Die DDR und ihre Devisen: Notwendigkeit und Beschaffung

Zivile und sonstige Bauten mit geschichtlichem Hintergrund und deutlichem Bezug zu den Fachthemen, die jedoch nicht eindeutig zuzuordnen sind
Antworten
isch
Forenuser
Beiträge: 282
Registriert: 16.05.2010 15:35
Ort/Region: Weißenfels
Kontaktdaten:

Beitrag von isch » 23.09.2018 18:46

Hallo zusammen,

Wiki stellt die "Kaffeekriese" in der DDR nicht ganz richtig dar.
Durch einen Putsch endete 1974 eine 800 - jährige Monarchie. Durch weitere politische Querelen und Putschversuchen fiel Äthiopien als Kaffeelieferant fast völlig aus. Dies trieb die Kaffeepreise auf dem Weltmarkt hoch.
In dieser Zeit ergab sich aber eher zufällig einmal eine Möglichkeit Äthiopien Wiederaufbauhilfe zu leisten. Somit lieferte die DDR einiges an Wirtschaftshilfe nach Äthiopien und wollte aber im Gegenzug alles mit Kaffee bezahlt haben.
1978 stellte aber Äthiopien den Tauschhandel mit der DDR wieder ein. Wollte wieder harte Währung haben, das hieß rechnet man die gelieferten Werte um die DDR noch Waren in Wert von 60 Millionen Valuta - Mark zu liefern hatte.
Man darf dabei aber auch nicht vergessen das darunter neben LKWs und Traktoren auch Waffen waren. Und wenn ich mich recht erinnere kamen auch Äthiopier zur Ausbildung (Gastarbeiter?) in die DDR.
Somit viel Äthiopien als Kaffeelieferant wieder aus. Und die DDR - Führung suchte weiter nach Staaten zur Kaffeeproduktion, notfalls sollte dann eine Kaffeeproduktion aufgebaut werden. Die Wahl viel dann auf Vietnam, hier gab es zwar keinen Kaffee aber hier konnte er gut angebaut werden.

Die genauen Zusammenhänge kann man hier nachlesen: https://www.mdr.de/damals/archiv/kaffee ... en100.html

Benutzeravatar
erlenmeier
Forenuser
Beiträge: 501
Registriert: 17.12.2010 12:44
Ort/Region: Oldenburger Land

DDR-Devisen

Beitrag von erlenmeier » 29.09.2018 19:56

Erstmal vielen Dank für die weiteren Hinweise und Ergänzungen.


Die DDR-Devisen

Exkurs 2: Die chronischen Wirtschaftsprobleme

Überwiegend wurden die Wirtschaftprobleme durch die begrenzten Ressourcen zum einem und die ständig steigenden Sozialausgaben zum andern verursacht.

Viele Waren wurden staatlich subventioniert. Es galt insbesondere ab den 1960er-Jahren die Devise „Konsum für alle“ und „stabile Preise“ , um die Bevölkerung zufrieden zu stellen.
Auf der anderen Seite waren Warenmangel in den Geschäften, Schlangen vor den Verkaufsstellen und eine zunehmende Unzufriedenheit wegen der nicht genügenden Versorgungslage die Realität.
Momentane Entbehrungen sollten in den 60er/70er-Jahren hingenommen werden, um in Zukunft besser leben zu können. „Wie wir heute arbeiten, leben wir morgen“ war eine Losung der Staats- und Parteiführung.

Es wurde übrigens nur für vorrätige Waren im Fernsehen geworben. Um dem Warenmangel zu begegnen, waren die Betriebe angehalten langlebige Waren zu erzeugen.

Die Preis-Subventionierung von Waren des täglichen Bedarfs betraf
- Grundnahrungsmittel wie z.B. Brot, Milch, Kartoffeln, Gemüse, Obst ,
- Mieten , Heiz- und weitere Nebenkostenkosten.

Weil die Mieteinnahmen bei weitem nicht dem nötigen Investitionsbedarf entsprachen, kam es zu einem ständig zunehmenden Verfall der Altbau-Wohnungen. Man konzentrierte sich auf den Bau neuer, moderner Siedlungen, weil das unter´m Strich billiger kam als Reparatur, Sanierung und Modernisierung vom Altbestand.

Preissteigerungen auf Grund von gestiegenen Weltmarkt-Einkaufspreisen wurde häufig kaschiert durch das Entwickeln „neuer“ Produkte, die entweder pro Verpackungseinheit hochpreisiger waren oder durch Packungen mit geringerem Inhalt.

Um den Geldüberschuss der Bürger abzuschöpfen und hochwertige Waren anzubieten, verlagerte das Wirtschaftsministerium stetig Produkte in die Delikat- und Exquisitläden. Dieses Gegensteuern löste aber immer noch nicht die Rohstoff- und Materialknappheit der Gesamt-Produktionswirtschaft.

Zu den vielen sozialen Leistungen, die dem Staatshaushalt entnommen wurden, zählten u.a.
- Krankenversicherung,
- Renten,
- Kinderbetreuung.

Dagegen waren z.B. technische Geräte wie PKW, TV, Radios, TB-Geräte, Waschmaschinen, Kühlschränke an das Währungsverhältnis DDR/BRD angepasst. Meist kosteten diese sog. „Luxuswaren“ ca. das Vierfache von vergleichbaren West-Waren.
In den Betrieben wurden häufig die Planzahlen wegen fehlender Zulieferung von Halbzeugen und Fremdteilen nicht erreicht.

Zur Deckung des Bedarfs wurden die Plan-Sollwerte immer mal wieder erhöht, obwohl schon die vorhergehenden Ziele real oft nicht erreicht werden konnten. Das ist auch auf die hohen
produktionsfremden Ausgaben der Betriebe zurück zuführen. Dazu zählten stark bezuschusste Urlaubsangebote für die Beschäftigten, überwiegend in firmeneigenen Unterkünften, der Haushaltstag für Frauen, Betriebskindergärten, SED-Vertreter und FDGB- Gruppe im Werk. Nicht zu vergessen der Besuch des Friseurs und das Einkaufen während der Arbeitszeit. „Freitag um eins macht jeder seins“.
Kurz: Es wurde für die reine Produktion mehr ausgegeben, als an Warenwert erwirtschaftet wurde.
1970 lag der Anteil der staatlichen Sozialausgaben bei 11,4 Mrd. M, das entspricht 18,6% des Gesamt-Staatshaushaltes, 1988 schon bei 61,6 Mrd M (24,6%).

Im Besonderen geschwächt wurden viele Werke durch die Flucht, also dem Wegzug von Kollegen in den Westen, jedenfalls bis zum Ausbau der Grenze nach Westen. Es musste immer wieder improvisiert werden, um die Produktion mit der reduzierten Belegschaft aufrecht zu halten.
Der Bau von West-Grenzanlage und Berliner Mauer und die damit unterbundenen Ausreise-Möglichkeiten sollten eine Stabilisierung des Staates als Ganzes bewirken. So blieben qualifizierte Fachkräfte notgedrungen im Lande und die Regierung wollte nun das fehlerhafte System in Abgeschiedenheit weiterentwickeln.

Dazu wurde 1963 das „Neue System und Leitung der Volkswirtschaft“, kurz NÖS oder NÖSPL genannt, beschlossen. Dieses sollte den Betrieben vermehrt eigene Entscheidungsmöglichkeiten bei verringerter Staatsplanung gestatten. Ein winziger Schritt in Richtung Marktfunktion, der die Versorgungslage in in einigen Bereichen verbesserte. Insgesamt blieb die Versorgung aber weiter lückenhaft.
Während insbesondere ab 1963 mit verschiedenen Mitteln versucht wurde, den Lebensstandard, sprich: das Warenangebot zu erhöhen, ab den 1980er-Jahren wenigstens zu halten, kamen die Investitionen in die Ausstattung der Betriebe zu kurz. Im letzten Jahr des Bestehens des ostd. Staates waren ca. 50% der Maschinen bis zu 10 Jahre alt, der Rest lag mit ca.29% bei 10-20 Jahren bzw. mit ca. 21% bei mehr als 20 J.. Viele Produktionsmaschinen stammten noch aus den 1920er- und 1930er-Jahren, mussten ständig repariert und Ersatzteile in Eigenarbeit angefertigt werden. Und was noch dämpfend dazu kommt, ist die geringe Produktivität der Anlagen, die im Vergleich zu westdeutschen zwischen 40 und 60% lag. An einem Arbeitstag wurde dort demnach nur die Hälfte der West-Stückzahl erreicht.

Aber die Produktivität sank von Jahr zu Jahr auch durch den schon erwähnten Materialmangel und nun kommt noch als weiterer Negativfaktor dazu: Die zunehmenden Stillstandszeiten der Maschinen während der Reparatur.

Zwischenbilanz: Die drei Hauptziele der Staats-Wirtschaft, nämlich
1.) Steigerung bzw. Beibehaltung des Lebensstandards,
2.) Tilgung der Auslandsschulden durch zunehmende Warenexporte oder Tilgung mit „harten“ Devisen,
3.) Investitionen in die Fertigungsbetriebe
waren nicht gleichrangig zu realisieren.


Ein weiteres Problem brachte der wachsende Welthandel, denn auch die UdSSR als gr. Rohstofflieferant richtete ihre Lieferbeziehungen zunehmend auf den Weltmarktpreis aus.
Während der Westteil Deutschlands durch Preiserhöhungen, Entlassungen und Rationalisierungen im techn. Produktionsablauf reagierte, traf es die ostdeutsche Wirtschaft hart. Nachdem man nämlich das von der SU gelieferte Erdöl teils auf dem Weltmarkt verkauft hatte, um Devisen zu generieren, kürzte die SU die Lieferungen von ca. 80 Mio t auf ca. 20 Mio t pro Jahr. Einerseits eine Strafaktion, andererseits ein erhöhter Eigengewinn durch gesteigerten Verkauf in den Westen.
Ursache dieses Konfliktes war die sog. Ölkrise im Jahre 1973 und die folgende 1979 hervorgerufen durch eine Drosselung der Fördermenge seitens der Erdöl-exportierenden-Staaten ( OPEC). Diese wollten dadurch die Lieferpreise erzwingen und gleichzeitig Druck gegen die Unterstützung durch die NATO-Staaten ausüben.

Die Folge waren offensichtlich erhebliche Preissteigerungen für Benzin, Dieselöl, Heizöl, aber auch für Erdölprodukte wie z.B. Kunststoffe.

Die DDR musste nun notgedrungen von ihrem Zukunftsplan der Umstellung von Heizanlagen und Lokomotiven auf Heizöl Abstand nehmen. Die heimischen Braunkohlevorkommen wurden nun die Energiequelle Nr.1 sowohl für Heiz- als auch Chemiezwecke.

Eine der letzten Fehlinvestitionen, besser gesagt staatlich gelenkte Misswirtschaft, kostete dem Land insgesamt rund 50 Mrd Mark. „Versenkt bei der Jagd“ nach dem 1 MB-Speicherchip. Dieser sollte in erster Linie für den Bau moderner Ortungs- und Zielansteuerungsgeräte in der Rüstungsindustrie entwickelt und später in Serie produziert werden. Der Auftrag wurde 1979 einem wieder entstandenen Forschungszentrum erteilt, denn 1977 hatte man die Entwicklung digitaler Baustein eingestellt. Nun wuchs der technologische Vorsprung der westl. Industrien von Jahr zu Jahr. Der Versuch der DDR-Ingenieure, die Speicherkapazitäten und Verarbeitungsgeschwindigkeiten der West Chips zu erreichen, ging fehl.

Während ein 256KB-Speicher-Chip im Westen ca. 5DM kostete, hätte der gleiche DDR-Typ 534 M der DDR gekostet. Das Ergebnis konnte also zu dem Preis nicht an die SU ausgeliefert werden geschweige denn als Export-Ware in den Westen. Ausserdem gab es vorerst durch die Reformpolitik M.Gorbatschows keinen Bedarf für die Modernisierung der Rüstung.

Bleibt die Frage, warum sich die DDR-Führung überhaupt auf das Risiko einer eigenen Chip-Entwicklung eingelassen hat. Die Antwort lautet: „Cocom-Richtlinie“. Diese enthält eine Liste von Gütern, die nicht in die Ostblockstaaten geliefert werden durften. Dazu zählten Computer, Peripheriegeräte und sämtliche Spezialbauteile für Herstellung von Rechnern.

Dieser Rückstand der Halbleiter-Industrie äusserte sich auch im Fehlen konkurrenzfähiger Steuer-Module für die in den DDR-Kombinaten hergestellten Werkzeugmaschinen, einer der großen Exportschlager. Auf dem Weltmarkt wurden die komplexeren Maschinen seit ca. 1980 mit sog. Speicherprogrammierbaren Steuerungen (SPS) ausgestattet. Wie zuvor dargelegt, konnten diese Geräte mangels Bauteilen in der DDR nicht hergestellt werden. Also beauftragte man „getarnte“ Einkäufer mit dem Kauf der Module in der BRD. In der DDR angekommen, wurden die Herstellerangaben/Typenschilder entfernt. Anschliessend fügten die Facharbeiter diese „teuer“ erworbenen Teile in die Anlagen für den Export ein.


Durch diesen Rückstand der Geräte-Entwicklung sanken in Folge verständlicher Weise durch den Rückgang des Verkaufs in das Ausland auch die Deviseneinnahmen.

Wird fortgesetzt mit den Themen DEVISENEINNAHMEN und DEVISENAUSGABEN.
Zuletzt geändert von erlenmeier am 29.09.2018 22:30, insgesamt 3-mal geändert.
Nur wer die Vergangenheit kennt, kann auch Gegenwart und Zukunft bewältigen.

Benutzeravatar
erlenmeier
Forenuser
Beiträge: 501
Registriert: 17.12.2010 12:44
Ort/Region: Oldenburger Land

Beitrag von erlenmeier » 29.09.2018 22:20

Moin kuhlmac und isch,
vielen Dank für Eure Hinweise/Ergänzungen.

Ich werde sie in die beiden folgenden Beiträge einbeziehen.

Gruß von Hans
Nur wer die Vergangenheit kennt, kann auch Gegenwart und Zukunft bewältigen.

Benutzeravatar
erlenmeier
Forenuser
Beiträge: 501
Registriert: 17.12.2010 12:44
Ort/Region: Oldenburger Land

Die DDR-Devisen

Beitrag von erlenmeier » 30.09.2018 12:41

Die DDR-Devisen
4.) Die Devisen-Ausgaben

Bisher wurde der Mangel von Rohstoffen und Waren in allen Bereichen der Wirtschaft des Landes vom Beginn an bis zum Ende der selbständigen DDR in den wichtigsten Sphären aufgezeigt.
Da schon zu der Zeit der Staatsführung unter dem Staatsratsvorsitzendem W.Ulbricht das Einholen, ja sogar das Überholen der Technologie und des Lebensstandards in Westdeutschland propagiert wurde, wurden seit den 1960er-Jahren alle verfügbaren Mittel genutzt, um dafür auch die materiellen Grundlagen zu beschaffen.

Der Import von
- Steinkohle aus PL und D,
- Erdöl,
- PKW aus S, F und D,
- Spez. Werkzeugmaschinen, die im RGW nicht hergestellt wurden (z.B. Kegelrad-Drehmaschinen, CNC-Fräsautomaten),
- Video-Recordern,
- Kompl. Produktionsanlagen,
- Metallerzen,
- Metall-Halbzeugen,
- Passagier-Flugzeugen,
- Fotokopier-Geräten,
- Computern, Zubehör und Bauteilen dafür (unter Umgehung des Embargos).

Erforderte Devisen, d.h. in erster Linie Dollar und DM.
Zum größten Teil wurde über BRD- Verrechnungskontos mit der Limitierung durch den SWING gekauft. Darüber wurden auch gegen die zwischenstaatliche Vereinbarung Waren aus Drittländern über Zwischenhandel in der BRD eingekauft und umgekehrt auch exportiert.
Die DDR nutzt diesen zinslosen Devisenkredit häufig bis zum Limit aus. So gab es 1978 eine neg. Bilanz von 750 Mio DM. Weltweit gab es sogar Zahlungsverpflichtungen an Banken und Firmen in Höhe von ca. 20 Mrd DM in 1978 und 1982 einen Gesamt-Import-Überhang in Höhe von 25,1 Mrd Dollar. Aber auf der Gegenseite hatte die DDR auch Forderungen im Wert von 15,7 Mrd Dollar an ausländische Kunden.

Im Folgenden nun einige herausragende Importsegmente, die die Wirtschaft des Landes voranbringen bzw. die Bevölkerung befriedigen sollten.

1.Die DDR-Kaffee-Krise
Mitte der 1975 kamen auf dem Kaffee-Markt für die DDR zwei neg. Faktoren zusammen. Jährlich wurden bis dahin rund 50 Mio t Rohkaffee aus dem Ausland benötigt. Diese Lieferungen waren extrem wichtig, denn man wollte nicht wie 1953 einen Aufstand wegen der Unzufriedenheit der Bürger riskieren. Im Osten hatte der Kaffeekonsum nämlich einen hohen Level. In der 19970er-Dekade betrug der jährliche Kaffee-Verbrauch im Land ca. 3 Mrd M der DDR, ein gewaltiger Wirtschaftposten. Bis 1954 lieferte die SU den benötigten Kaffee, aber nach Beendigung dieser „Bruderhilfe“ musste die DDR nun auf den Einkauf in NSW-Ländern übergehen.

Zum einen kam es dann 1976 auf Grund von Missernten in Brasilien zu Versorgungsproblemen. Statt wie in den Jahren davor 150 Mio Verrechnungseinheiten (entspr. 1 DM), mussten nun ca. 700 Mio VE, das entspricht ca. 300 Mio $ gezahlt werden.
Zum anderen hatte die DDR einen Handelsvertrag mit Äthiopien abgeschlossen. Nach dem Militärputsch im Lande wollte die DDR dorthin LKW, Traktoren, aber auch Waffen liefern. Im Gegenzug hatte Äthiopien für Kaffee-Exporte für die DDR zu sorgen. Das Ganze dauerte nur bis 1978. Dann nämlich stellte Äthiopien den Tauschhandel ein und forderte Valuta für die Ware.

Nun musste sich das ostd. Land wieder nach einem anderen Anbaugebiet um sehen, um die Devisen zu reduzieren. Dazu bot sich das soz. Bruderland Nordvietnam an, in dem es bis dato noch keine Kaffee-Kulturen gab. Boden und Klima erwiesen wurden nach Prüfung als geeignet und der Anbau begann. Die ersten Lieferungen kamen wahrscheinlich wegen des Endes der DDR nicht zustande.
Bei Interesse kann der Leser einen Abstecher zu den Maßnahmen der Wirtschaftsführung machen, die unter den Begriffen „Erichs Krönung“ und Mischkaffee zu finden sind.

2. Getreidekäufe
Zwischen 1971 und 1981 kam es in der DDR mehrfach zu Ernte-Ausfällen, die durch den Zukauf von Lebensmittel-Getreide und Futtermitteln aus dem NSW ausgeglichen wurden. Insgesamt wurden dafür ca. 15 Mrd VE aufgewendet.

3. Ausgleichszahlungen an die DB
Ab 1978 gab es ein jährliches Bahn-Entgelt-Defizit, das zur Zahlung von jeweils ca. 100 mio VE an die Deutsche Bundesbahn führte.

4. Der Japan-Deal

1981 reiste Staatsratsvorsitzender E. Honegger mit großem Stabe nach Tokio, um die Wirtschaftsbeziehungen zu Japan auszubauen. Ziel dieser Verhandlungen mit dem eigentlich kapitalistischen Erzfeind sollte u.a. die Lieferung von begehrten Waren sein, die die DDR in der Qualität oder generell nicht herstellen konnte.

In dem Zusammenhang kam es in Folge zur Lieferung von 10.000 PKW des Typs Mazda 323, wobei sich die DDR-Führung Kritik der breiten Masse wegen Bevorzugung „staatstragender Käufer“ gefallen lassen musste.

Japan lieferte eine kompl. Produktionsanlage zur Herstellung von Farb-Fernsehbildröhren und auch der Bau eines Ersatzteilwerkes für die gelieferten Fahrzeuge wurde verhandelt. Zu den weitere Vertragspunkten, die verhandelt wurden, gehörten der Bau eines Hotels in Dresden und zweier Erdöl-Raffinerien. Der Bau des Luxushotels „Merkur“ in Leipzig wurde anschliessend nur möglich, weil die Baukosten mit den Einnahmen des Hotels, insbesondere zur Messezeit, verrechnet wurden.

5. Volvos für die „Bonzen“

1978 wurde die Lieferung von 1000 PKW des Modells Volvo 244 DLS für besondere Bevölkerungsgruppen wie Wissenschaftler, Künstler, Handwerker vereinbart. Parallel dazu beschaffte die Regierung Volvo-PKW vom Typ 260TE für die Minister und andere hochstehende Regierungsmitglieder. Auch in diesem Fall wurde in den den Betrieben und in Briefen an die Regierung Kritik laut, in der die Bevorzugung von „Bonzen“ und Ausgrenzung des breiten Volkes beanstandet wurde.

Weitere Import-PKW: Peugeot 305 und 604, Citroen GSA, CX und BX sowie unbedeutende Mengen an anderer europ. Hersteller.

6. Gebrauchtwagen für die breite Masse- Der Versuch scheitert

In den 1989er-Jahren kam es auf Grund der Unzufriedenheit in der Bevölkerung wegen des defizitären Automarktes zu Verhandlungen mit größeren Gebrauchtwagen-Betrieben in der BRD mit dem Ziel, auf diese Weise die Nachfrage zu befriedigen. Die Preisforderungen der Verkäufer überstiegen jedoch die Möglichkeit der Wirtschaftsdelegation und dieser Plan wurde aufgegeben.

7. A310 für die Interflug

Die Reparatur-Anfälligkeit der Iljuschin-Flugzeuge aus der SU nahmen in den 1970er- und 1980er-Jahren ständig zu. Die Interflug flog wegen der ständigen Ausfälle und Reparaturen pro Woche um die 1 Mio M Verluste ein. Da sich der Staat aber zunehmend auf internationalem-Flieger-Pakett bewegte, gab es einen dringenden Handlungsbedarf, um die Flotte sicherer und zuverlässiger zu gestalten.
Ca. 1986 kaufte das Wirtschaftsministerium der DDR drei Flugzeuge vom Typ A310 ein. Der Listenpreis lag damls bei ca. 40 Mio VE pro Maschine. Über die üblichen Rabatte ist bisher nichts bekannt.

8. Der Import von Erdöl
Erdöl-Preissteigerungen in den 1970er-Jahren und die Reduzierung der Lieferung aus der SU im Tauschhandel machten der DDR-Wirtschaft schwer zu schaffen.
Einerseits bot die SU weitere Lieferungen zum Ausgleich der Kürzungen zum Preis in Devisen an, das aber zu einem Preis, der über dem Weltmarkt lag.
Durch die Knappheit des Erdöls wurde dann auch, wie schon beschrieben, die Umstellung der Gesamt-Wirtschaft auf Heizöl, insbesondere für Lokomotiven, Kraftwerke und Heizwerke, wieder zu den Akten gelegt. Erdöl sollte nur noch als Rohstoff für die Chemie-Industrie und als Fahrzeug-Treibstoff eingesetzt werden. Dadurch erklärt sich auch der Versuch der Wirtschaftsdelegation in Tokio, effektivere Ölraffinerie-Anlagen zu beschaffen.
Nur wer die Vergangenheit kennt, kann auch Gegenwart und Zukunft bewältigen.

Benutzeravatar
kuhlmac
Forenuser
Beiträge: 2297
Registriert: 18.06.2005 12:42
Ort/Region: Hamm / Iserlohn

Beitrag von kuhlmac » 30.09.2018 17:44

Wie schon gesagt: kurz und gut. Jeder Punkt lohnt eine tiefere Recherche, aber für diesen Rahmen und die jüngeren durchaus ein "Einstieg".
Die Airbusse der IF waren aber deutlich teurer: 420 Millionen West-Mark. Dazu gehörte aber vermutlich das Wartungspaket. Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13529894.html

Ausserdem wurden viele (!) Millionen in die MS Arkona (ex Astor) gesteckt, vorranging um (natürlich...) Devisen zu erwirtschaften. Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Saga_Pearl_II
Und da taucht dann auch die öminöse Verbindung zu Uwe Barschel auf....

Und, nochwas, das Erdöl vom großen Bruder wurde in der DDR raffiniert, weil sie es zunächst (!) zu Vorkrisenpreisen bekam. Die DDR-Führung nutzte naturgemäß diese Situation aus und verkaufte die raffinierten Produkte zum aktuellen Marktpreis gegen dringend benötigte Devisen an kapitalistische Länder.... etwas hinterhältig, aber was macht man nicht alles für Geld.
Quelle: Faktor Öl: die Mineralölwirtschaft in Deutschland 1859-1974 von Rainer Karlsch, Raymond G. Stokes, Seite 341
"Wir essen jetzt Opa!" Satzzeichen retten Leben!

Benutzeravatar
erlenmeier
Forenuser
Beiträge: 501
Registriert: 17.12.2010 12:44
Ort/Region: Oldenburger Land

Beitrag von erlenmeier » 30.09.2018 20:52

Danke für die Korrektur und die Ergänzungen.

Ich werde noch ergänzen
- VW-Golf-Transaktion,
- Golf-Motor-Drama und
- der Versuch einer gewinnbringenden Kreuzfahrt-Reederei.

Sorry! Hatte meinen kaufm. Nachbarn wg. Airbus-Preisen gefragt, aber da haben wir´s wieder: Dem Management der Konzerne kann man nicht immer trauen.

Gruß von Hans dem Jüngeren
Nur wer die Vergangenheit kennt, kann auch Gegenwart und Zukunft bewältigen.

Benutzeravatar
Frontstadtkind
Forenuser
Beiträge: 150
Registriert: 22.02.2010 19:57
Ort/Region: Köln

Beitrag von Frontstadtkind » 02.10.2018 18:19

Die drei A310-Airbusse von Interflug, und separat deren GE-Triebwerke aus den USA, waren nur geleast, nicht gekauft. Dafür hat der Bund gebürgt. Außerdem wurde die Wartung weitgehend im Westen gemacht, bei LHT in Hamburg, denn Triebwerke und Avionik unterlagen im Westen wegen militärischer Nutzbarkeit Exportbeschränkungen. (sogenannte COCOM-Liste)

Weil dem Bund die Dinger sowieso gehörten, sind sie nach der Wende gleich bei der Luftwaffe der Bundeswehr gelandet. Eine frühere IF-A310 ist heute übrigens "Kotzbomber" für das Astronautentraining der ESA.

Benutzeravatar
kuhlmac
Forenuser
Beiträge: 2297
Registriert: 18.06.2005 12:42
Ort/Region: Hamm / Iserlohn

Beitrag von kuhlmac » 03.10.2018 11:02

Frontstadtkind hat geschrieben:Die drei A310-Airbusse von Interflug, und separat deren GE-Triebwerke aus den USA, waren nur geleast, nicht gekauft. Dafür hat der Bund gebürgt. Außerdem wurde die Wartung weitgehend im Westen gemacht, bei LHT in Hamburg, denn Triebwerke und Avionik unterlagen im Westen wegen militärischer Nutzbarkeit Exportbeschränkungen. (sogenannte COCOM-Liste)

Weil dem Bund die Dinger sowieso gehörten, sind sie nach der Wende gleich bei der Luftwaffe der Bundeswehr gelandet. Eine frühere IF-A310 ist heute übrigens "Kotzbomber" für das Astronautentraining der ESA.
Hmmm... Im BA findet sich zwar unter DM 104/704 ein Leasing-Angebot, aber unter DM 104/714, DM 104/618 und -619 ist von einem Kaufvertrag zwischen IF und Airbus Ind. und einem Wartungs- u. Überholungsvertrag zwischen IF und der Lufthansa die Rede.

und in den Weiten des WWW finden sich unbelegte Hinweise, dass die IF angeblich (!) mit Airbus auch über A300 und A320 gesprochen haben soll.
Weil dem Bund die Dinger sowieso gehörten
... ja, aber erst nach der Wende zum 3. Okober. Quasi automatisch.
"Wir essen jetzt Opa!" Satzzeichen retten Leben!

Benutzeravatar
erlenmeier
Forenuser
Beiträge: 501
Registriert: 17.12.2010 12:44
Ort/Region: Oldenburger Land

Die DDR-Devisen

Beitrag von erlenmeier » 03.10.2018 13:03

Ergänzungen zu Teil 4: Devisenausgaben der DDR
- VW-Golf-Transaktion,
- Golf-Motor-Drama und
- der Versuch einer gewinnbringenden Kreuzfahrt-Reederei.


1.) Golf-Importe gegen Reifen und ein Planetarium


Immer wieder drehte es sich bei den hohen Devisenausgaben für West-Importe darum, die gestiegenen Bedürfnisse der DDR-Bevölkerung zu befriedigen. Diese sah jeden Tag im West-Fernsehen, wie dort der materielle Lebensstandard war. Auch die regelmäßige Werbung im Radio tat ein Übriges. Gleiches sah man bei auf den Transitstrecken, wenn „schicke“ Westautos vorbeifuhren oder man hörte es von Besuchern aus der BRD live.

Ende der 1970er-Jahre wurde die DDR zunehmend von anderen Ländern als eigenständiger Staat anerkannt. Zudem stand man im Vergleich zum Standard der anderen RGW-Mitglieder hoch an der Spitze.

Ebenfalls mag der im Folgenden beschriebene Kauf von VW-Golf-PKW auch das Ziel verfolgt haben, das äussere Erscheinungsbild der Städte zu modernisieren. Schliesslich hatte die der Geschäftsreisenden, Messebesucher, skand. Transitreisenden, West-Touriste und Besuchsreisenden stetig zugenommen.

Bis dato mussten Autokäufer ca. 12 Jahre auf die Zuteilung eines Neuwagens warten. Ab dem 18. Lebensjahr konnte der Käufer sich anmelden, Geld ansparen , um dann als Familienvater sein Auto abzuholen. Um die Unzufriedenheit der Bevölkerung abzubauen,

Vertreter beider Staaten und des VW-Werkes verhandelten ab 1976 über die Lieferung von 10.000 Golf in die DDR. Im Gegenzug sollten Reifen, Heizöl, Kohle, Werkzeugmaschinen, Blechpressen und Ausrüstungsteile für die el. Anlage der VW-Produktion geliefert werden. Da diese Waren aber nicht an die Gesamtsumme von ca. 80 Mio VM herankam, schlugen die DDR-Vertreter zusätzlich den Bau eines kompletten Planetariums mit Zeiss-Ausstattung für die Stadt Wolfsburg vor. Mit dem Ok der West-Seite war der Deal beschlossen.
Am 13. 01.1978 wurden die ersten PKW per Bahn in den Nachbarstaat transportiert. In den weiteren Monaten kamen jeweils 1000 Golf-PKW dazu. Verschiedene Ausstattungen wurden nun über den IFA-Vertrieb angeboten: 2- und 4-Türer, Motoren mit 50 oder 75 PS Leistung.

Proteste gab es mit dem Verkaufspreis, der ab 35.000 Mark angesetzt war. Verglichen mit dem Trabant für ca. 10.000 M und dem Wartburg für 20.000 M wurde er als überhöht kritisiert. Auch befürchteten die Werktätigen, dass bei der Auswahl der Käufer Direktoren, Partei-Obere, Professoren und Selbständige bevorzugt werden sollten. Die Folge: Der Preis wurde von der Regierung auf 22.000 bis 26.000 M, je nach Ausführung, gesenkt.

Die Wartung und Reparatur in den Werkstatten soll anschliessend möglich gewesen sein. Wie es mit der Ersatzteil-Beschaffung aus dem VW-Werk ablief, muss noch geklärt werden.

Im Anschluss an diesen Geschäftsabschluss wurde erneut ost-west-verhandelt. Dieses mal ging es um den Kauf von Lizenzen und Fertigungsanlagen für den Bau des Golf-Motors in einem DDR-Werk. Man plante, mit diesem Triebwerk künftig den Wartburg auszustatten. Dazu kam es durch das Ende der DDR-Wirtschaft 1990 dann aber nicht mehr.

2.) der Versuch einer gewinnbringenden Kreuzfahrt-Reederei

Kreuzfahrt-Angebote von 1960 an sollten sowohl das Reisebedürfnis in andere Länder befriedigen als auch besondere gesellschaftliche Leistungen einzelner Bürger auszeichnen.

1960 wurde als erstes Passier-Fahrzeug die „Fritz Heckert“ in Dienst gestellt. Bis zur Ausserdienststellung 1972 transportierte sie mehr als 63.000 Urlauber in 24 Länder und legt ca. 495.000 SM zurück. Eine Besonderheit war die anfängliche Finanzierung 29,5 Mio Mark über Croud-Founding“ , damals genannt Streckenpferd-Bewegung. Viele Betriebe spendeten einen Teil ihres Erlöses für den Bau des Dampfers. Jedoch das ist wieder ein eigenes spannendes Thema.

Jedoch nun kommt es wieder zu immensen Devisenausgaben. Für den Bau eines 2. Kreuzfahrtschiffes waren weder Werft-Kapazitäten noch Baumaterial vorhanden. Also wird 1960 die ehemalige Stockholm für 20 Mio Kronen dazu gekauft und in MS Völkerfreundschaft umgetauft. Anfangs gehörten Mittelmeer, Kuba und Schwarzes Meer zu den Zielgebieten. Die Mittelmeerhäfen wurden aber schon bald ausgenommen, weil die Regierung eine Absetzbewegung in den Häfen befürchtete.

Um Devisen zu kassieren, wird das Schiff schon bald an ausländische Reisegesellschaften verchartert. Insbesondere bei den Schweden sind die Reisen in die Karibik und zu den Canarischen Inseln beliebt.

Das Schiff kam in die Jahre. Die Dauer der Werftliegezeiten für anstehende Reparaturen wurde länger und man beschloss ein neueres Schiff als Ersatz zu kaufen. 1985 wird die Völkerfreundschaft verkauft. Vorher kam es zu einem spektakulären Dreiecksgeschäft zwischen DDR/BRD (Schl.-Holst.) und Südafrika. Unter südafr. Flagge wurde nämlich die ASTOR von der Reederei South African Marine Corp. Für 165 Mio DM zum Kauf angeboten. Die Einschaltung der Landesregierung hatte zwei Gründe. Zum einen boykottierte die DDR derzeit das Apartheim-Regime Südafrikas. Zum anderen war das Land Schl.-Holst. als Anteilseigner der Deutschen Howalt-Werke an einem Folge-Werftauftrag interessiert. Für 3 Mio DM wurde die in Arkona umbenannte Astor dann auch nach dem Kauf in Hamburg komplett überholt.

Zurück zur Devisenlage der DDR. Sowohl die Völkerfreundschaft als auch die Astor fuhren mit den ausländischen Passieren hohe Verluste statt der erhofften Überschüsse ein. D.h. die Beschaffung von Lebensmitteln, Treibstoff , Abschreibung der Kaufsumme brachten jährlich sehr hohe finanzielle Verluste für den Staat.
Zuletzt geändert von erlenmeier am 03.10.2018 13:10, insgesamt 2-mal geändert.
Nur wer die Vergangenheit kennt, kann auch Gegenwart und Zukunft bewältigen.

Benutzeravatar
erlenmeier
Forenuser
Beiträge: 501
Registriert: 17.12.2010 12:44
Ort/Region: Oldenburger Land

DDR-Golf

Beitrag von erlenmeier » 03.10.2018 13:07

Weiss jemand, wie die Ersatzteile für den DDR-Golf beschafft wurden?

Wurden auch in der DDR Teile hergestellt?
Nur wer die Vergangenheit kennt, kann auch Gegenwart und Zukunft bewältigen.

Antworten