Bunker unter Bahnhöfen

Zivile bzw. nicht-militärische Schutzbauwerke und Anlagen des Kalten Krieges
tj

ABC-Luftschutzbunker am/unterm HBF in Oldenburg bei Bremen

Beitrag von tj » 10.02.2006 19:09

In Oldenburg am HBF gibt es sogar zwei Bunkeranlagen, ABC-Luftschutzbunker aus den 70igern, im Westen für einen Rettungs/Bergungstrupp der damaligen Deutschen Post sowie für Zivilpersonen und im Osten für "höhergestellte Personen", ursprünglich gab es Verbindungsgänge sowohl zu einem Luftschutzhochbunker (abgerissen zugunsten R+V-Versicherungsgebäude bzw. Hypovereinsbank) und zu einer jetzt angeblich geheim reaktivierten Anlage unter dem sog. Pferdemarkt, der zentralen Kreuzung in Oldenburg. Den erstgenannten Bunker haben wir gemietet, inzwischen provisorisch zugänglich gemacht und werden ihn demnächst hoffentlich komplett erschliessen können, die Befehlsstände dazu befinden sich direkt unter dem Bahnsteig - 1 am HBF. 8)

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Beitrag von MikeG » 11.02.2006 19:01

Moin!

Es muß nicht immer Kaviar sein – oder anders gesagt: Auch Kleinigkeiten sind nicht automatisch uninteressant.

Ich hatte heute die Gelegenheit, mir zwei Bahnhofs-Schutzräume eines Kleinstadt-Bahnhofs anzusehen. Der Bahnhof verfügt über zwei identische Schutzräume aus dem Zweiten Weltkrieg, die heute nur noch als Abstellräume genutzt werden. Bei diesen, unter den Bahnsteigen liegenden Schutzräumen handelte es sich um reine Splitterschutz-Maßnahmen, Gasschutztüren, Ventile, Klappen und Lüftungsanlage fehlen und waren definitiv auch nie vorhanden. Der Zugang erfolgte über kurze Treppen von einem Fußgängertunnel aus. Die heute noch vorhandenen Holztüren sind möglicherweise noch original, ein Rahmen für eine Gasschutztür war nie eingebaut. Jeweils zwei einfache, offene Rohr-Entlüftungen sorgten für Frischluft. Über eine kurze Leiter und eine Luke konnte man bei verschütteter Tür ins Freie gelangen.

Es handelt sich, wie schon gesagt, um äußerst einfache Bauwerke (Länge 14,5m x Breite 1,77m x Höhe 1,90m innen), die Wandstärke liegt bei 0,5m, die der Decke bei 1,0m.

Nicht aufregend, aber zumindest aus meiner Sicht ein schönes Beispiel für ein einfaches, splittersicheres (im Gegensatz zu "bombensicher") Schutzbauwerk des 2.Wk..

Mike
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Geheime Bunker in Oldenburg? ...

Beitrag von MikeG » 12.02.2006 15:22

Hallo tj,

das hört sich ja interessant an – aber auch etwas abenteuerlich ...

Zunächst mal ist der Begriff „ABC-Luftschutzbunker“ widersinnig. Entweder, es ist ein Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg oder ein (wie auch immer gearteter) Schutzraum aus der Nachkriegszeit bzw. dem Kalten Krieg. Das aber nur nebenbei zu den Begrifflichkeiten.

Du beschreibst darin eine Anlage „für einen Rettungstrupp der Deutschen Post und Zivilpersonen“ Nun sind und waren auch Postbeamte schon immer Zivilpersonen, aber ich glaube, ich weiß, was Du meinst. Die DBP hatte zwar reichlich verbunkerte Verstärker- und Vermittlungsstellen und auch reine Personenschutzräume, eine Kombination mit einer Zivilschutzanlage ist mir aber nicht in einem einzigen Fall bekannt. Zudem habe ich noch nie davon gehört, daß die DBP Rettungs- und/oder Bergungstrupps gehabt hätte ...

Die Legende von allerlei Verbindungsgängen zwischen diesen und jenen Bunkern ist beliebt und keineswegs neu. Warum also nicht auch in Oldenburg? Auch, wenn es solche Gänge hier und da gibt, handelt es sich doch meistens nur um Infrastruktur für etwas anderes, also z.B. Rohr- oder Leitungsgänge, Wartungsschächte etc, die mit den Schutzräumen an sich oft gar nichts zu tun haben. In Oldenburg unter der genannten Kreuzung gab es anscheinend früher Fußgängertunnel, die jedermann benutzen konnte. Wahrscheinlich basieren die Legenden auf deren Existenz.

Wäre schön, wenn Du zu diesen Sachen etwas sagen könntest.

Mike

tj

Oldenburger ABC-Luftschutzbunker

Beitrag von tj » 12.02.2006 16:54

Hi Mike,

abenteuerlich ist das Ganze tatsächlich, aber auf die Legenden hab' ich bewusst weggelassen (alter Tunnelgewölbebunker aus der NS-Zeit unter dem Bahndamm-Süd z.B.), die Verbindungsgänge und die Kombinationsstruktur der beiden HBF-Bunker mit den "geheimen" Anlagen sind real , zu den Anschlüssen West in Richtung Nord und Ost haben wir sogar die Grundrisse - und die sind eindeutig. Mit dem Bunker West hab' ich mich nebenbei und eher hobbymässig in den letzten 4 Jahren beschäftigt, der sollte tatsächlich von der Post bedient werden, die Ausrüstung (Uniformen und Goretex-Anzüge mit Post-Leuchtaufdruck bzw. Postemblemen, Mützen, Schutzhelme, Gasmasken usw.) sind zum Teil noch nicht geplündert, d.h. noch da, auch hab' ich u.a. eine Original-Ausstattungsliste für den KatS-Bergungs-Zug Deutsche Post, selbst das inzwischen entwendete Dieselstromaggregat hatte ein Post-Emblem. Der uns zugängliche Teil erschreckt sich auf etwa 2000 m², wobei sich die Notein- und Ausstiege entweder zwischen den noch vorhandenen in Betrieb befindlichen Gleisen befinden oder dort, wo die alten Postpaketverladegleise inzwischen entfernt wurden, der Verbindungsgang in Richtung Ost wird durch den ehemaligen Befehlsstand unterbrochen, der sich schlauchartig mit drei Räumen unter dem Bahnsteig - 1 befindet. Der Bunker selbst besteht aus diversen "normalen Gängen", die verschiedenen Luftschutzräume und eine Dekontaminationsstation verbinden sowie "Kriechgängen", die zu den Luken führen und die Luftschutzräume umlaufend unter den Gleisen verbinden, netto ohne Gänge etwa 800 m² Flächen. Die Luken und alle Überdruckanlagen, Kohlefilter, Kompressoren für den Innenüberdruck gegen ABC für Elektro- und Handbetrieb sowie alle Ventile usw. sind noch da und funktuionieren prima... Was wir noch nicht rausgefunden haben ist die Wasserver- und Entsorgung, da das Ganze blöderweise undurchwirrbar mit den Anlagen der Oldenburger Hauptpost verbunden ist (Mittelspannungsanlage für Strom, Zu- und Abwasser ausser getrennter Oberflächenentwässerung sind verbunden, Pläne gibt's nicht mehr?) In dem Bunker befindet sich auch ein sehr grosses Ventil in einer Bodenluke, ein KatS-Kumpel von mir hat sich das angeguckt und meinte "Finger weg, das ist ein Direktanschluss ans Wasserwerk", das Entwässerungssystem des Bunkers lässt sich leider auch nicht leerpumpen und untersuchen, nach 24-Stunden abpumpen haben wir wegen des ständig nachlaufenden Wassers, dessen Herkunft bis heute unklar ist, aufgegeben. Eventuell tatsächlich eine Leckage aus dem angeblichen Wasserwerksdirektanschluss? Die Sanitäranlagen haben GFK-Wassertanks zum Befüllen mit Schlauchanschlüsssen, die Fallrohre für WC-Waschbecken sind "zugemörtelt, wohl um die Überdruckgeschichte zu ermöglichen" Tja, wenn sich jemand auskennt und uns dazu Tipps oder Infos geben kann können wir gerne Besichtungstermine vor Ort vereinbahren? Gruss aus dem Oldenburg der Bunkerlegenden :-) tj

tj

Oldenburger ABC-Luftschutzräume

Beitrag von tj » 12.02.2006 17:10

Ganz vergessen, ich (wir) sind absolute Laien, ich versuche also einfach zu beschreiben, was "Sache" ist, beherrsche aber die Fachterminologie logischerweise nicht... Ansonsten, die Räume sind in sehr gutem Zustand, die Absenkungen aufgrund des Bahnbetriebes halten sich Grenzen und das Ganze hat den Charme einer Grundschule in Betonbauweise aus den 70igern, die Vorstellung, da unten einen ABC-Angriff zu überleben hat schon was sehr Bedrückendes und wenn man sich die Santitätsausrüstungen anguckt (Knochensägen, skurile Beatmungsvorrichtungen usw.), dann bringt einen das schon ins Grübeln... bin Jahrgang 61 und hab den kalten Krieg schon noch etwas in Erinnerung...

Megavolt

Otzenrath Bahnhof

Beitrag von Megavolt » 12.02.2006 20:19

Moin,

in Alt-Otzenrath, das für Garzweiler geplättet wird, ist mittlerweile auch der ehemals denkmalgeschützte Bahnhof an RWE übergeben worden. Als Bahnhof schon lange nicht mehr benutzt (20-30 J.??), erbaut wohl um die Jahrhundertwende.

Im Prinzip besteht dieser Keller aus drei hintereinander gelegenen Tonnengewölben (heißen die so?), je ca. 3-4 x 6-7 m, knapp 2 m hoch. Das erste ist nicht durch Türen geschützt. Die zwei weiteren betritt man hintereinander durch nicht allzu dicke Stahltüren. Mittlerweile sind sie verrostet. Platz vielleicht für 20-30 Personen pro Keller, schwierig zu schätzen für einen Laien. Interessant erscheint mir, daß man diese Türen wohl nachträglich eingebaut haben muß (vor, im 2. WK?).

Anbei ein paar Bilder. Vielleicht interessiert es jemanden. Der Bahnhof wird vermutlich in den nächsten Wochen abgerissen. Wer sich für die Architektur des darüber stehenden Gebäudes interessiert, sollte erst recht vorbeischauen. An die gesetzlichen Bestimmungen brauche ich ja nicht zu erinnern. ;-)
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hollihh
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Beitrag von hollihh » 12.02.2006 20:25

Hallo Megavolt,

tolle Bilder - was ist denn mit der dazugehörenden Eisenbahnstrecke ? Verlegt oder abgebaut ?

Gruß aus HH

Holli

Megavolt

Otzenrath Bahnstrecke

Beitrag von Megavolt » 12.02.2006 21:19

Moin, moin,

genaues finde ich leider nicht. Gebaut wurde die Strecke in den 1870er Jahren, so alt wird wohl auch das Bahnhofsgebäude sein.

Mitte der 1980er Jahre lagen die Gleise wohl noch, wurden aber schon lange nicht mehr benutzt, aus Wirtschaftlichskeitsgründen. Ich glaube seit den 70ern. Danach abgebaut, die gesamte Strecke ist überwachsen und wird jetzt für den Tagebau wieder vom Pflanzenwuchs geräumt.

Für Leute aus der Gegend, die das ganze noch vorm Abriß sehen wollen, noch ein paar Links.

Mehr zur Bahnstrecke Stolberg (Aachen) - Hochneukirch (Mönchen-Gladbach) bei http://gessen.de/str/stolhochneu.html

Die Gleise und Bahnhof in den 1980er Jahren: http://www.eisfeldweb.de/galerie/detail ... age_id=114

Noch ein Foto von der ehemaligen Gleisseite (links war eine Gaststätte, von der noch Vertäfelungen zu sehen sind): http://www.fotocommunity.de/pc/pc/cat/3 ... ay/4861324

Interessant wäre zu wissen, wann der Luftschutzraum eingebaut wurde.

Gast

Beitrag von Gast » 12.02.2006 22:29

Hallo zusammen,

diese Bunker gab(gibt?) es bei der DB meines Wissens nach bei Stellwerken und Kommunikationseinrichtungen. Die DB hatte ja ein eigens Kommmunikationsnetz.

Während eines Praktikum bei der Firma A...(damals der Betreiber des Bahn TK Netztes) habe ich ein paar dieser Bunker gesehen.

Leider nur von aussen. Die gesamte Technik war aber immer ausserhalb der Bunker.

Eine zentrale Vermittlungstelle befand sich dagegen in einem Hochbunker. Durch Umbauten/Durchbrüche wurde hier der Schutz herabgesetzt. Z.B wurden die Klimaanlage in Containern im Hof für Technik im Erdgeschoss.

Ich vermute, das die Bunker der Stellwerke dem Schutz des Personals dienten.

Wenn ich mich Irre, korrigiert mich

Gruss aus dem Rhein Main Gebiet

afc

putzi
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Beitrag von putzi » 27.03.2006 13:14

wenn du die mza im stuttgarter hauptbahnhof besichtigen willst, musst du dich an den schutzraumbetriebsdienst in Stuttgart wenden, bieten für viele anlagen führungen bis max. 15 personen an. zu erreichen unter

http://srbd.de/

mfp peter :)

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