Itzehoe & Co

Fabriken, Kraftwerke, Zechen ...
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Goettschwan

Beitrag von Goettschwan » 16.12.2002 14:52

Zu Itzehoe : Das bezieht sich als Brache warscheinlich auf die ehemalige Alsen-Breitenburger Zementfabrik. Wann die dort angefangen haben, weiss ich nicht, aber sie ist Mitte der siebziger stillgelegt worden. Ich war öfter mal dort, weil das Gelände echt nicht ganz klein ist, und es ist schon sehr merkwürdig anzuschauen (möchte sagen, es gibt dort keine Kupferkabel oder so, die sind alle "gemardert" (neudeutsch für geklaut), aber die Hallen und die Reste der Produktionsanlagen stehen noch. Es ist gröstenteils Stahlbeton verbaut worden, aber auch einige Gebäude aus Ziegel und eine Wand sogar noch Fachwerk, was mich tippen lässt, das das Gelände wohl von vorgestern kommt.
Man hat wohl lange versucht, dort einen Käufer zu finden, aber das Gelände soll stark kontaminiert sein, und so werden nur ganz vereinzelt (und unschwer erkennbar vor Ort) einige Gebäude von irgendjemandem als lager o.ä. genutzt.
Natürlich ist dies ein beliebter Ort für die Sprühdosenfanatiker, wobei ich sagen muss, das die Itzehoer unter den selbigen stellenweise Wert auf Qualität legen (was dann doch recht interressant ausschaut), aber trotzdessen natürlich genug Zeit zum Toben hatten.
Leider ist es mir nicht vergönnt, mit Koordinaten zu spielen, aber das Gelände ist mitten in der Stadt, und liegt direkt am Fluss und an einer Eisenbahnlinie. Es hat auch einen nicht mehr genutzten Bahnabzweiger auf das Gelände, und ein Schienensystem für Loren auf dem Gelän.de
StG

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Eisenbahnfreund
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Beitrag von Eisenbahnfreund » 16.12.2002 16:27

Goettschwan hat geschrieben:[...]Wann die dort angefangen haben, weiss ich nicht[...]
Ich denke mal so ca Mitte des 19. Jhdts; als die Eisenbahn nach Itzehoe kam, stand auf dem Gelände der erste Itzehoer Bahnhof.

Na ja, und Schiffswracks gibt es an der Nordsee mehr als genug. ;) :mrgreen:
MfG
der Eisenbahnfreund

berndbiege

Uh-oh

Beitrag von berndbiege » 16.12.2002 17:14

Als alter Itzehoer kann ich kaum was hinzufuegen, Alsen-Breitenburg ist aber nicht schon seit den 70ern "dicht". 1981 hatte ich da noch einen Rettungseinsatz wegen "Kalk in Augen", also muss da noch irgendwelcher Betrieb gewesen sein.

Die Anlage ist direkt an der innerstaedtischen Stoerbruecke (Sprengschaechte dort mittlerweile versiegelt) und gammelt vor sich hin. Und das "gammelt" meine ich woertlich: Wer das Gelaende besucht, sollt sauvorsichtig sein - vor einigen Jahren gab es sogar einen Todesfall wegen Absturz (durchgerottete Abdeckung).

Zu finden gibt es da nix mehr, vertraut mir!

Interessanter waere da schon der noch in Betrieb befindliche Teil in Laegerdorf wegen der Werkseisenbahn!

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Käptn Blaubär
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Alte Zementfabrik

Beitrag von Käptn Blaubär » 17.12.2002 21:48

Goettschwan hat geschrieben: aber die Hallen und die Reste der Produktionsanlagen stehen noch. Es ist gröstenteils Stahlbeton verbaut worden, aber auch einige Gebäude aus Ziegel und eine Wand sogar noch Fachwerk ... Es hat auch einen nicht mehr genutzten Bahnabzweiger auf das Gelände, und ein Schienensystem für Loren auf dem Gelän.de
StG
berndbiege hat geschrieben:Interessanter waere da schon der noch in Betrieb befindliche Teil in Laegerdorf wegen der Werkseisenbahn!
Also, trotzdem: Das hört sich doch alles höchst interessant an!
Sollte man sich das nicht mal anschauen?
Timo, auf die Liste "wo wir immernoch mal hin wollen"?
Gruß
Michael

berndbiege

Pilgerfahrt nach Itzehoe

Beitrag von berndbiege » 18.12.2002 09:25

Hallo nochmal -

wenn ihr schon in Richtung Itzehoe pilgert, dann waeren da noch ein paar interessante Anlagen:

Die Tonkuhlen in Itzehoe - kaum noch was zu sehen ausser Wasser, aber damals sollen ganze Gleistrassen und einige Arbeitsgeraete dort "entsorgt" worden sein. Fuer Taucher vielleicht?

Die alte Trasse der Seilbahn Wacken-Itzehoe, die in den Sechzigern abgerissen wurde. Vor allem in den Waeldern befinden sich noch Sockel, zum Teil auch im Gebiet Sude-West (... entlang der Bahntrasse nach Sylt).

Die Ueberreste des NSKK-Stuetzpunktes am Delftor (gleich bei Alsen!).

Ich weiss nicht, ob der Bunker unter der Suder Eisenbahnbruecke noch zugaenglich ist ... frueher war das kein Problem ...

Fuer Beton-Feteschisten ist auch die Rusch-Anlage am Suder Hafen interessant!

Viel Spass!

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MikeG
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Beitrag von MikeG » 18.12.2002 12:39

Erzähl' mal mehr über die Seilbahn!

Mike

berndbiege

Die Seilbahn ...

Beitrag von berndbiege » 18.12.2002 13:37

Oh ... gerne, aber das ist echt Vergangenheitsbewaeltigung jetzt ... ;) ... ich krame das jetzt aus dem Gedaechtnis zusammen.

Also: Bis in die spaeten Sechziger oder fruehen Siebziger gab es zwischen Wacken und Itzehoe eine Loren-Seilbahn (die laengste der Welt? Europas?), die zum Transport von Ton eingesetzt wurde. Alle fuenfzig Meter oder so stand ein etwa sechs Meter hoher Mast, zwei Seilrollen, Drahtseile und dann alle Minute eine quietschende Lore.

Die Stecke lief zum Teil entlang der Bahnlinie Itzehoe-Sylt, etwa im Bereich Sude-West (den es damals nicht gab!), zum Teil durch Waelder. Querungen von Strassen waren nach meiner Erinnerung zum Teil aufwendig gestaltet, so mit Schutzdaechlein ...

Ab und an sollen auch Arbeiter in den Loren gehockt haben, aber das war verboten.

Ich habe da nur dunkle Erinnerungen dran, fand es aber als Kind beeindruckend, wie die Loren in endlose Folge und scheinbar wie von Geisterhand an einem vorbeischwebten. Da ab und an Tonbrocken herabfielen, war man natuerlich immer extravorsichtig ...

Das Ganze wurde eingestellt weil Lastwagen den Job schneller und billiger (???) machen konnten ... oder weil die Vorkommen erschoepft waren? Als ich noch da wohnte, fand ich das nicht besonders spannend ... und jetzt aergere ich mich!

Ich glaube, im Kreismuseum Prinzesshof (Itzehoe) gibt es noch Dokumente, Bilder ...

Weitere Infos: http://www.geschichte.schleswig-holstei ... cement.htm

Einen Film gibt es auch: http://www.utepodann.de/itzehoe/d_19092001.html

Ach ja - bei Kellinghusen (suedlich) gibt es ein Torfabbaugebiet mit der typischen Torfbahn (*hechel*), und am Stadtrand von Kellighusen lag auch ein Sonderwaffenlager der Amis ... also ist der Kreis Steinburg doch interessant?

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Beitrag von Deichgraf » 18.12.2002 14:39

Hallo Bernd,
gute Links - klingt sehr interessant.
Bis dann
Deichgraf

Gast

Beitrag von Gast » 18.12.2002 18:23

moin,

endlich ist nun mal das stichwort "sonderwaffenlager" in verbindung mit amies und kellinghusen gefallen.
hab´mich bislang nicht getraut danach zu fragen, weil ich die geschichte auch nicht so recht glauben wollte....das eben die us army dort bei kellinghusen atomwaffen gelagert haben soll.
ich habe bislang auch keinen weiteren hinweise auf dieses depot gefunden...also ...wer weiss mehr??

Holger

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Beitrag von MikeG » 18.12.2002 19:23

Es wird vermutet, daß dort SADM und MADM (siehe vorbereitete Sperren) lagerten. Bestätigt ist das nicht.

Wenn ich mir auf D-SAT den Aufbau ansehe, würde ich auch eindeutig auf Sonderwaffendepot tippen. Ein Geolocator und weitere Hinweise auf US-Truppen in Kellinghusen existieren auch.

Mike

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