Leybergbahn, Himmerichbahn - was ist/war das?

Zivile und sonstige Bauten mit geschichtlichem Hintergrund und deutlichem Bezug zu den Fachthemen, die jedoch nicht eindeutig zuzuordnen sind
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MH
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Leybergbahn, Himmerichbahn - was ist/war das?

Beitrag von MH » 16.10.2018 19:26

Im Siebengebirge gehen vom Mucherwiesental (östlich von Bad Honnef) von einem Punkt aus zwei schnurgerade Wege auf die benachbarten Berge, Himmerich und Leyberg.

Was mich daran stutzig macht: Die Wege werden als Himmerichbahn und Leybergbahn bezeichnet!

Die "Himmerichbahn" habe ich in der Mitte zufällig gesehen, das ist ein steiler, schmaler Hohlweg.

Wenn es hier wirklich eine "Bahn" gegeben hat, dann kann das höchstens eine Luft-Seilbahn gewesen sein?!

Im Internet findet man praktisch nichts dazu.

Weiß jemand mehr?

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FishBowl
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Beitrag von FishBowl » 16.10.2018 23:25

Moin,

der Begriff Bahn ist älter als der Schienenverkehr oder die Seilbahn.
Damit kann auch jede andere vorbereitete Strecke gemeint sein, z.B. in Hamburg die Reeperbahn, die nur der ungestörten Seilerei diente, oder als Rutschbahn für Holzeinschlag etc. pp.
Was auch immer es war, man wollte wohl, daß irgendein Gut eben diesen Weg nahm, also in der Bahn blieb.

Grüße (derzeit noch von der Sternschanze)

Jürgen

MH
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Beitrag von MH » 17.10.2018 06:08

Abtransport ist gut möglich! Nur von was?

Interessant finde ich, dass die "Bahnen" jeweils bis knapp unter den Gipfel gehen. Evtl. wurde da auch Gestein abtransportiert, was im Ort benötigt wurde?

Ich hoffe immer noch, dass ein Geschichts-Interessierter, der in der Nähe wohnt, es weiß.

Sunninger
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Beitrag von Sunninger » 17.10.2018 06:26

Servus,

Beide Berge sind ehemalige Steinabbaugebiete,die beide noch erkennbare Bremsbahntrassen an ihren
Bergflanken haben, die steil von der Bergspitze ins Tal führen und auf denen das gebrochene Gestein ins
Mucherwiesental transportiert wurde. Ab hier verlief der Transport über den Steinweg (heute Steinstraße)
und Sandweg (heute Bahnhofstraße) bis an den Rhein.
https://www.siebengebirge.com/downloads ... wnload.pdf

Die Aussicht vom Leyberg auf das Rheintal, das nördliche und östliche Siebengebirge,
gehört zu den spektakulärsten des Siebengebirges. Der Aufstieg erfolgt auf den letzten 80 Metern über mehr oder weniger natürliche Felstreppen - Zeugen einer Basaltabbaugeschichte.
Heute ist am Leyberg nur noch eine Trasse zu sehen, die am nördlichen Berghang schnurgerade durch den
Wald läuft und auf Karten oder auf dem Luftbild gut zu erkennen ist.
Diese Schneise ist ein Relikt aus der Zeit, als das Gestein aus den Steinbrüchen mit Hilfe von Bremsbahnen zu Tal gebracht wurde.
Bremsbahnen hatten zwei parallel laufende Schienenstränge, auf denen Loren rollten. Die Loren waren so
über ein Stahlseil verbunden, dass die vollen zu Tal fahrenden Loren die schon entleerten durch ihr Gewicht wieder hochzogen. Um den erheblichen Gewichtsunterschied zwischen vollen und leeren Loren auszugleichen, gab es einen Bremsapparat. Damit wurde die Ablaufgeschwindigkeit des Seils mechanisch reguliert, indem das Seil um mehrere Rollen lief. Der Bremsapparat wurde ganz in Eisen konstruiert und in die Erde eingemauert, in sogenannte Bremskeller.
https://www.siebengebirge.com/downloads ... eyberg.pdf

MH
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Beitrag von MH » 17.10.2018 15:10

Danke!

Ich ahnte, dass es einer weiß... :-)

Also doch eine Lorenbahn. Vermutlich Schmalspur, da der Weg, da wo ich ihn gesehen habe, wirklich nicht breit war.

Wenn es noch irgendwo alte Fotos von den Bahnen gäbe, wäre ich wunschlos glücklich... :-)

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Cremer
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Beitrag von Cremer » 17.10.2018 21:54

Von wann bis wann wurde da Basalt abgebaut?
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Beitrag von Sunninger » 17.10.2018 22:06

Cremer hat geschrieben:Von wann bis wann wurde da Basalt abgebaut?
Es wurde Latit an den beiden Bergen abgebaut.

Die vielfältigen Gesteine des Siebengebirges wurden rund 2000 Jahre genutzt, erstmals im 1. Jahrhundert v. Chr. bei der Anlage eines germanischen oder keltischen Ringwalls auf dem Petersberg. Die Römer nutzten den Drachenfels-Trachyt, ebenso die Kölner Dombauhütte von etwa 1250 – 1550. An zahlreichen Kirchen (u.a. Köln, Aachen, Bonn, Limburg, Neuß, Xanten) findet man Siebengebirgsgestein; ebenfalls an den Barockschlössern Bonn, Brühl und Bensberg. Der Stenzelberg-Latit diente im Mittelalter bereits für den Bau der Abtei Heisterbach. Die Ofenkaulen zeugen vom Abbau des Tuffgesteins für den Bau von Backöfen bis hin nach Westfalen, Holland, Belgien und Frankreich. Großflächig schlug der Basaltabbau im 19. Jahrhundert für Festungsbauten, Uferbefestigungen, Eisenbahn- und Straßenschotter Wunden in die Siebengebirgslandschaft.

http://www.vv-siebengebirge.de/geologievulkanismus/

Auf dem Himmerich war Anfang des 20.Jahrhunderst Schluss mit dem Steinbruch.

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Beitrag von Sunninger » 17.10.2018 22:23

Auf dem Himmerich sollte ein Denkmal der Nationalsozialisten entstehen, für die Gefallenen der Seperatistenkämpfe im Jahre 1923.

https://afz.lvr.de/de/archiv_des_lvr/do ... rettyPhoto

https://afz.lvr.de/media/archive_im_rhe ... ich005.jpg

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Beitrag von Cremer » 18.10.2018 22:01

@Sunninger,
Ich meine wann wurde dort Bremsbahnen errichtet?
MfG Euer Fernmelder
Erich Fellgiebel 1935:Nachrichtentruppen sind kostbare, schwer zu ersetzende Mittel der Führung.

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