Sirenentest

Zivile bzw. nicht-militärische Schutzbauwerke und Anlagen des Kalten Krieges
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zulufox
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Beitrag von zulufox » 08.10.2013 12:40

Hi,

wieso eigentlich nur bei den Nachbarn?

http://www.echo-online.de/region/darmst ... 03,4359699

MfG
Zf :holy:
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"Nichts ist leichter als Selbstbetrug, denn was ein Mensch wahrhaben möchte, hält er auch für wahr."

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FishBowl
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Beitrag von FishBowl » 09.10.2013 01:15

chinaman hat geschrieben:Hier würde ich mir Aufklärung und ein Näherbringen der Signale und dessen Bedeutung in der Bevölkerung wünschen. Am besten leicht zugänglich, ohne großen Suchaufwand o.ä.
Moin,

damit sieht's offenbar nicht eben gut aus.
Selbst hier findet man kaum noch etwas:
http://de.wikipedia.org/wiki/Sirenensignal

In den 60er und 70er Jahren sah das vollkommen anders aus.
So war es 1963, als wir nach Hamburg in einen Neubau umzogen, ganz normal, einen Plan mit allen dieser Signale in jeder Speisekammer beim Sicherungskasten vorzufinden, und dazu weitere unten im Treppenhaus und in den Kellergängen.

In meiner Schulzeit, ab 1966, fanden sich solche Pläne auch in den Schulgebäuden, ggf. plus Verweise auf Schutzräume und Verhaltenshinweise.

Auch in anderen öffentlichen Gebäuden gab es entsprechende Aushänge. Lange sogar in Telefonzellen.

Da es für die Bevölkerung kein landesweites Warnsystem mehr zu geben scheint, wird wohl auch eine Finanzierung bestehender lokaler / regionaler Systeme nicht mehr vom Bund geleistet. Und in Kommunen und Ländern haben heute offenbar andere Dinge Vorrang.

Dabei halte ich prinzipiell ein flächendeckendes Warnnetz zumindest für Katastrophenfälle für kaum verzichtbar.
Aufgrund der großen Vielfalt heute möglicher Warnfälle wäre aber vermutlich eine differenzierte Information darüber kaum noch praktikabel. Statt dessen müsste wohl stets die Aufforderung zum Einschalten bestimmter Radio- oder Fernsehsender damit verbunden sein, wie mancherorts schon lange üblich.
Das geht zumindest in der Fläche deutlich schneller als Durchsagen per Streifenwagen.

Andere Medien, wie z.B. das Internet oder SMS, erscheinen mir nur als zusätzlich geeignet, nicht aber als Ersatz. Darüber werden einfach nicht alle Bürger schnell genug erreicht, viele immer noch gar nicht.

Grüße

Jürgen (der die Sirenen vom Hafen zuhause gerade noch hören kann)

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Beitrag von redsea » 09.10.2013 19:37

chinaman hat geschrieben:Hier würde ich mir Aufklärung und ein Näherbringen der Signale und dessen Bedeutung in der Bevölkerung wünschen. Am besten leicht zugänglich, ohne großen Suchaufwand o.ä.

Hallo chinaman,

über die verschiedenen Signale der alten mechanischen Sirenen und deren Bedeutung informieren die meisten Feuerwehren auf Ihren Internetseiten.

Über die neuen elektronischen Sirenen, die bekanntlich über kurz oder lang die alten mechanischen Sirenen ersetzen werden, können auch Durchsagen an die Bevölkerung erfolgen. So können über diese nach dem Signalton auch entsprechende Verhaltensanweisungen an die Bevölkerung gegeben werden.

Viele Grüße

Kai

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Beitrag von chinaman » 10.10.2013 13:24

redsea hat geschrieben:über die verschiedenen Signale der alten mechanischen Sirenen und deren Bedeutung informieren die meisten Feuerwehren auf Ihren Internetseiten.
Hallo Kai,

diese Quelle kenne ich. Mir gings im Großen und Ganzen garnicht um mich, oder "Interessierte". Im Prinzip bin ich der Meinung, dass jeder zumindest im kleinsten Ansatz, und sei es nur, dass er das Freie meidet, eine Idee hat, was er machen sollte, wenn die Sirenen heulen. ;)

Das mit den Durchsagen war mir wiederum nicht bekannt.

gruß,
Stefan

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Talpa
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Beitrag von Talpa » 10.10.2013 23:49

chinaman hat geschrieben: [...]

Das mit den Durchsagen war mir wiederum nicht bekannt.

gruß,
Stefan
Hallo,
diese Funktion sollte auch nicht überbewertet werden, in der Fläche ist der Inhalt der Durchsage nicht mehr zu verstehen.

Gruß
Talpa
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lausbub75
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Beitrag von lausbub75 » 14.10.2013 13:21

In Bayern findet am kommenden Mittwoch (16.Oktober) ab 11:00 Uhr wieder der halbjährliche landesweite Sirenenprobealarm mit dem Signal "Auf Rundfunkdurchsagen achten" (1 min Heulton) statt.

Infos siehe: http://www.stmi.bayern.de/assets/stmi/s ... 131002.pdf

Sammy
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Beitrag von Sammy » 14.10.2013 16:35

Hallo!

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass mein Großvater, der in einem anderen Ort wohnte, eine Sirene auf dem Dach seiner Scheune hatte - bis diese 1999 abgebrannt ist. Der Steuerkasten befand sich im Keller, ausgelöst wurde sie manuell oder per Telefonleitung. Zumindest in den 1980er Jahren musste er sie zu Probezwecken noch ab und an per Hand auslösen, während der Feueralarm immer schon durch die Leitstelle ausgelöst wurde.

Auch hatten wir zu meiner Grundschulzeit Mitte/Ende der 1980er eine kommunale Sirene direkt neben der Schule stehen und ich kann mich daran erinnern, dass etwa einmal im Jahr nach vorheriger Ankündigung (die Schüler wurden vorgewarnt, damit keine Panik ausbricht) die verschiedenen KatS-Signale ertönten. Unsere Schulleiterin musste dann unmittelbar im Anschluss immer kurz den Unterricht unterbrechen und telefonisch eine Rückmeldung geben, dass die Sirene einwandfrei funktionierte.

Ansonsten wurde damals einmal wöchentlich durch die Feuerwehr- und Rettungsleitstelle am Samstag um 12.00 Uhr ein Probealarm (Feueralarm) ausgelöst.


Zumindest bei uns im Ort gab es damals sowohl KatS-Sirenen, als auch kommunale Sirenen (Alarmierung Feuerwehr). Allerdings wurden alle Sirenen für beide Zwecke genutzt. Irgendwann in den 1990er Jahren wurden die KatS-Sirenen dann abgeklemmt, verblieben aber noch auf den Dächern bzw. Masten. Wenig später wurden diese dann auch schon wieder in Betrieb genommen, da der Landkreis (PI) sie für die Bevölkerungswarnung bei Sturmflut (Elbe) oder einem Vorfall im AKW (Brunsbüttel) benötigte.

Bis vor etwa vier Jahren wurden die Sirenen (kommunal und Kreis) per analogem Funk durch die Leitstelle ausgelöst. Als dann die Alarmierung der Feuerwehren in unserem Kreis digitalisiert wurde, da kam es vielerorts zu einem Streit zwischen den Kommunen und dem Landkreis. Der Kreis wollte die Sirenen zur Bevölkerungswarnung erhalten, ging aber davon aus, dass die Kommunen die Umrüstung von analog auf digital übernehmen, da diese die Sirenen ja eh für die Alarmierung ihrer Feuerwehren benötigen würden. Allerdings gab es bereits zu diesem Zeitpunkt nur noch sehr wenige Orte, in denen die Feuerwehren tatsächlich noch per Sirene zum Einsatz gerufen wurden – der Großteil (auch in den kleineren Orten) hatte bereits seit den 80er Jahren nach und nach und inzwischen auch ausschließlich auf die sogenannte „stille Alarmierung“ per Funkmeldeempfänger umgestellt – und so weigerten sich die Kommunen mangels Eigenbedarf, die Umrüstung zu finanzieren. Letztendlich sind diese Kosten dann allerdings doch bei den Kommunen hängen geblieben, es wurde quasi „von oben“ diktiert, dass die Kommunen die Sirenen umzurüsten hätten.

Seit der Digital-Umstellung ertönt die Sirene „nur noch“ jeden ersten Samstag im Monat mit einem gesonderten Probealarm-Ton (einmal kurz aufheulen). Ich kann mich auch nicht daran erinnern, seitdem einen Probealarm der Signale zur Bevölkerungswarnung gehört zu haben.


Ob eine Warnung der Bevölkerung per Sirene heute tatsächlich noch funktionieren würde, wage ich zu bezweifeln. Ich denke, zumindest in unserer Region wäre eine flächendeckende Warnung per Sirene noch gegeben – wie gesagt: Aufgrund der Nähe zu Elbe und AKW verfügen wir noch über ein recht dichtes Sirenennetz. Allerdings: Wer würde die Sirenen mitten in der Nacht tief schlafend in einem modernen, bestens isolierten Haus mit 3-fach-Verglasung etc. überhaupt noch hören? Und wenn sie denn doch vernommen werden: Wer kennt (trotz entsprechender Postwurfsendung von Kreis und Gemeinde alle paar Jahre, Infos auf den Webseiten der Gemeinden und Feuerwehren etc.) heute noch die verschiedenen Signale? Und wie viele Menschen mögen dann wohl eher an ein Unglück als eher an einen technischen Defekt der Sirene denken?


Kay

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lausbub75
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Beitrag von lausbub75 » 15.10.2013 02:04

In Zeiten des Kalten Krieges konnten die Sirenen des Warndienstes drahtgebunden durch die Warnämter über Telefonleitung ausgelöst werden, die gemeindeeigenen Feuerwehrsirenen entweder über Druckknopfmelder oder per Funk ausgelöst werden. Sehr viele Sirenen wurden für Feuerwehr und Zivilschutz gleichzeitig genutzt und konnten auch auf beide Wege alarmiert werden.....

In meinem Heimatort Eichendorf gab es eine Sirene auf dem Dach des Rathauses (gleichzeitig Feuerwehrgerätehaus im Keller) die im V-Fall drahtgebunden ausgelöst hätte werden können (kam ausser Probealarmen nie vor) - zur Alarmierung der Feuerwehr wurde damals noch der örtliche Presseschreiber als örtlich Zuständiger von der Polizeistation Landau/Isar daheim angerufen, er ist daraufhin mit seinem Roller oder Fahrrad zum Rathaus gefahren bzw. schlimmstenfalls auch gelaufen und hat dort mittels Druckknopfmelder die Sirene für die Feuerwehr ausgelöst - über die Dauer bzw. den Zeitverlust bei der Alarmierung sollte man heute lieber nicht mehr nachdenken :-)

Probleme bei der Alarmierung der Feuerwehr gab es damals anscheinend genug, wenn der gute Mann mal nicht daheim war, oder krank..... oder beim Wirt *g*
Mitte der 70er wurden meines Wissens nach alle Landkreisfeuerwehren auf die heute noch übliche 5-Ton-Funkalarmierung umgestellt.

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Oliver
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Beitrag von Oliver » 26.10.2013 15:34

lausbub75 hat geschrieben:In Bayern findet am kommenden Mittwoch (16.Oktober) ab 11:00 Uhr wieder der halbjährliche landesweite Sirenenprobealarm mit dem Signal "Auf Rundfunkdurchsagen achten" (1 min Heulton) statt.

Infos siehe: http://www.stmi.bayern.de/assets/stmi/s ... 131002.pdf
Moinj,

in diesem Kontext mal als Exkurs der Hinweis auf die "Sirene in der Hosentasche". Hat bei mir beim Probealarm fuktioniert und neulichs auch beim Großbrand im nahegelegen Gewerbepark auf der Arbeit.

http://www.fokus.fraunhofer.de/de/espri ... index.html

Gruß
Oliver

chinaman
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Beitrag von chinaman » 20.11.2013 09:24

Mein Meckern wurde anscheinend in meiner Heimatstadt erhört :thanx:

Am Samstag den 23.11.2013 wird das neue Sirenenkonzept in der Stadt getestet, das wohl ein Gemeinschaftsprojekt von Unternehmen und der Stadt ist. Es wurde eine Gefahrenhotline eingerichtet und vor Allem und bezogen auf meinen ersten Satz, es wurde ein Flyer ausgegeben und das in deutsch, englisch und türkisch:

http://www.duisburg.de/micro/feuerwehr/ ... eutsch.pdf

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