Der NOK als Sperre bzw Hauptkampflinie

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Elmshorn
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Der NOK als Sperre bzw Hauptkampflinie

Beitrag von Elmshorn » 29.09.2012 18:30

Moin,

das der ehm. Kaiser Wilhelm Kanal schon in den Planungen als Sperre / Verteidigungslinie im zweiten Weltkrieg in Betracht gezogen wurde ist unstrittig und hier im Forum auch belegt.

Das der Nord-Ostseee-Kanal auch in den Planspielen des Kalten Krieges als Verteidigungslinie bedacht wurde, wurde auch bereits in vielen schönen Berichten hier belegt.

Diese Beiträge sind aber recht verstreut und der NOK als solches erscheint meist als Randnotiz. Durch die aktuellen Beiträge um die "Norwegische Besatzungszone" und meine aktuelle Arbeit am NOK möchte ich versuchen einen Thread zum NOK und seiner strategischen Bedeutung zu initieren - deshalb auch in Utopia.

Der NOK verläuft nicht überall als Bauwerk im Einschnitt, sondern gerade in dem Bereich der Wilster Marsch als "Dammbauwerk". Sprengt man nun diesen Damm, entleert sich das Kanal-Volumen in den niedriger gelegenen Teil. In dem Bereich "Neuendorf - Saschsenbande" ist deutschlands topografisch niedrigster Punkt mit etwa 4,5m unter Kanalspiegel.

Die norwegischen Truppen hatten nun die Aufgabe, im Fall der Fälle, den NOK unpassierbar zu machen, mit Sprengen der Fähren, Brücken und eben wohl auch dieses Bereiches und der Schleusen. Die Frage, die sich mir bei der Betrachtung auftut, ist aber: Der Kanal hatte früher mindestens eine Tiefe von 9,0m, später von 11,0m also als Panzersperre recht ansehnlich. Wird nun dieser Damm gesprengt und der Kanalspiegel sinkt auf z.B. 5,0m ab, wäre er doch für einige Panzer durchwartfähig?!? Also warum sollte man nun diesen Damm sprengen? Sicher baut man eine große Wasserfläche auf, aber das Gebiet der Wilster Marsch besteht eben aus Marsch und Mooren - schon daher schwer passierbar mit schwerem Gerät. Die Schleusen zu sprengen macht - aus meiner Sicht - auch nur wenig Sinn, denn sie sind nicht von Süd- nach Nord mit schwerem Gerät passierbar. Also würde eine Sprengung der Schleusen nur eine Befahrkeit des NOK mit Schiffen sperren mit der Inkaufnahme, daß sich der Wasserstand um 1,5m nach oben wie unten im Takt der Gezeiten verändert.
Machen diese Sprengungen also Sinn?
Zudem wäre der benötigte Sprengstoff erst heranzubringen gewesen. In dem Bereich sind mir bis dato keine Lagerstätten, wie Sperrmittelhäuser, aufgefallen.
So wäre der Sprengstoff erst aus Neumünster oder Rendsburg heranzuführen, was schon nen Stückchen wäre...

guthardt
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Warum sollte man

Beitrag von guthardt » 05.01.2013 23:18

denn am NOK etwas sprengen?

Von wo kam der Feind, und wo wollte er hin ?
Von "Osten", der klassische Fall im Kalten Krieg. Also währe Lübeck sehr gefährdet gewesen, im weiteren auch Kiel.
Flensburg mit seiner Marine wohl eher nicht auf dem Land- oder Seeweg.
Der Kanal bietet, wie beschrieben, eine gute Barriere, welche nur schwerlich zu überbrücken ist.
Die Brücken könnte man notfalls sprengen, die Fähren lähmen, man möchte ja evtl. Selbst mal wieder den Kanal passieren.
Nehmen wir heute mal die drei Autobahnbrücken über den Kanal weg, bleibt ohne Fähren keine Möglichkeit der Passierung mit Fahrzeugen, außer per Bahn oder Mob. Frücken-Einheiten.
Die Rampen müssten dann also auch noch gesprengt werden. M.e. Gibt es dafür an den entsprechenden Stellen auch Vorrichtungen, aber dieses werde ich demnächst einmal überprüfen.

Was bringt eine Sprengung?
Eine Flutung von Mooren und Flachland, welche wohl wenig Sinn macht.

Und eine Sprengung der Schleusen?
Jedenfalls würde dadurch nicht die Ostsee Voll- oder Leerlaufen, wie man annehmen könnte. Der Wasserstand ist, wie ebenfalls beschrieben, gar nicht so unterschiedlich.

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MikeG
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Beitrag von MikeG » 06.01.2013 00:08

Moin!

Der Nord-Ostsee-Kanal ist natürlich eine prima Sperre für Landfahrzeuge, die ihn kreuzen mochten. Aber er ist, wenn er für Schiffe nicht mehr passierbar ist, auch eine erhebliche verzögernde Wirkung für Seefahrzeuge in Richtung Nordsee. Und in genau diesem Punkt unterscheidet er sich bereits auf strategischer Ebene vom Elbe-Seiten- oder Mittellandkanal - er hat als Sperre sozusagen doppelte Bedeutung.

Mike

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petzolde
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Beitrag von petzolde » 06.01.2013 00:25

Was eine Sprengung des streckenweise hochliegenden Elbe-Seiten-Kanals bringt, habe ich mich bei der damaligen Diskussion dort auch gefragt:
Immerhin wäre das Kanalbett der Dammstrecke leer gelaufen, und die von den Russen vorsorglich mitgebrachten Pontons etc. hätten nicht zum Einsatz gelangen können.
Aber: Da die Sprengung von NATO-Truppen gemacht worden wäre, hätte man sicherlich vorher die Sicherheits-Sperrtore jeweils am Anfang der Dammstrecke verschlossen, so daß die aus der Dammstrecke des Kanals auslaufende und sich in das "Tälchen" ergießende Wassermenge wahrscheinlich überschaubar geblieben wäre.
Offene Fragen...
gruß EP

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klaushh
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Sicherheitstore?

Beitrag von klaushh » 06.01.2013 09:48

Moin, moin!

M.E. gibt es bei Kanal keine der von petzolde erwähnten Sichheitstore.
Ich kenne nur die Schleusen in Brunsbüttel und in Kiel.
Dort gibt es jeweils vier Schleusen mit je zwei Toren.
Die in den großen Schleusen ursprünglich vorhandenen zusätzlichen Toren etwa in der Mitte der Schleusen sind bewegungsunfähig bzw. ausgebaut.

Gruß
klaushh
Bei Interesse für Bunker und unterirdische Bauwerke in Hamburg mal http://www.hamburgerunterwelten.de besuchen!

petzolde
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Beitrag von petzolde » 06.01.2013 11:15

Ich schrieb vom Elbe-Seitenkanal, nicht NOK. Und hatte den Fred "Bruch des Elbe-Seitenkanals" in Erinnerung.
gruß EP

Deichgraf63
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Beitrag von Deichgraf63 » 06.11.2013 19:12

Am NOK gibt es zahlreiche Rampen für sogenannte "Pionierbrücken", also schwimmfähige Behelfsbrücken aus der Zeit nach dem WK2. Das lässt darauf schließen, dass der Kanal schon eine erhebliche strategische Bedeutung hatte. Entweder rechnete man damit, dass die festen Bauwerke und die Fähren durch einen Angreifer zerstört werden würden oder man hatte das selbst vor, denke ich. Da bleiben also noch viele Fragen offen.

psimyki
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NOK als Strategische Sperre

Beitrag von psimyki » 07.11.2013 09:29

Beim Lesen der ganzen Beiträge tauchte bei mir die Frage auf, woher die norwegischen Truppen kommen sollten. Selbst bei einer ausreichenden Vorwarnzeit wären die niemals rechtzeitig in ausreichender Stärke an Ort und Stelle gewesen. Zum Mal ja auch von der Nato ein sowjetischer Vormarsch von Norden eingeplant war. Deshalb auch entsprechende Reforger-Übungen knapp unterhalb des Nordkaps.
Also kämen nur deutsche, amerikanische und dänischen Truppen dafür in Frage.
Eine weitere Frage wäre die "Haltbarkeit" der Schleusentore in Kiel und Brunsbüttel? Nach einer Sprengung fehlt der Gegendruck des Kanals. Als wäre über kurz oder lang Meerwasser aus Nord- und Ostsee reingelaufen.

Gruß Psimyki

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Re: NOK als Strategische Sperre

Beitrag von kuhlmac » 07.11.2013 10:25

psimyki hat geschrieben:Beim Lesen der ganzen Beiträge tauchte bei mir die Frage auf, woher die norwegischen Truppen kommen sollten.
Hallo,
mal flapsig geantwortet: aus Norwegen? Aber eher aus Rendsburg.
Kennst du diesen Thread?
norwegische-besatzungszone-t17241.html? ... orwegische

Grüße
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Beitrag von OWW » 07.11.2013 10:32

Moin,
es gibt ja sogar eine Seite, die sich mit diesem Thema auseinandersetzt:

http://www.militarisiertelandschaft.uni-kiel.de/?p=886

Insofern ist die Forumszuordnung "Utopia usw." vielleicht ja nicht ganz korrekt ?

Gruß
Oliver

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