"Ley-Häuser"

Nichtmilitärische Zweck- und Repräsentationsbauten und -Projekte des Nationalsozialismus 1933-1945
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Käpt´n Blaubär
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"Ley-Häuser"

Beitrag von Käpt´n Blaubär » 17.04.2008 17:00

Moin!
In einem Text über den Bau von Behelfsheimen in Hamburg nach den Bombenangriffen 1943 habe ich die Bezeichnung "sogenannte Ley-Häuser" gefunden.
Kennt jemand diesen Begriff? Was genau sind diese "Ley-Häuser"?
:?: :?: :?:
Gruß
Michael
Das Leben ist kurz, behauptet man.
Ansichtssache, sage ich. Die einen sind kurz, die anderen sind lang, und manche sind mittel.
Außerdem hatte ich noch dreizehneinhalb andere davon.
(Walter Moers, Die 13 ½ Leben des Käpt´n Blaubär)

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Olli_B
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Beitrag von Olli_B » 17.04.2008 17:23

Moin

viel ist es nicht was ich da gefunden habe, aber schau mal

http://www.hersfelder-zeitung.de.dedi25 ... d/40_6.htm


im Text suchen

Zitat aus Wikipedia:

Eine Ley-Siedlung ist ein Siedlungstyp, der in den 1930er Jahren in ganz Deutschland verbreitet war. Er wurde nach dem Reichsorganisationsleiter und Minister Dr. Robert Ley benannt. Diese Art Siedlung besteht aus Einfamilienhäusern inmitten von Gärten. Man wollte darin Arbeiter und Bergleute bodenständig machen, indem man die Miete als Abzahlung für ihren Besitz anrechnete, welcher nach einiger Zeit in ihr Eigentum überging. Wer sein Anwesen verkommen ließ, wurde aus der Siedlung entfernt. 1934 beziehungsweise 1936 angelegte Ley-Siedlungen sind die Alsdorfer Stadtteile Begau, Broicher Siedlung und Zopp.



Gruß

Olaf

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manni
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Beitrag von manni » 18.04.2008 03:37

Zitat aus "NS-Dorfarchitektur und Raumplanung im Saarland und in Lothringen (1939/40-44)":

„Typologisch besteht eine starke Verwandtschaft zwischen diesem Fertigbausystem und etwa zeitgleich entstandenen, genormten Notwohnungen für die ausgebombte deutsche Zivilbevölkerung, die sog. „Ley-Häuser“.“ (...). Die Ley-Häuser hatten ihren Namen im Volksmund nach Robert Ley, der 1940-1945 Reichskommissar für den sozialen Wohnungsbau war. Starke Ähnlichkeit bestand, materialtechnisch und volkswirtschaftlich gesehen, auch zwischen den verschiedenen Typen von NS-Fertigbauten und den späteren Plattenbauten der DDR, da sich dort das dringende Problem stellte, den Wiederaufbau möglichst preiswert und mit möglichst wenig Personaleinsatz durchzuführen.

Gefunden hier: http://www.memotransfront.uni-saarland.de/htm/2x13.htm

Auch hier steht noch was, sogar mit Bildern: http://ggs-broicher-siedlung.privat.t-o ... seite2.htm
Gruß aus HH-Rbo
manni

hollihh
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Beitrag von hollihh » 18.04.2008 07:36

Moin,

mir fielen spontan zwei Siedlungen in der näheren Umgebung ein :
die "Rittmeisterkoppel" in HH-Volksdorf :

Link Rittmeisterkoppel

sowie die Landarbeiterhäuser in Ohlstedt - die hatten wir hier schon mal, fallen aber ein wenig aus dem Rahmen, weil sie nicht aus vorgefertigten Teilen gebaut wurden :

viewtopic.php?t=7459&highlight=ohlstedt

Gruß aus HH

Holli

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klaushh
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Beitrag von klaushh » 18.04.2008 11:27

Moin, moin!

@ hollihh

Ich denke, weder die Siedlung Rittmeisterkoppel noch die Landarbeiterhäuser in Wohldorf haben etwas mit den Ley-Häusern zu tun.

Die Rittmeisterkoppel-Häuser wurden bereits 1937 gebaut und lösten alte provisorische Bauten ab. Damals dachte man noch nicht an die Notzeiten im Zweiten Weltkrieg, als die Ley-Häuser entstanden.

Die Landarbeiterhäuser sind auch keine einfachen Ersatzbauten (obwohl sie für heutige Begriffe auch sehr einfach sind). Auch sie entstanden bereits vor dem Krieg und hatten nichts mit billigen, aus der Not geborenen Ersatzbauten zu tun.

Gruß
klaushh
Bei Interesse für Bunker und unterirdische Bauwerke in Hamburg mal http://www.hamburgerunterwelten.de besuchen!

hollihh
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Beitrag von hollihh » 18.04.2008 11:51

Moin,

@Klaus :

Bei den Ohlstedter Landarbeiterhäusern gebe ich Dir uneingeschränkt recht, obwohl auch hier aufgrund der Größe der Nutzgärten der Selbstversorgungsgedanke schon eine Rolle spielte.

Wenn ich mir den Artikel über die Broicher Ley Siedlung aber ansehe, entstand die auch schon vor dem Krieg, etwa zeitgleich mit der Rittmeisterkoppel.

Wahrscheinlich muss man zwischen Vorkriegs- und Kriegsphase unterscheiden, hier stehen ein paar interessante weitere Fakten - interessanterweise wurde das Programm nach dem Krieg weitergeführt :

http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_ ... shilfswerk


Gruß

Holli

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Djensi
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Beitrag von Djensi » 18.04.2008 12:21

Ende der zwanziger, bis in die 30iger war Hochzeit, was genossenschaftliches- oder auch siedlergemeinschaftliches Bauen betraf. Ehemalige landwirtschaftliche Nutzflächen wurden mit Einzel- oder Doppelhäusern bebaut, die sämtlich ausreichend Garten zur Selbstversorgung hatten. Da hatte Herr Ley damals keine neue Idee, nur sollte da den Siedlungen die NS-Idee impliziert werden. Ich denke, dass viele Siedlungen dann einfach nur andere Namen bekommen haben, die Bauweise sicherlich aber besonderen Reichs-Standards entsprach.

Es grüßt
Djensi

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Beitrag von Bart » 18.04.2008 13:21

Moin!

Ich denk mal es hat sich um diese Häuser handelt. Diese wurde nach den Bombenangriffen in den Hamburger Randgebieten gebaut. In Lurup liefen sie unter dem Begriff "Leybuden"

Grüße
Jens

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Beitrag von SuR » 18.04.2008 14:46

Solche Notbehausungen gab es damals auch in Potsdam., allerdings nicht aus Betonfertigteilen, sondern aus Holz / Barackenbauweise. Genannt Reichseinheitstyp001.

Vor ein paar Jahren gab es im Rathaus mal eine Ausstellung dazu.

Solche Hütten standen beispielsweise vor der Ruinenbergkaserne, wo sich heute der Ausweichparkplatz fürs Schloss Sanssouci befindet (LuBi).
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
LG,
SuR

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Käpt´n Blaubär
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Beitrag von Käpt´n Blaubär » 18.04.2008 20:06

Moin!

Und erstmal vielen Dank für die Antworten und Hinweise.

Ich denke, die Ley-Siedlungen können wir hier ausklammern, es geht um Behelfsheime aus den 40er Jahren.

Interessant ist der Artikel in der Hersfelder Zeitung (link von Olli_B). Dort steht:

"Wir kamen unter in einem sogenannten Behelfsheim oder „Robert-Ley-Haus“, einer zweiräumigen Holzkonstruktion, deren Zimmer reichlich mit Doppelstockbetten bestückt waren, damit möglichst viele Menschen Platz finden konnten."

Das paßt auch zu den Fotos von SuR aus Potsdam (woher stammt die Beschreibung des Reichseinheitstyps001? Aus einem Buch? In der Ausstellung abfotografiert?). Aus Hamburg kenne ich als vorgefertigte Behelfsheime bisher nur die Plattenhäuser, die Bart beschrieben hat. Die Fertigteile wurden im KZ Neuengamme hergestellt und die Häuser dann auch von KZ-Häftlingen oder Kriegsgefangenen aufgebaut.

Bleibt also die Frage: Ist ein "Ley-Haus" nun ein bestimmter Typ Behelfsheim (wenn ja, wie sieht er aus?) oder war das eher eine allgemeine, umgangssprachliche Bezeichnung für alle möglichen Arten von vorgefertigten Behelfsheimen?

Gruß
Michael
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