Kriegsende in Bayern

Militärische Objekte des Ersten Weltkriegs, der Kaiserzeit etc.
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Björn
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Kriegsende in Bayern

Beitrag von Björn » 22.01.2016 12:31

Durch die Doku "Heimatfront" des Bayerischen Rundfunks bin ich auf einen Umstand aufmerksam geworden, der mir so überhaupt nicht bekannt war:

noch am 05. November 1918, also nur ganz wenige Tage vor dem endgültigen Ende des 1.WK, marschierten königlich-bayerische Truppen an der Grenze zu Österreich auf bzw. sogar noch in Tirol ein!

Ziel war der Schutz der bayerischen Grenze bzw. der Südgrenze des Deutschen Reiches, da man bei Kriegsende noch einen Angriff italienischer Truppen befürchtete. Tatsächlich waren an diesem Tag die ersten italienischen Flugzeuge über Südbayern und München gesichtet worden.

Wie gesagt: diese Episode war mir so bisher noch nicht bekannt.

Weiß jemand mehr hierzu? Zum Beispiel wo in Tirol bayerische Truppen aufmarschiert sind oder bis wohin die italienischen Truppen nach Norden schon vorgedrungen waren?

Schönen Gruß
Björn

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turul
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Beitrag von turul » 22.01.2016 19:54

Hallo Björn,

näheres zum Grenzschutz gegen Italien in den beigefügten Buch-Auszügen.

Außer den in diesen Dateien erwähnten Einheiten wurden noch drei Fliegerabteilungen (Miller südlich Weilheim, Fischer bei Traunstein, von Mann bei Miesbach) und eine Jagdstaffel (Schonger bei Gmund) für den Grenzschutz aufgestellt. (Quelle: Pletschacher, Peter: Die Königlich Bayerischen Fliegertruppen 1912 – 1919, Planegg 1992, S. 57).
Bayerische Truppen standen in Landeck in Vorarlberg, am Tauerntunnel (Eisenbahn) südlich von Gastein und am weitesten südlich das durch Artillerie verstärkte I. Bataillon des 9. Bayerischen Infanterie-Regiments an der Franzensfeste südlich des Brenner.
Darüber hinaus wurden Teile der Fliegerabteilung Miller noch nach Innsbruck verlegt.
Nachdem in München die Revolutionäre die Macht ergriffen hatten, erhielten die bayerischen Truppen am 10. bzw. 11.11.1918 den Befehl zum Rückzug hinter die Landesgrenze. Erst dann rückten italienische Truppen über den Brenner vor und erreichten am 12.11.1918 Innsbruck. Zu Kämpfen kam es nicht.
Die bayerischen Truppen richteten dann einen Grenzschutz am Nordrand der Alpen zwischen Lech und Inn ein.

Einen bayerischen Grenzschutz gab es auch gegen die neu gebildete Tschechoslowakei an der Ostgrenze, allerdings fand hier kein Vormarsch auf böhmisches Gebiet statt. Der Grenzschutz Ost wurde teilweise erst im Juni 1919 aufgelöst.
Zu den nach dem Ausweichen auf die bayerische Südgrenze im Süden und Osten gebildeten Grenzschutzeinheiten siehe beigefügtes pdf-Dokument.

Weitere Literatur:
Jordan, Alexander: Krieg um die Alpen - der Erste Weltkrieg im Alpenraum und der bayerische Grenzschutz in Tirol (Zeitgeschichtliche Forschungen 35) Berlin 2008.
Stauber, Reinhard: Bayern, Österreich und Südtirol in der Epoche des Ersten Weltkriegs (1915-1920). In: Ackermann, Konrad u.a. (Hrsg.): Bayern - Vom Stamm zum Staat. Festschrift für Andreas Kraus zum 80. Geburtstag. (Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte, 140,2) München 2002, S. 491-502.
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Björn
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Beitrag von Björn » 23.01.2016 14:15

Danke Turul,

jetzt bin ich wunschlos glücklich!! Alle Fragen auf einmal beantwortet!
:thanx: :thanx: :thumbup:

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