bewarben, sollten laut Satzung des Lebensborn e.V. „in rassischer und erbbiologischer Hinsicht alle Bedingungen erfüllen, die in der Schutzstaffel allgemein gelten“. Entsprechend mussten die Frauen die gleichen Anforderungen erfüllen wie jeder SS-Bewerber bei der Aufnahme in die SS und bei der Heirat:

* Vorzulegen war der „Große Abstammungsnachweis“, vulgo „Ariernachweis“, mit dem Nachweis der Vorfahren bis zum 1. Januar 1800, wie es für die NSDAP und ihre Untergliederungen galt.
* Ein „Erbgesundheitsbogen“ mit Angaben über mögliche erbliche Belastungen in der Familie war auszufüllen.
* Ein „ärztlicher Untersuchungsbogen“ zum Nachweis der Gesundheit und zur „rassischen Beurteilung“ fasste die Untersuchungen durch SS-Ärzte, später wegen Ärztemangels auch durch andere zugelassene Ärzte, zusammen.
* Die Bewerberin musste einen Fragebogen zur Person, mit Fragen nach Beruf, Krankenversicherung, Parteizugehörigkeit, Heiratsabsicht usw., ausfüllen, dazu einen handgeschriebenen Lebenslauf mit Lichtbildern vorlegen.
* Unverheiratete werdende Mütter hatten außerdem eine eidesstattliche Versicherung abzugeben, dass der angegebene Mann der Vater des Kindes sei.

Sämtliche Unterlagen musste gleichfalls der werdende Vater einreichen. Ausgenommen waren SS-Angehörige nur, wenn die Heiratsgenehmigung für die Mutter bereits vom Rasse- und Siedlungshauptamt erteilt worden war.
Der Große Abstammungsnachweis http://de.wikipedia.org/wiki/Ariernachweis

Hier geht es zu einer Original-Satzung des Lebensborn e.V. http://www.karwi.de/images/stories/doku ... nsborn.pdf
"Schön" was in § 2 geschrieben steht. :?
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SuzieQ

Beitrag von SuzieQ » 15.09.2010 18:25

EricZ hat geschrieben:Hier geht es zu einer Original-Satzung des Lebensborn e.V. http://www.karwi.de/images/stories/doku ... nsborn.pdf
"Schön" was in § 2 geschrieben steht. :?
Danke für den Link, was für eine interessante Webseite (nicht nur die Satzung, sondern vor allem auch diese ganzen anderen historischen Dokumente)! :thumbup:

suchtrupp

Beitrag von suchtrupp » 22.03.2011 20:18

Hallo.
Zum Thema Lebensborn kann ich folgendes beisteuern. aus der Quelle Ralph Trost, Orte der Freiheit - Ein Reisebuch durch die Grenzregion. Nationaal Bevrijdingsmuseum 1944-1945.
S. 260/61 Lebensborn Gelderland, Houtlaan4, Nijmegen, Niederlande

1935 von Heinrich Himmler gegründeter SS-Verein "Lebensborn e.V. Der Verein hatte die AUfgabe, "(...) den Kinderreichtum in der SS zu unterstützen, jede Mutter guten Blutes zu schützen und zu betreuen und für hilfsbedürftige Mütter und Kinder guten Blutes zu sorgen"
Die gesamte SS als auch die Polizei sollten mindestens 4 Kinder pro Ehe - den Fortbestand der arischen Rasse zu sichern
Nach nationalsozialistischer Rassenlehre waren Niederländer und Deutsche "verwandt".

suchtrupp

Beitrag von suchtrupp » 22.03.2011 20:25

Das benannte Lebensborn-Heim war das Einzige auf dem besetzten niederländ. Gebiet
Vormals Jesuitenkolleg, an '42 bis zur Befreiung Nijmegens Entbindungsheim der SS
Umgebaut für knapp 30 Frauen und 100 Kinder, medizinische Einrichtungen stammten allesamt aus der jüdischen Klinik Apeldoornse Bos. Ebenso wie das Mobiliar Juden weggenommen wurde.
Insgesamt 8000 Kinder kamen in den Heimen des Lennsborn zur Welt, andere wurden zwansweise "eingedeutscht". Für viele Kinder war ihr Vater "Heinrich Himmler", wie eine Zeitzeugin sagte.

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Beitrag von corvus » 23.03.2011 05:11

Falls sich noch jemand an "Abba" erinnert:
Die Blonde aus der Gruppe wurde in einem norwegischen Lebensborn geboren und wanderte wegen Diskriminierung später nach Schweden aus.
Kein Alkohol ist auch keine Lösung

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Beitrag von EricZ » 23.03.2011 08:59

Moin,

Danke für den Hinweis!

Wer erinnert sich nicht an ABBA mit dem spiegelverkehrten "B" und markenrechtlich geschützten Logo... ;)

Die Blonde ist's aber definitiv nicht, es ist vielmehr die Prinzessin Reuß von Plauen. :lol:

Etwas mehr zum dem von Dir angesprochenen Aspekt der Deutschenkinder gibt es hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Tyskerbarn

Viele Grüße, Eric
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Beitrag von oldmen » 11.11.2018 14:31

Hallo an alle, die`s noch interessiert,

Der Lebenskreis derer, die man gemeinhin als Lebensborn-Kinder bezeichnet, beginnt sich zu schließen. In weiteren 2 Generationen wird diese Benennung vergessen sein. Ein sehr kontroverses Kapitel der NS-Geschichte verschwindet so.
Die ganze Breite der Aktivitäten der Lebensborn-Heime spiegelt sich in den Beiträgen in diesem thread.

Mein subjektiver Eindruck ist, dass sich die ersten im Bereich unserer heutigen Republik betriebenen Heime der offiziell deklarierten Aufgabe - die ledigen werdenden Mütter von einer Abtreibung abzuhalten und ihnen bis zur Geburt ihres Kindes Geborgenheit zu geben - nachgekommen sind. Denkbarerweise lag es auch an den jeweiligen Heimleitern.

Das zweite Lebensborn-Heim war " Harz " in Wernigerode, offenbar das Stammhaus im Brockenweg ein reines Entbindungsheim, in dem ledige wie verheiratete Frauen ihre Kinder zur Welt brachten.

Feldpostbriefe meines Vaters ( HptFw 336. Inf.-Division an der Ostfront ) belegen, dass er seine Frau, meine Mutter, im Lebensborn-Heim Wernigerode zur Niederkunft gut aufgehoben sah. Auf meiner Geburtsurkunde befindet sich im Stempel die Bezeichnung Standesamt Wernigerode II, der einzige Hinweis auf das Lebensborn-eigene Standesamt. Mein Vater ist namentlich genannt mit der Berufsbezeichnung " zur Zeit Wehrmacht ".

Erzählungen meiner Mutter berichten von einer unbeschwerten, angenehmen Atmosphäre im Heim während des knapp 2-wöchigen Aufenthalts. Das Gebot, die Anonymität zu wahren und die anderen Frauen nur mit Vornamen kennenzulernen und auch so anzusprechen, wurde nicht eingehalten. Nach dem Krieg (WKII) waren viele Frauen - die meisten inzwischen Kriegerwitwen - durchaus überregional und über die Besatzungszonen hinweg im Kontakt.

Bis dann `mal - Oldmen

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