Betonschiffe und "Transporterflotte Speer"

Militärische Objekte und Anlagen des 2. Weltkriegs (und 1933-1945)
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-ANDREAS-

Sieh an!

Beitrag von -ANDREAS- » 12.01.2003 14:31

Sehr interessant, was da entwickelt wurde.
Schade das die meisten Kähne schon nicht mehr existieren und die es dann doch noch gibt, vor sich hin rotten! :!:

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MikeG
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Beitrag von MikeG » 12.01.2003 16:50

Theoretisch erreicht Beton ja so ca. nach 30 Jahren seine höchste Härte. Weiß zufällig jemand, wie sich die Kurve dann weiter entwickelt? Daß es je nach Mischung unbd Umgebungseinflüssen Schwankungen gibt, ist schon klar. Aber es wird ja so etwas wie eine Faustformel geben...

Mike

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Deichgraf
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Beitrag von Deichgraf » 13.01.2003 12:17

Hallo dieselpeter,
gibt es auch Fotos von den Schiffen und steht in dem Beitrag was von der "Transportflotte Speer"?
Bis dann
Deichgraf

dieselpeter

Beitrag von dieselpeter » 13.01.2003 20:05

Tach auch,

der Begriff "Transportflotte Speer" wird dort nicht angeführt. Ich habe ihn jedoch in einem Erlebnisbericht gefunden von einem "Seefahrer", der auf einem solchen Schiff gefahren ist. Ich muss diesen Artikel allerdings noch aufarbeiten, soll heissen das Wichtige über die Schiffe heraus ziehen. (Es interessiert wahrscheinlich nicht wie betrunken der Kapitän war...). Der Bericht geht mehr über die Seefahrt als über die Betonschiffe.

Bilder sind vorhanden, allerdings in relativ schlechter Qualität. Ich bin noch dabei, diese nach dem scannen zu bearbeiten, damit wenigstens etwas darauf zu erkennen ist.

Vertrauenserweckend sahen die "Dampfer" jedenfalls nicht aus. Eigentlich wie ein normales Kümo (Küstenmotorschiff) aus der Zeit, allerdings mit extrem wenig Freibord in Beladung, so dass wohl sehr viel Mut dazugehörte auf so einem Schlurren zu fahren (siehe oben: der Zustand des Kaptäns hatte wohl solche Gründe...), mehr als Windstärke vier soll Orkanstärke für die Dinger gewesen sein.

Es wird noch ein paar Tage dauern bis ich das fertig habe.

Peter

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Beitrag von Deichgraf » 14.01.2003 06:53

Hallo dieselpeter,
klingt sehr interessant. Ich warte :mrgreen:
Bis dann
Deichgraf

SuR

Beitrag von SuR » 16.01.2003 15:29

Tach die Damen und Herren,

vielleicht interessiert es ja: im Bundesarchiv finden man die Transporteinheiten Todt/Speer im Bestand R 50 II.

dieselpeter

Beitrag von dieselpeter » 24.01.2003 20:36

Tach auch,

mein angegrauter Rechner hatte leider einen Totalcrash, kann jetzt erst weiter "arbeiten".

Bitte nich' ungeduldig werden...

Peter

dieselpeter

Beitrag von dieselpeter » 25.01.2003 08:28

Tach auch,

hier nun eine Zusammenfassung aus dem Erlebnisbericht eines Mannes, der 1947 auf einem Betonschiff als Steuermann gefahren ist. Sachlich stehen einige Aussagen im Gegensatz meines ersten Beitrages zu diesem Thema. Ein „Aufklären“ war mir trotz intensiver Suche in der kurzen Zeit nicht möglich.


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Wie bekannt gab es nach der Kapitulation 1945 eigentlich keine deutschen Handelsschiffe mehr. Die meisten Schiffe waren versenkt, viele mussten ausgeliefert werden, einige wenige wurden mit Giftgasmunition beladen zum Versenken unter Aufsicht der alliierten Besatzungsmächte auf den Atlantik, in die Nord- oder Ostsee gebracht.

Übrig geblieben waren eigentlich nur „unbrauchbare“ Schiffe. Zu diesen gehörten die „schwimmenden Steine“. Sie wurden in den letzten Kriegswirren zu zwölft in Stolpmünde auf Anordnung des Reichsrüstungsministers Speer (Anm. einziger Hinweis auf S.) aus Beton mit Moniereisen in der Schalenbauweise gegossen. Ballasttanks hatten die Schiffe nicht. Durch ihr hohes Eigengewicht machte sich das Fehlen nicht bemerkbar.

Zwei Panzermotore mit je 100 PS trieben zwei kleine Schrauben, die wiederum auf zwei eingehängte, viel zu kleine Ruderblätter wirkten. Mit sechs Knoten (ca. 11km/h) fuhren diese Schiffe mehr rechts als schlecht durch die Gewässer. Fahrtgebiete waren Ost- und Nordsee, aber auch flache Binnengewässer bis nach Brüssel oder Itzehoe wurden befahren. Die Ladung bestand überwiegend aus Steinkohlen, Koks, Schnittholz und Zellulose.

Das „Schiff“ war insgesamt unzulänglich, schwerfällig, seeuntüchtig und damit eigentlich unrentabel für den zivilen Seeverkehr. Von den Siegermächten wurde deshalb großzügig auf die Ablieferung dieser Schiffe verzichtetet.

Diese Schiffe wurden von Reedern als erste fahrbaren Untersätze übernommen und bildeten mit anderen Seelenverkäufern die Grundlage des Schiffsbestandes in der Nachkriegsschifffahrt. Allerdings klangen die Namen für diese Betonklötze mehr als optimistisch: ZUKUNFT, ZUVERSICHT, FLEISS, VERTRAUEN, ARBEIT, TREUE, und Ähnliches.

Diese Schiffe fuhren bei jedem Wetter unter Ausschluss von technischer Ausstattung: Funk und Telefon gab es gar nicht, die nautische und technische Ausrüstung war mehr als primitiv. Dazu wurde oftmals verbotenerweise auf Lotsen in entsprechenden Gewässern verzichtet um Geld zu sparen. Um im Falle des Falles gewappnet zu sein gehörte zur Ausstattung jedoch fünf Sack Spezialzement und zwei Kannen Spezialflüssigkeit. Mit einer Mischung daraus nach Vorschrift wurde die Besatzung in die Lage versetzt per Hand(!) nach der „Schwalbennestmethode“ ein Leck oder Riss auch unter Wasser abdichten zu können.

Um mit den konkurrierenden Schiffen aus Metall wegen schwächlichen Motoren zeitmäßig mithalten zu können, wurden oftmals „Abkürzungen“ gefahren. Mangels Echolot wurden hier auch Peilstangen oder Wurflot zur Fahrwassererkundung verwendet. Auch die Peilung über den Daumen auf Grund ständig drehender Kompassrosen half oft weiter. Nicht selten legten selbst hartgesottene Seeleute vorsichtshalber Schwimmwesten an....

Auch „schweres“ Wetter, das mit ca. vier bis fünf Windstärken begann, machten den Schiffsimitationen zu schaffen. Häufiger passierte es, das der Bug sich nach einem Wellental nicht mehr aufrichten konnte und das Schiff eigentlich auf seiner Holzladung schwamm. Die Leistung der Maschinen reichte in manchen „Stürmen“ nur zum „auf-der-Stelle-stehen“, Wellenhöhen ab zwei Meter wurden zur Mutprobe für neue Besatzungsmitglieder.

Pro Mann gab es eine „Schwerstarbeiterzulage“ von einer Flasche Schnaps pro Monat. Jeder Besatzung war ein Meister der Improvisation. Der Maschinist verstand es im Laufe der Zeit abgenutzte Ventilfedern mit einem eingeklemmten Schraubenzieher in Position zu halten, Ölleckagen bei laufendem Betrieb abzudichten und damit die immer müder werdenden Motoren in Bewegung zu halten. Die klotzig schweren Lukendeckel konnten nur von vier Mann bewegt werden. Die Decksbesatzung wohnte vorn im Logis unter der Back – bei Fahrt sehr durchgeschüttelt, dafür weit ab von der im Heck untergebrachten Schiffsführung. Die Fahrt auf einem Klotz schweißte die Besatzung allerdings auch zu einem funktionierenden Team zusammen.
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Weiter geht’s demnächst sofern Interesse besteht mit einem Erlebnisbericht über eine Sturmfahrt. Dann ist jedoch mein „Archiv“ erschöpft. Den angekündigten Beitrag über die Betonschiffe an der mecklenburgischen Küste kann ich doch nicht „liefern“, ich habe es mit einer anderen Story verwechselt.

Peter

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Beitrag von MikeG » 25.01.2003 12:35

Hi!

Hab's mit Interesse gelesen und wäre an Fortsetzung sehr interessiert!

Mike

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Beitrag von Deichgraf » 27.01.2003 07:18

Moin,
ich würde mich auch über eine Fortsetzung freuen.
Bis dann
Deichgraf

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