Hilfskrankenhäuser

Zivile bzw. nicht-militärische Schutzbauwerke und Anlagen des Kalten Krieges
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Buddelflink
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Beitrag von Buddelflink » 17.05.2008 19:02

derlub hat geschrieben: Darf ich fragen wo?
Naja- vermutlich ist dort eh nichts mehr- und nachdem der Standort Euskirchen auch so offen mit seinen Liegenschaften umgeht.... http://www.streitkraeftebasis.de/portal ... y=youatweb

Also laut dieser karte war das Depot in/ um Euskirchen-zumindest laut Karte. Aber wie HW schon schreibt... vielleicht sind die Genossen da auch einem Bären aufgesessen :?:

Grüße
Andreas

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Oliver
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Beitrag von Oliver » 02.02.2009 18:01

Gerade im Netz zum HKH Wedel gefunden...

http://www.pinneberger-tageblatt.de/nac ... -brut.html

Gruß
Oliver
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plint (†)

HKH und Lager

Beitrag von plint (†) » 14.05.2009 12:51

Hallo,

ein Lager in der Nähe von Köln mit einer Kapazität von 3000 t Sanmaterial ? Da kann eigentlich (auch weil Euskirchen genannt wurde) nur Mechernich in Frage kommen. Da sind ja in Teilen des alten Bleibergwerks riesige unterirdische (bombensichere !) Lagerhallen geschaffen worden, die per Lkw befahrbar sind.
Eine andere geeignete Örtlichkeit wäre mir nicht geläufig. Allerdings, das ist ein Bw-Lager .....Ob es einen zivilen Teil gab, ist mir nicht bekannt.

Das hier auch erwähnte HKH Bonn-Beuel ist auf niedrigst möglicher Ebene (Kosten !) noch vorhanden, eingerichtet und mit einigem Vorlauf wieder betriebsbereit zu machen. Vermutlich werden die "Atomschutzvorkehrungen" nicht mehr unterhalten, die Sanitätseinrichtungen sollen nach Infos aus "gut unterrichteten Kreisen" aber noch voll tauglich sein.
Derzeit ist nicht erkennbar, dass ein Herunterfahren erfolgen soll, aber das kann ja blitzartig anders werden wenn die Stadt als derzeitiger Eigentümer in größere Geldnot gerät. Risiken sind ja (World Congress Center z.B.) genug vorhanden ....

Ein Typ von HKH wurde hier noch nicht erwähnt. Es gibt hier im ländlichen Bereich einige Orte, die an Schulen unmotiviert große Turnhallen haben (sogenannte Dreifachhallen).
Parallel dazu steht dann an verkehrsgünstiger Stelle eine unauffällige Lagerhalle.
Mir persönlich bekannt (und von mir mit ausgeräumt) eine Halle in Drabenderhöhe, Gemeinde Much, Rhein-Sieg-Kreis. Dort waren drei Einrichtungen für HKH gelagert ! Das begann mit Sanmaterial, ging mit Bekleidung weiter, Operationstische, Röntgengeräte, Notstromaggregate, Kücheneinrichtungen, Geschirr etc. etc.
Im Spannungsfall wäre halt der sportliche Betrieb in den Turnhallen eingestellt worden und das HKH wäre nach etwa einer Woche (evtl. auch schneller bei Tag-/Nachtarbeit) betriebsfähig gewesen.
Fast die gesamten Vorräte sind beim Abbau des Zivilschutzes nach der Wende in Richtung Rußland verfrachtet worden.

Gruß aus Bonn

Wilhelm Hesse

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derlub
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Re: HKH und Lager

Beitrag von derlub » 14.05.2009 18:54

plint hat geschrieben:Es gibt hier im ländlichen Bereich einige Orte, die an Schulen unmotiviert große Turnhallen haben (sogenannte Dreifachhallen).
Parallel dazu steht dann an verkehrsgünstiger Stelle eine unauffällige Lagerhalle.
Mir persönlich bekannt (und von mir mit ausgeräumt) eine Halle in Drabenderhöhe, Gemeinde Much, Rhein-Sieg-Kreis. Dort waren drei Einrichtungen für HKH gelagert !
Hallo.
Waren die 3 HKH, für die die Ausstattung in der Lagerhalle Drabenderhöhe gelagert wurde, alles solch ungeschützte Turnhallen wie von Dir beschrieben?
Grüße,
Christoph

plint (†)

Ungeschützte Dreifachturnhallen

Beitrag von plint (†) » 15.05.2009 07:42

Ja,

es handelte sich um ganz "normale" Turnhallen. Zur Identifizierung geeignete Anhaltspunkte sind z.B. geflieste Umkleiden mit nicht am Boden befestigter Möblierung, die wurden ausgeräumt und dienten als OP. Auch Räume mit ungenutzten "küchenüblichen" Anschlüssen (natürlich etwas mehr und größer als bei der häuslichen Einbauküche) in der Wand sind verdächtig. Sollte die Turnhalle im Elektroanschluß eine Umschaltmöglichkeit auf Strom(fremd)einspeisung haben, dann ist dies auch ein Indiz. Das ist die Vorrüstung für den Einsatz der für die HKH vorgehaltenen Notstromaggis.

Die Infos beruhen auf Gesprächen mit den Lagerwarten des Bundesamtes für Zivilschutz. Da diese Behörde im Freudentaumel der Wiedervereinigung zum Sterben verurteilt wurde und bis auf rudimentäre Reste abgewickelt ist, sind harte Infos (Akten, bzw. Auszüge daraus) nicht mehr zu beschaffen, weil alles im Altpapier landete.
Das die Abwicklung des ZS ein Fehler war, sieht man an der inzwischen erfolgten Wiederbelebung des Aufgabengebietes unter dem neuen Namen BBK (Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe). Das die spöttische Bezeichnung Bundesamt für die Bevorratung von Kartoffeln aufkam, liegt an der doch tiefsitzenden Verbitterung (noch vorhandener) Alt-Bediensteter des ZS und an einigen Anlaufproblemen beim (Wieder-)Aufbau des BBK.

Gruß aus Bonn

Wilhelm Hesse

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Beitrag von derlub » 15.05.2009 08:49

Interessant.
Demnach handelt es sich bei den von Dir beschriebenen HKH um welche aus dem sogenannten "einfachen Sorfortprogramm", ohne geschützte bauliche Vorbereitungen. Siehe dazu auch diesen Artikel: https://www.geschichtsspuren.de/content/view/154/33/
Meine eigentliche Frage hast Du allerdings jetzt nicht so ganz beantwortet ;)
Wenn in der Lagerhalle Drabenderhöhe für 3 HKH Einrichtung lagerte, kann ich zumindest sagen, dass eine Einrichtung davon für das geschützte und im sogen. Vollausbau errichteten HKH Bonn-Beuel bestimmt war. Für welche beiden HKH war das restl. Material?

Grüße,
Christoph

plint (†)

Lager Drabenderhöhe

Beitrag von plint (†) » 15.05.2009 20:52

Nein,

die drei Sätze Hilfskrankenhaus in Drabenderhöhe waren für HKH in Much und Umgebung bestimmt. Die anläßlich der Ausräumung des Lagers mit dem dortigen Personal geführten Gespräche enthielten keine genaueren Orte, wo denn die Hallen standen, es war nur immer die Rede von "den Dreifachhallen". Insoweit kann ich nicht mit Orten dienen, sorry, aber ein Blick auf die Karte läßt einigen Vermutungen Raum.

Das HKH Beuel war voll ausgestattet und wurde auch zu Zeiten der Bundeszuständigkeit wie auch jetzt mit der Stadt Bonn als Eigentümer von der BF Bonn, Abt. KatS, verwaltet und gewartet.
Meines Wissens ist Beuel in Sanitätssicht voll funktionsfähig und voll eingerichtet, bei den Schutzmaßnahmen gehe ich eher von kostenbezogen sehr verringerter Instandhaltung aus. Da auch die BF hier ein Personalproblem hat, wird regelmäßig bei den HiOrgs nachgefragt, ob man denn die Wartung übernehmen wolle. Bisher fand sich noch kein Dummer, weil Geld (zumindest Aufwandsentschädigung) ist nicht in Sicht ....

Die fast vollständige Überstellung der drei Sätze HKH-Material aus Drabenderhöhe in die GUS war meiner Meinung nach eine geschickte Umgehung von Entsorgungskosten. Die dort gelagerten Gegenstände technischer Art waren doch schon roundabout 25 Jahre alt. Die Operationstische, OP-Bestecke, Zahnarztstühle, Generatoren usw. hätten in absehbarer Zeit erneuert werden müssen.
Die Gemeinden hatten kein Geld oder keine Lust, den Lagerbestand zu übernehmen und zu unterhalten. Das hatte denen ja vorher auch keiner gesagt, die wurden ja nur bei einer erfolgten Bauplanung für eine Turnhalle angesprochen, ob sie denn an Stelle der geplanten Einfachhalle nicht lieber eine Dreifachhalle hätten. Wenn die dann ja sagten - und welcher Gemeinderat traute sich wegen der zu erwartenden Bürgerreaktion zu einem nein - dann gab es den Unterschiedsbetrag für die Erweiterung aus dem Zivilschutzetat.

Das vollgeschützte HKH in Beuel hatte da ganz andere Voraussetzungen, die Fälle sind nicht vergleichbar.

Gruß aus Bonn

Wilhelm Hesse
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Re: Lager Drabenderhöhe

Beitrag von derlub » 15.05.2009 22:15

plint hat geschrieben:Nein,
die drei Sätze Hilfskrankenhaus in Drabenderhöhe waren für HKH in Much und Umgebung bestimmt.
Hm... zumindest 1984 war es so, dass die zur Vervollständigung des HKH Bonn-Beuel benötigte Einrichtung im Lager Drabenderhöhe eingemottet war (siehe den Ausschnitt eines Zeitschriftenartikels im Anhang).
plint hat geschrieben:Das HKH Beuel war voll ausgestattet und wurde auch zu Zeiten der Bundeszuständigkeit wie auch jetzt mit der Stadt Bonn als Eigentümer von der BF Bonn, Abt. KatS, verwaltet und gewartet.
Meines Wissens ist Beuel in Sanitätssicht voll funktionsfähig und voll eingerichtet,
Das ist nicht ganz richtig oder kling zumindest mißverständlich. Alle Hilfskrankenhäuser wurden ab 1997 aufgegeben. Diejenigen im Vollausbau sowie diejenigen die im erweiterten Sofortprogramm errichtet wurden (also die HKH, die über geschützte Räumlichkeiten verfügten) wurden zu sogenannten "Sonderschutzräumen" umgewidmet. Sie dienen heute (aber möglicherweise nicht mehr lange) als "normale" öffentliche Schutzräume für die Zivilbevölkerung.
Vergleicht man die Kapazitäten des ehem. HKH Beuel zu seiner aktiven Zeit ( 463 Patientenschutzpl. + 123 Personalschutzpl.) mit der heutigen Kapazität als Sonderschutzraum (1100 bzw. 1898 Schutzplätze*) , so sieht man, dass die Behandlungs- und OP-Räume zugunsten einer höheren Schutzplatzzahl geräumt worden sein müssten.

Grüße,
Christoph

*Mir liegen hier unterschiedl. Zahlen vor. 1100 bezieht sich auf Liegeplätze, 1898 vermutl. auf eine Planung mit Liege- und Sitzplätzen.
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plint (†)

Beitrag von plint (†) » 15.05.2009 22:45

Jo,

dann werd ich mal einige Interviews machen müssen.
Kann ein paar Tage dauern, ich denke die Info ist beschaffbar.

Gruß aus Bonn

Wilhelm Hesse

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Beitrag von derlub » 15.05.2009 22:51

Super.
Vielen Dank :thumbup:
Falls einer der "Interviewpartner" Herr Henrich sein sollte bitte Grüße ausrichten :-)
Christoph

P.S. Wilkommen im Forum ;)

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