Erhalt der Möllering Villa

Militärische Objekte und Anlagen des 2. Weltkriegs (und 1933-1945)
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Gast

Villa Möllering, Häcklingen

Beitrag von Gast » 24.11.2008 10:42

Hallo zusammen,

weiß eigentlich irgendjemand etwas neues zu diesem Thema.
Sie sollte ja lange Zeit an einen Investor verkauft werden, wurde aber im November 2007
doch unter Denkmalschutz gestellt.

Wurde da jetzt ein Museum oder ähnliches eingerichtet? Bin im neuen Jahr in der Gegend, und wurde
sie mir dann gerne anschauen.

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MikeG
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Beitrag von MikeG » 24.11.2008 14:19

Moin!

Ist nicht mindestens in einem Teil immer noch diese Klinik? Oder bin ich zu lange nicht mehr in der Ecke gewesen?

Mike

Gast

Beitrag von Gast » 24.11.2008 16:59

Es war mal Teil einer Klink o. ist es noch.
Im April 2007 sollten 36000m² an einen Investor verkauft werden.
Dann wurde aber im November zumindest die Villa unter Denkmalschutz gestellt.
Und es sollte ein Museum eingerichtet werden.

Gast

Erhalt der Möllering Villa

Beitrag von Gast » 04.07.2009 01:44

Artikel Hamburer Abendblatt 02. Juli 2009
Lüneburg. Die Tür steht offen, die Böden sind übersät mit Glassplittern, und draußen liegen haufenweise Backsteine zum Randalieren nur so parat: Am denkmalgeschützten Waldhaus in Häcklingen nimmt der Vandalismus immer mehr zu. Der Ortsvorsteher vermutet System dahinter, ein Historiker plant Mahnwachen. Und der Hausbesitzer kündigt noch für diese Woche weitere Sicherungsmaßnahmen an, will überdies die übrigen Gebäude auf dem Grundstück abreißen.

1906 gebaut und zuletzt bis Februar 2007 Psychiatrische Klinik war das verwunschen zwischen riesigen Eichen liegende sogenannte Waldhaus zunächst eine Mädchenschule. Sie schloss 1923, und 1935 kaufte der damalige Chef der Lüneburger Kronen-Brauerei das Haus, Dr. Alexander Möllering: Nach ihm heißt es daher auch heute noch "Möllering-Villa".

Wirklich wichtig wurde das Haus 1945: Nachdem es zunächst als Hauptquartier der britischen Armee gedient hatte, fanden dort während der letzten Kriegstage Kapitulationsverhandlungen statt, die letztlich entscheidend für das Ende des Zweiten Weltkrieges waren. Die Bedeutung für die nationale politische Geschichte hat das Haus im November 2007 in die Liste der denkmalgeschützten Gebäude Niedersachsens aufrücken lassen, initiiert hatte den Eintrag damals der Lüneburger Lehrer und Historiker Dr. Rainer Sabelleck. Er setzt sich seit anderthalb Jahren für die Einrichtung einer Gedenkstätte ein und sagt: "Es ist unglaublich, was sich auf diesem Grundstück seit langem abspielt."

Das bestätigt Häcklingens Ortsvorsteher Dr. Uwe Plath: "Das Haus ist unser Sorgenkind. Am Wochenende wird dort Vandalismus betrieben, vor allem an den Nebengebäuden. Gerade habe ich mir das Haus noch einmal angesehen, ich bin sehr erschrocken." Die Kellertüren stünden offen, ebenso die Eingangstür. "Es kann jeder rein", berichtet Plath kopfschüttelnd.

Ihm dränge sich der Eindruck auf, das unter Denkmalschutz stehende Objekt solle "bewusst entsorgt" werden: "Das ist doch quasi eine Einladung, es zerstören zu lassen." Der Zustand sei schlimm: "Das ist wirklich traurig. Wir haben hier ein Haus von nationaler Bedeutung, das muss doch geschützt werden."

Sabellecks Wunsch nach einem Museum wertete Plath zwar aus finanziellen Gründen als Utopie, aber: "Es kann nicht sein, dass das Haus mit bewusster Förderung des Besitzers verfällt."

Diesem Eindruck widerspricht die Stadtverwaltung: "Der Eigentümer reagiert eigentlich immer sofort, wenn wir ihn auf etwas hinweisen", sagt Sprecherin Suzanne Moenck. "Wir sind fortlaufend in Gesprächen, für mutwilliges Verfallenlassen haben wir keinen Anhaltspunkt." Auch der Kritisierte selbst weist die Vorwürfe zurück: "Nein", sagt Kurt Spannig, Geschäftsführer des Vereins "Die Brücke" aus Uelzen, dem das Haus gehört, "auch wir sind wirklich unglücklich darüber." Das sei schließlich nicht im Interesse des Vereins, da der Wert sinke. Er spreche mit Investoren, die Ideen entwickeln, wie das Denkmal in eine Gesamtnutzung des Geländes integriert werden könne.

In Zukunft sollen auf diesem und den umliegenden Grundstücken Neubauten entstehen. Der städtebauliche Vertrag sei geschlossen, sagt Spannig, "in rund einem Jahr werden wir wissen, wie viel Quadratmeter auf dem Gelände bebaut werden dürfen".

Es sei "außerordentlich schwierig, gegen das Gewaltpotenzial anzugehen", so der Geschäftsführer. Noch diese Woche würden Tischler die Türen verstärkt sichern und die fehlenden Dachziegel ersetzen.

Übungen von Polizei und Feuerwehr in den Nachbargebäuden hat Spannig mittlerweile ebenfalls abgesagt: Sie hätten die Häuser zu stark in Mitleidenschaft gezogen. Er will die nicht geschützten Gebäude "so schnell wie möglich" abreißen lassen. Seine Hoffnung: "Wenn der Vandalismus dort nicht mehr möglich ist, bleibt auch das denkmalgeschützte Haus eher verschont."


Kommentar: Denkmalschutz fürs Waldhaus
Zum Museum wird es wohl nicht reichen
Von Carolin George 2. Juli 2009, 04:00 Uhr
Mit großem Einsatz hat sich der Lüneburger Historiker Dr. Rainer Sabelleck für das Waldhaus in Häcklingen stark gemacht. Auch dank seiner Initiative wird dem Gebäude wohl nicht das gleiche Schicksal ereilen, wie 1976 der Turnhalle des Sportvereins MTV an der Lindenstraße: Sie wurde abgerissen.
Das wäre im Fall Waldhaus auch deshalb unverständlich gewesen, weil es ein Ort mit historischer Bedeutung ist. Denn dort hatte zwischen September und November 1945 der erste deutsche Kriegsverbrecherprozess überhaupt stattgefunden. Einige Monate zuvor waren an gleicher Stelle bereits Verhandlungen über eine Kapitulation der Wehrmacht in Nordwestdeutschland geführt worden. So ist es nur vernünftig, dass das Waldhaus jetzt unter Denkmalschutz steht. Dass es jedoch zu einem Museum wird, darf angesichts der Kassenlage der Kommunen als unrealistisch gelten. Doch ausgestattet mit einer Informationstafel ließe sich das Haus hübsch und dazu geschichtsbewahrend einbetten in ein größeres Ensemble, das dort in Zukunft vermutlich entstehen wird. Andere Gebäude schon jetzt abzureißen, ist indes anscheinend eine gute Idee - damit das Grundstück endlich weniger Randalierer anzieht. Denn herumliegende Backsteine laden förmlich dazu ein, mit ihnen zu werfen. So blöd das auch immer ist."

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Ich war heute abend wieder vor Ort. Die Schäden waren NICHT repariert - das Gebäude NICHT gesichert.
Wenn dem Vandalismus nicht sehr bald Einhalt geboten wird, geht dieses denkmalgeschützte Gebäude "vor die Hunde".
Das fände ich wirklich sehr schade.
Alle hiesigen Hebel habe ich bereits in Gang gesetzt - erfolglos.
Kennt ihr jemanden konkret, an den ich mich wegen Unterstützung wenden könnte (Politik, Presse,
Fernsehen, Museum, Denkmalschutz etc.) ?
Vielen Dank im voraus.

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Godeke
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Beitrag von Godeke » 04.07.2009 07:37

Hallo :-) ,

die "Landeszeitung" in Lüneburg ist sehr nah an dem Thema dran. Der Chefreporter , Herr E., interessiert sich auch persönlich für dieses Thema. Seine Artikel dazu erscheinen immer unter dem Aurorenkürzel "ca".
Auch die angesprochenen Herren Plath und Sabellek sind Leute, die direkt vor Ort wohnen und schon alles mögliche tun. Dann gibt es natürlich noch die Lokalpolitikerin Frau S. aus Häcklingen, die vor wenigen Tagen zur Vorsitzenden des Lüneburger DRK gewählt wurde. Auch sie interessiert sich sehr für die Vorgänge im Wald.
Vielleicht kannst Du die ansprechen und Hilfe anbieten.
...und jetzt noch mal schnell zu www.thw-lueneburg.de , der aktuellen Seite mit News aus der wunderbaren Welt des Helfens!

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MikeG
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Beitrag von MikeG » 14.06.2016 12:47

Moin!

Heute erhielt ich eine Ergänzung zum Thema:
In Zusammenhang mit dem Waldhaus eine Korrektur:
Die Anfänge hatte dieses als ein Ableger der Reifensteiner Schulen, gebaut von Auguste Buchner und Margarete Endemann. Die Nichte des Nobelpreisgewinners Hans Buchner Elisabeth verh. Wex und ihre ehemalige Lehrerin Endemann gründeten hier 1906 oder 1907 die wirtschaftliche Schule.Im Laufe von etwa 20 Jahren entstanden dort neben dem Haupthaus eine Geflügel- und Kleintierzucht, Gemüse- und Obstanbau sowie ein großer Obstbaumgarten auf dem Gelände. Möllering hat die Villa erst in den 1930er Jahren gekauft.

Das Ensemble stand noch bis zur Beplanung des Baugebietes Pilgerpfad Süd. Dann wurde nahezu alles abgerissen. Leider ist das Waldhaus mittlerweile in einem sehr argen Zustand.
Mike

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Beitrag von Godeke » 14.06.2016 15:49

Hallo :-) ,

inzwischen ist der Zustand: kurz vor Abriss. Der jetzige Eigentümer, ein Immobilien-Investor aus Lüneburg, hatte Vorstellungen u.a. zur kulturellen Nutzung, aber wg. des Denkmalschutzes keine Genehmigung zum Umnutzung bzw. Umbau bekommen.
Seitdem steht es da... obwohl gesperrt, wird dort immer wieder eingedrungen. Auch Dach und Wände sind undicht, der eindringende Regen sorgt für Schimmel und Fäulnis. Wohl nur noch eine Frage der Zeit bis zum bitteren Ende.
...und jetzt noch mal schnell zu www.thw-lueneburg.de , der aktuellen Seite mit News aus der wunderbaren Welt des Helfens!

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Beitrag von cebulon66 » 22.12.2018 18:36

Heute war in der Landeszeitung (LZ) mal wieder vom Lokal- und Polizeireporter Carlo Eggeling (ca) ein Artikel dazu. Demnach wurden zwischen dem Eigentümer, ein Herr Manfred Schulte, und der Stadt Lüneburg wieder Gespräche aufgenommen:
... "Wir arbeiten an einem neuen Konzept." ...
Unter dem Titel "Gammelige Geschichte" folgt dem Artikel noch eine Glosse.

Ich war im Oktober mal dort vor Ort(Fotos), es sieht noch aus wie immer, "gammelig" eben ...

Siehe auch hier
https://www.meine-eindruecke.com/lost-p ... 4cklingen/
oder hier vom Frühjahr 2018
https://www.ndr.de/nachrichten/niedersa ... la216.html
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