Unterirdische Bunker im Hamburger Volkspark

Luftschutzbunker, zivile Bunkeranlagen und Schutzbauwerke des 2. Weltkriegs
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Djensi
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Beitrag von Djensi » 30.03.2016 13:54

Moin,

@ Mike: Gebe Dir vollkommen recht... aber um Fakt und Fiktion auseinander zu halten, wäre es tatsächlich gut, die dort vorhandenen Anlagen und deren Bedeutung/Zuordnung kartografisch festzuhalten.

Viele Grüße
Jens

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MikeG
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Beitrag von MikeG » 30.03.2016 20:24

Moin!


So, ich habe PETRA und HERA (die beiden Kreistunnel des DESY) mal eingetragen, ebenso den bereits erwähnten 1-Röhren-Schutzbau. Dazu habe ich noch ein Blatt der DGK5 von etwa 1943 (Kartenbasis eher etwas älter) unterlegt (Quelle: Architekturarchiv Hamburg). Dieses Kartenblatt stammt aus einem Satz, der vom Büro Gutschow (wer damit nichts anfangen kann: siehe hier) mit Eintragungen von Luftschutzbunkern (im Sinne von "bombensicher", also keine reinen Splitterschutzbauten!) versehen wurde - auf diesem Blatt wurde nichts eingetragen, wie man sieht. Auch sonst finden sich kartografisch keinerlei Auffälligkeiten.

Mike
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ToSa
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Noch nen Schnipsel zum Tunnel!

Beitrag von ToSa » 19.04.2016 20:30

Hallo in die Runde,

im Januar war ich bei der Präsentation zur Bebauung der Trabrennbahn. Bei der Präsentation wurde als Einleitung der Entwurf von Herrn Tutenberg zum Bau des Volksparkes einschließlich des Zentralfriedhofes gezeigt. Die Präsentation ist im Netz als PDF verfügbar. In dem Plan ist die Struktur des Friedhofes dargestellt, wobei mittig eine Fläche mit Militärbehörde beschriftet ist. Die Größe der Fläche entspricht etwa der Fläche des heutigen Volksparkstadions und befindet sich im Bereich der Betriebshöfe. Die Fläche ist ohne Konturen oder Gebäude dargestellt. Auffällig ist, dass die Fläche sich nicht an dem Raster des Entwurfes orientiert, sondern abweichend nach rechts gedreht hervorsticht. Diese lässt vermuten, dass die Fläche als Bestandsfläche oder Bestandsbebauung in den Entwurf übernommen werden musste. Die Sportflächen und der Friedhof scheinen um dieses Fläche herum geplant worden zu sein.

Im Allgemeinen scheinen viele Merkmale des Entwurfes später umgesetzt worden zu sein, wenn auch einzelne Einrichtungen wie beispielsweise die Tennisplätze anders entstanden. Eine auffällige Abweichung ist die Bahnanbindung des Militärgeländes. In dem Entwurfsplan ist eine Bahntrasse dargestellt, die bei den Kiesgruben an einem Erdwall beginnt. Die Trasse teilt sich bevor sie das Militärgelände an zwei Punkten erreicht. Eine Höhenlage der Trasse ist nicht vermerkt. Der Verlauf der Trasse bzw. Bautätigkeit im Trassenverlauf sind zwar in den Plänen von 1927 und 1955 erkennbar, jedoch fehlt jeglicher Hinweis auf eine Gleisführung. In allen Plänen nach der Entwurfsplanung fehlt ebenfalls der Hinweis auf das Militärgelände. Die Flurgrenzen des Militärgeländes sind jedoch in den neueren Plänen nach wie vor erkennbar. Ebenso sind in den neueren Plänen Gebäude dargestellt, die exakt an den beiden ankommenden Punkten der Trasse beginnen und mit der Flucht über das Militärgelände verlaufen.

Interessant ist ebenfalls, dass das noch erhaltene Umspannhäuschen direkt an dem geplanten Trassenverlauf entstanden ist. Wenn man das Aussehen des im Volkspark erstellten Umspannhäuschens mit anderen aus der Zeit vergleicht, fällt sehr markant auf, dass fasst alle Umspannhäuser für einen Anschluss von Freileitungen vorgesehen waren. Bei diesem Häuschen erfolgten aber alle Anschlüsse unterirdisch. Und das obwohl die Beleuchtung im Volksparkt sogar heute noch in Teilen als Freileitung verlegt ist. Es wäre somit denkbar, dass dieses Umspannhäuschen in den ersten Jahren der Versorgung einer Bahnstrecke, bzw. als Lüftungsbauwerk diente.

Der Abgleich mit dem Verlauf der Beschleunigertunnel zeigt dass der dargestellte Trassenverlauf nicht gekreuzt wird. Erstaunlich ist nur, dass die Bahntrasse von vor 1920 bei der Halle Ost von HERA beginnt und südlich im Bogen in Richtung Halle Nord verläuft. Und dann betreiben die da auch noch Kernforschung! Na ja, zumindest zeigt es das 1960 festgestellt wurde, das die Lage für den Tunnelbau geeignet ist.
Die Schilderung von dem Zerhacker, dass der Bau der Anlage bereits 1890 begann, deckt sich mit der Annahme, dass dort etwas vor dem Bau des Friedhofes bestand. Ebenso dass der Endpunkt sich wahrscheinlich im Bereich der Müllverbrennung befand.
Denkbar ist, dass die Anlage im Zusammenhang mit den damals nahe gelegenen Artilleriekasernen stand. Hier würde ich zeitlich auch den eigentlichen Verwendungszweck vermuten.

Sicherlich ein ganzer Haufen von Vermutungen, wobei einige Angaben mit der Entwurfsplanung belegbar sind.
Mich interessiert jetzt natürlich, ob sich die Erinnerungen anderer mit meinen Vermutungen decken.

Ich werde die kommenden Tage mal den skizzierten Verlauf nachreichen.

Auf dass uns das Thema noch die nächsten Jahre begleitet.

ToSa
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noch ne Karte

Beitrag von ToSa » 19.04.2016 21:47

und das fogende noch gefunden. In dem Plan sind die Kasernen mit dargestellt. Die Trasse zu dem Militärgelände im bereich des Freidhofes. Neu ist mir jetzt allerdings, dass die Stadionstraße damals als Munitionsstraße bezeichnet wurde.

bis dahin.


[edit: Anhang aus Urheberrechtsgründen zunächst entfernt • redsea]

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Volkspark

Beitrag von digger » 10.06.2016 13:45

Moin,
interessante Geschichte. ich wohne in der Nähe des Volkspark und werde mir mal demnächst das Ganze in Ruhe ansehen.
Ich habe etwas gesucht und das nachfolgende gefunden und als Overlay in Google Maps eingearbeitet.
(ich weiß jedoch nicht ob ich das Overlay aus Urheberrechtsgründen hier hinterlegen darf)
http://www.landkartenarchiv.de/tk25.php ... s_532_high
Meßtischblätter 1:25.000, 1891 - 1945. Für die Allierten liefen die Karten noch bis 1951.
Interessant finde ich hierbei, dass es im Bereich der heutigen DESY einen mit "AIRFIELD" gekennzeichneten Bereich gibt und einen Anzweig vom Rangierbahnhof durch den Bereich der heutigen MVA Richtung Rückhaltebecken bzw. Lederstrasse.
Gruß aus Lurup
Thorsten

Zerhacker
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Beitrag von Zerhacker » 22.03.2017 12:11

MikeG hat geschrieben:Moin!


So, ich habe PETRA und HERA (die beiden Kreistunnel des DESY) mal eingetragen, ebenso den bereits erwähnten 1-Röhren-Schutzbau. Dazu habe ich noch ein Blatt der DGK5 von etwa 1943 (Kartenbasis eher etwas älter) unterlegt (Quelle: Architekturarchiv Hamburg). Dieses Kartenblatt stammt aus einem Satz, der vom Büro Gutschow (wer damit nichts anfangen kann: siehe hier) mit Eintragungen von Luftschutzbunkern (im Sinne von "bombensicher", also keine reinen Splitterschutzbauten!) versehen wurde - auf diesem Blatt wurde nichts eingetragen, wie man sieht. Auch sonst finden sich kartografisch keinerlei Auffälligkeiten.

Mike
Ich habe mich nach langer Inaktivität entschlossen,hier mich zu äussern.Grund dazu ist der gestrige Telefonanruf eines "Bunkerforschers",der in in HH-Lurup wohnt.Dabei entdeckte ich Ihren Beitrag.
Das Sie meine Schilderungen aus meiner Kindheit in "die Märchenecke" stellen,ist Ihre Privatmeinung.Aber offentsichtlich haben Sie nicht aufmerksam die Schilderungen gelesen.
Anders kann ich mir Ihren Petra und Hera-Artikel und das "Kartenmaterial "von etwa 1943" nicht erklären.Anbei NOCHMALS "zum Mitmeißeln":Nach dem Vorfall am Farnhorstieg zu Zeiten des damals amtierenden Bürgermeisters Klose wurden SÄMTLICHE Unterlagen,die auch die technischen Zeichnungen des Haupteinganges zum Bunkersystem beinhalteten,vernichtet.Oder möchten Sie auch in diesem Zusammenhang meinen Schwiegervater,der in der Leitstelle der Hamburger Berufsfeuerwehr saß und augenscheinlich diese Schriftstücke gesehen hat,der Lüge bezichtigen?...Wenn man sich hier schon zu diesm Thema hier äußert,sollte man nicht so voreilig sowas als "Spinnerei" darstellen,sondern sorgfälltig damit umgehen.
Anbei meine compl. Anschrift:
Michael Köpp
Düttebüll 6
24395 Kronsgaard

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Beitrag von Djensi » 22.03.2017 18:18

@ Zerhacker:

Moin,

hilfreich wäre es, um jedweder Spekulation ein Ende zu bereiten, dass vielleicht der von Ihnen erwähnte Bunkerfreund aus HH-Lurup beim örtlichen Bürgerschaftsabgeordneten seiner Wahl/Partei einfach eine SKA (schriftliche kleine Anfrage)in der Hamburgischen Bürgerschaft initiiert. So wird das Thema öffentlich, transparent und mit fachlichem Hintergrund beleuchtet.

@ ToSa: Das vorhandene Umspannhäuschen ist ein Archtitektenentwurf von Oelsner, es dient ausschließlich als Trafo-Häuschen. Es wäre angesichts des Architekteneifers, der in den 20igern und 30igern des 20 Jhdts. herrschte, sicher nicht geeignet gewesen, als Teil einer womöglich geheimen Militärsache zu fungieren.

Problematisch für den Volkspark und seine Umgebung ist, das in diesem Bereich umfangreicher
Kiesabbau betrieben wurde. Es gibt heute noch die Straße Winsbergring. Der Winsberg selbst ist Anfang des 20 Jh. abgegraben worden, so als Beispiel. In diesem Zusammenhang spielte die Abfuhr des Materials mit Eisenbahnen offenbar noch eine Rolle, daher sind Gleise in diesem Bereich nicht ungwöhnlich gewesen.
Die Kiesgruben können dann durchaus für Experimente der militär. Feuerwerker hergehalten haben, im historischen Zusammenhang mit dem Stoltzenberg-Skandal wurde m. E. darüber berichtet.

@ digger: Hier eine Erklärung für die Gleisanschlüsse in der Schnackenburgsallee.

http://www.geschichtswerkstatt.lurup.de ... ra%DFe.htm

Für die Zeit um 1890 bzw. danach ist u. A. eine Karte aus dem Landkartenarchiv Terstegge interessant.

http://www.christian-terstegge.de/hambu ... 50dpi.jpeg

Es empfiehlt sich die Seiten der Geschichtswerkstätten zu lesen, darin sind einige Beiträge
zu Trümmerschuttbeseitigung und Munitionsfabriken hinterlegt.

Welche dimensionen das Ganze beim Bau des Parks hatte, wird auch in einem NDR-Bericht mit Bildern unterlegt.

http://www.ndr.de/kultur/geschichte/sch ... rk116.html


Wenn ich noch etwas finde, erweitere ich diesen Beitrag oder poste neu.

Grüße

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Beitrag von Djensi » 28.03.2017 13:15

Noch ein paar Randinfos:
Die in den historischen Karten verzeichnete Feuerwerkerei existiert heute noch.
Sie befand sich im Bereich der Müllverbrennungsanlage/Heizwerk, unmittelbar an den Volkspark im Nordosten angrenzend.

https://www.pyrotechnologie.de/ueber-uns

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Weitere Infos

Beitrag von ToSa » 03.04.2017 11:07

Der vor einiger Zeit gepostete Lageplan mit den Angaben zu dem Militärgelände innerhalb des Vorksparks wurde leider aus urheberrechtlichen Gründen entfernt. Dementsprechend nun ein neuer Anlauf mit den entsprechenden Links.


Folgend die Präsentation, bei der auf seite 12 der Lageplan mit den Angaben zu dem Militärgelände und der Gleisstrecke enthalten sind:

http://www.hamburg.de/contentblob/52620 ... rkshop.pdf


Ich hatte später noch herrausgefunden, dass auf dem Militärgelände ein Artillerie-Munitionsdepot von 1913 bis 1933 betrieben wurde. Dieses ist unter folgendem Link auf Seite 9 bzw. auf Seite 11 nachzulesen:

https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q= ... Hw&cad=rja


Dieses würde auch die Notwendigkeit einer Erschließung mit einer Gleistrasse erklären. Ebenfalls erklärt es die Geheimhaltung der Anlage und dass in allen folgenden Plänen die Hinweise auf die militärische Nutzung fehlen.

bis dahin, ToSa

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Beitrag von Djensi » 03.04.2017 16:09

Hallo ToSa,

danke für die Verlinkung.
Klar ist nunmehr, dass die militärische Nutzung lediglich bis 1933 erfolgt ist. Im
Baustufen- bzw. Flächennutzungsplan, der 1938 erstellt wurde und 1955 ergänzt,ist die Fläche bereits als öffentliche Park- bzw. Friedhofsfläche eingetragen.
Die weitere Ermittlung dürfte sich für diesen konkreten Bereich auf den Zeitraum von 1913 bis 1933 erstrecken.

Interessant sind in diesem Zusammenhang bei der kleinteiligen Suche Informationen über die dort agierende Einheit. Es dürfte sich um das Artilleriedepot Altona handeln. Bei der Spurensuche ergab sich, dass es dort ein 1916/17 eine finnische Einheit der deutschen Armee gegeben hat.Zit.: Dies war das Arbeitskommando des Artilleriedepots Altona-Bahrenfeld. Ab Dezember 1916 wurden dorthin 216 Jäger strafversetzt, die gegen die soldatische Disziplin verstoßen hatten. Sie wurden als Zwangsarbeiter behandelt. Ein Großteil von ihnen wurde im August 1917 entlassen.(Quelle: https://www.fof-ohlsdorf.de/kulturgesch ... s31_radden )


Die preußischen Städte Altona und Wandsbek haben zur Erkundung und Stadtplanung bereits in den 20er Jahren Bildflüge durchgeführt. Sicher wird man die mit militärischen Objekten versehenen Bilder damals nicht freigeben haben, aber wer weiß.
Bleiben wir weiter dran

:-)

Grüße Djensi

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