Warndienstleitmeßstellen

Zivile bzw. nicht-militärische Schutzbauwerke und Anlagen des Kalten Krieges
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derlub
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Warndienstleitmeßstellen

Beitrag von derlub » 23.04.2009 17:26

Hallo.
Ich merke grade (oder ich habe was übersehen), dass wir hier im Forum bisher kaum etwas über die Warndienstleitmeßstellen geschrieben haben.

Zur Erklärung, um was es sich genau bei den Warndienst-Leitmeßstellen handelt, zitiere ich mal aus Mikes Artikel
"Der Warndienst in der BRD" :
"Für die Erfassung der ABC-Lage unterhielt der Warndienst ein eigenes Netz von fernabfragbaren Messstellen, die im Abstand von zehn bis fünfzehn Kilometern über das gesamte Bundesgebiet verteilt errichtet wurden. Jeweils etwa fünfundzwanzig Messstellen wurden zu Leitmessbezirken zusammengefasst und einer Warndienst-Leitmeßstelle zugeordnet. Diese waren jeweils einem bestimmten Warnamt unterstellt und meldeten ihre Beobachtungen und Messergebnisse dorthin. Die Aufgaben einer WD-Leitmeßstelle bestanden in

der Sammlung der Meldungen der zugeordneten ABC-Beobachtungs- und Meßstellen über ABC-Angriffe und gegebenenfalls ermittelte Messwerte.
der Überprüfung der eingegangenen Meldungen auf ihre Verwertbarkeit für die Erfassung der ABC-Lage.
der Übermittlung der Meldeergebnisse und eigener Beobachtungen und Messungen an das zuständige Warnamt.
Die Ausdehnung eines WD-Leitmeßbezirkes entsprach in etwa der eines Regierungsbezirkes. In der damaligen Bundesrepublik gab es 1989 insgesamt vierzig Warndienst-Leitmeßstellen, die zum Teil auch in Schutzbauwerken untergebracht waren. Das Netz der untergeordneten WD-Meßstellen bestand zu diesem Zeitpunkt aus insgesamt 1.560 Geräten und sollte auf rund 2.000 Meßstellen erweitert werden.

Das Personal einer WD-Leitmeßstelle bestand normalerweise aus einundzwanzig freiwilligen Helfern, welche die Leitmessstelle in Friedenszeiten nur bei Ausbildungsveranstaltungen und Übungen besetzte. Im Einsatzfall wären die Leitmessstellen ständig besetzt gewesen."


Nun meine Frage in die Runde:

Wer kennt konkrete Beispiele, Standorte, Bauwerke oder hat sogar Fotos dieser Warndienstleitmeßstellen? Mindestens 40 dieser z.T. verbunkerten WD-Leitmeßstellen muss es ja gegeben haben.

Grüße,
Christoph

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TimoL
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Beitrag von TimoL » 23.04.2009 20:25

Warngebiet I:

Warnamt: Hohenweststedt

WD-Leitmeßstelle 11: Hohenweststedt; direkt auf dem Gelände des Warnamtes

WD-Leitmeßstelle 12: Schleswig; unterm Krankenhaus; nie fertig gestellt

WD-Leitmeßstelle 13: bis 1987 in Schönböken in einem Gutshaus, nix verbunkert; ab 1987 in Trappenkamp im Keller von einem Gebäude des ehemaligen Marine-Sperrwaffen-Arsenals.
"Die einen kennen mich, die anderen können mich!"
- Konrad Adenauer (1876-1967), erster Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland 1949-1963 -

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madru
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Beitrag von madru » 23.04.2009 22:35

TimoL hat geschrieben:Warngebiet I:

...
WD-Leitmeßstelle 13: bis 1987 in Schönböken in einem Gutshaus, nix verbunkert; ab 1987 in Trappenkamp im Keller von einem Gebäude des ehemaligen Marine-Sperrwaffen-Arsenals.
Das kann ja nur das Gutshaus hinter der Besamungsstation Schönböken sein...
Hier war bis zum Umzug in den Neubau in Rendsburg die Landeskatastrophenschutzschule für die Länder Schleswig-Holstein, Hamburg und Berlin unter gebracht.
Ich kenn die Schule leider oder auch glücklicherweise nur aus Erzählungen. Mein erster Kat-S-Lehrgang war erst 1993 in Rendsburg und das war schon guter Hotelstandard. Schönböken soll deutlich unter Jugendherbergsniveau gelegen haben - und das bereits unter dem Niveau der Jugendherbergen der 80er!

Wenn nun aber immer 25 Messstellen zu einer Leitmessstelle zusammengefasst werden sollten, waren dann nicht nur 3 Leitmessstelle für den Warnamtsbereich 1 zu wenig? Und sind die geografisch nicht auch etwas merkwürdig verteilt?
bis dann
Michael

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TimoL
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Beitrag von TimoL » 23.04.2009 23:21

Ja, Schönböken soll wohl richtig übel gewesen sein... Hab' ich auch schon von mehreren Altgedienten gehört...

In Schönböken gab es übrigens zu keinen Zeitpunkt irgendwelche Planungen für einen Bunkerbau !

Die WD-Leitmeßstelle 13 wurde übrigens nur wegen dem Reaktorunglück in Tschernobyl nach Trappenkamp "verlegt"...

So, und jetzt aber zu den Zuständigkeiten:

WD-Leitmeßstelle 11:
- Kreis Dithmarschen,
- Kreis Steinburg,
- Kreis Rendsburg-Eckernförde,
- Stadt Kiel.

WD-Leitmeßstelle 12:
- Kreis Schleswig-Flensburg,
- Kreis Nordfriesland,
- Stadt Flensburg.

WD-Leitmeßstelle 13:
- Kreis Plön,
- Kreis Ostholstein,
- Kreis Pinneberg,
- Kreis Segeberg,
- Kreis Stormarn,
- Kreis Herzogtum Lauenburg,
- Stadt Lübeck,
- Stadt Neumünster.
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Beitrag von madru » 23.04.2009 23:32

Hohenweststedt war ja nun auch so ein wenig für Hamburg zuständig...
Hat man in Hamburg nicht gemessen oder wer hat die Ergebnisse ausgewertet?
bis dann
Michael

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Beitrag von TimoL » 23.04.2009 23:34

Hamburg gehörte vollständig zum Warngebiet I.

Zuständig war die WD-Leitmeßstelle 13.
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Beitrag von derlub » 24.04.2009 01:15

Hallo Timo und Michael.

Vielen Dank für Eure Infos und Antworten. Zur Warndienstleitmeßstelle 13 am späteren Standort Trappenkamp kann ich noch sagen, dass hier dann ein Schutzraum genutzt wurde. Timo, Du schreibst, dass die WD-Leitmeßstelle 13 erst ab 1987 nach Trappenkamp verlagert wurde. Aber schon im Heft 5 1984 des ZS-Magazins ist zu lesen:

"Mitten im Herzen von Schleswig-Holtein, nahe Neumünster, war die Leitmeßstelie 13 in drei ca. 28 qm großen Räumen des ehemaligen Gutsherrenhauses von Schönböken untergebracht. Das Herrenhaus wurde nach dem Krieg als Dorfschule genutzt. Später war die DEULA (Deutsche Landmaschinenschule) darin untergebracht. Heute befindet sich dort die Katastrophenschutzschule des Landes Schleswig-Holstein.

Das Warnamt I suchte nach einer besseren Unterkunft. Diese fand man in einem Schutzraumkeller des
ehemaligen Marinearsenals Trappenkamp.
Nach dem Ausbau des Schutzraumes stehen der LMSt nun Arbeitsräume, Schlafraum, Sanitärräume und eine kleine Küche zur Verfügung. Lüfter und Filteranlagen ermöglichen es, die Leitmeßstelle mit Bunkerverschluß zu führen.
Die Haupträume sind der Fernmelde- und ABC-Auswerteraum. Mehrere Telefonanschlüsse verbinden mit der
Außenwelt. ..."


Möglicherweise war der Umzug also schon früher. Aber interessanter noch, es wurde ein Schutzraum für die WD-LMSt 13 hergerichtet.

Grüße,
Christoph
Zuletzt geändert von derlub am 24.04.2009 01:41, insgesamt 4-mal geändert.

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Beitrag von derlub » 24.04.2009 01:19

TimoL hat geschrieben: WD-Leitmeßstelle 11: Hohenweststedt; direkt auf dem Gelände des Warnamtes
Die müsste dann, wie glaube ich bei den WD-LMSt auf den Grundstücken der Warnämter üblich, in einem Schutzraum der Unterkunftsgebäude gewesen sein.

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Beitrag von Godeke » 24.04.2009 06:51

Hallo :-) ,

im Warnamt 3 in Rodenberg befand sich auch eine Leitmeßstelle, wegen der Nummer müßte ich mal nachschauen. Das Warngebiet 3 verfügte insgesamt über 4 Leitmeßstellen.
...und jetzt noch mal schnell zu www.thw-lueneburg.de , der aktuellen Seite mit News aus der wunderbaren Welt des Helfens!

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Beitrag von TimoL » 24.04.2009 07:30

@derlub:
Sorry... :oops:

Im Jahre 1987 wurde der Schutzraum unter dem ehemaligen Wirtschaftsgebäude des des ehemaligen Marine-Sperrwaffen-Arsenals Trappenkamp eingerichtet, bzw. fertig gestellt...

1984 taucht in meinen Unterlagen auch auf, allerdings ist hier noch von einem Provisorium die Rede.

1987 als Fertigstellung wird übrigens auch von der FF Trappenkamp bestätigt.

Die WD-Leitmeßstelle 11 befindet sich tatsächlich unter dem Unterkunftsgebäude vom Warnamt I.
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