Steuermannschule-Memellager /Heinz Krey Lager

Militärische Objekte und Anlagen des 2. Weltkriegs (und 1933-1945)
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bettika
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Steuermannschule-Memellager /Heinz Krey Lager

Beitrag von bettika » 15.05.2012 23:07

Hallo,
der Neubau des SHZ-Verlags , für den heute die Grundsteinlegung stattfand, http://www.shz.de/nachrichten/top-thema ... elegt.html
befindet sich auf geschichtsträchtigem Gelände.

Bebaut wurde das Grundstück 1939 für die Marine-Steuermannschule, später als Memellager genutzt durch die Marineschule , umbenannt 1944 in Heinz-Krey-Lager. http://de.wikipedia.org/wiki/U_752
Zur Zeit der letzten Reichsregierung waren dort , gegenüber der von Dönitz genutzten Sportschule, mehrere Minister mit Mitarbeitern untergebracht:
Reichsinnenminister,Reichserziehungsminister,Reichsernährungsminister,Reichsarbeits- und Sozialminister, Reichsverkehrs- u. Postminister, Reichsjustizminister.

Nach Kriegsende wohnten dort Flüchtlinge, später die Studenten der PH. Anfang der 60’er Jahre wurde die Gebäude des Lagers abgebrochen.
Bemerkenswert auf dem Gelände ist der gesprengte und überschüttete T 750 Mannschutzbunker, auf dem benachbarten Grundstück des Kraftfahrtbundesamtes.
Infos zum Bunker und Bilder Memellager:
http://www.truppenmannschaftsbunker.de/ ... s3/bu.html

Anfänglich gehörte das Baugelände zur benachbarten ehem.Bundeswehrfachschule.
Im letzten Jahr war kurzzeitig eine Bebauung für das Bundeswehrdienstleistungszentrum geplant, das durch den Stationierungsentscheid hinfällig wurde.

Grüsse
bettika
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M.S.Laarman
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Beitrag von M.S.Laarman » 19.05.2012 11:19

Danke für zeigen!

Gruss,

Maurice

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Beitrag von bettika » 20.05.2012 19:13

Hallo Maurice,
gerne :-)

Hintergrund der baulichen Erweiterungen der Marineschule waren seit 1933 die Aufrüstungsmaßnahmen der Marine. Ab 1934 wurden auch die ersten Offiziersanwärter der neu entstehenden Luftwaffe an der Marineschule ausgebildet (!).
Zur Deckung des steigenden Platzbedarfs wurden 1936-1938 3 Barackenlager auf dem Gelände oder in der Nähe errichtet: Danziglager, Nordlager und Memellager.
Quellen: „Das Rote Schloß am Meer“ Hillmann/Scheiblich.)
http://de.wikipedia.org/wiki/Sonderbereich_M%C3%BCrwik
Die geplante Gebäudezuordnung, wird aus dem Bauplan vom Juli 1938 ersichtlich. Ob die Gebäude jemals als Steuermannschule genutzt wurde bleibt fraglich , denn „Der zunächst innerhalb der Marineschule Mürwik als Steuermannschule bezeichnete Teil wurde mit Wirkung vom 1. Dezember 1938 dort herausgelöst und dem Inspekteur des Bildungswesens der Marine unmittelbar unterstellt. Die Schule verlegte am 20. November 1939 unter Umbenennung in Navigationsschule nach Gotenhafen“ http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Gli ... /MNavS.htm
Die Gebäude wurden aber fasst genau wie geplant errichtet, auf der Grundlage des „Vorentwurf“ aus dem Stadtarchiv konnte ich die Gebäude auf einem Foto aus dem WGAZ zuordnen.

Kennt jemand den Standort der Navigationschule in Gotenhafen?
Bekannt sind mir dort nur die Torpedoschiessstände in Oxhöft und Hexengrund .

Grüsse
bettika
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Steuermannsschule Gotenhafen

Beitrag von bettika » 22.05.2012 14:31

Hallo,
einen Hinweis auf die Steuermannsschule Gotenhafen gibt die Dissertation "Die „wartende Stadt“. Gdynia – Gotenhafen (1926-1945)"
viewtopic.php?t=16058&highlight=gdynia
"die Steuermannsschule in Grabau. .... war aus der ehemaligen polnischen Hochschule für Seehandel und Hafentechnik, der polnischen Seeschule und dem polnischen Gymnasium zusammengezogen worden [117]. 1944 sollen sie jedes halbe Jahr 300 ausgebildete Navigatoren verlassen haben[118]"

Ein Hinweis auf die Lage fand sich bei http://forum.axishistory.com/viewtopic. ... &start=120
" It seems to have been located at was was formerly the polish maritime academy in Grabau. This link http://maps.google.com/maps?ll=54.52500 ... &t=k&hl=en
provides satellite imagery. Today it's the Wyzsza Szkola Morska of Gdynia situated in the block between Morska, Kapitanska, Grabowo and Kaspra Denhoffa "


Dort ist heute wieder die "Akademia Morska w Gdyni" http://www.am.gdynia.pl/text/90_pl.php
Auf dieser Seite findet sich leider kein Hinweis auf die Geschichte des Gebäudes zwischen 1939-1945.
Auf einem alten deutschen Plan von Gotenhafen findeet sich am Standort die Bezeichnung "Marineschule".
Der genaue Nachweis, daß dort die Steuermannschule war, fehlt mir.

Grüsse
bettika
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Bunker Steuermannschule/Memellager

Beitrag von bettika » 25.06.2012 23:22

Hallo,
über den Bunker neben dem Memellager ist nur wenig bekannt , erstmalig sichtbar ist er in einem Luftbild Ende 1943, eingetragen in einem Lageplan 1944.
Der Bunker wurde 1945 von den Briten gesprengt(aus Schriftverkehr Leiter für LS-Baumassnahmen 1962).

Einige Informationen enthält ein Zeitungsbericht aus dem FT vom 2.April 1991:
„Erinnerung an Russische Gefangene“ initiiert von der Kirchengemeinde Mürwik
Nach einer Zeitzeugenausage wurden am Bau des Luftschutzbunkers auch russische Zwangsarbeiter aus dem Kriegsgefangenenlager Ecke Blücherstrasse/Hildebrandtstrasse in Mürwik eingesetzt. Eine Lorenbahn transportierte Kies von einer Abbaustelle an der Osbek zum Memellager für den Bunkerbau.
„Mitte der sechziger Jahre wurde versucht den Bunker zu sprengen, Anfang der 70er Jahre wurden die Reste aufgeschüttet und begrünt“

Beleg für den erneuten Sprengversuch gibt es im Artikel nicht.
Aus Unterlagen des KBA, ist ersichtlich daß dort zwischen 1961-1968 32.000m3 Erde aufgeschüttet wurden. Der Hügel liegt bis zu 10m über dem umgebenden Gelände.
Die überlieferten Bilder sind ohne Datum.

Grüsse
bettika
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Danziglager/Trampedachlager

Beitrag von bettika » 26.06.2012 20:59

Hallo,
das Danziglager/Trampedachlager
auf dem Gelände der Marineschule hat als einziges im Lande noch erhaltenes Barackenlager eine besondere geschichtliche Bedeutung. Der drohende Abriss des denkmalgeschützten Ensembles hat im Flensburger Rathaus zu einem fraktionsübergreifen Antrag geführt, den ich auszugsweise veröffentliche und dem ich inhaltlich nichts hinzufügen muss:

http://www.gruene-flensburg.de/userspac ... 2009-1.pdf
gemeinsamer Antrag der Ratsfraktionen WiF, SSW, CDU, SPD und dem Bündnis 90 / Die Grünen vom 23.04.2009
Antrag:
…..Dieses für die Geschichte Flensburgs und des 20. Jahrhunderts wichtige Kulturdenkmal muss erhalten bleiben und sollte für die Öffentlichkeit didaktisch aufbereitet und museal genutzt werden.
1. Geschichtliche Bedeutung
Im Zuge der Aufrüstung Deutschlands im Dritten Reich wurden ab 1936 drei Lager mit Holzbaracken in unmittelbarer Nähe der Marineschule, die 1935 in Marinekriegsschule umbenannt wurde, als Provisorien errichtet. Nördlich vom Hauptbau der Marineschule entstand 1936 das Danziglager, das 1944 zum Gedenken an den gefallenen Fregattenkapitän Claus Trampedach [ http://de.wikipedia.org/wiki/Z_3_Max_Schultz ]
die Bezeichnung Trampedachlager erhielt. Das Lager hatte ..... im Zuge der Kriegsvorbereitungen die Aufgabe, zusätzliche Offiziersanwärter unterzubringen…
Im Frühjahr 1945 … zogen auch Flüchtlinge in die Baracken des Trampedachlagers….
Mit den Barackenlagern verbindet sich daher nicht nur die Geschichte einer besonderen
militärischen Baugattung, sondern auch die Erinnerung an Flucht und Vertreibung.
Während es im Lande noch einzelne, meistens stark veränderte massive Baracken gibt, ist das Trampedachlager als einziges vollständiges Lager mit sieben Holzbaracken erhalten ..
2. Aktuelle Situation
Um den Erhalt des Trampedachlagers gibt es einen Rechtsstreit zwischen der Eigentümerin, der Bundesrepublik Deutschland, und der Stadt Flensburg. Die Stadt Flensburg hat den Abbruchantrag für sechs von sieben Baracken unter Hinweis auf den bestehenden Denkmalschutz abgelehnt, den die Wehrbereichsverwaltung gestellt hatte. Gespräche, die es außergerichtlich imHerbst 2008 in der Staatskanzlei gegeben hat, lassen befürchten, dass es allenfalls gelingt, zwei der sieben Baracken zu erhalten. Der Ensemblecharakter, der die Einzigartigkeit der Anlage gerade bestimmt, würde dadurch verloren gehen…

Im gesamten Land gibt es bislang keine museale Aufbereitung der geschichtlichen
Vorgänge, die sich an dem Barackenlager abbilden, insbesondere NS-Diktatur, Aufrüstung
sowie Flucht und Vertreibung. Wenn das Trampedachlager verschwindet, verlieren wir die
Chance, diese Geschichte an einem originalen Zeugnis der Nachwelt zu vermitteln. Dieses
Anliegen wird im Übrigen auch von mehreren Historikern Dr. Uwe Carstens (Kiel), Prof. Dr. Klaus- Ove Kahrmann (Bielefeld), Prof. Dr. Gerhard Paul und Prof. Dr. Michael Ruck (beide Flensburg) nachdrücklich unterstützt.“


Die historischen Fotos wurden mir dankenswerterweise wieder vom WGAZ zur Verfügung gestellt
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Danziglager/Trampedachlager

Beitrag von bettika » 26.06.2012 21:05

der Zustand heute:
Leider gibt es keine Anzeichen, dass der o.g. Antrag dauerhaften den Abriss verhindern kann.

Grüsse
bettika
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Nordlager/Mützelburglager

Beitrag von bettika » 16.07.2012 22:35

Hallo,
1937 wurde das Nordlagerfür die Marineschule in Fahrensodde oberhalb der alten ungenutzten Seeflugstation errichtet.
Das Lager wurde später in Mützelburglager unbenannt, nach Rolf Mützelburg, Kommandant von U203. Er verunglückte bei einem Kopfsprung vom Turm seines U- Bootes in die ruhige See tödlich.( „Das rote Schloß am Meer „ Hillmann/Scheiblich)
Das Lager verfügte als Luftschutz über einen 500 Mann Stollen, deren 2 Zugänge sich im Hang unterhalb des Geländes auf der Höhe der Seeflugstation befanden. Der Stollen wurde Anfang der 90’er Jahre verfüllt.
Es gibt (nicht belegte)Hinweise, daß die alte Flugstation 1943 reaktiviert wurde. Ob das Nord-Lager von der zu Kriegsende nach Flensburg verlegten 3. Gruppe des Kampfgeschwaders 200 http://www.ww2.dk/air/kampf/kg200.htm noch genutzt wurde, ist nicht bekannt .

Zu Zeiten der letzten Reichsregierung Dönitz nahm das OKW hier sein Quartier. („Mürwik als Sitz der letzten Reichsregierung“ Jörg Duppler)
(Der überlieferte Plan ist aus dem Stadtarchiv, die Fotos sind vom WGAZ)

Die Baracken fanden nach Kriegsende als Flüchtlingslager Verwendung, heute findet man in der Twedter Mark nur noch einige Ziegelsteine.

Grüsse
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Beitrag von zulufox » 16.07.2012 23:34

bettika hat geschrieben:Hallo Maurice,
gerne :-)

Hintergrund der baulichen Erweiterungen der Marineschule waren seit 1933 die Aufrüstungsmaßnahmen der Marine. Ab 1934 wurden auch die ersten Offiziersanwärter der neu entstehenden Luftwaffe an der Marineschule ausgebildet (!).

Grüsse
bettika
Hallo Beate,

ich habe erst heute mal so richtig über die Einträge drübergelesen, deshalb hier noch eine kleine Richtigstellung:

1934, also noch zur Zeit der geheimen Aufstellung der Luftstreitkräfte des Deutschen Reiches, da war noch geplant, dass Marine und Heer eigene fliegende Einheiten bekommen sollten. Deshalb gab es auch zunächst das "Gehobene Luftamt VI" in Kiel unter dem "Präsidenten" Konteradmiral Konrad Zander. Aus diesem Amt wurde am 1. April 1935 das Luftkreiskommando VI Kiel.

Zumindest die Beobachter der Küstenfliegergruppen waren noch weit in das Jahr 1943 hinein Offiziere der Kriegsmarine, sie wurden erst bei der endgültigen Eingleiederung in de Luftwaffe als Luftwaffenoffiziere übernommen. Gleiches gilt auch für die Beobachter der Nahaufklärungsstaffeln (und ich glaube auch für Fernaufklärer über Land), das waren Heeresoffiziere.

Erst als der "Dicke" dann entschied: "Alles, was fliegt, gehört mir" gab es Luftfahrzeuge nur noch bei der Luftwaffe.
War übrigens bei der Bundeswehr dann mal anders: Es gab eine Zeit, das gab es bei den Heeresflieger mehr Luftfahrzeuge als bei der Luftwaffe :mrgreen:

Gruß :-)
Zf :holy:
Friedrich Hebbel: Tagebücher:
"Es gibt nur eine Sünde, die gegen die Menschheit mit allen ihren Geschlechtern begangen werden kann, und dies ist die Verfälschung der Geschichte."

aflubing
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Beitrag von aflubing » 17.07.2012 08:30

Auf einem Luftbild aus dem Jahr 1941 ist noch kein Nordlager zu sehen, dagegen auf einem undatierten Luftbild im Buch von Jürgen Zapf über die Flugplätze der Luftwaffe 1934-1945 Bd. 6 auf Seite 28.
Auf der TK25 aus dem Jahr 1954 sind alle drei Lager eingezeichnet.
Gruß aflubing.

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