Scheinanlagen - Funktion, Aufbau etc. (Bezug: Uetersen)

Militärische Objekte und Anlagen des 2. Weltkriegs (und 1933-1945)
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barkel0_1
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Tarn - und Scheinanlagen

Beitrag von barkel0_1 » 26.08.2014 21:59

Hallo liebe Leute!
Lang ist es her, dass wir uns über die Scheinanlagen um den Fliegerhorst Uetersen unterhalten haben.
Nach über drei Jahren sind wir nun endlich soweit.
Im September kommt unser Buch zu dem Thema Tarn - und Scheinanlagen auf den Markt.
Bestellbar ist es schon jetzt.

Es hat so lange gedauert vom ersten Gedanken zwei Fotobücher zu machen, bis zu der Idee, die Fotobücher Tarnmaßnahmen und Scheinanlagen zu einem Buch zusammen zu fügen.
Dabei nochmal drei Jahre Recherche und Nachforschungen.
Augenzeugen befragen, Urheberrechte beachten, Archive anfragen und einen Verlag suchen.
Dann zig mal Korrekturlesen und verändern.

Es war doch sehr viel Arbeit aber nun ist es halt fertig.
Wir hoffen dieses Thema, welches sich um den Fliegerhorst Uetersen handelt gut rübergebracht zu haben?
Auch, weil so ein Thema ja gar nicht so oft zu finden ist, da es gar nicht mehr so viel darüber gibt?

Durch die vielen Fotos und Augenzeugenberichte haben wir aber gesagt, dass wir daraus ein Buch machen müßten, damit diese einzigartigen Fotos und die Geschichten darüber für jedermann zu lesen und zu betrachten sind.

Wer sich interessiert, kann mir eine PN schicken für die Informationen, wo man das Buch bekommt.
Es wird erstmal in einer kleinen Auflage erscheinen, damit unser finanzielles Risiko nicht unüberschaubar wird.

Das Buch selbst wird 25,90 Euro kosten.
Suche und sammel alle Infos über den Fliegerhorst Uetersen und Kaltenkirchen, Flak-Stellungen im Bereich Pinneberg.Wer hat für mich weitere Infos, Fotos oder Zeitzeugenberichte?

Bernhard_63
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Beitrag von Bernhard_63 » 01.09.2014 11:35

Hallo,

hier zwei Luftbilder von rumänischen Scheinanlagen, jeweils im Vergleich mit Luftbildern der Anlagen, die die Scheinanlagen darstellen sollten:
http://ncap.org.uk/feature/bucharest-bombing-decoy

Gruß
Bernhard

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barkel0_1
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Scheinanlagen

Beitrag von barkel0_1 » 01.09.2014 18:04

Schön, dass dies gute Tagaufnahmen sind.
Hier sieht man doch, wie einfach Scheinanlagen manchmal gehalten wurden.
Bei Nacht mit der richtigen Beleuchtungen aber sicherlich trotzdem real aussehen können.
Suche und sammel alle Infos über den Fliegerhorst Uetersen und Kaltenkirchen, Flak-Stellungen im Bereich Pinneberg.Wer hat für mich weitere Infos, Fotos oder Zeitzeugenberichte?

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niemandsland
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Beitrag von niemandsland » 08.09.2014 10:40

Hallo barkel0_1,

wie Du vielleicht mitbekommen hast, beschäftige ich mich schon eine Weile mit den Scheinflugplätzen und Scheinanlagen rings um Hannover. Inzwischen konnte ich rund 20 Anlagen um Hannover zwischen 1940 und 1945 nachweisen.

Mehr als 3000 Seiten über Scheinanlagen an Dokumenten insbesondere aus Großbritanien und den USA hab ich bereits zusammen, oder warte noch auf Lieferungen. Mit einigen Autoren von Büchern über Scheinanlagen, hatte ich in den vergangenen Monaten Kontakt. So z.B. mit den Herren Lohbeck, Raiss und Heidler. Darüber hinaus mit dem Bundeswehrforschungsamt und dem Bundesarchiv.

Aber zu den von Dir genannten Anlagen.
Ich hab lediglich zur Scheinanlage Hetlingen, die hier auch als "Hof 32" bezeichnet wurde, etwas gefunden.

Die Scheinanlage Hetlingen war den Alliierten spätestens ab dem 19.04.1943 als "Hamburg 3" bekannt. Als Lage ist 15 Meilen (1 Meile = ~1,61 km) westlich von Hamburg angegeben (Koordinaten: 53.36.02 / 09.37.22 -> so von den Engländern angegeben!). Weitere Einzelheiten sind möglicherweise im "CIU Q-Report No. 108" im britischen Nationalarchiv (wahrscheinlich: AIR 34/289) zu finden.

(CIU = glaube: "Central Intelligence Unit")


Was die Fotos betrifft, beziehe ich mich auf den Katalog für den Bau von S-Anlagen aus dem Jahr 1942.

--> Thread Seite 1

Zu den Fotos:

Bild eins (mit S-Flugzeug)

Das Bild mit dem vielen Rauch ist wahrscheinlich ein sogenannter "S-Brandherd". Die Zündung erfolgte über 2-3 S-Zündpatronen (Gerät 20). Ebenso wurden alle anderen offenen Brandstellen mit Hilfe der S-Zündpatrone entzündet.

S-Brandherd

"Mit S-Brandherden werden Erfolgsfeuer und Großbrandanlagen zusammengestellt." (...)

Als Brandmaterial dienten oft Abfälle aus verschiedenen Produktionen. In Hannover z.B. von der Raffinerie Deurag-Nerag. Oder andere Stoffe die gut und lange brennen, und bei deren Verbrennung eine starke Rauchentwicklung entsteht.


Am linken Bildrand ist wahrscheinlich eine S-Bodenleuchte zu erkennen.

S-Bodenleuchte

"Die Anwendung des Gerätes ist auf zwei Arten möglich. Entweder werden mehrere Geräte so aufgestellt, dass zusammenhängende lange Lichtbänder entstehen, die lange Hallenoberlichter vortäuschen, oder es werden nur unzusammenhängende kurze Lichtbänder entstehen, die nur schlecht verdunkelte Teile von langen Oberlichtern darstellen. Um die Helligkeitsunterschiede schlecht verdunkelter Lichtaustrittsöffnungen nachzuahmen, werden die Geräte in unregelmässiger Reihenfolge mit Glühlampen von 15-25 Watt bestückt."

Anmerkung: evtl. auch S-Gleisfeldleuchte !!!


Bild zwei: Die beiden brennenden Stahlfedern ???

Die Sandrinne und auch die Notrinne deuten auf ein geschlossenes System hin, das aus einem oder mehreren Tanks per Pumpe versorgt wurde. Gab es hier auch. Nähere Angaben hab ich bisher dazu nicht gefunden. Hier in Hannover waren die Rinnen betoniert. Leider wurde in den vergangenen Jahren hier in Hannover sehr viel von der Anlage durch den Grundstückseigentümer und Pächter zerstört.


Bild drei und vier: (mit den vielen Objekten)

Hierbei handelt es sich (wenn ich mich nicht verzählt habe) um ca. 18 (?) S-Signalleuchten bzw. S-Weichenlaternen, die z.B. für S-Bahnhöfe genutzt wurden. Die zwei Strahler in den Himmel wurden zum Aufblitzen von Oberleitungen verwendet.

Es könnte sich bei diesem Objekt um einen Schein-Güterbahnhof oder -Bahnhof gehandelt haben.


Bild fünf: sehr wahrscheinlich ein S-Kühlturm

Mit S-Kühltürmen sollen Dampf- und Raucherscheinungen vorgetäuscht werden, wie sie bei Kühltürmen von Dampfkraftanlagen beim Kokslöschen und ähnlichen Arbeitsvorgängen einstehen.

Soweit die mal die Ausführungen zu den Fotos. Leider ist mein Katalog nicht vollständig. Und auch in anderen Unterlagen sind Löcher vorhanden. Da Scheinanlagen (egal welcher Art) als Geheime Kommandosache eingestuft waren, die Zivilbevölkerung die Scheinanlagen in der Regel nicht betreten durften, höchsten Bauern mit besonderer Erlaubnis ist das erhaltengebliebene Material sehr rah. Wie bekannt wurden zum Kriegsende die meisten unterlagen verbrannt. So das sich auch mein Material eher auf Berichte der Alliierten und Zeitzeugenaussagen stützen.

Was mich aber mal interessieren würde: steht fest von welcher Anlage die Fotos stammen?

Und viel Erfolg mit Deinem Buch.

Soweit erstmal...
Weitere Einzelheiten kann ich vielleicht beisteuern, wenn ich meine CDs aus den USA erhalten habe.


Grüße aus Hannover
Guido Janthor
Zuletzt geändert von niemandsland am 08.09.2014 11:11, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitrag von niemandsland » 08.09.2014 11:07

Vielleicht auch noch interessant wenn die eine S-Anlage in unmittelbarer Nähe eines Flugplatzes lag:

Zum einen wurde gerade in den ersten Kriegsjahren gerne Soldaten der Luftwaffe von der Flak und von Fliegerhorsten zum Betreiben der Anlagen genutzt. Auch sollte die Flak und die Luftwaffe den Gegner bedrängen, so das er seine Bomben auf die Scheinziele abwirft.

Ich empfehle dazu auch mal die Ausführungen von Hampe zum Thema Nachtscheinanlagen.

Den Bunker für die Steuerung der Scheinanlagen bezeichnet Hampe übrigens als "Schaltbunker".

Außerdem recht interessant die Ausführungen über die Prüffelder für Scheinlagen-Geräte in Hamm/Westfalen und Pausin (Kreis Nauen). Die Ergebnisse der Forschung und Versuche von den Prüffeldern wurde vom RLM, Inspektion Luftschutz in Katalogen zusammengefasst. Aber es wurde auch viel individuell entwickelt.

Auch das führt Hampe kurz aus.

Quelle: Hampe, Ziviler Luftschutz im WK2, PDF: ab S. 24 -> Scheinanlagen

Worauf ich aber eigentlich hinaus wollte....

Der Kommandeur vom Luftgaukommando XI General Wolff schrieb zum Thema "Scheinanlagen" folgendes (sinngemäß):

Auf Flugplätzen wurden etwa ab 1940 sogenannte motorisierte Scheinanlagenzüge aufgestellt. Diese Züge bestanden aus mehreren Lastkraftwagen, auf welchen Beleuchtungsmittel, gut beleuchtete Fahrräder und ganze Flugplatznachtbeleuchtungen nebst dem nötigen Personal, verladen waren.

Der Auslöser für die Aufstellung der motorisierten S-Anlagen-Züge waren die nächtlichen Störangriffe der Engländer auf beleuchtete Bauernhöfe und Flugplatzgebäude.

Die S-Anlagen-Züge führen Nachts los, wenn der Einflug feindlicher Flugzeuge gemeldet wurde, und bauten an den Stellen, von wo der Anflug der Flugzeuge erwartet wurde, ihre Scheinanlage auf oder sie schalteten permanent gebaute Scheinflughäfen und Fabrik-Scheinanlagen in leichte Beleuchtung.

Ob es die motorisierten S-Anlagen-Züge nur im LG XI oder auch anderswo gab, ist mir bisher nicht bekannt. Sicher ist jedoch, das hier in Hannover zahlreiche temporäre Scheinflughäfen errichtet wurden. Mindestens zwei Stellen wurden regelmäßig genutzt.

Aus heutiger Sicht ist es schwer, temporäre Scheinanlagen, die von den Scheinanlagenzügen errichtet wurden und z.B. Kleinstscheinanlagen (sogenannte "KS-Anlagen") zu trennen. Letztere bestanden oft nur aus einem oder zwei S-Brandherden.

Quelle: BAMA RL 19/424 S.30f. / Gen.d.Fl. Ludwig Wolff, Ausführung über S-Anlagen im LG XI.

Hinweis: wahrscheinlich kostengünstiger ist die (handschriftliche?) Version aus einem Hamburger Archiv erhältlich. Diese liegt mir bisher noch nicht vor.

Soweit der Nachtrag...

Wenn Du Interesse hast, Dir auch ein paar andere Beispiele anzusehen, dann ließ Dir doch mal mein altes PDF durch, das ich hier im Forum mal vor einigen Monaten eingestellt habe.

Link: Scheinanlagen in Hannover: zweite PDF etwas weiter unten im Thread

Gruß aus Hannover
Guido Janthor

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Scheinanlagen

Beitrag von barkel0_1 » 14.09.2014 20:18

Moin Guido!
Sehr interessante Beiträge von Dir!
Es ist immer wieder schon fast unglaublich, wie damals die Ideen mit ihrer Umsetzung bei Scheinanlagen durchgeführt wurden!
Und für uns ist die heutige "Nachforschung" leider sehr schwierig, da es so wenig über Scheinanlagen gibt...

Letztens habe ich jemanden sprechen können, der als Kind in der Nähe der Scheinanlage (Scheinflugplatz) gewohnt hatte.
Hier gab es wieder neue Informationen...
Im Dorf neben dem Scheinflugplatz waren bei einem Bauernhof Soldaten der Scheinanlage untergebracht.
Auch gingen von dort aus die Stromleitungen Richtung Scheinanlage.

Als Kind kam er nah dran an den Scheinflugplatz und konnte einiges erkennen, aber wenn Er gesehen wurde, sollte er auch mit seinem Fahrrad gleich wieder umkehren.
So sind solche "Zeitzeugen" sehr wichtig, denn Sie können ja noch erlebtes erzählen.
Dazu kommt ja auch noch die Forschung in Dokumenten, Archiven usw., die Du ja sehr umfangreich betrieben hast.
Klasse!

Mit dem Buch haben wir uns (auch als gutes Beispiel für Scheinanlagen und Tarnmaßnahmen)auf den Fliegerhorst Uetersen konzentriert.
Alleine hier war der Aufwand sehr umfangreich und gut durchdacht!

Deswegen geht schon eine regelrechte Faszination von dem Thema aus.

Letzte Woche war in in "Rastenburg" beim ehem. "Führerhauptquartier" (Bunkeranlagen/ Gedenkstätte Attentag 20.Juli usw.)und dort war das Thema "Tarnung" und "Bunker" im Fokus bzw. sehr interessant!

Ob es da auch Scheinanlagen gab? :?
Das würde mich mal interessieren?
Suche und sammel alle Infos über den Fliegerhorst Uetersen und Kaltenkirchen, Flak-Stellungen im Bereich Pinneberg.Wer hat für mich weitere Infos, Fotos oder Zeitzeugenberichte?

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niemandsland
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Beitrag von niemandsland » 15.09.2014 13:13

@ barkel0_1

Moin,

mich würde mal interessieren, welche Deutschen Unterlagen Du/Ihr für das Buch verwendet habt?
Aber wie Du schon schreibst, Unterlagen auf Deutscher Seite findet man praktisch kaum bzw. gar nicht. Oft sind es einfach Zufallsfunde.

Auf Deutscher Seite wären da u.a. die "Bau- und Grundsätze für den Bau von Scheinanlagen", die "Durchführungsbestimmung zum Bau von Scheinanlagen" und die "L.Dv g 2400" (über den "Einsatz von Scheinanlagen"). Darüber hinaus noch einige Hinweise in KTBs Luftgaukommando und KreisLGK. Und dann geht es schon fast in Richtung Schadensanspruch Bauern, Lager, usw.!

Aber das meiste Material findet sich in GB und in den USA.
Ich habe heute erst wieder 8 CDs von der AFHRA erhalten. Auf die gleiche Menge warte ich noch mal und dann fehlt mir auch noch einiges an Kopien aus dem Nationalarchiv.

Und selbst die Nachkriegs- Literatur zum Thema Scheinanlagen ist sehr übersichtlich.

Da wären folgende Bücher:
- Lohbeck, Jürgen: Der Krieg vor unserer Haustür, Scala, 2013, 177 S.;
- Ders.: Das vergessene Scheindorf in Velbert, Scala, 2012, 134 S.;
- Oertel, Ulrich: Täuschen, tarnen, vernebeln, Spezielle Luftschutzmaßnahmen der HGW im 2.Wk, 2012, 156 S.;

und evtl. noch:
- Courouble, Pierre-Antoine: Das Rätsel der Holzbomben ("Wood for Wood"; "L'énigme des bombes en bois "), LespressesDumidi, 2009, 262 S. !!!

Und der eine Aufsatz, der praktisch in jedem Buch angeführt wird (aus dem Jahr 1984):

- Rad und Sparren, Heft 13 (1984), Autor Gerhard Raiss (Stadtarchivar), Deusche Scheinanlagen im MTK, S. 26-35. Alternativbezug: AFHR, Mikrofilm Rolle 38628, S. 01772-01778 (original: 01838-01851 Essay of german decoys in WWII, german!)

und natürlich die Standarts, wie z.B. Hampe und Co. (Hab ich schon weiter oben genannt mit Links).

Und was die Archive betrifft:
In den USA ist es jede Menge suchen...
Und in GB sind bisher nur die Bestände AIR 14/1889, AIR 14/1891 und AIR 34/289 interessant. Jedenfalls habe ich keine anderen Bestände entdeckt.

Bundesarchiv ist teuer. Es gibt dort aber einige Teilbestände. Wie z.B. Auszüge aus Kriegstagebüchern der LGKs, und inzwischen ist ja auch einiges digitalisiert.

Ansonsten ist der beste Freund "ebay". Jedenfalls meine Erfahrung und natürlich für Luftbilder NCAPs und die Luftbild-Datenbank Dr. Carls. Wenn letztere auch deutlich teurer, so wird hier auch deutlich schneller geliefert.

Im Nationalarchiv in den USA liegt noch ein Bericht von einem Lw-Gen. d. Fl. (glaub vom LGK VI) darin soll es auch u.a. um Scheinanlagen gehen.

Ach mich würde mal interessieren ob Du eine Gazetteer of Decoys Part I und II nach 1943 besitzt?
Ich bin gerade dabei die Ausgaben der Jahre 1941/42 und 1942/1943 auszuwerten.
Interessant ist hier für mich, welche Scheinanlage wann von den Alliierten als solche erkannt wurde. Und der Versuch zu rekonstruieren, wie von Deutscher Seite darauf reagiert wurde. Sprich wenn die Angriffe auf Scheinanlagen ausblieben. Für den Raum Hannover kann ich sagen, das eine Anlage komplett umgestaltet wurde, größer und Detailreicher einige Hundert Meter weiter komplett neu aufgebaut wurde. Was im Ergebnis dazu führte, das wieder unzählige Angriffe mehr oder weniger ins Leere gingen.

Ich bin gerade dabei, die Berichte die Vor- und nach den Luftangriffen erstellt wurden, zu ordern und nach Erhalt auszuwerten. Das Jahr, das ich mal "testweise" bestellt habe, reicht für eine konkrete Aussage über den Nutzen der Anlagen nicht aus.

Interessant fand ich, das es zum Thema Scheinflugplätze viel mehr gibt, als ich erst dachte. Allein in dem Bericht über Deutsche Flugplätze der GAF finden sich viele Hinweise auf Scheinflugplätze.

Und ja, ich gebe Dir recht, das Thema ist durchaus sehr interessant. Auch weil es neben den Standarts (S-Anlagen Geräte aus dem S-Anlagen Katalog vom RLM) offenbar auch regionale Entwicklungen (keine Ahnung ob das die Verantwortlichen für Scheinanlagen bei den LGKs entwickelten, oder ob das auf die Scheinanlagenversuchsflächen zurück geht). Keine Frage da geht eine ganze Menge.

Und wenn man erstmal eingestiegen ist, dann beginnen auch die Probleme: Kleinst-Scheinanlage, mobiler Scheinanlagenzug der Lw., oder vielleicht doch geplante permanent geplante Scheinanlage, die vorzeitig wieder aufgegeben wurde?

Oft heißt es dann die Regionalen Archive abklappern. Wenn man Akten über Geldforderungen von Bauern, oder Torfgrundbesitzern findet, dann findet man meistens auch Hinweise darüber, wie lange eine Anlage betrieben wurde. Die Bauern waren da meistens (jedenfalls hier) sehr genau.

Und wenn es nur einen Verdacht oder einen Hinweis von einem Zeitzeugen gibt, dann wäre es möglich eine Luftbildanfrage via NCAP über die Verdachtsfläche anzufordern. In der Regel habe ich für derartige Anfragen rund 60-70 EUR bezahlt. Und durchschnittlich 10-15 Luftbilder (in schlechter Qualität) als Voransicht erhalten. So das man sich gut orientieren kann, von wann bis wann eine Anlage betrieben wurde. Wenn sich der Verdacht bestätigt, versuche ich ein, zwei Bilder von der entsprechenden Anlage zu bestellen. Das kann sich zu einer never ending story entwickeln. :-)

Beim Thema Tarnen sieht es auch nicht besser aus. Wie gesagt: ich orientiere mich an meiner Stadt, und das ist Hannover. Hier hab ich Versuche entdeckt, Firmen, Militärische Anlagen, Flächen die zur Orientierung genutzt werden konnten, usw. entdeckt. Selbst Versuche, z.B. Firmen zerstört aussehen zu lassen (sprich mit angemalten Bombenschäden), u.v.a.m. hat es hier gegeben.

Im Moment ringe ich etwas mit mir, ob ich erst die Bestände (Mikrofilm-Rollen) auswerte, die ich bereits habe, oder ob ich abwarte, bis ich alles zusammen habe.

Wie dem auch sei... die Bestände der AFHRA/USA kann ich nur empfehlen. Die Qualität ist nicht immer wirklich gut, aber man findet dort sowohl Bestände aus GB, D und den USA. Interessant fand ich z.B. die Forschungsberichte und Intelligence Reports über Scheinanlagen. Aber auch die Scheinanlage in GB und in den USA fand ich nicht uninteressant. Die Listen geben ja erstmal nicht so sehr viel her. Aber je mehr man sich mit dem Thema befasst, findet man auch weitere Mikrofilme. Was mich jedoch etwas nervt, ist de laxe Umgang der Amis mit diversen Städtenamen. Hier mal ein H mehr, da mal ein O statt ein U. Gar nicht so leicht entsprechendes Material zu finden. Macht aber auch Spass. :-)

Soweit...

Gruß aus Hannover
Guido Janthor

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Schein und Tarnmaßnahmen

Beitrag von barkel0_1 » 15.09.2014 21:52

Tja, der Vorteil bei unserem Buch war, dass ein "Kellerfund" von allg 512 Fotos der ehem Bauleitung des Fliegrerhorst Uetersen mich zuerst auf die Idee brachte, ein "Fotobuch" zu erstellen.
Daraus wurden denn zwei, nur für das Archiv der USLw und für mich.
Dann kam die Idee auf, ein richtiges Buch zu machen, mit dem Schwerpunkt "Fliegerhorst Uetersen und der Kreis Pinneberg bzw. die Umgebung des Fliegerhorstes im Bereich Schein und Tarnmaßnahmen.
Das macht das ganze schon einfacher, da das Archiv und die Zeitzeugen hier schon gut was dazu bieten konnten.
(Aufruf in der Tageszeitung usw.wurden gemacht)
Dann wurden wir eine kleine Gruppe, wobei jeder sich große Mühe gab, etwas dazu zu "erforschen".
Dann konnten wir noch den "offiziellen Weg" gehen über unseren Politisch/ Historischen Fachlehrer an der USLw.
Ich konnte als Standort und Kasernenfeldwebel auf meiner Seite forschen usw.
So hatten wir einen gten Zugang zu Archiven und Luftbildern usw, usw...

Es gab allg. eine große Unterstützung (auch von unseren Vorgesetzten)und da wir eine Ausstellung zur Standortgeschichte der Marseille-Kaserne (ehem Fliegerhorst Uetersen)aufbauten, konnten wir hier auch viel machen und bekamen "Möglichkeiten".
Letztendlich kam noch die Aufarbeitung des Themas in unserer Freizeit dazu und der Kontakt zu einem Verleger bzw. Autor von milit. historischen Fachzeitschriften.

Alles zusammen fügte sich zu einem "Paket" zusammen, dass dieses Buch mit diesem Thema möglich machte.

So kann man das grob bescheiben...
;)
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Beitrag von niemandsland » 16.09.2014 14:01

512 Fotos auf jeden Fall ein toller Fund. Du hattest ein paar hier eingestellt, und da waren schon sehr interessante Ansichten mit dabei. Ich bin gespannt. Bisher ist das Buch bei Amazon allerdings erst angekündigt (zum 01.09.) und offenbar noch nicht lieferbar.

Wie lange habt ihr denn an dem Buch gearbeitet? Wann wurde denn das Fotoalbum gefunden, und wie lange habt ihr dann zum Thema recherchiert/geforscht? Nur in Nationalen Archiven, oder auch International?
Aber 126 Seiten und 512 Aufnahmen.. da ist doch sicher eine ganze Menge Material raus gefallen, oder?

Wie viele der 512 Aufnahmen habt ihr denn dann letztendlich für das Buch übernommen?

Ich gehe mal davon aus, das es sich um dieses Buch hier handelt:
http://www.amazon.de/Tarn--Scheinanlage ... 3944988027

Titel: Tarn- und Scheinanlagen am Fliegerhorst Uetersen.: Unbekannte Maßnahmen im Zweiten Weltkrieg
Autoren: Martin Brehl (Autor), Bennet Haker (Autor), Thorsten Göpfert (Autor), Elmar Heinz (Vorwort)
Taschenbuch: 126 Seiten
Verlag: RWM-Bureau; Auflage: 1 (1. September 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3944988027
ISBN-13: 978-3944988023

Shop-URL: RWM-Depesche -> Buchtitel

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kuhlmac
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Beitrag von kuhlmac » 17.09.2014 11:36

Heute war ein sehr ausführlicher Artikel (eigentlich 2) im Lokalteil der Essener WAZ zur Kruppschen Nachtscheinanlage. Da dieser noch nicht online ist, erstmal so als Input, dass sie am WE gut besucht war. Die Wiki hat auch einen Artikel.

http://www.wz-newsline.de/lokales/kreis ... -1.1742362

https://de.wikipedia.org/wiki/Kruppsche ... heinanlage


Interessantes Detail aus dem Artikel: Es gab etwa 300 Scheinanlagen in Deutschland, sagt der Autor. Woher kommt das Wissen? (Das hat er nicht gesagt...) Bei Hampe steht das nicht. Zumindest hab ich es nicht gefunden.

Noch was: Ein Nachtscheinanlagen-Versuchsfeld bei Hamm/W ?? Weiss jemand zufällig, wo es gewesen ist?
"Wir essen jetzt Opa!" Satzzeichen retten Leben!

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