Hilfskrankenhäuser

Zivile bzw. nicht-militärische Schutzbauwerke und Anlagen des Kalten Krieges
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Miros

Hilfskrankenhäuser

Beitrag von Miros » 07.06.2005 01:02

Habe hier den Artikel über die Hilfskrankenhäuser gelesen.
Da eine Liste dabei war, wo diese sich befinden, habe ich festgestellt, dass die meisten sich im Dreieck zwischen Bielefeld, Osnabrück und Münster befinden. Warum? Kann sich das einer erklären warum ausgerechnet dort?
Wie war das eigentlich früher mit der Geheimsache, und wie ist das heute? Ist das Thema öffentlich bekannt oder wird es immer noch eher geheim gehalten`?

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Godeke
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Beitrag von Godeke » 07.06.2005 11:18

Hallo :) ,

Nun, dieser Entscheidung lagen zivilschutztaktische Überlegungen zugrunde.:

1. Man nahm an, daß das nordrhein-westfälische Industriegebiet einer der gefährdetsten Räume in einem neuen Krieg sein würde (Luftangriffe). Deshalb ging man davon aus, möglichst nah, aber eben doch "außer Schußweite" am Nordostrand dieses Gebiets zu bauen.

2. Es war ebenso klar, daß es in der unmittelbaren Angriffszone nach Kriegsbeginn, also einem bestimmten Streifen entlang der deutsch-deutschen Grenze, sinnlos sein würde, Zivilschutzeinrichtungen zu bauen. Bis auf wenige Ausnahmen hat man sich beim Bau der HKH und Sanitätslager auch daran gehalten.

So kam es eben zu der nicht gleichmäßig flächendeckenden Verteilung der Einrichtungen.

Geheim -was heißt das? Geheim war da nichts. Eher müßte man sagen: der Öffentlichkeit oft unbekannt, da sich auch kaum jemand aus der breiten Bevölkerung dafür interessierte.
In Fachzeitschriften und -büchern gab es zu allen Zeiten Berichte und Bilder, es existierten mehrere Filme mit ausführlichen Aufnahmen. Interessierte Fachbesucher konnten die Einrichtungen besichtigen, es fanden Übungen der Sanitätsdienste statt, über die dann die Tagespresse berichtete usw.
Heute befinden sich die Einrichtungen in der Regel in der Hand der Kommunen, die sie für alle möglichen Zwecke einsetzen: Lager, Aktenräume, Kulissen abstellen, Kleiderkammer...nach dem 11. September war mal von Reaktivierung unter neuen Aspekten die Rede, aber: Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern? sagte schon Adenauer...
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Beitrag von Miros » 07.06.2005 13:27

Danke, jetzt wird mir einiges klarer. :)
Aber wie ist das jetzt, gibt es, zb auf den rathäusern, die pläne der HKHs? Weiß man, welche Baufirmen dafür zuständig waren?
Wie kann man da am besten an Informationen gelangen?

Ich war in einem der Hilfskrankenhäuser meiner Gegend und habe festgestellt, dass es dort noch Betten gibt.
Was wird in der Zukunft damit geschehen? Ewig so bleiben kann das ja nicht, oder? :?:

Timo2
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Beitrag von Timo2 » 07.06.2005 13:40

Miros hat geschrieben: Was wird in der Zukunft damit geschehen? Ewig so bleiben kann das ja nicht, oder? :?:
Die Objekte (wir reden dabei von den teil- oder vollgeschützten Anlagen) werden den Komunen übergeben, sofern diese denn wollen. In Berlin ist es bei einer vollgeschützten Anlage so, das das Land zB nicht die Auflagen (Vorhaltung als Schutzraum) erfüllen will.

Kleine Anmerkung: Den Regierungsbezirken Braunschweig und Hannover (die Bevölkerungsdichtesten in Nds.) wurde Anfang der 60er Jahre, die größte Summe für die Herrichtung von HKH im Rahmen des Sofortprogrammes zugeteilt. Efolgt ist aber scheinbar nichts. Stellt sich die Frage:
- Sind keine annähernd geeignete Objekte gefunden worden?
- Ging man von einer veränderten militärische Lage aus, die ggf. eine Evakuierung dieser Gegenden zur Folge hatte?

Gruß,
Timo

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Godeke
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Beitrag von Godeke » 07.06.2005 16:55

Hallo :) ,

wegen näherer Informationen bitte mal bei der Kreisverwaltung oder kreisfreien Stadt nachfragen - Amt für öffentliche Ordnung. Sag am besten genau, was Du willst, in der Regel bekommt man ausreichend und erschöpfend Antwort. Wenn eine Begehung nicht möglich ist, f
hat das oft was mit mangelnden personellen Resourcen zu tun und nicht mit Geheimniskrämerei.
Bei den Baufirmen wurden sicherlich leistungsfähige Unternehmen der näheren Umgebung berücksichtigt. Leistungsfähig heißt, Erfahrungen entsprechend den speziellen Anforderungen an die Größe und Bauart. In der Regel wurde ja erst das HKH gebaut und die Schule, Turnhalle usw. obendrauf.
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Beitrag von Maeks » 07.06.2005 21:23

@Godeke

Mit den Baufirmen!
Es gibt ein Gestz das heißt das solche Bauwerke von öffentlicher Hand, öffentlich ausgeschrieben werden muß und da kommt der Billigere zum zug, nicht wer Leistungsfähig ist.

Gruß Maeks

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Beitrag von Timo2 » 07.06.2005 21:49

Godeke hat geschrieben:. In der Regel wurde ja erst das HKH gebaut und die Schule, Turnhalle usw. obendrauf.
In der Regel wurden entsprechende Kellerräume im Grundschutz vorgesehen, die im laufe der Jahre entsprechend ausgebaut wurden. Je nach Haushaltsjahr konnte sich daher ein entsprechender Ausbau über Jahre hinziehen. Von daher kann man schlecht sagen, das erst das HKH gebaut wurde und dann der Rest.... ;) Das HKH brauchte noch ein paar Jahre bis zur Geburt...;)

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Beitrag von Godeke » 07.06.2005 22:57

Hallo :) ,

der Leistungsfähigkeitsnachweis nach o.a. Kriterien muß vom Bewerber auch bei öffentlicher Ausschreibung beigebracht werden.

Zumindest bei HKH Lüneburg war es so, daß zuerst das HKH gebaut wurde, dann Turnhalle und Schulzentrum obendrauf. Die Schule wurde im Sommer eröffnet, daß HKH Mitte Oktober mit einer großen Übung, die bundesweites Aufsehen erregt hat, eingeweiht. Das Bundesamt für Zivilschutz hat darüber einen Film gedreht. Durch eine glückliche Fügung sind wir in den Besitz der ungeschnittenen Szenen in voller Länge gekommen.
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Beitrag von Timo2 » 08.06.2005 00:26

Godeke hat geschrieben:Zumindest bei HKH Lüneburg war es so, daß zuerst das HKH gebaut wurde, dann Turnhalle und Schulzentrum obendrauf. Die Schule wurde im Sommer eröffnet, daß HKH Mitte Oktober mit einer großen Übung, die bundesweites Aufsehen erregt hat, eingeweiht. Das Bundesamt für Zivilschutz hat darüber einen Film gedreht. Durch eine glückliche Fügung sind wir in den Besitz der ungeschnittenen Szenen in voller Länge gekommen.
Kannst Du das näher erläutern? So einfach kann man das nicht abkaufen.. :mrgreen: Übungen kann man ja auch in unfertigen Anlagen durchführen. Ist die Bestimmung vom HKH Lüneburg geklärt? Ich gehe von einem Bau für HH aus, genauso wie Stade.

Harry (†)

Beitrag von Harry (†) » 08.06.2005 00:49

>das erst das HKH gebaut wurde und dann der Rest

In der Regel und bei voll verbunkerten ganz sicher, denn alles andere ist Bautechnischer Krampf.

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