Munitionsfabrik in Quickborn

Militärische Objekte des Ersten Weltkriegs, der Kaiserzeit etc.
Paddel
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Munitionsfabrik in Quickborn

Beitrag von Paddel » 13.10.2004 21:52

Hallo zusammen,

In Quickborn-Heide (Schleswig-Holstein) stehen noch Reste einer
Muni-Fabrik. Die Fabrik ist während oder kurz nach dem WK1 explodiert.
Bei dem Unglück sind nach der Aussage von meinem Opa mehrere hundert Arbeiterinnen ums Leben gekommen.

In den Resten der Bunker habe ich als Kind noch gespielt, inzwischen sind diese leider abgerissen oder überbaut worden.

Hat jemand noch Infos zu der Anlage oder dem Unglück??

Vielen Dank
Gruß Mark

Gast

Beitrag von Gast » 13.10.2004 22:20

irgendwann tauchte diese unglück mal in irgendeiner tv-doku auf... ich krieg´es aber nicht mehr zusammen. :?

via i-net am besten google...
suchbegriffe: -Thorn Glückauf- / -10. Februar 1917- -Sprengstoffabrik-

irgendwo auf einem friedhof in quickborn gibt es auch noch ein denkmal/gedenkstein dazu.

Devon

Beitrag von Devon » 13.10.2004 23:18

Waren IMHO fast 300 Tote zu beklagen. Wenn mich meine grauen Zellen nicht täuschen, war in der Zeitschrift Industrie-Kultur mal ein Artikel darüber... Aber viel gibt auch google dazu nicht her...

hermann
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Beitrag von hermann » 28.07.2005 20:10

Hallo,

am Dienstag 27.07. war ein kurzer Bericht über die Munitionsfarbirk in Quickborn auf N3 in der Sendung "Hafen, Flut und Feuerstürme - Hamburgs Gesichte 1914-45". Es ging um Frauen die während des Krieges dort arbeiten mussten. Auch über die Explosion in der Fabrik wurde berichtet. Auf dem Friedhof von Quickborn ist ein Gedenkstein für die Opfer der Explosion errichtet wurden.

Mfg Hermann

Jack Russell

Beitrag von Jack Russell » 31.12.2006 19:54

Hallo zusammen,
unter "Geschichte" findet man auf der Web-Seite von Quickborn folgende Zeilen:
Am 10. Februar 1917, mitten im Ersten Weltkrieg, ereignete sich ein großes Explosionsunglück in den 1910/11 eingerichteten Sprengstoffabriken Thorn und Glückauf in der Quickborner Heide. 115 dort beschäftigte Frauen und Mädchen verloren dabei das Leben. Die Detonationswelle richtete noch in Altona Schäden an. Ein Gedenkstein auf dem Quickborner Friedhof erinnert an die Opfer. Überreste der Fabrik sind noch heute sichtbar.
Ich wohne ganz in der Nähe und habe mal eine kleine Erkundung durchgeführt. Anbei mal ein Eindruck:

JR
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master
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Beitrag von master » 01.01.2007 08:25

Jack Russell hat geschrieben: Die Detonationswelle richtete noch in Altona Schäden an.
Hallo,
mit Altona ist wohl nicht der hamburger Stadtteil gemeint, erscheint mir etwas zu entfernt.

Thomas

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klaushh
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Explosion in Sprengstoff-Fabrik

Beitrag von klaushh » 01.01.2007 09:19

Moin, moin und ein Prosit Neujahr!
(siehe Datum dieses postings)

In zeitgenössischen Berichten ist immer die Rede von "Altona".
Da nur von "Altona" die Rede, wäre es trotz der großen Entfernung (denn "Altona" liegt wirklich nicht "all to nah") doch recht ungewöhnlich, wenn es im übrigen Radius um Quickborn-Heide (so heißt die Gegend heute) nicht auch Schäden gegeben hätte, die berichtenswert gewesen wären.
Insofern halte ich
1. die Angabe von (Hamburg-)Altona für einen Fehler, oder
2. es ist ein anderes Altona gemeint (Flurbezeichnung? Hofbezeichnung? Gaststätte? o.ä.?).

Übrigens stand auf jeden Fall und richtigerweise damals nicht "Hamburg-Altona" in den Berichten, denn Altona kam erst durch das Groß-Hamburg Gesetz zu Hamburg.

Gruß
klaushh
Bei Interesse für Bunker und unterirdische Bauwerke in Hamburg mal http://www.hamburgerunterwelten.de besuchen!

Jack Russell

Beitrag von Jack Russell » 01.01.2007 10:36

Prosit Neujahr & Moin Moin,
mit Schäden düften wohl kaputte Scheiben gemeint sein. Das könnte durchaus möglich sein. Die Dörfer davor (Schnelsen, Friedrichsgabe, Garstedt, Hasloh ...) müssten dann aber ebenfalls Schäden zu verzeichnen gehabt haben.
Die Munitionsfabrik hatte übrigens einen Gleisanschluß zur Bahnstrecke Altona-Neumünster (heutige AKN). Der Bahndamm ist noch erkennbar und jetzt ein Rad- und Wanderweg. Siehe Foto unten.
Für den Luftbildauswerter:
http://maps.google.de/maps?f=q&hl=de&q= ... =h&iwloc=A

JR
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klaushh
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Sprengstofffabriken

Beitrag von klaushh » 24.02.2011 15:44

Moin, moin!

Bettika schrieb am 31.12.2010 unter Zweiter Weltkrieg-Rüstungsindustrie/Logistik --> Munitionsfabrik Elsensee:

"... die Geschichte der Sprengstofffabriken und Munitionsfabriken im Süden Schleswig-Holsteins im Zeitraum 1.WK ,wozu auch die Quickborner Heide gehört, füllt Bände worauf ich hier verzichte. Als Einstig Sprengstofffabriken empfehle ich "Manfred Jakubowski-Tiessen, Klaus-J. Lorenzen-Schmidt (Hg.): Dünger und Dynamit. Beiträge zur Umweltgeschichte Schleswig-Holsteins und Dänemarks. Neumünster 1999, ISBN 3-529-02931-9"
Munitionzerlegung nach dem 1.WK:
Am 13. September 1919 schloss der Reichsfiskus mit einem Firmenkonsortium einen Vertrag
über den Verkauf und die Vernichtung der im gesamten unbesetzten deutschen Gebiet und gestapelten und zu entladenden Munition. Zu diesem Firmenkonsortium gehörten auch die Norddeutsche Sprengstoffwerke AG, Hamburg und die Sprengstoffwerke Glückauf AG, Hamburg
mit Werken in Quickborn
Geschichte der Hamburger Sprengstoffwerke Quickbornheide (in Stichworten):
1907 Antrag der Explosivstoffwerke Thorn in HH zur Errichtung einer Sprenstofffabrik in Quickbornheide
1917 : nordwestl. an die Leucht- u. Signalmunitionsanlage grenzt an Sprengstoff-Fabrik Glückauf
1918: Auftrag Leucht- und Signalmittel, Übernahme der Fabrikanlage der liquidierten Explosivstoffwerke durch Nordd. Sprengstoffwerke;
1919: Syndikatsvertrag zwecks Munitionsvernichtung
1916-1920 zahlreiche Explosionen
1919-1923: Munitionszerlegung im Reichsauftrag Umarbeitung der in anderen Werken der Sprengstoffwerke zerlegten Munition zu mehreren Millionen Kilo Bergwerkssprengstoff
Lage:zwischen Ulzburger Landstraße, Friedrichsgaber Straße, Feldweg und Hermann-Löns-Straße sowie Freigelände im Bereich der heutigen Autobahnauffahrt;
Standortverbindung:Nordd. Sprengstoffwerke; Füllstelle Germania Ellerau in ca. 50-60 m Entfernung;
Quellen:Quickborner Archiv, Schriften des Geschichts- und Museumsvereins Nr.10(1987) ..."


Nunmehr sind die Reste der alten Anlagen endgültig abgebrochen worden. Das "Norderstedter Wochenblatt" brachte in seiner Ausgabe vom 22.2.2011 auf Seite 10 einen Artikel zum Abbruch:

http://www.hamburger-wochenblatt.de/fil ... t_KW08.pdf

Leider lag in der letzten Zeit viel Schnee dort auf dem Gelände, so dass ich die längst geplante Fototour noch nicht durchgeführt hatte. Nun ist es zu spät!
:(
Was lehrt uns das? Nicht durch das Wetter u.ä. abschrecken lassen, sondern hin und dokumentieren!

Gruß
klaushh
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Sprengstofffabrik Quickbornheide

Beitrag von bettika » 24.02.2011 20:17

Hallo Klaus,
das ist wirklich schade, das der Abbruch so überraschend kam, gibt es denn noch die Überreste der Sprengstofffabrik Glückauf und die Füllstelle Germania Ellerau oder war das alles ein Komplex?Ich kenne leider die Örtlichkeiten nicht.

Die Gebäudeliste zum Standort wies ganz interessante Bestandteile auf:

"Kesselhaus; Raum mit Kugelmühlen; Anlagen weitgehend 1912-14 errichtet: Glückauf 1911 erweitert: Mahl-; Misch- u. Salpetertrockenräume, Schlagkreuzmühlen, 2 Kollergänge für Natronsalpeter"
"1917: Norddeut. Sprengstoffwerke: Wache, Magazin, Tischlerei, Stall, Garage, Benzol, Kurkumamehl-Magazin, Amoniaksalpeter-Magazin, TNT-Magazin, Lagerschuppen, Kartonage, Schmelze, Mahl- u. Kollergebäude, Packschuppen;Sprengstofflager; Thorn GmbH":
"Wasserturm, Schuppen, Kesselhaus, Trocken-, Färbe-, Wasch-, Pulver- u. Wohnhaus; HH Werke "Glückauf": 2 Farbrikgebäude, Laboratorium, Patronier-, Mühlengebäude, Magazin, Villa, Kessel- u. Maschinenhaus, Sprengstofflager"

Quelle:Nacherfassung von Rüstungsaltlastverdachtsstandorten in Schleswig-Holstein PGBU 1998
Zum Explosionsunglück ist dort nachzulesen:
"1917/02/15: Explosion i.d. Leuchtpatronenfabrik - Anlage komplett zerstört; Perditfabrik der angrenzenden Sprengstoffwerke Glückauf AG ebenf. beschädigt; 122 Tote"

An der von mir o.g. Schrift des Geschichts- und Museumsvereins wäre ich interessiert.Kennt die jemand?

Interessant am Zeitungsartikel ist die Vermutung ,daß die Bauaufsicht den Abbruch gegen den Widerstand des Eigentümer durchgesetzt hat.Das kommt selten vor.

Grüsse
Beate
„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana

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