Seltsame Dienststelle in Achern

Militärische und militärisch (mit)genutzte Fernmeldeanlagen und -einrichtungen, Netze und Infrastruktur (ohne ELOKA)
HW
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Beitrag von HW » 04.01.2017 17:55

Ich gehe von HF-Funksendeanlagen aus, da war die Hornisgrinde nicht geeignet da im südöstlichen Bereich die Bundeswehr eine Richtfunkstellung (Fernmeldeturm Gittermast) und SAR-Peilzentrale mit UHF-Flugfunk, in der Mitte des südlichen Bereiches der US-Richtfunkturm und im südwestlichen Bereich die Eloka-Anlage der Franzosen war. Eine HF-Sendeanlage hätte ggf. den Richtfunk gestört. Der große Fernmeldetum ist ja im nördlichen Bereich der Hornisgrinde und auch etwas weiter entfernt.
Außerdem waren entsprechende HF-Fernmeldeanlagen hier nicht vorhanden, so wie sie z. B. schon in Spanien vorhanden war.

Die Fernmeldeanlage in Freistett sagt mir nichts und kenne ich auch nicht. Könnte allerdings dann eine Möglichkeit gewesen sein.

Gruß
HW

HW
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Beitrag von HW » 08.02.2017 16:37

Hallo,

im Zuge der Informationsgewinnung über die Bundeswehr-Lokomotiven habe ich mich auch weiter mit Bundeswehr-Depots befasst, weil hier ja diese Loks eingesetzt waren. Dabei ist mir aufgefallen, dass im Schwarzwald (Baden-Württemberg) eine sehr geringe Anzahl von Depots und artverwandter Liegenschaften vorhanden waren. Überhaupt nicht gleichzusetzten z. B. mit Schleswig-Holstein, wo es eine sehr enge Dichte von Depots und Liegenschaften der Bundeswehr gab.
Und dabei bin ich auch auf die "Markgraf-Ludwig-Wilhelm-von-Baden-Kaserne" wieder gestoßen (ist doch ein schöner Name für eine Kaserne)
:-)
Ich bin jetzt auf folgende Ungereimtheit gestoßen: Die Kaserne ist zum 31. Dezember 1993 geschlossen worden. In der Standortdatenbank des MGFA ist aber aufgeführt, dass die AbtFmFü WBK noch bis 2000 in dieser Kaserne gewesen sein soll. Entweder war diese Abteilung dann an anderer Örtlichkeit, oder es ist ein Fehler in der Datenbank, oder die Abteilung hatte tatsächlich noch ein Gebäude in der geschlossenen Kaserne.
Sollte die Abteilung auch mit den Versorgungsstaffeln Süd, Mitte, Nord oder mit der Stabs- und Versorgungsstaffel in Verbindung gebracht werden (Aufgaben/Auftrag), so ist die Jahreszahl 2000 auch wieder bedenklich, denn diese Staffeln wurden Ende der 80, Anfang der 90er Jahre aufgelöst. Auch andere Fernmeldestellen mit etwa dem gleichen Auftrag/den gleichen Aufgaben an anderen Örtlichkeiten wurden auch Anfang der 90er Jahre aufgegeben.

Dann bin ich im Netz noch auf einen Zeitungsartikel von 2003 gestoßen: "Heid-Kasernen schlägt das letzte Stündlein". (Gemeint ist die o. a. Kaserne.) Hier wird von einer Begehung während der Abrissarbeiten von einem Bunker berichtet (dicke Betonwände, Schallschutzwände und der Satz "Bald werden die schweren Abbruchgeräte auch in den letzten von meterdicken Beton umgebenen Bunker Licht bringen.....)
Entweder sind hier die Schutzräume (Schutzraum 50) bei den Unterkunftsgebäuden gemeint (die Kaserne wurde ja neu gebaut und da dürften die Unterkunftsgebäude die obligartorischen Schutzräume unter der Erde neben den Unterkunftsgebäuden erhalten haben), oder es gab tatsächlich noch einen Bunker, aber dann für wen und für was?

Gruß
HW :-)

HW
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Beitrag von HW » 11.02.2017 12:47

Ich habe jetzt noch einmal versucht etwas Licht in das Dunkel zu bringen und habe eine mir persönlich bekannte Person (Deutsche Bundespost - Fernmeldedienst, dann freigestellter Beamter bei der Telekom und seit vielen Jahren auch befasst mit Amateurfunk) um Hilfe gebeten. Ist aber leider auch nur eine "Funzel" geworden.

Mir war nicht bekannt, dass es auf der Hornisgrinde noch einen 2. Funk-/Sendeturm gibt. Er ist von der Telekom und im Norden auf der Hornisgrinde. Zu dem großen Sendedurm vom Südwestrundfunk wurde mir gesagt, dass hier auch die Bundeswehr Nutzer war und vermutlich auch noch ist. Diese Auskunft ist 100 %. Welche Einheit/Dienststelle wurde aber nicht mtgeteilt. Ich vermute es ist der SAR-Flugfunk der Bundeswehr, ob auch diese Abteilung Fernmeldeführung hier war, konnte nicht gesagt werden.
Zudem wurde gesagt, dass auch die Bundeswehr, nachdem die Franzusen ihre Abhörstellung aufgegeben hatten, hier in dieser Stellung ein kurzes Gastspiel gegeben hat (so sagt es jedenfalls die Gerüchteküche).
Mir war ja nur die Richtfunkstellung des AutoFüFmNLw im Südosten bekannt.

Gruß
HW

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Beitrag von Firefighter112 » 13.02.2017 13:05

Hallo HW,

im Sommer 2014 befand sich die Antenne für den SAR-Flugfunk (Breitband-Koaxdipol von Rohde&Schwarz, HK033) noch auf dem Gittermast des ehemaligen NATO CIP67-Standort im Südosten der Hornisgrinde ( 48.601596 8.206524 ).
Die Antenne ist zentral auf einem einzelnen Ausleger ganz oben auf dem Mast montiert, alle anderen Richtfunkantennen sind demontiert (siehe Bilder)

Gruß,
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Beitrag von EricZ » 13.02.2017 18:28

Moin,

habe gerade gelesen, dass die Abteilung Fernmeldeführung WBK (SKB) eine dem Amt für Militärkunde untergeordnete Einrichtung des BND war. Das AMK wiederum eine Tarneinrichtung des BND.

O. W. Dragoner (Hrsg.): Die Bundeswehr 1989. Organisation und Ausrüstung der Streitkräfte der Bundesrepublik Deutschland zum Ende des Kalten Krieges. Ausgabe 1. August 2010, S. 37 http://www.microarmormayhem.com/BW_Command_Units.pdf

Die Seriosität der Quelle kann ich nicht hinterfragen.

Gruß, Eric
And I'm hovering like a fly, waiting for the windshield on the freeway...

HW
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Beitrag von HW » 15.02.2017 15:08

Eric, was Dragoner geschrieben hat, ist mir bekannt. Ich teile ja auch seine Darstellung. Meine Vermutung ist ja auch, dass sich hinter der "Abteilung Fernmeldeführung WBK" die Dienststelle verbirgt, die bei einer Evakuierung der BND-Zentrale nach Achern (wie ja in Schlagwort 3 des BND selbst aufgeführt) die Fernmeldeeinrichtungen hier betreiben soll.
Es gibt aber auch hier eine Aussage des MGFA, dass diese Stelle bis zum Jahr 2000 in der Kaserne in Achern war, nur die Kaserne wurde 1993 geschlossen (Widerspruch).
Oder das die Dienststelle das Datennetz "Clemetery network" betrieben hat (Beitrag von Flakhelfer am 31.03.2015). Cemetery network war nach meinem Wissenstand ein Datennetz der Atomwaffenlager.

Ich war noch nie auf der Hornisgrinde, muss aber sagen, dass sie für die Zeit des Kalten Krieges ein interessantes Thema ist. War doch hier eine Ballung verschiedener Fernmeldesysteme von verschiedenen Nationen.
In einem Buch mit Wandervorschlägen, das 1980 erschienen ist, wird auch ein Wanderweg über die Hornisgrinde beschrieben:
Beginn beim Mummelsee. An der Kapelle vorbei folgt man einem Forstweg aufwärts und erreicht nach 300 m einenschönen Aussichtsturm .....Der Pfad steigt rechts hoch und führt zu einem eingezäunten militärischen Berggelände......Man folgt dem Zaun zur Linken bis zum Gipfel, rechts liegt hier der Biberkessel......Unter dem 206 m hohen Rundfunk- und Fernsehturm vorbei .....erreicht man schleißlich die Tullahütte und das Skiheim Ochsenstall. Zurück.....aufwärts zum Rücken der Hornisgrinde.Diesmal geht man am Zaun geradeaus weiter, überquert auf einem Bohlenweg ein Hochmoor und gelangt zum Dreifürstenstein. Ein asphaltierter Fahrweg bringt einen an den Mummelsee hinab.

In einem anderen Reiseführer von 1984 wird von Wassergeistern und Wassernixen im Mummelsee geschrieben, aber auch von einem 7 m Turm auf dem Gipfel, der ein Signalturm (von 1871) war (heute bekannt als Bismarkturm). Der aber nicht betreten werden kann, weil er im militärischen Gelände steht.
Daraus schließe ich, dass damals fast die gesamte Gipfelebene eingezäunt war und militärisches Sperrgebiet war.

Ich habe aber noch einen weiteren Punkt der Rätsel aufgibt. In der Chronik Fernmelderegiment 12 (Luftwaffe) ist aufgeführt, dass ab 1966 eine 12 Kanal-Richtfunkstrecke über die Hornisgrinde geführt wird und diese sogar ab 1968 zu einer 120 Kanal-Richtfunkstrecke geworden ist. An anderer Stelle in der Chronik ist aufgeführt, dass 1968 die Richtfunkstation Hornisgrinde des Einsatzstammnetzes der Luftwaffe in Betrieb ging.
Richtfunkstation ist für mich Fernmelde-Richtfunkturm, ein Gebäude (Unterkunft), Trafostation und Sicherheitszaun drumrum.
Rick schreibt aber hier im Forum unter "FFA Achern und Hornisgrinde", dass die Luftwaffe im Sendeturm des Südwestfunk, der 1973 in Betrib genommen wurde, auf der Antennenplattform in 58 m Höhe Parabolantennen fixirte.
Wo war jetzt aber die Richtfunkstatin von 1966/1968 bis 1973?
Anmerkung: Ein Teil der Gebäude (Turm mit Anbauten) in der französichen Stellung ist 1965 ausgebrannt. es waren die Räume, die für die Luftwaffe mit ihrer RVRSt vorgesehen war. Also kann es hier vermutlich nicht gewesen sein.

Gruß
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Beitrag von HW » 15.02.2017 15:18

Frage an den Feuerwehrmann, war die UHF Sende-/Empfangsstelle des SAR schon immer in der amerikanischen Stellung?
Früher war ja noch immer ein Shelter und ein kleiner Peiler dazu, der aber nicht von einem Metallzaun umgeben sein durfte (Holzzaun). Wo war der auf der Hornisgrinde?

Jetzt ist mir auch klar, warum mir gesagt wurde, dass die Stellung in der südöstlichen Ecke auf der Hornisgrinde Bundeswehr ist (mir nur als US-Stellung bekannt), weil hier der Bundeswehr SAR-Flugfunk ist.

Es gibt ja noch einen weiteren Fernmeldeturm (Richtfunkturm) nur wenige Meter von dieser Stellung, wozu gehört dieser?
Und in der ehem. französischen Stellung ist an der Westseite des Hangars auch so etwas wie ein kleiner Richtfunkturm?

Gruß
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Beitrag von Firefighter112 » 15.02.2017 16:56

Hallo HW,

ob sich die SAR-Sende/Empfangsstelle schon immer innerhalb des US/NATO-Geländes befindet, kann ich dir leider nicht sagen.
Der Peiler der Bundesnetzagentur befindet sich direkt gegenüber des Signalturmes.

Der zweite Fernmeldeturm wurde von Vodafone errichtet und dient als Richtfunkknoten.
Innerhalb der ehemaligen französischen Stellung gibt es noch einen kleineren Mast, der wird auch für Richtfunk. Am Hangar direkt neben dem Aussichtsturm gibt es auch noch einen Mastausleger, welcher ebenfalls Richtfunk dient. Der Ausleger wurde aber erst in der Neuzeit errichtet.

Gruß,
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Beitrag von zulufox » 15.02.2017 19:51

EricZ hat geschrieben:Moin,

habe gerade gelesen, dass die Abteilung Fernmeldeführung WBK (SKB) eine dem Amt für Militärkunde untergeordnete Einrichtung des BND war. Das AMK wiederum eine Tarneinrichtung des BND.
Hallo Eric,

die Aussage passt nicht so richtig mit den Tatsachen zusammen:

Das Amt für Militärkunde ist ein Amt im Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung. Dorthin werden alle die Soldaten versetzt, die als "Militärs" den BND personell unterstützen sollten. Mit einer Versetzung zu dieser militärischen Dienststelle blieb ihr Status (meist als Berufssoldat) erhalten, den sie hätten aufgeben müssen, wenn sie in den BND eingetreten wären.

Wiki hat da schon Recht: https://de.wikipedia.org/wiki/Amt_f%C3% ... 3%A4rkunde

Soweit in aller Schnelle und Kürze.
Zf :holy:
Friedrich Hebbel: Tagebücher:
"Es gibt nur eine Sünde, die gegen die Menschheit mit allen ihren Geschlechtern begangen werden kann, und dies ist die Verfälschung der Geschichte."

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Beitrag von EricZ » 16.02.2017 10:19

Vielen Dank an HW, Firefighter112 und zulufox für die ergänzenden Informationen zu diesem spannenden Thema!

Grüße, Eric
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