Aufstellung FJgWachKdo/FJgDstKdo

Militärische Objekte und Anlagen ab 1945
HW
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Aufstellung FJgWachKdo/FJgDstKdo

Beitrag von HW » 10.06.2020 19:52

Hallo,
wie schon angekündigt, werde ich hier eine Aufstellung der Feldjägerwachkommandos bzw. der Feldjägerdienstkommandos nach "bestem Wissen und Gewissen" versuchen zu geben. Um die spätere Aufstellung besser zu verstehen, zuerst eine kurze Informatigen mit dem Wichtigsten.
In der Aufstellungsphase der Bundeswehr von Ende 1955 bis ca. 1966/67, auch Heeresmodell 1 genannt, wurden folgende Feldjägereinheiten aufgestellt:
Die erste Feldjägereinheit war die Militärpolizei-Lehrkompanie in Andernach, Ende 1955 aufgestellt. 1956 wurde aber der Begriff Militärpolizei in Feldjäger geändert.
Die Bundeswehr baute 12 Heeresdivisionen auf, jede Division bekam eine Feldjägerkompanie (FJgKp) mit 5 aktiven Feldjägerzügen. Hier waren nur Soldaten des Heeres eingesetzt. Schon nach kurzer Zeit wurden von den 5 Zügen 2 Züge V-gestellt, also nicht aktiv sondern Geräteeinheit.
1972 erfolgte bei den Divisionsfeldjägern eine weitere Änderung, von den 3 aktiven Zügen wurden 2 Züge anderen neu aufgestellten Einheiten zgeführt, es gab jetzt nur noch die FJgKp, aber auch nur in Zugstärke.

Für die Militärische Territoriale Organisation wurden 6 Feldjägerbataillone (FJgBtl) aufgestellt (für jedes Wehrbereich ein Btl.
Anfangs wurde die Bezeichnung Feldjägerkompanie I bis VI gewählt, sehr schnell wurde aus der Kompanie die 1./Feldjägerbataillon I bis VI. 1960 wurde die Bezeichnung in 1./Feldjägerbataillon 710 (1972 in 610) bis 760 geändert). Es war aber nur eine Kompanie mit 5 aktiven FJgZg und 1 Kompanieführungszug, später noch 1 Fernmeldezug.
Eine Besonderheit gab es bei den Feldjägern der Territorialen Organisation, hier gab es neben den Heeressoldaten auch Soldaten der Luftwaffe und der Marine und zwar im Verhältnis 6 : 3 : 1. Anfang der 60er Jahre wurde aber Abstand davon genommen, esab nur noch Feldjäger die Heeressoldaten sind.

Ab 1964/1966 gab es bei den Feldjägern der Territorialen Organisation eine größere Änderung, es wurde aus der 1. Kompanie die 2. und 3. Kompanie. Jede Kompanie hatte jetzt nur 3 aktive FJgZg. Also als Beispiel 2./FJgBtl 740, 3./FJgBtl 740. Die Zugnummern wurden als römische Zahl vor der Kompaniezahl gesetzt, Beispiel: I./3./FJgBtl 740 (FJgZg in Lahnstein).

1961 wurde bei den 3 Herreskorps (Münster, Ulm, Koblenz) je ein Feldjägerzug aufgestellt, Koblenz hatte den Feldjägerzug 390. 1967 wurden auch im Vorgriff auf ein Bataillon die Züge in 2./FJgBtl 190, 290 und 390 umbenannt, es gab aber weiterhin nur den einen Zug in Stärke von 25 Feldjägern. Erst 1972 wurde ein gekadertes FJgBtl bei den Korps aufgetsellt, es gab den Stab mit 3 FJgKp. Jede Kompanie hatte aber auch nur einen aktiven Zug, ab 1972 war aber die Zugstärke bei allen Feldjägern 42 Soldaten.

Eine Feldjägerschule wurde ab Juni 1956 in Sonthofen auf der Ordensburg aufgestellt, nach dem sich das Vorkommando in Mittenwald getroffen hatte. In Sonthofen gab es auch die Feldjäger-Lehrkompanie, 1./(L)FJgBtl 982 ab Ende 1959, die auch das Feldjägerwachkommando Sonthofen führte.

Ab ca. 1958/1959 wurde mit dem Aufbau von Feldjägerwachkommandos (FJgWachKdo) begonnen, also Rämlichkeiten die etwa einem Polizeirevier entsprechen.

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turul
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Re: Aufstellung FJgWachKdo/FJgDstKdo

Beitrag von turul » 11.06.2020 16:39

Einige Anmerkungen:

1. Feldjäger-Wachkommandos gab es offenbar bereits ab Sommer 1957, siehe beigefügtes Bild des Wachkommandos Wilhelmshaven.

2. Divisionsfeldjägerkompanien: Die FJgKp 10 und 11 wurden erst 1959, von der FJgKp 12 wurde erst 1960 ein Zug in Hammelburg aufgestellt, der zunächst der PzGrenBrig 35 unterstand. Die Kompanie entstand erst 1963 in Bad Mergentheim.
Der Satz:
„ 1972 erfolgte bei den Divisionsfeldjägern eine weitere Änderung, von den 3 aktiven Zügen wurden 2 Züge anderen neu aufgestellten Einheiten zugeführt, es gab jetzt nur noch die FJgKp, aber auch nur in Zugstärke“ könnte missverstanden werden. Die Divisionsfeldjägerkompanien wurden gekadert, d.h. sie bestanden jetzt aus einem aktiven Zug und einer kleinen Kompanieführungsgruppe, als Geräteeinheiten waren 2 Züge, die Fernmeldegruppe und die Versorgungsgruppe vorhanden.

3. Die ersten Bataillone des TerrH (genauer gesagt, damals noch der Territorialen Verteidigung) wurden schon in den 1960er Jahren aufgestellt.

740 – Okt. 1964
730 – 1965
710 – 1967 (später 610)
750 – 1967

720 und 760 erst 1972. Die Aufstellung zog sich vor allem wegen fehlender Unterkunftskapazitäten so lange hin.

4. Zur Lehrfeldjägerkompanie in Sonthofen und zu den Feldjägern der Basisorganisation:
Mit Aufstellungsbefehl vom Oktober 1955 wurde die Aufstellung einer „Militär-Polizei-Lehrkompanie“ in Rheinbach befohlen. Daraus wurde später die Feldjägerkompanie des Verteidigungsministeriums, dann die FJgKp 700 und über einige Umwege schließlich das Feldjägerbataillon 900.
Ein Zug dieser Lehrkompanie war wahrscheinlich bereits seit 1957 an der Feldjägerschule in Sonthofen stationiert.
Aus diesem Zug und Teilen des II. Zuges (Ellwangen) der 1./FJgBtl V wurde 1959 die
1./(L) FJgBtl 982 aufgestellt. Diese Kompanie scheint gekadert gewesen zu sein, war Lehrtruppe für die Schule und besetzte Feldjägerwachkommandos in Sonthofen und anscheinend zeitweise in den 1960er Jahren auch in Kempten. In Kempten angeblich deswegen, weil die Stadt damals noch Standort von Fallschirmjägereinheiten war.
Die Kompanie unterstand im Frieden der Feldjäger-Schule und damit dem Truppenamt, für den Feldjägereinsatz im Frieden dem WBK VI. Im V-Fall trat die Kompanie zur damals neben Heer, Luftwaffe und Marine in Ansätzen bestehenden „Basisorganisation“, die in der rückwärtigen Kampfzone vor allem die Logistik und den Personalersatz für die Bundeswehr hätte sicherstellen sollen.
1966 wurde die umbenannt in 2./(L) FJgBtl 982 bei unveränderten Aufträgen und Unterstellungsverhältnissen.
1972 wurde die Kompanie umbenannt in 2./(L)/FJgBtl 761, wurde umgegliedert nach der Heeresstruktur 3 und gekadert.
Die 2./761, damit das Feldjägerdienstkommando Sonthofen und die Lehrtruppe der Feldjäger wurde 1980 aufgelöst bzw. in eine reine Geräteeinheit umgewandelt.

Zur erwähnten Basisorganisation gehörte auch die 1./FJgBtl 981.
1963 Aufstellung des I. Zuges der 1./FJgBtl 981 zum Betrieb des Feldjägerdienstkommandos in Budel/Niederlande. Unterstellung: WBK III.
Ende 1965 geht der Zug geht in der neu aufgestellten 2./FJgBtl 981 auf, bleibt in Budel/NL stationiert.
Die 2./FJgBtl 981 wurde Ende 1965 in Haminkeln unter Einbeziehung des in Budel/NL stationierten I. Zuges der 1./FJgBtl 981 aufgestellt.
Stationierung von 1965- 1967 in Haminkeln, I. Zug in Budel/NL.
Sept. 1967 Auflösung der Kompanie, der I. Zug in Budel wird der 3./Feldjägerbataillon 730 (Düsseldorf) als V. Zug unterstellt.
Als weitere zumindest ansatzweise aufgestellte Feldjägereinheit der Basisorganisation gab es noch die 3./FJgBtl 981 (Geräteeinheit). Die Kp lag 1965 – 1967 im MobStützpunkt Haminkeln. Es gibt Hinweise, wonach diese Kompanie als Kader für ein (weiteres) geplantes Feldjägerbataillon 982 der Basisorganisation dienen sollte.

Die Quellenlage zu den Feldjägern der Basisorganisation ist sehr dürftig, was übrigens auf die gesamte Basisorganisation der Heeresstrukturen 1 und 2 (mit Ausnahme der Depotorganisation) zutrifft.
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HW
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Re: Aufstellung FJgWachKdo/FJgDstKdo

Beitrag von HW » 12.06.2020 19:03

Jetzt wollte ich noch etwas zur 2./FJgBtl 982 und zur Militärpolizei-Lehrkompanie aus Andernach schreiben, aber turul hat mir die Arbeit schon abgenommen. Zur Militärpolizei-Lehrkompanie kann heute gesagt werden, dass diese Einheit die meisten Umbenennungen hatte aber auch die Keimzelle über FJgKp 700, FJgKp 900, FJgBtl 900, FJgBtl 350 zum heutigen Feldjägerregiment 1 in Berlin war.

Die FJgWachKdo´s/IFJgDstKdo´s wurden von Feldjägerzügen geführt, die am Anfang 29 Soldaten hatten, dann 25 und ab 1972 42 Soldaten. Ab 1980 wurden die FJgDstKdo`s von Feldjägerkompanien mit 3 Zügen geführt. Ab 1980 gab es auch keine Divisionsfeldjäger und keine Korpsfeldjäger mehr, alle Feldjäger gehörten zum Territorialen Heer.

Die folgende Aufstellung bezieht sich nur auf FJgWachKdo´s und auf FJgDstKdo`s. Es gab auch Standorte wo Feldjägereinheiten waren, aber ohne FJgDstKdo, z. B. FJgAusbKp (Beispiel Schwalmstadt) oder Ludwigsburg mit Stab und 1. Kompanie vom FJgBtl 750.

Ich fange mit dem ehem. Wehrbereich IV an, also den Bundesländern Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland:

DIEZ
Schloß Oranienstein
1961 bis 1972, I./FJgKp 5
1972 bis 1979, FJgKp 5
1979 Auflösung FJgDstKdo Diez.

FRITZLAR
1961 ? bis 1972, II./FJgKp 2
2016 bis heute, 9./FJgRgt 2
Von 1972 bis 2016 gab es in Fritzlar kein FJgDstKdo-

IDAR-OBERSTEIN
1962 ? bis 1964/66, III./1./FJgBtl IV bzw. 740
1964/66 bis 1972, III.?/2./FJgBtl 740
1972 bis 1979, II./2./FJgBtl 740
1979 Auflösung FJgDstKdo Idar-Oberstein. Hinweis: Das DstKdo war in einem sehr schönen Gebäude in der Stadt, heute ist das Gebäude das Edelsteinmuseum.

KOBLENZ
1958 bis 1994 in der Boelcke-Kaserne,
1994 bis 1998 in der Fritsch-Kaserne,
1998 bis 2014 in der Augusta-Kaserne.
Kurzzeitig wegen Umbau des Kp-Gebäudes in der Boelcke-Kaserne in der Fritsch-Kaserne, Anfang der 80er Jahre.
1958 bis 1961, II./FJgKp 5
1961 bis 1967, Feldjägerzug 390
1967 bis 1979, 2./FJgBtl 390
1972 bis 1979, 3./FJgBtl 390
die 2. und 3. Kp führten gemeinsam das FJgDstKdo Koblenz
1980 bis 1993, 6./FJgBtl 740
1993 bis 2002, 5./FJgBtl 740
2002 bis 2014, 3./FJgBtl 251
2014 Auflösung FJgDstKdo Koblenz

HW
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Re: Aufstellung FJgWachKdo/FJgDstKdo

Beitrag von HW » 12.06.2020 19:53

AUF google sind schöne Fotos vom Edelsteinmuseum Idar-Oberstein, dem ehem. FJgDstKdo.

KOBLENZ-HORCHHEIM
Gneisenau-Kaserne
1961 bis 1967, II./FJgKp 5
Auflösung FJgDstKdo Koblenz-Horchheim, der II. Zug verlegte nach Koblenz-Pfaffendorf.

KOBLENZ-PFAFFENDORF
Augusta-Kaserne
1967 bis 1972, II./FJgKp 5
1972 Auflösung FJgDstKdo Koblenz-Pfaffendorf. In der Augusta-Kaserne blieb aber die Unterkunft für die 1972 aufgestellt 3./FJgBtl 390, die zusammen mit der 2./FJgBtl 390 das FJgDstKdo Koblenz in der Boelcke-Kaserne führten.

KASSEL (beinahe unterschlagen)
Jäger-Kaserne
1958? bis 1972, I./FJgKp 2
1972 bis 1979, FJgKp 2
1980 bis 1993, 4./FJgBtl 740
1993 Auflösung FJgDstKdo Kassel

MAINZ
Kaserne in Mainz-Gonsenheim (ca. 1959 bis 1965) und dann Mainz-Hechtsheim (1965 bis heute)
1959 bis 1964/66, II./ und IV./1./FJgBtl IV bzw. 740
1964/66 bis 1979, II./ und III./3./FJgBtl 740,
1980 bis 2001/2002, 3./FJgBtl 740
2002 bis 2014, 2./FJgBtl 251
2014 bis heute, 8./FJgRgt 2

MARBURG
Jäger-Kaserne - Tannenberg-Kaserne - Jäger-Kaserne
1958? bis 1972, III./FJgKp 2
1972 bis 1979, 4./FJgBtl 390
1980 bis 1993, 5./FJgBtl 740
1993 Auflösung FJgDstKdo Marburg

MAYEN
General-Delius-Kaserne
1959? bis 1964/66, V./1./FJgBtl IV bzw. 740
1966 bis 1972, I./ und II./2./FJgBtl 740
1972 bis 1979, I./2./FJgBtl 740
1979 Auflösung FJgDstKdo Mayen

NEUSTADT (Hessen)
1993/94 bis 2001, 4./FJgBtl 740
2002 bis 2008, 4./FJgBtl 251
2008 Auflösung FJgDstKdo Neustadt, das FJgDstKdo Neustadt wurde 1993/94 aus dem Personal der Feldjäger aus Kassel und Marburg aufgestellt. 2008 verlegte die Kompanie nach Rotenburg.

NIEDERLAHNSTEIN (benannt nach dem Stadtteil von Lahnstein)
Deines-Bruchmüller-Kaserne
1959? bis 1964/66, I./1./FJgBtl IV bzw. 740
1964/66 bis 1972, I./3./FJgBtl 740
1972 Auflösung FJgDstKdo Niederlahnstein, das Personal übernahm in Wetzlar das FJgDstKdo.

Rotenburg, Wetzlar und Zweibrücken kommt morgen.

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Re: Aufstellung FJgWachKdo/FJgDstKdo

Beitrag von turul » 13.06.2020 14:04

Wieder eine kleine Ergänzung:
Auch wenn ab 1980 alle Feldjäger beim TerrH versammelt waren (wobei die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme durchaus bezweifelt wurde), hatte jede Division eine fest zugeteilte „Coleur“-Feldjägerkompanie, die im V-Fall spätestens nach Abschluß des Aufmarsches zu dieser Division getreten wäre. Der KpChef dieser Feldjägerkompanie nahm bereits im Frieden die Aufgaben des Divisionsfeldjägerführers im Divisionsstab wahr.
Beispiel Wehrbereich VI /Feldjägerbataillon 760:
4./Feldjägerbataillon 760, Regensburg: zu 4. PzGrenDiv
5./Feldjägerbataillon 760, Murnau: zu 1. GebirgsDiv
6./Feldjägerbataillon 760, Veitshöchheim: zu 12. PzDiv

Auch auf Korpsebene war je eines der im Mobfalle aufzustellenden Feldjägerbataillone für ein Korps vorgesehen, z.B. das FJgBtl 762 für das II.(GE) Korps. Dieses Korps führte dann auch die Feldjägerkompanien bei den Divisionen.
Dem FJgBtl 762 unterstanden die aktive 4./FJgBtl 760 für die 4. PzGrenDiv und die 5./FJgBtl 760 für die 1. GebDiv. Da dem II. Korps auch zwei Divisionen aus Baden-Württemberg angehörten, die 1. LL-Div und die 10. PzDiv, kamen die DivFJgKp für diese Divisionen aus dem Wehrbereich V (2. u. 5./FJgBtl 750). Aufgefüllt wurde das Btl durch zwei nichtaktive FJgKp (6. u. 7./762) und die 1. - St/VersKp. Die 4. u. 5./ 762 gingen zum FJgBtl 760 als Ersatz für die abgegebenen beiden Kompanien, die 2. u. 3./762 gingen aus dem gleichen Grund zum FJgBtl 750.
Es ergab sich damit bei den drei „bayerischen“ Feldjägerbataillonen 760, 761 und 762 eine bunte Mischung der Kompanien. Siehe beigefügt Übersicht, wobei die Fußnoten 3 und 5 die Situation vor 1985 wiederspiegeln. Ab Ende 1985 war die 1. Luftlandedivision anstelle der 1. Gebirgsdivision von Anfang an am VRV im bayerischen Wald eingesetzt worden, die Gebirgsdivision hätte einen Verfügungsraum südlich Regensburg bezogen.
Eine Sonderrolle spielte die 6./FJgBtl 760 bei der 12. Panzerdivision. Da diese Division im V-Fall sofort dem VII. US-Korps unterstellt wurde, ging diese FJgKp mit der Division zu den Amerikanern und unterstand damit keinem deutschen Feldjägerbataillon. Die 6./760 wurde auch weit vor den anderen Kompanien aus dem Verkehrsleitnetz herausgelöst und der 12. PzDiv zugeteilt.

Wie diese „Coleur“-Kompanien bei ihren Divisionen aufgenommen wurden, hing stark von der Frage ab, wie Kompanieführung und Feldjägerpersonal die Besonderheiten verinnerlichten, die sich im V-Fall beim Feldjägereinsatz im Divisionsgebiet ergeben hätten. Die Divisionen sahen ihre Feldjäger als wesentliches Element auch bei der Sicherung des rückwärtigen Divisionsgebietes, Aufgaben wie Versprengtenkontrolle, Kriegsgefangenenwesen usw., die bei der Ausbildung der Feldjäger kaum jemals eine Rolle gespielt hatten, wurden hier auf einmal wichtig, ebenso wie eine intensivere Gefechtsausbildung. Für die 6./FJgBtl 760 kann ich hier aus eigener Erfahrung nur sagen, dass wir spätestens nach der Großübung „Fränkischer Schild“ Narrenfreiheit bei der Division hatten und alle denkbare Unterstützung bekamen. Das ging so weit, dass im GDP ein eigener Hubschrauber der Heeresfliegerstaffel 12 ständig für die Feldjägerkompanie für Überwachungsflüge verfügbar war.
Ein reiner „TerrH“-Feldjäger, der vor allem seinen doch recht schematischen Gewässerübergang Rhein gewohnt war, fühlte sich bei einer Divisionskompanie nicht immer sehr wohl, wenn er auf einmal als Führer mehrerer Feldjägerstreifen einen Panzervernichtungstrupp gegen durchgebrochene Feindpanzer ansetzen musste.
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Re: Aufstellung FJgWachKdo/FJgDstKdo

Beitrag von HW » 13.06.2020 15:25

ROTENBURG (an der Fulda)
2008 bis 2014, 4./FJgBtl 251
2014 bis 2016, 9./FJgRgt 2
2015 Auflösung FJgDstKdo Rotenburg, die Kompanie verlegte im Februar 2016 nach Fritzlar

WETZLAR
Spilburg-Kaserne
1958/1961? bis 1972, III./FJgKp 5
1972 bis 1979, I./3./FJgBtl 740
1979 Auflösung FJgDstKdo Wetzlar

ZWEIBRÜCKEN
Niederauerbach-Kaserne
1961 bis 1972, II./LLFJgKp 9 (LL = Luftlande, diese Feldjäger waren auch Fallschirmspringer)
1972 bis 1979, III./2./FJgBtl 740
1980 bis 2002, 5./FJgBtl 740
2002 bis 2014, 2./FJgBtl 251
2014 Auflösung FJgDstKdo Zweibrücken. Da das Saarland keine eigenen Feldjäger hatte, hatte das FJgDstKdo Zweibrücken das Saarland als Einsatzraum.

Noch eine Info über die Jahreszahl 1964/1966 beim FJgBtl 740: Das FJgBtl 740 war das erste FJgBtl, welches 1964 einen Stab und einen Stabszug aufstellte. Damit waren die Weichen für ein größeres FJgBtl gestellt. 1966 wurde dann die 1./FJgBtl 740 in eine 2. und 3. Kp umorganisiert. Deswegen meine Jahreszahl 1964/1966. Soweit ich es in Erinnerung habe, bekam das FJgBtl 760 erst 1971 einen Stab und den Stabszug.

Und jetzt noch etwas zur FJgKp 5: Gemäß Aufstellungsbefehl vom 02.08.1956 sollte die FJgKp 5 in Grafenwöhr, Hohenfels und Nürnberg aufgestellt werden. Tatsächlich wurde sie aber in Sonthofen aufgestellt. Vom 02.06.1957 bis Juli 1957 verlegte die Kp von Sonthofen nach Bergisch-Gladbach. Schon einen Monat später am 17.08.1957 verlegte die Kp mit KpFüGrp und dem I. und II. Zg nach Koblenz-Lützel in die Falkenstein-Kaserne. Von hier verlegte der II. Zg nach Koblenz-Rauental in die Boelcke-Kaserne und richtete das FJgWachKdo ein- Die KpFüGrp und der I. Zg verlegten in das Gebäude der StOV in Koblenz-Mitte (sehr großes Gebäude in U-Form am Zentralplatz/Viktoriastraße/Casinostraße). Später verlegte dann die Kp mit allen Teilen, auch der II. Zg, in die Gneisenau-Kaserne nach Koblenz-Horchheim. Und diese ganzen Verlegungen spielten sich in den Jahren August 1957 bis 1961 ab. Dafür habe ich aber keine genauen Daten. Ende 1961 verlegte die Kp und der I. Zg nach Diez, der II. Zg blieb in Koblenz-Horchheim.
Über den III. Zg habe ich 2 verschiedene Aussagen: Die 1. Aussage, der III. Zg blieb bis 1961 in Bergisch-Gladbach und verlegte dann nach Wetzlar, die 2. Aussage, der III. Zg verlegte schon 1957 nach Wetzlar.

Die nächste Aufstellung wird vermutlich der ehem. Wehrbereich VI sein (Bayern), ich arbeite daran.

Viele Grüße
HW

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Re: Aufstellung FJgWachKdo/FJgDstKdo

Beitrag von HW » 07.07.2020 19:44

Nun zu den FJgWachKdo´s/FJgDstKdo´s in Bayern, dem ehem. Wehrbereich VI. Vorweg kann gesagt werden, ich komme auf 22 Städte in Bayern, in denen diese Wachkommandos bzw. Dienstkommandos waren bzw. noch einige sind.
Ich hatte viele, viele Quellen dazu (Standortbroschüren, Zeitschrift "Der Feldjäger", Standortdatenbank, Polizeiadressbuch, Buch "Die Feldjägertruppe - Band 3", Buch "Feldjäger - Deutschlands Militärpolizei heute", Buch "Die Allgäuer Ordensburg in Sonthofen", Heft "30 Jahre Feldjäger in Baden- Würtemberg", Heft "Geschichte der Generaloberst Beck-Kaserne", 3 Hefte "Geschichte der Feldjägertruppe der Bundeswehr", Festschrift 250 Jahre Feldjägertruppe, Broschüre "Das Heer - Die Feldjäger", Feldjägerbrief Sonderheft 25 Jahre Feldjäger in der Bundeswehr, verschiedene Zeitschriften wie z. B. "Y. Magazin der Bundeswehr" - "Strategie und Technik" - "Europäische Sicherheit" - "Kommando 15. Ausgabe" - "Visir Spezial Nr. 35" und natürlich mündliche Auskunft von ehem. Feldjägern). Oft widersprachen sich aber die Angaben. Ein Oberst a.D. sagte mir vor einigen Tagen am Telefon: "Da ist nichts falsch, es ist nur immer eine Veänderung der Quellenlage:"

AMBERG
Leopold-Kaserne
1956 bis 1966, I./FJgKp 4
1966 bis 1979. II./2./FJgBtl 760
Große Lücke in Amberg
1994 bis 2002, 2./FJgBtl 760 (aus Nürnberg)
2002 bis 2014, 4./FJgBtl 451
2014 bis 2018, 9./FJgRgt 3
2018 erneute Auflösung FJgDstKdo Amberg, die Kp verlegte nach Roth.
Schon 1979 wurde das FJgDstKdo Amberg einmal aufgelöst bis die Feldjäger 1994 wieder kamen.

BAD Reichenhall
1957/59 ? bis 1972, II./FJgKp 8 (GebFJgKp = Gebirgsfeldjägerkompanie mit anfangs Uniformen der Gebirgsjäger)
1972 Auflösung FJgDstKdo Bad Reichenhall

CHAM
1959 bis 1972, III./FJgKp 4
1972 Auflösung FJgDstKdo Cham

DONAUWÖRTH
1963 bis 1968, III./FJgKp 10
1968 Auflösung FJgDstKdo Donauwörth, der FJgZg verlegte nach Neuburg/Donau

FÜSSEN
1958 bis 1972, III./FJgKp 8 (GebFJgKp)
1972 bis 1979, 4./FJgBtl 290 (FJgBtl 290 = Korpsfeldjäger 2. Korps in Ulm)
1979 Auflösung FJgDstKdo Füssen

HAMMELBURG
1960 bis 1972, III./FJgKp 12
1972 Auflösung FJgDstKdo Hammelburg

INGOLSTADT
1956 bis 1959, V./FJgKp 4
1959 bis 1966, V./FJgBtl VI bzw. ab 1960 V./FJgBtl 760
1966 bis 1979, III./2./FJgBtl 760
1979 Auflösung FJgDstKdo Ingolstadt
Anmerkung: Die FJgKp 4 war eine der ersten Divisionsfeldjägerkompanien und hatte deshalb noch 5 aktive FJgZg. 1959 wurde der Kp aber 2 aktive Zg gnommen (Amberg und Ingolstadt) und somit hatte die FJgKp 4 auch nur 3 aktive Zg, wie die anderen Divisionsfeldjägerkompanien auch. Das Personal wurde vom FJgBtl 760 übernommen.

KEMPTEN
1957/58 ? bis 1959, II./1./FJgBtl VI
1959 Auflösung FJgDstKdo Kempten, der FJgZg verlegte nach Nürnberg

Morgen geht es weiter.

HW
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Re: Aufstellung FJgWachKdo/FJgDstKdo

Beitrag von HW » 08.07.2020 17:23

Zuerst eine Korrektur zum FJgDstKdo Amberg:
Von 2002 bis 2014 war nicht die 4./FJgBtl 451 die das FJgDstKdo führte, sondern die 3./FJgBtl 451 (so steht es auch in meinem Manuskript). Die 4. Kompanie war in Roding. Vermutlich von mir ein Tipfehler, da die Zahl 4 neben der 3 auf der Tastatur ist.

Zu Ingolstadt: Auf einem Plan vom Archiv der Feldjäger ist für Ingolstadt eingetragen ...bis 1985. Ich habe aber ab 1980 keine Kp von dem FJgBtl 760 für Ingolstadt. Vielleicht weiß turul hier mehr.

LANDSBERG (am Lech)
Lechrain-Kaserne, in einer alten Standortbroschüre ist aufgeführt, dass anfangs das FJgWachKdo in der Katharinenstraße war, etwa gegenüber der Zufahrt zur Saarburg-Kaserne.
1957 bis 1966, III./1./FJgBtl VI bzw. ab 1960 1./FJgBtl 760
1966 bis 1979, III./3./FJgBtl 760
1980 bis 1992, 7./FJgBtl 760
1992 Auflösung FJgDstKdo Landsberg im Zuge der Heeresstrktur 5

LANDSHUT
1972 bis 1979, 3./FJgBtl 290 (das FJgBtl 290 war in Ulm (Baden-Württemberg) stationiert, ein Btl des II. Korps)
1979 Auflösung FJgDstKdo Landshut

MITTENWALD
1957 bis 1972, I./FJgKp 8 (GebFJgKp)
1972 bis 1979, FJgKp 8 (GebFJgKp)
1979 Auflösung FJgDstKdo Mittenwald, das Personal verlegte nach Murnau und wurde dort 1980 als 5./FJgBtl 760 neu aufgestellt

MÜNCHEN
Oberwiesenfeld, Bayern-Kaserne, Fürst-Wrede-Kaserne
1957 bis 1966, I./ und IV./1./FJgBtl VI bzw. 1./FJgBtl 760
1966 bis 1979, I./und II./3./FJgBtl 760
1980 bis 2002, 3./FJgBtl 760
2002 bis 2013, 2./FJgBtl 451
2014 bis heute, 3./FJgRgt 3

MURNAU
Kemmel-Kaserne, Werdenfelser-Kaserne
1956 bis 1959, II./FJgKp 4
1959 1. Auflösung FJgWachKdo Murnau, zwischen 1960 und 1979 kein FJgDstKdo in Murnau
1980 bis 2002, 5./FJgBtl 760
2002 bis 2013, 5./FJgBtl 451
2013 erneute Auflösung FJgDstKdo Murnau

NEUBURG (Donau)
Nach Aussage eines ehem. Feldjäger war das FJgDstKdo in einer alten Kaserne in der Stadt in der Nähe des Krankenhauses, das dürfte nach meiner Auffassung die Lessigny-Kaserne gewesen sein
1968 bis 1972, III./FJgKp 10
1972 Auflösung FJgDstKdo Neuburg/Donau

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turul
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Re: Aufstellung FJgWachKdo/FJgDstKdo

Beitrag von turul » 08.07.2020 19:15

HW hat geschrieben: 08.07.2020 17:23 Zu Ingolstadt: Auf einem Plan vom Archiv der Feldjäger ist für Ingolstadt eingetragen ...bis 1985. Ich habe aber ab 1980 keine Kp von dem FJgBtl 760 für Ingolstadt. Vielleicht weiß turul hier mehr
Das Feldjägerdienstkommando Ingolstadt wurde Ende 1979 aufgelöst. Es gab aber im Gebäude des Verteidigungskreiskommandos Ingolstadt am Brückenkopf weiterhin einige Räume, die bei Bedarf als temporäres "Feldjägerkommando" genutzt werden konnten. Von Ingolstadt aus konnte eine Reihe von Standorten wesentlich besser als von München aus erreicht werden:
- Ingolstadt selbst
- Manching
- Oberstimm
- Neuburg mit Oberhausen
- Donauwörth
- Scheyern
- Rottenburg/Laaber
Daher wurden ab und zu einige Feldjägerstreifen für mehrere Tage nach Ingolstadt verlegt, um z.B. bei Schwerpunkteinsätzen Kfz-/Geschwindigkeitskontrollen durchzuführen oder bei den Entlassungstagen auch am "Vorabend" schon Feldjäger in Ingolstadt zu haben. Diese Räume des Feldjägerkommandos wurden auch immer wieder bei Großübungen als Verkehrsleitstelle genutzt, vor allem da im Raum Ingolstadt immer wieder Gewässerübergänge als Teil des Manövergeschehens stattfanden. Ich war während meiner Zeit beim Feldjägerdienstkommando München bzw. beim Stab FJgBtl 760 (1981 - 1986) bestimmt vier oder fünf Mal für einige Tage in Ingolstadt eingesetzt.
Wahrscheinlich ist diese nur sporadisch besetzte Feldjägerkommando Ingolstadt mit der Eintragung auf der Karte gemeint.

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Re: Aufstellung FJgWachKdo/FJgDstKdo

Beitrag von HW » 08.07.2020 19:28

NÜRNBERG
Infanteriekaserne
1960 bis 1966, II./1./FJgBtl 760
1966 bis 1979, I./2./FJgBtl 760
1980 bis 1994, 2./FJgBtl 760
1994 Auflösung FJgDstKdo Nürnberg, die Kompanie verlegte nach Amberg und errichtete dort das FJgDstKdo Amberg (Amberg zum 2.)

REGENSBURG
Nibelungen-Kaserne
1956 bis 1972, IV./FJgKp 4 (1959/1960/1966 vermutlich Umbenennung der FJgZg, genaue Angaben habe ich noch nicht)
1972 bis 1979, FJgKp 4
1980 bis 1993, 4./FJgBtl 760
Auflösung FJgDstKdo Regensburg, die Kompanie verlegte nach Roding

RODING
Arnulf-Kaserne
1993 bis 2001, 4./FJgBtl 760
2002 bis 2013, 4./FJgBBtl 451
2014 bis heute, 8./FJgRgt 3

ROTH
2018 bis heute, 9./FJgRgt 3

SONTHOFEN
General Oberst-Beck-Kaserne (Ordensburg)
1959 bis 1960, FJgLKp 981 (L steht für Lehr)
1960 bis 1966, 1./LFJgBtl 982
1966 bis 1972, 2./LFJgBtl 982
1972 bis 1979, 2./LFJgBtl 761
1979 Auflösung FJgLDstKdo (Feldjägerlehrdienstkommando) Sonthofen. Das DstKdo war im hinteren Gebäude hinter dem Turm (hintere Auffahrt von Sonthofen) und war dadurch auch für Zivilpersonen frei zugänglich. Da hier auch die Feldjägerschule war, wurde das Dienstkommando als Lehrdienstkommando bezeichnet.

Morgen geht es weiter, auch über die 2001 geplanten Stationierungen der Feldjäger in Freising und Brannenburg. Es ist bei der Planung geblieben, denn Brannenburg und Freising gibt es schon lange nicht mehr als Garnison, außer in Freising noch ein aktives Radom, das letzte Überbleibsel einer großen Garnisonstadt.

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