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Unterirdische Bunker im Hamburger Volkspark

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Djensi
 


Anmeldungsdatum: 28.08.2003
Beiträge: 1777
Wohnort oder Region: Hamburg

Beitrag Verfasst am: 08.09.2010 10:00 Antworten mit Zitat

Moin,

das ist ja alles sehr "sagenumwoben" und Fiktion und Wirklichkeit wird sicher im nachhinein nicht vollständig erklärt werden können. In dem beigefügten Link ist der fragliche Bereich im Rahmen der Baustufenplanung zu erkennen. Das sich dort bereits vor dem Kriege auch große Sandgruben befunden haben, mag sicherlich zur Geheimniskrämerei beigetragen haben. Ich hatte ähnliches gerade neulich im Bekanntenkreis, stammend aus der Phantasie von Erwachsenen, über angebliche Bunker- und Verbindungsanlagen, welche aber nachweislich so nicht vorhanden gewesen sind. Wir hatten hier im Forum ja bereits einige Beispiele, wo sich riesige, angeblich unterbunkerte Anlagen lediglich als Röhrenbunker usw. im übersichtlichen Rahmen herausgestellt haben. Sollte ich noch weiteres, aufklärendes Material finden, gebe ich das bekannt.

Hier der der Link: http://geodaten.metropolregion.....enfeld.pdf

In diesem Link: http://geodaten.metropolregion.....nfeld4.pdf

Ist die vorhandene Bebauung interessant. Da könnte es sich vielleicht um Mun.-lager oder ähnliches gehandelt haben, wozu wäre sonst eine Umwallung? Dann sind natürlich Wehrmachts-LKW´s, die dort anliefern und in dem vorherigen Beitrag zitiert wurden, erklärbar. Fa. Stolzenberg, die ja für die Wehrmacht m. W. Gasgranaten hergestellt hat, war ja ganz in der Nähe.

Gruß
Djensi
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Zerhacker
Gast





Beitrag Verfasst am: 08.09.2010 10:54
Titel: Unterirdische Bunker im Hamburger Volkspark
Antworten mit Zitat

Re. lieber Freund,zunächst mal danke für deinem spontanen Eintrag in Bezug meiner Schilderung.
Dazu sei bitte über folgendes informiert.Dein"hochintessanter Bebauungsplan ist wertlos,denn er zeigt schon das Volksparstadion und in Höhe der Spielwiese ist "das Planschbecken" eingetragen icon_smile.gif).
Real und NACHVOLLZIEHBAR ist die Tatsache,das dieses später sogenannte Planschbecken wärend meiner geschilderten Zeit vor und im zweiten Weltkrieg der "Brauer-Teich" war,wo der damalige Hamburger Bürgermeister Brauer seine Karpfen hatte!!! und glaubst du im Ernst,das militärische Sperranlagen mal so eben in einem "Bebauungsplan eingetragen waren,,wohl kaum!!!
2te /Sachlage:meine Schilderung meines Kindheitserlebnisses stellt du in die Nähe einer "blühenden Märchengeschichte..Da du ja offentsichlich in Hamburg wohnst,solltest dich doch einmal bemühen,zumindest den Versuch zu machen,ewaig einen Archiv-Eintrag der damaligen Tagespresse in Bezug auf meine Schilderung der verschwundenen Kinder zu überprüfen.Sollten noch weitere detalierte Hinweise erwünscht sein,bin ich ja JEDERZEIT kontaktiertbar.Ich möcht nur darum bitten,wenn man dort selbst nicht geboren ist und gelebt hat,sollte man doch schon
sehr sensibel damitt umgehen und nicht als "Aussenstehender" voreilig daraus Legenden zu machen.
Denn genau das hat schon der Senat damals vesucht.Natürlich muss auch hier nicht grossartig erwähnt werden,das man beim Bau der A7 Trasse und dem Ringbau der DAISY KEINE HINWEISE fand..wers glaubt kommt auch in den Himmel....
Nachtrag:ich habe in meiner Amateur-Filmerzeit per Zufall damals im Winter meine 2 Jungs im Volkspark gefilmt,die an einer dort installierten Wasserpumpe spielten.Diese Pumpe diente dem Zweck,grosse Wassermengen unter dem Volkspark abzupumpen um denBau des DAISY-RINGES zu ermöglichen..Es war kaum Grundwasser ,was da sprudelte...BEWeisfilm ist heute noch im digitalem Zustand in meinem Famielienarchiv...
>>>>auch ein AMMENMÄRCHEN????
mit freundlichen Grüssen von der Geltinger Bucht Michael Köpp
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Zerhacker
Gast





Beitrag Verfasst am: 08.09.2010 13:04
Titel: Part2--unterirdische Bunker im Volkspark
Antworten mit Zitat

Anbei ein "kleiner geschichtlicher Nachhilfeunterricht für den"Fachkenner" Djensi zur Ergänzung einer vermutlichen Wissenslücke seiner Meinung nach "sagenumwobenen und fikiven Geschichte:,die aber im Zusammenhang stehen:
Anke Schulz
NS - Verbrechen in Lurup, Eidelstedt, Stellingen und Bahrenfeld
Informationsmaterial für eine Gedenktafel an das Zwangsarbeiterlager in der Lederstraße

In der Lederstraße bzw. am Lederweg in der Nähe des heutigen Fußballstadions befand sich nach 1940 eines der größten Lager für Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen des Hamburger Raumes.
Ein Lager im Lederweg bestand wahrscheinlich schon vor 1939 und war zeitweilig vor allem von der Behörde für Arbeit als allgemeines Sammellager für Zigeuner zur Bewältigung der "Zigeunerplage" vorgeschlagen worden, weil durch die Kiesgruben nahe dem Volkspark der Einsatz der Zigeuner als Zwangsarbeiter volkswirtschaftlich besonders effektiv sei. In NS - Akten die im Staatsarchiv einsehbar sind heißt es über das Arbeitslager für Sinti und Roma:
"Obersenator Schumann ... hält eine Ecke Eidelstedt/Lurup für zweckmäßig für die Unterbringung, weil auch hier genügend Arbeitsmöglichkeiten vorhanden seien"
In einem Vermerk vom Obersenator Börinkmann vom 24. April 1939 heißt es:
"Für den Fall der Zusammenfassung möchte ich nun ein Gelände in Eidelstedt, gelegen am Lederweg, in Vorschlag bringen. Dieses Gelände ist für die Errichtung eines Lagers groß genug und hat vor allen Dingen den Vorzug, das in unmittelbarer Nähe ein Hartsteinwerk ist, das ferner sich dort geeignete Kiesgruben und mehrere Futter- und Düngemittelfabriken befinden, in denen die Zigeuner eingesetzt werden können. Darüber hinaus besteht eine gute Verbindung von hier aus in das Gebiet der Baumschule. Privathäuser befinden sich in dieser Gegend kaum. Vom Standpunkt des Arbeitseinsatzes aus ist also diese Gegend günstig, auch ist hier nicht mit Widersprüchen von Anliegern gegen die Zusammenfassung auf diesem Gelände, abgesehen vielleicht von einigen wenigen Schrebergärtnern, zu rechnen. Zu bemerken ist noch, dass nach meiner Information das Gelände Eigentum der Gemeinde ist. Zu überlegen wäre noch eine Mittellösung, die darin besteht, dass man zunächst die Zigeuner mit Wohnwagen hier zusammenfaßt."
"Der von der Sozialverwaltung in Eidelstedt vorläufig in Aussicht genommene Platz für eine evtl lagermässige Zusammenfassung wurde von Oberregierungsrat Bierkamp im übrigen auch für geeignet gehalten. Die Wahl dieses Platzes wurde besonders begrüsst, weil auch dort gute Arbeitseinsatzmöglichkeiten für die Zigeuner mit ihren Angehörigen wohl vorhanden seien."

Der Lederweg, heute Lederstraße, befand sich in der Nähe der Damaschkestraße (heute Farnhornweg) und den Siedlungen Morgenröthe und Elbkamp. Tatsächlich berichteten von mir interviewte Zeitzeuginnen, dass sich in dieses Gebiet ab 1939 sehr viele Sinti und Roma mit Wohnwagen begeben hatten. Als Sammellager für die gesamten in Hamburg wohnenden Sinti und Roma wurde diese Fläche mit Hinweis auf städtebauliche Erwägungen jedoch nicht weiter ausgebaut. Auf einer Besprechung am 3. Juli 1939 kam es zum Beschluß, eine Fläche in Öjendorf dafür auszuwählen.
Außerdem hatte die Ortsgruppe des Kreis Hamburg 7 (Eidelstedt) der N.S.D.A.P Protest gegen das Lager angemeldet. Dennoch wurde an dieser Stelle ein Lager errichtet, Dokumente und Zeugenaussagen belegen ein Lager für ZwangsarbeiterInnen und Militärinternierte in der Lederstraße. Einem Dokument der damaligen Behörden gemäß war es auch eine Art Umschlagplatz, von dem aus Kriegsgefangene in weitere Lager verteilt wurden, diese Zahlen verdeutlichen auch die Größe des Lagers:
"40 Mann beim Bahnhof Eidelstedt im Kriegsgefangenenlager an der Lederstraße. Keine Bedenken. Das Kriegsgefangenenlager Eidelstedt wird Auffanglager für die gesamten 840 Kriegsgefangene; von dort Verteilung auf die übrige Bahnhöfe wie angegeben"

Im folgenden werde ich einige Informationen zusammenfassen bzw. zitieren, die Friedericke Littmann in ihrer Dissertationsschrift ‚Ausländische Zwangsarbeiter in der Hamburger Kriegswirtschaft 1939 bis 1945' im Verlag Dölling und Galitz 2006 veröffentlicht hat.

1942 wurden russische Frauen für den Bau eines Lagers zwischen der Lederstraße und der Bahrenfelder Straße eingesetzt.
"Um Benzin zu sparen, waren zur Bahnanlage besondere Anschlussgleise mit Laderampen gebaut worden, und die Frauen mussten die mit Baumaterial schwer beladenen Loren aus eigener Kraft schieben." (Littmann, a.a.O., S. 239) Oktober 1942 wurde die Belegung dieses Lagers mit 108 Russen angegeben, insgesamt seien Platz für 600 Zwangsarbeiter (S. 240).
"Das ca. 5 Hektar große Gelände grenzte im Norden an die Eidelstedter Fischmehlfabrik und an die daneben liegende neue Kläranlage, im Osten an die Lederstraße an und im Süden reichte es bis zu einer Gartenkolonie. Die Westgrenze war der Hogenfeldweg." S. 555
Die Eidelstedter Hartsteinwerke, die Fischfabrik Frisch & Co und der Kohlenhändler Hilleroth waren als Arbeitgeber genannt für ein Lager in der Lederstraße, der Unternehmer Wilhelm Fette für ein Lager in der Bahrenfelder Straße. (S. 318) Ich gehe davon aus, dass noch mehr ortsansässige Unternehmen davon zu profitieren versuchten. 1943 wurde die Zahl der für 48 in Stellingen, Langenfelde und Eidesltedt ansässige Betriebe wie Erich Wasmuth, Eidelstedter Extraktions- und Fischmehlwerke Lübecke und Co. verfügbaren Zwangsarbeiter mit 366 Männern und 111 Frauen angegeben. (S. 411) In dieser Zeit kam es zu Hinrichtungen von russischen Militärinternierten in den Wingsbergen. (Friedericke Littmann, S. 554)
"Der Ablauf der Ermittlungen und das vollkommen willkürliche Vorgehen der Mitarbeiter des »Ausländerreferates«, die zu dieser Zeit einzig darauf bedacht waren, abschreckende »Exempel zu statuieren«, soll im Folgenden an den Exekutionen von mindestens 24 Polen und Ostarbeitern in den Eidelstedter »Windsbergen« dargestellt werden.
Adolf D., Architekt und Technischer Leiter der DAF-eigenen »Bauhilfe«, erhielt im November 1942 von der Reichsleitung der DAF den Auftrag, im Gau Hamburg zweigeschossige Behelfshäuser für Bombengeschädigte zu bauen. Ley und Sauckel teilten ihm dazu etwa 800 Ostarbeiter zu, zum größten Teil Jugendliche zwischen 18 und 23 Jahren, die im Lager Lederstraße in Eidelstedt untergebracht wurden. Im Frühjahr 1943 wurde der als zu gutmütig geltende Lagerführer durch einen neuen ersetzt, der die Ostarbeiter mit äußerster Härte behandelte. So wurden drei nach den Angriffen im Juli Geflohene, zwei Männer und eine Frau, zur Strafe und Abschreckung in der prallen Sonne mitten im Lager an einen Pfahl gebunden. Die Gestapo kontrollierte das Lager regelmäßig, auch sonnabends oder sonntags. Sie hatte im Lager eigene V-Leute eingesetzt. Manchmal geschah es, dass die Gestapo Ostarbeiter aus dem Lager holte, ohne dem sie beschäftigenden Betrieb darüber irgendwelche Mitteilungen zu machen. Kommissar Schweim hatte die Lagerangestellten mehrfach angewiesen, die Ostarbeiter anzutreiben und sich nicht mit ihnen einzulassen.
Während der Bombenangriffe 1943 wurde das Lager Lederstraße durch Luftminen vollkommen zerstört und in kürzester Zeit von den Ostarbeitern wieder aufgebaut. Anfang August 1943 wurden sechs oder acht Ostarbeiter aus dem Lager geholt und mit Ostarbeitern aus anderen Lagern in der Kiesgrube in den Windsbergen erschossen. Insgesamt sollen es nach der Erinnerung des Lagerleiters Lederstraße, Meyer, 24 Personen gewesen sein. Nach Angaben des im Lager für die Aufstellung der Arbeitskommandos, Essensausgabe und Bekleidung Zuständigen waren drei Ausländer des Lagers bei einem Schlachter in der Randstraße mit Aufräumungsarbeiten nach einem Bombenschaden beschäftigt gewesen. Der Hausbesitzer kam anschließend ins Lager und meldete den Verlust von zwei Oberhemden. Meyer verständigte sofort die Gestapo und beschuldigte die betreffenden Männer der Plünderei. Am folgenden Tag erschienen Schweim und weitere Gestapobeamte, ließen zum Appell antreten, durchsuchten das Lager und fanden dabei noch einige andere Kleidungsstücke sowie Fischkonserven. Schweim ließ die etwa 150 Frauen und Männer, bei denen Dinge gefunden worden waren, auf dem Appellplatz antreten und wollte sie alle abführen lassen. Als ihm gesagt wurde, die Kleidungsstücke seien an die Ausländer ausgegeben worden, sortierte er sechs Frauen und 24 Männer aus und ließ sie auf einem Lastwagen abtransportieren. Einige Tage später mussten mehrere Frauen des Lagers in den Windsbergen, einem brachliegenden Gelände, das vom Lager Lederstraße fußläufig zu erreichen war, ein großes Loch graben. Schweim hatte das Gelände zuvor in Begleitung des Lohnbuchhalters der »Bauhilfe« inspiziert und den Platz markiert, an dem eine Grube von 10 Metern Länge und 2 Metern Breite etwa 2 Meter tief ausgehoben werden sollte. Am Tag der Exekution hatten alle Männer des Lagers an den Erschießungen teilzunehmen, bevor sie, wie gewohnt, von Lastwagen abgeholt und zu ihren Arbeitsplätzen gebracht wurden.
Die Lagerführer mehrerer Lager, aus denen Menschen hingerichtet wurden, sowie Kommissar Schweim und weitere Gestapobeamte waren anwesend. Nach dem Krieg berichtete ein Angestellter der Gesamthafenbetriebsgesellschaft, dass auch drei russische und drei lettische Zwangsarbeiter dieses Unternehmens zu den Opfern gezählt hatten. Schweim selbst führte die ausländischen Zwangsarbeiter dieser Lager, die der Exekution beiwohnen mussten, zum Hinrichtungsgelände. Nach Aussagen eines Lastwagenfahrers der MAN Motorenwerke Hamburg, einem Rüstungsunternehmen, das vor den Angriffen 1.080 Ukrainer und Russen als beschäftigt gemeldet hatte musste er ungefähr 150 russische Männer, die vom Leiter des Werkschutzes ausgewählt worden waren, von Wilhelmsburg zum Hinrichtungsort in Eidelstedt fahren. Diesen Zwangsarbeitern wurde nichts zur Last gelegt, sie sollten der Hinrichtung aus Gründen reiner Abschreckung beiwohnen. Dort hatten sie sich in einem Karree aufzustellen und einem Dolmetscher zuzuhören, der den Sachverhalt in russischer Sprache darstellte. Den Männern wurden außer Plünderei unter Ausnutzung der Kriegsverhältnisse Sabotagehandlungen und der Aufbau einer Sabotage-Organisation in Hamburg vorgeworfen. Nach der Ansprache des Dolmetschers wurden je drei aneinander gefesselte Ostarbeiter an den Rand der Grube geführt und von einem Kommando aus neun flämischen Waffen-SS-Leuten aus der Waffen-SS-Kaserne in Langenhorn erschossen. Einige Zeit später fanden weitere Erschießungen statt Der Fahrer der MAN erinnerte sich, wieder etwa 150 Zwangsarbeiter mit seinem Lastwagen zur gleichen Stelle gefahren zu haben. Er habe gehört, dass dieses Mal ausländische Arbeiter der Wilhelmsburger Zinnwerke exekutiert wurden, denen man Plünderei und Sabotage vorwerfe. Ihre Leichen seien aber nicht dort vergraben, sondern mit einem Lastwagen weggefahren worden. Kommissar Schweim bestätigte diese Aussage. Das Erschießungskommando sei dieses Mai vom KZ Neuengamme gestellt, die Leichen in die Anatomie transportiert worden." (Littmann, a.a.O., S. 554-556)

Von den Zwangsarbeiterlagern in dieser Region, nicht nur denen in der Lederstraße, profitierten ortsansässige Unternehmen, die heute noch existieren. Die Bauindustrie habe ich bereits erwähnt. Die Beschäftigung ital. Militärinternierter als Zwangsarbeiter für die Schmirgel, die Norddeutsche Schleifmittelindustrie Christiansen und Co. In der Luruper Hauptstraße ist anhand von NS Akten belegbar (Littmann S. 587). Auch Gemeindeverwaltungen profitierten davon. Auf dem Altonaer Friedhof wurden jüdische Zwangsarbeiter eingesetzt, deren Baracken sich auf dem Gelände befanden. (a.a.O. S. 607)
Das Zwangsarbeiterlager in der Lederstraße gehörten zu den größten Lagern der Stadt Hamburgs in der NS - Zeit ab ca. 1943. Diese Zusammenhänge sollten durch eine Gedenktafel in den Blick der Öffentlichkeit gerückt werden.
Auch für die zahlreichen Luruper Sinti und Roma wären Zeichen des Gedenkens wie Straßenbezeichnungen oder Gedenktafeln eine - wenn auch nur symbolische Form - der Würdigung. Den NS - Akten sind zahlreiche Namen zu entnehmen, darunter viele, die in Ausschwitz umkamen. Es gab auch Überlebende, die ebenfalls in Akten Erwähnung fanden. In der Damschkestraße (heute Farnhornweg) fanden sich einige dieser Überlebenden zusammen, von den Behörden scharfäugig registriert:
"Kriminalpolizeileitstelle Hamburg 9. Februar 1945 An die Gemeindeverwaltung der Hansestadt Hamburg Sozialverwaltung z.Hd. des Herrn Happersberger in (24) Hamburg 1 Bieberhaus, Zimmer 621 Betrifft: zurückgekehrte Zigeuner aus dem Generalgouvernement. Bezug: Schreiben vom 30.8.1944 zu obigem Aktenzeichen. Nachstehend aufgeführte Zigeunermischlinge sind am 3.2.1945 aus dem Generalgouvernement zurückgekehrt und in Hamburg-Lurup, Damschkestrasse (Wohnwagen) bei E. R. wohnhaft:" (M.., A. und L. W.. aus Kiel) "Kriminal Inspektor" (Die Namen dürfen nach Auflagen des Staatsarchivs aus Datenschutzgründen nicht genannt werden, es hat sich um zwei Männer und zwei Frauen gehandelt)
So konnten einige Sinti und Roma überleben, in der Nähe des Lederweges gab es in den 50er Jahren in einer Kiesgrube eine eigenständige Gemeinschaft von Sinti und Romafamilien, denen es geglückt war, dem Vernichtungsnetz der Nationalsozialisten zu entgehen. Es wäre schön, wenn das Wissen über ihre Schicksalswege nicht verloren gehen würde.

Angesichts des Wiedererstarkens der Rechtsextremisten auch im Nordwesten Hamburgs wären Gedenktafeln wichtige Zeichen der Verantwortung gegenüber den Opfern des Faschismus, die es entgegen allen bis heute standhaft vertretenen Verleugnungen auch in dieser Region gegeben hat.

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Mit Gruss Zerhacker
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Djensi
 


Anmeldungsdatum: 28.08.2003
Beiträge: 1777
Wohnort oder Region: Hamburg

Beitrag Verfasst am: 08.09.2010 15:24 Antworten mit Zitat

Werter Zerhacker,

natürlich habe ich in keinster Weise Deine Ausführungen in Abrede stellen wollen, zumal Du ja schließlich selbst in einer dortigen Bunkeranlage gewesen bist und im direkten Umfeld aufgewachsen usw..Deswegen habe ich ja auch gleich vorangestellt, dass man Fiktion und Wirklichkeit abwägen sollte und meinte dieses insbesondere auf die Schilderung einer offenbar durch Wehrmachts-LKW zu befahrende unterirdische Tunnelanlage. Es gibt eine Vielzahl von Beispielen von verborgenen Panzern und vergrabenen Flugzeugen von denen "Augenzeugen" berichten, die sich im nachhinein als utopisch herausgestellt haben, oder eine Standort-Mun. anlage, wo Stein und Bein geschworen wurde, dass dort Raketensilos in der Erde verbaut wurden - daher auch meine anfänglichen Zweifel. Aber natürlich lasse ich mich auch anderweitig belehren und möchte interessehalber das meinige zur Aufklärung beizutragen.

Der Baustufenplan ist im übrigen aus dem Jahre 1938 und ist lediglich in den 50gern aktualisiert. Eine Spielweise erkenne ich dort im mittleren Bereich. Inwieweit im Bereich der Sportwiese und des Planschbeckens auch eine Spielwiese vorhanden war, ist mir nicht bekannt, auch nicht ab wann hier der entsprechende Umbau erfolgt ist. Wertlos ist der Plan für eine Recherche dennoch nicht, denn es können sich aus etwaigen topografischen Begebenheiten Hinweise ergeben. Auch aus späteren Plänen können sich immer wieder Besonderheiten und Hinweise auf vorhandene Bunkeranlagen ergeben. Beispielsweise bei der Planung des DESY-Anlagen Hera usw..

Vor dem Hintergrund eingesetzter Zwangsarbeiter, die Du ja umfänglich zitierst, könnte man mit zusammenhängenden Aktivitäten an kriegswichtigen Bauten etc. örtliche Zusammenhänge herstellen. Hier sind auf den Plänen umfänglich die Kiesgruben dargestellt, in denen die Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter leiden mussten. Regelhaft waren Kolonnen ja auch für Bunkerbauten abgestellt, vielleicht gibt es ja in den Dir vorliegenden Dokumentationen Hinweise, die Du im Zusammenhang mit diesem Thread in Erfahrung bringen kannst.

Viele Grüße
Djensi
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Djensi
 


Anmeldungsdatum: 28.08.2003
Beiträge: 1777
Wohnort oder Region: Hamburg

Beitrag Verfasst am: 08.09.2010 18:34 Antworten mit Zitat

Hier noch eine topografische Ergänzung (1927), ob die Feuerwerkerei Teil der Fa. Stoltzenberg ist?

http://greif.uni-greifswald.de.....7Kopie.jpg

Gruß
Djensi
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Sil
Gast





Beitrag Verfasst am: 07.10.2010 19:01 Antworten mit Zitat

Moin! Ich wohne jetzt in der Naehe des Volksparks und habe mir jetzt auch schon ein paar Sachen über Bahrenfeld durchgelesen die so einige Fragen aufgeworfen haben. Kann man irgendwo Pläne der Tunnel finnden im Staatsarchiv oder wo muss man da anfangen zu suchen? Wo befindet sich denn der Eingang zu dem beschriebenen Tunnelsystem. Schiessanlagen waren da glaube ich mehrere glaube aber nicht das das ein weiter reichendes Tunnelsystem ist. Bitte um mehr Info zum nachforschen!!!!
[...]

Habe da mal ein paar Fragen zu nicht unterirdischen Dingen in Hamburg herausgetrennt und erstmal verschoben, Shadow.
klickmich
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cavecrawler
Neu im Forum


Anmeldungsdatum: 22.09.2012
Beiträge: 5
Wohnort oder Region: Bad Segeberg

Beitrag Verfasst am: 24.03.2016 16:02 Antworten mit Zitat

Moinsen,

erst zweifelnd, dann aber mit zunehmendem Interesse habe ich den Faden durchgelesen, und bin anschließend auf folgende Zeitungsmeldung gestoßen (Quelle: MOPO Hamburg, 08.04.2005):


Langsam schleppen sich die Erdkröten an Land. Sie quaken jämmerlich. Innerhalb von Minuten blähen sich die Tiere bis auf die dreieinhalbfache Größe ihres normalen Körperumfangs auf - bis sie regelrecht explodieren. Dieses Horrorszenario spielt sich derzeit an einem Tümpel an der Stadionstraße (Bahrenfeld) ab. An welcher Krankheit die Tiere leiden, ist nicht klar. Jetzt schlägt das Bezirksamt Altona Alarm: Es besteht Seuchengefahr! Die Behörde warnt: Gehen Sie nicht in die Nähe des Rückhaltebeckens! Lassen Sie Ihre Hunde nicht frei herumlaufen! Weit mehr als 1000 Erdkröten sind bereits qualvoll verendet.

Am Sonntag riefen Spaziergänger beim Naturschutzbund (Nabu) Altona an. Sie meldeten einen grausigen Fund: Überall um den Tümpel herum lagen die aufgeplatzten Kröten. "Es war ein schrecklicher Anblick", sagt Werner Smolnik (58) vom Nabu. Er alarmierte sofort das Bezirksamt Altona. Heidi Mayerhöfer (46), Fachbiologin (zuständig für die Gewässeraufsicht): "Es ist grausam. Die Erdkröten platzen auf, die Eingeweide quellen heraus. Doch die Tiere sind nicht sofort tot. Sie kämpfen noch minutenlang."

Das Hygiene-Institut hat Proben des Wassers und dutzende tote Tiere mitgenommen. Es wird eine bakterielle Untersuchung durchgeführt. Die Ergebnisse werden Anfang kommender Woche erwartet. "Wir wissen absolut noch nicht, welche Krankheit die Tiere haben. So etwas hatten wir noch nie", sagt Janne Klöpper (45), Sprecherin des Instituts. Am Sonnabend kommt extra ein Amphibienspezialist aus Berlin, um sich die Tiere anzusehen.

Smolnik vermutet eine Bakterieninfektion, die alle Reptilien und Amphibien befallen kann. "Sogar eine Gefahr für den Menschen kann nicht ausgeschlossen werden", sagt er. Heidi Mayerhöfer hingegen meint: "Menschen sind nicht gefährdet."

Gestern wurde das Rückhaltebecken mit Flatterband abgesperrt. "Betreten der angrenzenden Flächen verboten" steht auf Schildern. Bisher sind nur die Kröten im Tümpel an der Stadionstraße betroffen. Doch die Experten rechnen damit, dass sich die Krankheit schnell ausbreitet. Das Bezirksamt Altona bittet Zeugen um Hinweise an Tel. 428112069.


Viele Grüße vom
cavecrawler
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hollihh
 


Anmeldungsdatum: 12.09.2005
Beiträge: 1446
Wohnort oder Region: Hamburg

Beitrag Verfasst am: 25.03.2016 17:20 Antworten mit Zitat

Moin,

wenn ich mich recht entsinne, war die Lösung des Rätsels der "explodierten Kröten" ziemlich banal: Krähen hatten die Kröten aufgehackt, um an die Leber zu kommen...

MfG

Holli

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cavecrawler
Neu im Forum


Anmeldungsdatum: 22.09.2012
Beiträge: 5
Wohnort oder Region: Bad Segeberg

Beitrag Verfasst am: 29.03.2016 16:06 Antworten mit Zitat

Danke Holli,

das ist eine natürliche und nahe liegende Erklärung icon_smile.gif

Die Gegend ist ja nun schon ziemlich häufig entkernt, dekontaminiert, und was weiss ich noch was alles, worden...

Mehr als interessant trotzdem, da lt. sich deckender Zeitzeugenberichte, mindestens drei Bunker unter dem VP sein müssten. Damit sind ausdrücklich nicht die Schächte der ehemaligen Schießanlage gemeint.


Hat denn schon einmal jemand die bekannten ehemaligen Zugänge (inzwischen) kartographiert?

Wenn es diese Räumlichkeiten tatsächlich gibt, wird Faul-/Sumpfgasentwicklung, à la Gertrudenkirchhof, dort Programm sein.

Viele Grüße aus SE und HH

crawler
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MikeG
Administrator


Anmeldungsdatum: 07.05.2002
Beiträge: 8236
Wohnort oder Region: Bispingen

Beitrag Verfasst am: 29.03.2016 20:47 Antworten mit Zitat

Moin!

Für wen sollten denn dort bitte "Bunker" sein? Luftschutzbauten wurden dort errichtet, wo sich im Angriffsfall möglicherweise Menschen aufhielten. So gab es denn auch im Bereich Volkspark nun nicht gerade üppig viele LS-Bauwerke - lediglich gegenüber dem Friedhofseingang an der Stadionstraße lag ein kleinerer 1-Röhren-Schutzbau als Splitterschutz. Wer etwas nachdenkt, wird auch zugeben müssen, dass mit Angriffen auf Parkanlagen irgendwie nicht so recht zu rechnen war - wozu hätten die auch dienen sollen?

Viele, die sich mit dem Thema "Bunker" in Hamburg befassen, werden diese Gerüchte irgendwann schon mal gehört haben - sie reichen von "kleiner Bunker" über "unterirdische Flugzeugfabrik" bis hin zu "Hohlraum vom Hafen bis zum Volkspark". Für nichts, absolut nichts davon gibt es irgendwelche belastbaren Belege. Und dass es diese nicht gibt, beweist nicht etwa, dass da etwas ganz besonders Geheimes gewesen wäre, sondern lässt ganz einfach annehmen, dass da einfach nichts war.

An anderer Stelle gab es in diesem Thread schon Vermutungen zu ehemaligen Schießständen o.ä. - so etwas kann durchaus möglich sein (vgl. die Haake). Aber auch irgendwelche Kabel- oder Abluftschächte von DESY, der besagte Röhrenschutzbau und vielleicht noch weiteres mag die Phantasie des einen oder anderen "Zeitzeugen" oder "gehört-Habers" angeregt haben.

Gruß,

Mike
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