Die DDR und ihre Devisen: Notwendigkeit und Beschaffung

Zivile und sonstige Bauten mit geschichtlichem Hintergrund und deutlichem Bezug zu den Fachthemen, die jedoch nicht eindeutig zuzuordnen sind
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kuhlmac
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Beitrag von kuhlmac » 20.10.2018 16:07

isch hat geschrieben:
erlenmeier hat geschrieben:Zu Punkt 4.)

Eine heisse Nummer habe ich noch vergessen.

Seit Mitte der 1980er-Jahre hatte die FDJ festgestellt, dass der Hang der DDR-Jugend zu Westmusik enorm stark war. CD´s und Tonbandkassetten wurden "unter der Hand" weiter gegeben und erfreuten sich großer Beliebtheit.

Daher nahm die FDJ-Führung Kontakt zu Agenturen im Westen auf, um Westgruppen und -sänger unter Vertrag zu bringen.

Die folgenden Konzerte wurden vom Staat sehr stark subventioniert. Z.B. kostete eine Eintrittskarte für das Bruce Springsteen-Konzert nur 20M. Also mal wieder Devisenausgaben in großer Höhe.

Im Folgenden einige der Konzerte in der DDR.

1987
-Roland Kaiser,
-Bob Dylan,

1988
-Bruce Springsteen,
-Depeche Mode,
-Rio Reiser,
-Bryan Adams,
-James Brown,
-Joe Cocker,

1989
- Heinz Rudolf Kunze

Weiss jemand noch von weiteren Konzerten?
Guten Abend zusammen,

1988 sollte die Erste Allgemeine Verunsicherung auch ein paar Auftritte in der DDR haben, wurde aber wegen Krankheit nichts draus.

An westliche Musik kam man aber in der DDR ganz leicht (zumindest in den 80er Jahren).
1. Intershop dazu brauchte man aber DM. Hier gab es oft auch Sonderpressungen, hergestellt meist von Amiga, stand aber nie drauf.
2. Reisen nach Bulgarien oder in die CSSR. Hier gab es viele Lizensplatten zu kaufen.
3. Westdeutsche Radiosender die die Hitparaden mitschnittfreundlich ausstrahlten. Oft auch auf NDR2 oder Rias die Titel in Maxilänge.
4. Jugendradio DT64 wochentags wurden hier zwei Alben erst die A-Seiten dann die Woche drauf die B-Seiten gespielt. Macht also 10 Alben komplett im Monat, manchmal aber auch nur so ne Art "Best Of". Nicht zu vergessen Sonntags die Maxi - Stunde oder Spezialsendungen in der Woche meist Abends für nicht so Hitparadenmusik wie Metal.
5. Lizensplatten direkt von Amiga.
6. Kopieren, kopieren und nochmals kopieren

Wie das nun bezahlt wurde kann ich auch nicht zu 100% sagen. Soweit ich herausfinden konnte hat Amiga auch für West - Labels gepresst. Dafür konnten dann bestimmte Kontingente in der DDR vertrieben werden. Kontrollen gab es keine, man vermutet das es auch Schwarzpressungen gab.
Zu 1: BAP sollte 1988 auch auftreten, das Konzert wurde aber wegen Unstimmigkeiten über Textpassagen von BAP aus abgesagt. Offiziell wurde gesagt, dass sie "nicht unter dem Friedenssymbol der Taube" auftreten wollten... Stattdesssen traten m.W. die Puhdys auf.

zu 2. Tatsächlich wurden innerhalb der DDR Platten und auch Bücher aus dem Westen mit Lizenzen von Ostverlagen und AMIGA hergestellt und vertrieben. Allerdings wurden die Pressen immer erst nach einer gehörigen "Auslaufphase" abgestellt und damit Lizenzgebühren "gespart". Die Quelle muss ich mal suchen.. irgendwo auf der Festplatte.

Achja, die Sendung bei DT 64 hiess "Duett - Musik für den Recorder" (wegen der zwei Plattenseiten). Meines Wissens hat der RIAS auch so eine Sendung gefahren.
Zuletzt geändert von kuhlmac am 20.10.2018 16:21, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von kuhlmac » 20.10.2018 16:17

zulufox hat geschrieben:Hallo Erlenmeier,

ein Stichwort zur Devisenbeschaffung ist noch nicht aufgetaucht: Die Briefmarken-Sperrwerte.
Sie wurden hier https://tinyurl.com/ycj53xvl schon mal etwas ausführlicher behandelt.

MfG
Zf :holy:
Tatsächlich als Sammler eines meiner frühren Zentralthemen. Im westlichen Ausland konnte man die DDR-Briefmarken nur gegen Westgeld bei ortsansässigen Händlern beziehen. Der VEB Philatelie Wermsdorf (den es im grunde heute noch gibt) verkaufte die Werte, inkl. der teureren Sperrwerte, über einen Schweizer Großhändler in den Westen. In der BRD waren vor allem die beiden großen Versender Borek und Sieger die bekanntesten Verkäufer.
Man konnte auch über Sammler in der DDR Marken erwerben, z.B. im Frankaturtausch oder postfrisch über den Sammlerverband. Der gab dann eine Kontrollmarke als Doppel heraus, die auf dem Umschlag kleben musste; ausserdem mussten Listen mit Katalognummern und Preisen geführt werden - und die Umschläge in der DDR offen beim Verband abgegeben werden.
Krux dabei: es ging nicht ohne Kontrolle des Sammlerverbandes, denn Briefmarken waren geldgleiches Handelsgut und der Zoll hätte die sonst beschlagnahmt.
Aber die Sammler in West und Ost (solange nicht 150%-ige) haben da schon so Möglichkeiten gehabt, das (immer mit etwas Risiko) zu umgehen... ;)
Die Sperrwerte waren auf der Post der DDR nur mit Bezugsausweis zu bekommen, im Westen nur zu deutliche höheren Preisen. Deswegen wurden diese Marken zeitweise von der Fédération Internationale de Philatélie auch zu "schädlichen Ausgaben" ernannt und durften deswegen auch nicht in Exponaten auf Ausstellungen verwendet werden. Ansonsten gabs Punktabzug.
Die Sperrwerte wurden von der DDR-Post übrigens mit dem 1.1.1984 abgeschafft.
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Beitrag von isch » 20.10.2018 18:29

Hallo kuhlmac,

Wolfgang Niedecken hat sich in einem Interview dazu geäußert. Der Auftritt sollte beim "Rock für den Frieden" erfolgen.
Einmal ging es um die Texte, sollten nur vorgeschriebene Lieder singen dürfen. Es sollten aber auch zwischen den Titeln irgendwelche Parolen gerufen werden. Darauf hin hatte BAP dann abgesagt.
Naja kann sich jeder jetzt seine eigene Meinung bilden. Wenn man bedenkt das die Parolen wie "Von Deutschen Boden darf nie wieder ein Krieg ausgehen" oder so in der Art waren, hat ja selbst Lindenberg geschafft da auftreten zu können.

Auch hier kamen oft westliche Bands oder Interpreten zu einen Auftritt in die DDR
https://de.wikipedia.org/wiki/Festival_ ... hen_Liedes

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Devisenbeschaffung der DDR

Beitrag von erlenmeier » 14.11.2018 12:14

Vielen Dank an alle Interessierten im Forum, die in der letzten Zeit noch weitere Details hinzugefügt haben.

Am Di-Abend, 20.45 Uhr, mdr, DER OSTEN-ENTDECKE WO DU LEBST, gab es das Thema Schloss Friedrichsbrunn (bei Friedrichsroda/Gotha).

https://www.mdr.de/home/sendung813798_z ... 98c3d.html

Hier wird u.a. berichtet, dass dieser Bau zu DDR-Zeiten als Hotel für Westler zur Devisenbeschaffung genutzt wurde. Angeschlossen war auch ein Intershop.
Nur wer die Vergangenheit kennt, kann auch Gegenwart und Zukunft bewältigen.

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