BAMSt Standorte

Zivile bzw. nicht-militärische Schutzbauwerke und Anlagen des Kalten Krieges
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Rex Danny
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Beitrag von Rex Danny » 11.10.2015 05:28

Die Erklärung von Shadow dürfte durchaus richtig sein. Kostensparendes Denken stand ja schon seit jeher im Vordergrund.

Es gibt aber aus meiner Sicht noch zwei Punkte, die gänzlich außer Acht gelassen wurden.

1.
Würde ein Feld außerhalb einer Stadt oder Gemeinde als Standort einer BAMSt gewählt werden, so würde dort die Strahlung gemessen werden. Entscheidend ist aber die Strahlung im Bereich des besiedelten Gebietes. Und da Sportanlagen i. d. R. innerhalb geschlossener Ortschaften, zumindest aber unmittelbar am Ortsrand liegen, ist hier die Strahlenmessung durchaus auch für den Rest der Ortschaft gültig.

2.
Der zweite Grund ist der Wind. Sportplätze sind, wie Shadow auch anmerkte, meistens nicht umbaut. Dies ist insofern wichtig, als daß Strahlenmessungen windabhängig sind (nuklearer Fallout). In Straßenzügen oder auf Marktplätzen mit hohen Gebäuden herrschen Winde aus verschiedenen Richtungen, auf nicht umbauten Sportplätzen herrscht vornehmlich ein und dieselbe Windrichtung. Und hierüber kann dann auch eine verlässliche Berechnung der Strahlung erfolgen.

Grüße


Rex Danny

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Arzttrupp
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Beitrag von Arzttrupp » 12.10.2015 10:14

Moin!

Den Überlegungen der vorangegangenen Autoren kann ich mich nahtlos anschließen. Und noch ein Punkt, der mich dazu gebracht hat, nicht irgendwo auf dem Acker zu suchen: Die Erreichbarkeit der BAMSt sowohl während der Bauphase aber auch während des "Betriebs" zu Kontroll- und Übungszwecken und besonders im Ernstfall.

Ein Loch in den Boden zu buddeln und ein mehrer Tonnen schweres Konstrukt im Boden zu verbringen wird um einiges teurer, wenn man die Maschinen dafür hunderte Meter über einen unbefestigten Acker rollen lassen muss. Hat man eine Straßenanbindung, wird es sehr viel leichter. Und auch diejenigen, die im Ernstfall die BAMSten hätten besetzen müssen, hätten sehr viel Zeit verloren bei einem Marsch durch grünes Gelände. Da ist eine gewisse Nähe zu erschlossenen Wegen sicher vorteilhaft, insbesondere wenn man ein plötzlich eintretendes Ereignis berücksichtigt.

Gerade Sportplätze bei Schulen dürften neben den bereits genannten den weiteren Vorteil haben, dass ein Schutzraum irgendwo im hintersten Winkel des Schulkellers leicht unterzubringen gewesen wäre. Viele Schulen sind ja auch in etwa in dem Zeitraum erbaut oder erweitert worden, als die BAMSten errichtet wurden.

@gung: Die Entfernung der UTMREF-Koordinaten aus lubs Liste zur eigentlichen BAMSt beträgt Luftlinie etwa 150 Meter. Das ist mehr, als das mit jeweils drei Ziffern für rechts- und Hochwert bezeichnete UTM-Gitter erwarten lässt. Die Frage ist ja, wie kommen die Koordinaten im Buch zustande? Wurden die tatsächlichen UTM-koordinaten der BAMSten vermessen, resultierend in einer vier- oder fünstelligen Angabe, und dann unter Vernachlässigung der letzten ein / zwei Stellen in die Liste aufgenommen? Oder hat man GERUNDET? Dann würde aus 32U XY 8765 die Angabe 32U XY 877 werden und Dein Ort liegt 100 Meter daneben...

Ich habe übrigens mal das Bild vom Schacht ein wenig digital bearbeitet - hübsch ist anders. Aber mein Handy hat noch echte TASTEN... Im Schacht liegt einiges an Astwerk, dafür scheint die Drucktür noch geschlossen zu sein. Bessere Bilder folgen!

Jens
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klaushh
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BAMSt und UTM

Beitrag von klaushh » 14.10.2015 20:48

Moin, moin,

den UTM-Koordinaten der BAMSten im Buch "Bunker aus dem Kalten Krieg" von Christoph Lubbe und hier im Forum wird eine ganz neue Bedeutung beigemessen: sie sollen zur Auffindung einer einzelnen BAMST im Gelände verwendet werden.
Dieses ist nicht zulässig.
Tatsächlich sind die 6-stelligen Koordinaten (in der Art 32 U NE 123456) dazu weder geeignet noch gedacht. Solch eine Koordinate beschreibt in der Natur ein Feld mit einer Größe von 100 m x 100 m. Da dürfte das Auffinden einen BAMST mit einer Grundfläche von ca. 5 m x 5 m schon ein Glücksfall sein, zumal sie regelhaft unterirdisch liegt und nach rund 25 jähriger Außerbetriebnahme vielfach überwachsen ist (falls überhaupt noch vorhanden).
Tatsächlich sind die 6-stelligen Koordinaten die "amtlichen" Koordinaten der einzelnen BAMST, mit denen auch im Ernstfall gearbeitet worden wäre.
Dazu muss man wissen, dass Grundlage für das "ABC-Meldewesen" und die Arbeit in den Warnämtern die Karte 1:250.000 (d.h. 1 cm --> 2.5 km) ist. Auf dieser Karte wird man einen Punkt im Gelände kaum genauer als 1 mm (d.h. 250 m) bestimmen können.
Im übrigen ging es ja nicht darum, die Lage einer BAMST punktgenau zu finden, sondern -von der BAMST ausgehend- die Auswirkungen von A- (und ggf. B- und C-) Waffen zu beobachten, zu messen und zu melden.
Es bleibt also weiterhin nicht erspart, dass die Suche nach einer (hoffentlich noch vorhandenen) bestimmten BAMST ein mühsames Puzzlespiel bleibt (Ostereiersuchen ist nichts dagegen :lol: ).

Trotz allem wundert mich eins: die "amtlichen" UTM-Koordinaten einer einzelnen BAMST hätte man z.B. auf Grund einer Karte 1:50.000 (TK 50, 1 cm --> 500 m) ohne weiteres wenigstens 8-stellig ermitteln und dann auf sechs Stellen runden können. Dann käme immer noch ein Feld von 100 m x 100 m heraus, aber dieses wäre zutreffender als ein aus einer Karte 1:250.000 "eingeschätztes" Feld.
Andererseits dürften 100 m auch kaum eine Rolle bei den Auswertungen spielen. Da wird in viel größeren Entfernungen und Flächen gedacht.
Mit einer Verschleierung der tatsächlichen Lage einer BAMST hatte das auch sicher nichts zu tun, der "Osten" kannte die einzelnen Standorte der BAMST sicher metergenau und außerdem war eine BAMST für seine Pläne vermutlich auch nicht hinderlich.

Gruß
klaushh
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TimoL
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Beitrag von TimoL » 14.10.2015 20:56

Meine ganz persönliche Erfahrung bei der Suche nach den Dingern in freier Wildbahn: Am besten ist immer noch sich vor Ort durchzufragen :-)
"Die einen kennen mich, die anderen können mich!"
- Konrad Adenauer (1876-1967), erster Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland 1949-1963 -

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Beitrag von klaushh » 14.10.2015 22:18

Moin, moin!

@Timo
Theoretisch ist Dein Rat richtig.
Praktisch wird es natürlich immer schwieriger, jemanden zu treffen, der sich noch an die "Dinger" erinnert und dann vor allem noch den genauen Standort bezeichnen kann.

Nachfragen bei offiziellen Stellen führen meist auch zu keinen brauchbaren Ergebnissen: Zeitzeugen s.o.; und Aktenmaterial ist inzwischen vernichtet worden oder die Suche findet nur sehr begrenzt :lol: statt.

Gruß
klaushh
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Rundungsfehler

Beitrag von Arzttrupp » 15.10.2015 09:27

Moin auch!

Du hast recht, Timo: Wer nicht fragt, bleibt dumm... So war es doch, oder?

Scherz beiseite: Ich wollte hier nicht den Eindruck erwecken, dass die Daten aus Christophs Buch zur punktgenauen Identifikation der BAMSt-Standorte taugen. Mir fiel eben nur auf, dass sich in auffällig vielen Fällen Sportstätten in relativer Nähe zu den BAMSten befinden. Ich liste das gerade mal auf (für S-H) und poste es, wenn ich das für vorzeigbar halte. Die denkbaren Gründe für die Sportplatznähe sind ja in den vorangegangenen Beiträgen schon plausibel dargelegt worden.

Wer eine BAMSt suchen will, der kann entweder darauf hoffen, dass er jemanden findet, der noch etwas weiß. Oder er kann die ungefähren Standorte als grobe Idee heranziehen und dann vor Ort mit ein wenig Bauchgefühl auf die Suche gehen. Mitunter hat man ja eine gewisse Intuition, wo die "Ostereier" versteckt sind. Bei mir hat es immerhin in zwei Fällen schon funktioniert. Aber ich muss Klaus völlig zustimmen: Einfach so loslaufen und hoffen dürfte kaum erfolgreich sein. Die Standorte weichen deutlich mehr als 100 Meter vom Zentrum der "Zielquadrate" ab. Und sofern das Bauwerk übererdet oder völlig eingewachsen ist - wenn überhaupt noch vorhanden - dann könnte man glatt drüber hinweglaufen, ohne etwas zu merken. Abgesehen davon: Wer sagt, dass die Daten alle korrekt sind? Für die BAMSt NMS habe ich starke Zweifel, denn mit den angegebenen Koordinaten landet man weit ab von irgendeinem Fabrikgebäude, das im Buch ja als Standort erwähnt ist. Warum sollte sich beim Abschreiben oder Verfassen des Buches nicht auch mal ein Schreibfehler eingeschlichen haben? Ich finde in meiner Dissertation heute noch Rechtschreibfehler, trotz vierfacher Durchsicht und Korrektur... So ein Zahlendreher oder Verschreiber in einer UTM-Koordinate ermöglicht im Zweifelsfall Abweichungen von mehreren Kilometern!

Grüße, Jens

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Beitrag von Shadow » 15.10.2015 09:41

Hallo Jens,
bevor Du Arbeit machst, die andere vielleicht schon erledigt haben:
Verrate doch bitte mal in Stichworten, von welchen Objekten Dir der Standort bekannt ist und nach welchen Du als nächstes suchen willst.

Thorsten.

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Beitrag von Arzttrupp » 15.10.2015 09:56

Moin!

Vielen Dank für Dein Angebot!

Wie in vorherigen Beiträgen erwähnt habe ich mit etwas Bauchgefühl die BAMSt in Preetz gesucht und gefunden, was überasschend leicht war.

Die Position der ausgebrannten BAMSt in Eutin hat sich mir auch ohne die genaue Standortangabe von Klaus aufgedrängt. Dennoch danke für die Koordinaten - das hat mich bestätigt.

An der BAMSt in Albersdorf bin ich zweimal vorbeigefahren (Augen auf im Straßenverkehr!) und habe erstmal an der falschen Stelle gesucht. Ich muss allerdings demnächst nochmal in die Gegend und werde dann den Standort prüfen, da ich mir sehr sicher bin, wo die BAMSt liegt (oder mal lag, mal sehen).

Da ich an diesem tag auch in Richtung Itzehoe unterwegs bin, werde ich mal versuchen auf dem Rückweg einen Bogen über Kellinghusen zu schlagen. Da habe ich zwei Sportplätze im Visir, die ich überprüfen möchte.

Und für Bordesholm habe ich das Schulgebäude im Verdacht, das sollte so in etwa aus der Zeit stammen, als die BAMSten erbaut wurden. Vielleicht lebt ja noch ein alter Hausmeister...

Aber für Infos bin ich immer mehr als dankbar!

Viele Grüße,

Jens

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Beitrag von klaushh » 15.10.2015 10:30

Moin, moin!

@Arzttruppp
Die im Buch angegebenen Koordinaten 32U NE 620952 sind die "richtigen amtlichen" Koordinaten für die BAMSt Neumünster. Es liegt kein Schreibfehler vor.
Wenn Du es nicht glaubst, kannst Du ja mal in der BAMSt anrufen (04321 / 403386) :lol:
Es bleibt dabei: die "amtlichen" Koordinaten sind nicht zum Auffinden eines exakten Standorts geeignet.

Gruß
klaushh
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Beitrag von Arzttrupp » 15.10.2015 11:12

Moin nochmal,

danke für die Info Klaus. Ich wollte ja auch nur mal die Möglichkeit von Schreibfehlern aufzeigen.

Ohne Christoph hier in irgendeiner Weise kritisieren zu wollen, es sind auch im Buch durchaus ein paar Tippfehler drin. Das lässt sich auch bei sorgfältigstem Lektorat nicht umgehen - kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen! Als Beispiel sei die BAMSt "Rehm-Felde-Bargen" genannt. der Ort heißt korrekt Rehm-FLEHDE-Bargen. Und bei den Koordinaten wird vom UMTREF geredet, wo ich mir ziemlich sicher bin, dass das Kooridinatensystem UTMREF heißt. Warum sollte sich da nicht auch ein Zahlendreher einschleichen...

Nochmal: Das hier ist keine Kritik am Autor sondern es soll nur eine weitere Erschwernis im Auffinden von Standorten aufgezeigt werden!

Jens

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