Honeckers Volvos

Verkehrsgeschichte - Straßen, Autobahnen und sonstige Straßenverkehrs-Bauwerke
Gast

Beitrag von Gast » 22.09.2007 08:08

kuhlmac hat geschrieben:Also, der innerdeutsche Handel war nie "normal"...
selbstverständlich war er es nie. Vor allem weil er als Kampfmittel im kalten Krieg benutzt wurde. Ich verweise nur auf COCOM. Übliches Mittel (vor allem der USA, nach dessen Pfeife auch die Bundesrepublik tanzte) um andere zu bekämpfen und zu erpressen. Um an bestimmte unter COCOM fallende Produkte und Rohstoffe zu gelangen mußte "geschummelt" werden. Da machte, im Interesse von Gewinn, eben auch manch westdeutsches Unternehmen mit ;) . Sagen wir mal so: ohne COCOM kein KoKo :lol:

Volker

brun
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Beitrag von brun » 28.09.2007 13:57

volker hat geschrieben:
brun hat geschrieben:Abend!

Die DDR wollte die Autos haben damit man dem Strassenverkehr in Ostberlin ein internationales Flair geben konnte.
wer hat Dir denn diesen Unsinn eingeredet :lol:

Volker
Wie schon andere in diesem Thread geschrieben haben: von Unsinn ist da nicht die Rede. Und wenn ich es noch richtig im Kopf hab: selber hab ich diese Geschichte 2001 im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig gelesen.

Devisen sind da nicht geflossen, alles Tauschgeschäft. Interessant dazu auch diesen Text:

'Müthers Architektur wurde ein wichtiger Exportartikel der DDR, so baute er u.a. eine Moschee in Jordanien und eine Reihe von Zeiss-Planetarien in Kuwait, Tripolis und Helsinki. Auch in Wolfsburg entwarf und baute er von 1981 bis 1983 die Kuppel des Zeiss-Planetariums in Wolfsburg, wofür im Gegenzug Volkswagen 10.000 VW Golf in die DDR lieferte.'

Quelle: http://putbus.eu/blog/?p=1473

So abwegig war die Gedanke ja auch nicht: die 'Internationalierung' Ost-Berlins war der DDR durchaus wichtig. Für den Bau des Republikpalastes wurden ja z.B. auch Baugrundstoffe in großen Mengen aus dem Westen importiert.

Gast

Beitrag von Gast » 28.09.2007 15:53

brun hat geschrieben:Wie schon andere in diesem Thread geschrieben haben: von Unsinn ist da nicht die Rede. Und wenn ich es noch richtig im Kopf hab: selber hab ich diese Geschichte 2001 im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig gelesen.
na, wenn Du es im zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig gelesen hast, dann muß es ja ganz einfach stimmen ;)

unbestritten ist sowohl, das die DDR-Führung der Hauptstadt der DDR eine internationales, weltstädtisches Flair geben wollten. Unbestritten ist ebenso, das es Kompensationsgeschäfte und die 10.000 Golf in der DDR gab.

Ich halte jedoch den Zusammenhang, man habe die Golf beschafft um der Hauptstadt ein internationales Flair zu geben für zweifelhaft. Man wußte auch in der DDR, das ein solches nicht durch die Beschaffung KFZ, ausländischen Typs entsteht.

Ursachen für deren "Beschaffung" stellen sicher einen ganzen Komplex dar. Beginnend vom Gedanken hochwertige KFZ bereitzustellen ohne die eigenen Kapazitäten der Produktion erweitern zu müssen, über den Wunsch überzähliges Geld aus Sparguthaben abzuschöpfen, bis hin zum Nutzen von Wirtschaftsbeziehungen um das Verhältnis zwischen den beiden deutschen Staaten zu verbessern. Vielleicht hat auch irgend jemand aus dem PB gemeint es wirkt internationaler wenn ein paar ausländische Autos mehr im Lande rumfahren. Das aber als Triebkraft für den Deal zu bezeichnen, halte ich eben für unglaubhaft.

Mit so einem starken Argument, das eventuell mal in einer Ausstellung oder im Fernsehen gelesen oder gesehen zu haben kann ich allerdings nicht dienen.

Volker

D. Küster

@ brun

Beitrag von D. Küster » 30.09.2007 11:39

Bei den Pressen im Audi Werk kann es sich eigentlich nur um Erfurt Pressen aus dem Kombinat WMW gehandelt haben. Meines Wissens nach gab es zu Zeiten des real existierenden Sozialismus in Eisenach keinen Hersteller von Karosseriepressen.

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Devisenbeschaffung in der DDR

Beitrag von erlenmeier » 22.08.2018 12:12

Wir sehen in diesem Thread, dass es in der DDR-Ministerial-Bürokratie ständig um 2 große Baustellen ging.

Beschaffung von Waren, die im eigenen Land nicht zur Verfügung standen und auch nicht von den Bruderländern geliefert wurden zum einen.....

.....und Beschaffung von Devisen, um diese Käufe zu realisieren zum anderen.

Besteht daran Interesse an einem zusammenfassenden Beitrag??? Beruflich hatte ich damit einiges zu tun.
Nur wer die Vergangenheit kennt, kann auch Gegenwart und Zukunft bewältigen.

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Beitrag von isch » 22.08.2018 18:50

Hallo erlenmeier,

das würde mich sehr interessieren. Es gibt ja viele Mythen bzw. Hirngespinste um das Thema.
Aber vor allem in den letzten Jahren der DDR wurden ja Liefer- und Produktionsverträge mit VW und AGFA(?) (und auch anderen?) geschlossen das bestimmte Kontingente von "begehrten" Produkten gleich im Land blieben.

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Beitrag von kuhlmac » 23.08.2018 16:03

isch hat geschrieben:Hallo erlenmeier,

das würde mich sehr interessieren. Es gibt ja viele Mythen bzw. Hirngespinste um das Thema.
Aber vor allem in den letzten Jahren der DDR wurden ja Liefer- und Produktionsverträge mit VW und AGFA(?) (und auch anderen?) geschlossen das bestimmte Kontingente von "begehrten" Produkten gleich im Land blieben.
Hallo, René,
du meinst vermutlich die sog. "Gestattungsproduktion", die man z.B. (so auch ich) hervorragend günstig im Intershop erwerben konnte.
Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Gestattungsproduktion

Dann gab es aber auch Produkte, die m.W. komplett ins NSW gingen, z.B. die legendären Billy von Ikea, zwei von denen mit Stempel "Made in GDR" haben es damals auch ins Büro meines Vaters - und jetzt bei mir - geschafft. Die DDR-HO haben die AFAIK nicht gesehen.
Aber dazu kann Erlenmeier viell. mehr beitragen. Ich bin sehr interessiert!!

Grüße

Christian
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Beitrag von isch » 24.08.2018 06:26

Guten Morgen,

ja sowas meine ich, aber auch z. B. den VW - Motor im Trabant, Wartburg oder Barkas. Oder die Farbfernseher mit japanischer Bildröhre, den SKR 700 mit Kassettenlaufwerk von Sony...
Sanyo, Hanseatic darf man ja auch dabei nicht vergessen.

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Beitrag von kuhlmac » 24.08.2018 11:17

isch hat geschrieben:Guten Morgen,

ja sowas meine ich, aber auch z. B. den VW - Motor im Trabant, Wartburg oder Barkas. Oder die Farbfernseher mit japanischer Bildröhre, den SKR 700 mit Kassettenlaufwerk von Sony...
Sanyo, Hanseatic darf man ja auch dabei nicht vergessen.
Jaa... die japanische Bildröhre war von Toshiba, wohl ein Ergebnis von Honeckers Japanreise. Und zu VW: https://de.wikipedia.org/wiki/VEB_Barka ... Volkswagen.
Das dürfte vieles erklären. Ich hatte das damals auch in den 80ern verfolgt. Interessant auch dazu: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13512231.html
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DeltaEcho80

Beitrag von DeltaEcho80 » 31.08.2018 14:42

Hallo erlenmeier,

auch ich wäre an einem Beitrag zu dem von Dir genannten Thema sehr interessiert.

Das scheint ein sehr vielschichtiger Themenkomplex zu sein.

Der mdr hat vor gar nicht allzu langer Zeit mal eine sehr interessante Reportage über den Bereich KoKo gebracht.

Oder auch darüber (eigene Sendung), dass in DDR-Betrieben z.B. Textilien für Quelle und Otto gefertigt wurden.

Danke.

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