Reichsnährstandssilos

Nichtmilitärische Zweck- und Repräsentationsbauten und -Projekte des Nationalsozialismus 1933-1945
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Beitrag von Talpa » 19.11.2007 20:13

Hallo Baum!

Wesentlicher Bestandteil eines HVA´s sind Silogebäude zur einlagerung von Getreide.
Irgendwo haben wier dieses schon einmal geklährt.
In allen Quellen aus der entsprechenden Zeit geht dieses deutlich hervor.
In Hoffmann- Mohs (1936), und im "Handbuch Eisenbetonbau" (1938) werden die Speicher der Heeresverwaltung gesondert angesprochen.
Wesentlicher Unterschied ist der geringere technische Anspruch der HVA´s, da nur wenige Getreidesorten eingelagert werden. Hafer, Roggen, Weizen.
Aus der Literatur geht hervor, das Flachboden und oder Rieselspeicher hier bevorzugt werden (1936).
Der Reichsnährstand führt zur selben Zeit aber schon gewichtige Gründe gegen diese Speichertypen ins Land.
Er setzt von Anfang an auf den Silospeicher.

Da aber in allen hier besprochenen HVA warscheinlich auch Silospeicher vorliegen, dürften diese jünger als 1938 sein (letztes mir vorliegendes Quellendatum.)
Der Aufbau und die Zweckbestimmung sind somit sehr ähnlich, nur die Zielgruppe ist eine andere.

Auch ich lerne noch dazu!


Gruß
Talpa

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Beitrag von Talpa » 19.11.2007 23:03

Hallo!

Als Querverweis:
Auf Seite 4 Heeresverpflegungsamt kann man die Silospeicher über einen Link erreichen.

Getreide wurde als Futter- und Brotgetreide eingelagert.
Die Hauptgründe ganze Körner einzulagern dürfte die bessere Handharbbakeit und vor allem Haltbarkeit sein.
Mehl hält unter Idealbedingungen ein Jahr, Getreide als Korn mehrere Jahre.

Gruß Talpa

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redsea
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Beitrag von redsea » 06.12.2007 21:58

Hallo zusammen,

ich habe mich in letzter Zeit mal ein wenig eingehender mit diesem Thema beschäftigt, wobei sich mir aber immer wieder die eine grundsätzliche Frage stellt: was ist ein Reichsnährstandssilo bzw. wann ist ein Speicher oder ein Silo ein Reichsnährstandssilo?

Dass es sich um ein Regelbauwerk handeln muß, also irgend ein Normbauwerk aus der "Schublade" ist klar, ebenso auch, dass es natürlich verschiedene Normbauten gibt, die dann alle noch in die Kategorie "Reichsnährstandsilo" fallen. Aber gibt es ganz besondere Kriterien, aufgrund derer man mit Sicherheit sagen kann, dass es sich bei einem Speicher oder Silo um ein Reichsnährstandssilo handelt?

Ich denke da z.B. an bestimmte Auflagen, an die man sich beim Bau zu halten hatte o.ä.. Bin in dieser Richtung aber noch nicht weiter gekommen, doch vielleicht weiß jemand von Euch ja mehr?

Als kleines Beispiel hier ein Speicher in Herford, bei dem ich vom Gefühl her schon sagen würde, dass es sich um ein Reichsnährstandssilo handeln müßte. Die Gründe dafür sind, dass das Bauwerk halt eben irgend wie typisch ist, unterteilt in den Bereich mit Trockenböden und den mit Speicherzellen, kein Betrieb wie eine Mühle o.ä. in der Nähe, zu dem es ansonsten gehören könnte, Eisenbahnanbindung, ziviler Betreiber (spricht gegen HVA) etc.. Aber handelt es sich hier wirklich um ein Reichsnährstandssilo und nicht einfach nur um einen Speicher?

Bin auf Eure Kommentare sehr gespannt,

Gruß redsea
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Beitrag von Talpa » 06.12.2007 23:44

redsea hat geschrieben:Hallo zusammen,

ich habe mich in letzter Zeit mal ein wenig eingehender mit diesem Thema beschäftigt, wobei sich mir aber immer wieder die eine grundsätzliche Frage stellt: was ist ein Reichsnährstandssilo bzw. wann ist ein Speicher oder ein Silo ein Reichsnährstandssilo? (...)

Bin auf Eure Kommentare sehr gespannt,

Gruß redsea
Hallo redsea!
Ich denke diese Frage kann sehr leicht beantwortet werden:
Nur wenn das Baujahr zwischen 1939 und 1945 liegd.
Klar diese Antwort befriedigt mich auch nicht, ist aber so.

Leider habe ich zur Zeit keinerlei Literatur zur Hand, aus der ich hier ja schon öfters berichtet habe.
Fakt ist die "Speicherbewegung" ( heisst tatsächlich so) ist schon sehr viel älter als die Weimarer Republik.
Erste planmäßige Speicherbauten in der Weimarer Republik, aufgrund der schlechten Erfahrungen des Steckrübenwinters im 1. WK. Hier überwiegend Bau von Speichern und Silos nach dem Erfinder Rank
Beispiel: Das erste Silo überhapt dieser Art in Reichertshofen bei Ingolstadt. (Steht heute noch)
Hameln Rieselspeicher der dortigen Mühlenwerke. (Zur hälfte in einem neumodernen Betonklotz aufgegangen.)
Da sich Deutschland eigentlich in allen Zeitepochen klar war den eigenen Bedarf an Getreide nicht aus inländischer Produktion decken zu können wurde der Silobau mit Sicherheit auch sofort unter dem Reichsnährstand weiterbetrieben.
Beispiel: Minden und Münster an beiden Häfen befinden sich drei verschiedene Bautypen, die ihre Erstehungszeit nicht leugnen können. Es sind aber ebend drei absolut verschiedene Baumuster.
Weiter sind in dem Buch "Eisenbetonbau" zig Silos beschrieben, die alle andersartig sind, aber doch gewisse Gemeinsamkeiten haben.
In dem Buch "Brot Butter und Kanonen" finden sich dann erstmalig die sperlichen Hinweise das der Bau von "Reichsnährstandsspeichern" zu langsam vorran geht, und deshalb 1. mehr und 2. einheitlich gebaut werden sollte. Ohne die Quelle jetzt vorliegen zu haben war das 1941 von Göbbels oder Göring (?), der übrigens die Reichsnährstandsobrigkeiten für unfähig hielt.
Das Einheitsmuster ist dann das "SUKA- Silo" geworden, das alle Vorteile des "Rankschen Silos" hat, gleichzeitig aber einfacher und billiger zu erstellen ist. Äusserlich sehen die Standartvarianten sich sehr ähnlich.
Wie die Rechte und Pflichten der jeweiligen privaten (!) Erbauer ausgesehen haben, weis ich noch nicht.
Sicher ist auch das zb. Lübbecke , Bad Essen, Bramsche und Osnabrück in der betreffenden Zeit gebaut wurden, aber doch geringfügig voneinander Abweichen. Lübbecke schlägt übrigens mehr aus der Richtung.

Wie gesagt, wer Infos hat möge sie doch bitte hier zum Besten geben.

Gruß Talpa

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Beitrag von redsea » 07.12.2007 01:10

Hallo Talpa,

ne, ne, schon klar ;)

Bauzeit zwischen 1939 und 1945 ist schon mal ein Ausschlußkriterium für nicht-Reichsnährstandssilos. Aber was ist nun mit den Speichern, die innerhalb dieses Zeiraumes errichtet wurden? Diese müssen ja nun nicht alle zwangsläufig auch Reichsnährstandssilos sein.

Ebenso ausschließen kann man wohl diejenigen, die direkt im Betriebsprozess von Mühlen liegen oder unmittelbar daran angeschlossen sind und nur als eine Art Zwischenlager oder wie wir heute sagen Pufferlager dienten und nicht der allgemeinen Bevorratung, was ja die Funktion der Reichsnährstandssilos war (wenn ich das richtig deute).

Sicher ist es auch sehr unwahrscheinlich, dass eine Genossenschaft in der Zeit von 1939 bis 1945 einen Speicher nach eigenen Vorstellungen und Plänen angelegt hat und damit auf entsprechende Zuschüsse verzichtet hätte. Wozu auch? Aber wie gesagt, nur der Zeitraum allein läßt ja nun doch nicht sicher auf ein Reichsnährstandssilo schließen.

Sehr interessant sind auch die gemischten Anlagen, wie z.B. in Berenbusch. Meines Wissens nach war Berenbusch eine rein zivile Anlage, allerdings auch kein reines Reichsnährstandssilo, da dort auch Konserven etc. gelagert wurden.

Auch ich bin auf weitere Infos sehr gespannt,

Gruß redsea

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Beitrag von Talpa » 07.12.2007 11:02

redsea hat geschrieben:Hallo Talpa,

ne, ne, schon klar ;)
(...)
Ebenso ausschließen kann man wohl diejenigen, die direkt im Betriebsprozess von Mühlen liegen oder unmittelbar daran angeschlossen sind und nur als eine Art Zwischenlager oder wie wir heute sagen Pufferlager dienten und nicht der allgemeinen Bevorratung, was ja die Funktion der Reichsnährstandssilos war (wenn ich das richtig deute).
(...)

Auch ich bin auf weitere Infos sehr gespannt,

Gruß redsea
Hallo!

Wenn wir das gleiche meinen kann ich dem zustimmen.

Nicht verwechseln darf man allerdings das den Mühlen ein Speicher beigeortnet ist, bzw. intregiert ist/ sein kann.
Wohlgemerkt nicht die Pufferspeicher.
Das macht Sinn, ohne große Transportwege das Getreide auch weiter zu verarbeiten zu können.
Die heutigen Notfallreserven werden auch noch in mühlennähe gelagert.

Eine leichte Diskrepanz hatte man dabei aber auch zu bedenken:
Getreide sollte möglichst dezentral erfasst und gelagert werden, Mühlen aber zentralisiert werden, um die illegale Schwarzherstellung von Mehl zu unterbinden.
Viele Mahlgänge der Privatmühlen wurden deshalb amtlich blockiert, um die Kontrolle zu erleichtern.

Was sagt denn die hier mitlesende und schweigende Studentenfraktion dazu?
Was wisst Ihr was wir nicht wissen?


Ja Berenbusch...
Als Reichsnärstandsilo habe ich es auch mitgeteilt bekommen, glaube jedoch nicht mehr daran.
Es wird wohl eine 100%ige HVA-Anlage sein


Übrigens noch zwei Fakten aus der Geschichte:
Nur England hatte ein besseres Speichersystem.
Deutsche Speicher wurden gegen Ende des Reiches zu Lasten Russlands gefüllt.

Gruß
Talpa

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Beitrag von redsea » 07.12.2007 12:12

Hallo zusammen,

hier noch ein paar Fotos vom Speicher (Reichsnährstandssilo?) in Herford.

Lage: 52° 7'37.49"N 8°40'15.84"O

Gruß redsea
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Beitrag von redsea » 07.12.2007 12:17

Fotos Teil 2
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Beitrag von redsea » 07.12.2007 12:18

Fotos Teil 3
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Beitrag von kuhlmac » 08.12.2007 16:38

Ich denke diese Frage kann sehr leicht beantwortet werden:
Nur wenn das Baujahr zwischen 1939 und 1945 liegt
Ich muss mal dringend berichtigen: zwischen 1933 (1934) und 1945. (letztere Zahl zumindest theoretisch)

Grundlagenartikel z.B.
http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/innenp ... aehrstand/

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