Reichs-Kartoffellagerhallen

Nichtmilitärische Zweck- und Repräsentationsbauten und -Projekte des Nationalsozialismus 1933-1945
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klaushh
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Beitrag von klaushh » 16.01.2012 17:25

Moin, moin!

Wenn wir schon bei Korrekturen sind:

Litzmannstadt = Lodz

(statt Littmannstd.)

Gruß
klaushh
Bei Interesse für Bunker und unterirdische Bauwerke in Hamburg mal http://www.hamburgerunterwelten.de besuchen!

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Talpa
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Beitrag von Talpa » 16.01.2012 21:16

petzolde hat geschrieben:Sind ja eine ganze Meneg Standorte. Gibt es Straßennamen und ggf. Hausnummern?
Z.B. für Münster, Dortmundf, Wien?
Hinweis: Wien-Neustadt müßte wohl "Wiener-Neustadt" sein, ca. 50 km südlich von Wien.
gruß EP
Vielen Dank für die Korrekturen.
Wenn Strassennamen und -nummern angegeben waren, habe ich diese hier weitergegeben.
Abgeschrieben so gut wie eben lesbar.

Danke,

Talpa

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Talpa
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Beitrag von Talpa » 20.01.2012 21:50

Hallo,

so sahen die Kartoffellagerhallen "Typ A" aus, hier allerdings wieder mit Einzelkaminen.
Braunschweig, Hungerkamp Gliesmarode.

Google Earth: 52° 17'07.04"N 10°33'56.71"O

Typische Hallenbauweise mit zwei Querfahrten.
Beweise das es wirklich ein Kartoffellagerhalle ist fehlen leider noch.
Die Halle liegt in der Nachbarschaft zum geschliffenen HVA Gliesmarode.

Es gibt vielleicht doch noch einen Funken Hoffnung, dass nicht alle Hallen verschwunden sind.

Talpa

Tom Riddle

Beitrag von Tom Riddle » 21.01.2012 09:16

Moin!

Als ich Tapas letzten Beitrag gelesen und den Ort in GE aufgesucht habe, ist mir eines aufgefallen:

Wie in Hamburg (Tonndorf) oder Hannover (Nordhafen) befindet sich auch diese Halle nahezu direkt neben dem Standort des HVA, nutzt denselben Gleisanschluß.

Vielleicht dürfte dieses keine Zufälligkeit sein und das Auffinden weiterer Standorte erleichtern? Wäre des Überdenkens doch wert, oder?

TR

Nachtrag: @ Tapa: HVA Minden-Beerenbusch, die beiden Gebäude am Südrand des Geländes könnten welchen sein?
Zuletzt geändert von Tom Riddle am 21.01.2012 09:40, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitrag von Talpa » 21.01.2012 09:38

Hallo,

erstes Suchkriterium dürfte ein Bahnanschluss sein der in nächster Nähe an öffentlichen Grundstücken liegt.
Öffentlich vielleicht deshalb, weil man sich dann nicht mit irgenwelchen Eigentümern wegen dem Baugrund rumärgern braucht. Das ist der einzige Grund der mir plausiebel erscheint.
Bei anderen Liegenschaften ist dass ja durchaus auch ein bekannter Grund für eine Standortwahl gewesen.

Bei den Standorten sehr beliebt sind Sportplätze, Schlachthöfe, Bauhöfe, Hafengelände, Gasanstalten, Bahnhöfe und ebend Randbereiche von Wehrmachtseinrichtungen.
Irgendwie wiederholen sich die Standorte immer.

Talpa

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Beitrag von Talpa » 21.01.2012 09:50

Tom Riddle hat geschrieben:Moin!

[...]
Nachtrag: @ Tapa: HVA Minden-Beerenbusch, die beiden Gebäude am Südrand des Geländes könnten welchen sein?
Nein, das sind 1 2/3 Rauhfutterscheunen. die Linke ist komplett, die jetzt rechte Scheune ist um 1/3 rechts gekürzt, und die eigentlich rechte Halle ist nicht mehr existent.

Ich würde mich bei der Standortsuche Kartoffellager nicht zu sehr auf HVA's konzentrieren.

Talpa

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bazooka
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Beitrag von bazooka » 21.01.2012 11:28

Nun sind ja Kartoffellager nicht so mein Thema, aber im Rahmen meiner Homepage "Bunker in Braunschweig" fiel auch der Begriff "Kartoffelbunker". Dabei soll es sich um eine Lagerhalle eben für Kartoffeln gehandelt haben. Die Bauweise wurde so beschrieben: Gebäude aus Holz, außen mit Erdreich angeböscht (daher wohl auch die umgangssprachliche Einordnung als "Bunker"; dies soll der Klimatisierung gedient haben). An zwei Seiten Tore, so daß LKW hindurchfahren konnten.
Der Standort der inzwischen abgerissenen Halle war der Ortsteil Volkmarode, zwischen dem heutigen Moorhüttenweg und dem Grenzweg. Zur damaligen Zeit führte dort auch noch eine Bahnlinie lang, so dass ein Bahnanschluss möglich gewesen wäre.

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Käpt´n Blaubär
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Beitrag von Käpt´n Blaubär » 21.01.2012 21:24

Moin!

Zuerst vielen Dank vor allem an Talpa für die Informationen, aber auch allen anderen. Schön, dass das Thema wieder etwas Fahrt aufnimmt.
Die Quellenlage ist ja offenbar etwas unübersichtlich. Ich versuche mal, zusammenzufassen:

Artikel in der Bauwelt vom 15.08.1943:
A) im Sommer 1942 wurden in größerem Stil standardisierte Kartoffellagerhallen gebaut ("1. Bauwelle"). Eine Anzahl ist nicht angegeben.
B) In der ersten Welle wurden zwei Typen gebaut:
Typ 1 mit 2 Längsdurchfahrten
Typ 2 mit 4 Querdurchfahrten
Grundfläche beider Typen 25 x 50 m, Fassungsvermögen 1000 Tonnen
C) ab Sommer 1943 sollten "weitere 200" Lagerhallen gebaut werden
D) der 43er Typ wurde in verschiedenen Punkten gegenüber den Typen der ersten Welle abgeändert:
- nur noch 1 Längsdurchfahrt für Eisenbahnwagen
- Grundfläche 27,88 x 47,50 m (die Kartoffeln wurden nun 2,0 m hoch gelagert, statt zuvor nur 1,5 m hoch. Dadurch konnte bei gleichem Fassungsvermögen das Bauvolumen reduziert werden)

Demnach gibt/gab es also drei verschiedene Bautypen: 2 Typen aus der 1. Bauwelle und 1 Typ aus der 2. Welle.

Die beiden bisher eindeutig identifizierten Hallen in Hamburg entsprechen dem 43er Bautyp.

Die Anzahl der gebauten Hallen ist unklar.
Nach F. Tornow (zitiert von kuhlmac bei den Reichsnährstandsilos auf Seite 16) waren bei Kriegsende noch 88 Kartoffellagerhallen vorhanden, davon 42 Hallen im Altreich.
Nach der homepage der GfL verfügte die Gesellschaft im Jahre 1943 über 88 Kartoffellagerhallen. 42 Hallen seien im Krieg verloren gegangen. Zufällig (?) bleiben dabei auch 42 Hallen über.

Auf jeden Fall wird es sich lohnen, die von Talpa genannten Standorte mit GE mal abzufliegen. Mit den Angaben zu den Gebäudeabmessungen und ggf. streetview wird man sicher schon viele Standorte ausschliessen oder als verdächtig bestätigen können.
Genau das richtige für ein verregnetes Januarwochenende. :mrgreen:

Viele Grüße
Michael
Das Leben ist kurz, behauptet man.
Ansichtssache, sage ich. Die einen sind kurz, die anderen sind lang, und manche sind mittel.
Außerdem hatte ich noch dreizehneinhalb andere davon.
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Käpt´n Blaubär
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Beitrag von Käpt´n Blaubär » 21.01.2012 21:36

Talpa hat geschrieben: so sahen die Kartoffellagerhallen "Typ A" aus, hier allerdings wieder mit Einzelkaminen.
Braunschweig, Hungerkamp Gliesmarode.

Google Earth: 52° 17'07.04"N 10°33'56.71"O

Typische Hallenbauweise mit zwei Querfahrten.
Beweise das es wirklich ein Kartoffellagerhalle ist fehlen leider noch.
Die Halle liegt in der Nachbarschaft zum geschliffenen HVA Gliesmarode.
Das ist wahrscheinlich keiner der Typbauten. Die Abmessungen betragen ca. 13,50 x 32,50 m. Das ist 1. zu klein und passt 2. auch vom Verhältnis nicht (bei dem Typ mit 2 Längsdurchfahrten ist die Längsseite genau doppelt so lang wie die Querseite)

Viele Grüße
Michael
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Käpt´n Blaubär
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Beitrag von Käpt´n Blaubär » 21.01.2012 22:46

Moin nochmal.
Womöglich ein erster Erfolg.
In Dresden-Reick findet sich dieses Gebäude. Die Abmessungen passen. Und die Beschreibung aus der Bauwelt auch:
"Die Entwürfe der 1. Bauwelle (1942) zeigten sowohl bei dem Typ mit Längseinfahrten als auch dem Entwurf mit Quereinfahrten an beiden Seiten der Durchfahrten rd. 7 m lange Schleusen. Wurden in den starken Frostzeiten die Kartoffeln abgefahren, so fuhren die Verteilerwagen zuerst in die Schleuse, das äußere Tor wurde geschlossen und erst dann das Innentor geöffnet."
Ich denke, hier haben wir einen Bau der ersten Serie mit 4 Quereinfahrten.
:-)
Viele Grüße
Michael
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