Jodtabletten

Luftschutzbunker, zivile Bunkeranlagen und Schutzbauwerke des 2. Weltkriegs
Matze
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Beitrag von Matze » 17.11.2003 11:10

@Sejerlänner: Als ich damals noch Dienst bei der ABC-Melde-und Auswertestelle geschoben habe, konnten wir die Sonden mit dem Telefon anrufen, aber das ist schon ein paar Jahre her.

Gruß
Matthias

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Godeke
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Beitrag von Godeke » 17.11.2003 17:50

Vor der erweiterten Sensibilisierung der Sonden war die Empfindlichkeit auf den radioaktiven Fallout einer Bombe eingestellt. Telefonisch waren sie abfragbar
- für das Gebiet eines LK durch die zuständige AMASt
- für das Gebiet mehrerer LK (ungefähr das Gebiet eines Regierungsbezirks) durch die WD-Leitmeßstelle, die wiederum ihre Ergebnisse an die Warnämter leiteten. So gab es zum Beispiel für das Warngebiet III (Teile von Niedersachsen) 4 WD-Leitmeßstellen (eine davon war, ich glaube die WD-LtMSt 34, übrigens im Warnamtsbunker von WA III untergebracht). So verfügte das Warnamt über die A-Komplettlage.
Nach der Tschernobyl-Sensibilisierung der Sonden hätten diese auch bei einem AKW-Unfall angeschlagen.
Wenn mehr Infos gewünscht werden, müßte ich mal ins Archiv tauchen.
...und jetzt noch mal schnell zu www.thw-lueneburg.de , der aktuellen Seite mit News aus der wunderbaren Welt des Helfens! DAS Kriseninterventionsteam für Kinder und Jugendliche: www.kit-kj-lueneburg.de

Matze
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Beitrag von Matze » 18.11.2003 08:52

@Godeke: Daß die Sonden sensibilisiert wurden, habe ich nicht gewußt. Muß wohl nach meiner Zeit gewesen sein ;) .

Gruß
Matthias

Gast

Beitrag von Gast » 27.12.2003 02:46

Das einzige was ich zum Thema AKW sagen kann ist, dass ich vor zwei Jahren mit meiner Abi-Klasse ISAR 2 besucht habe.
Strahlenmessgeräte durften wir ja eigetlich nicht mitnehmen, ich habe aber natürlich vorsorglich meine Klamotten damit vollgestopft und vom Dosimeter bis zum Geigerzähler eigentlich alles im Futter der alten Jacke verstaut. Die Schirmung meiner Jacke sollte nicht sonderlich groß gewesen sein und ich konnte eigentlich nur minimal, es waren wirklich minimal erhöhte Werte, messen. Mein Fazit: Zumindest was ISAR 2 betrifft, kann ich eigentlich nicht sagen, dass massiv strahlenden Teilchen austreten. Weder am Gelände selbst noch in den Gebäuden noch in der Umgebung. Mir erscheint es recht gut gesichert und ich bin froh mit einem AKW in der BRD leben zu müssen und nicht in Russland....

Interessant fand ich im übrigen auch, dass das Gelände neben ISAR 2 von einem Versuchsreaktor befreit wurde und ebenfalls nicht strahlendes zurück blieb. Sicher das Erdreich befindet sich jetzt in einer Lagerstätte - wie auch der Rest des Reaktors - aber ich hätte schlimmeres erwartet.
Wie lange hält eigentlich mein ABC-Filter von der Gasmaske :)

MO

Beitrag von MO » 27.04.2004 09:21

Moin,

eingangs kann man sagen, dass die Jodtabletten, wie alles andere was für einen (begrenzten) Unfall in einem AKW an Vorplanung existiert durchaus seine Berechtigung hat.

Die Umgebung eines jeden AKW ist in drei Zonen, Zentral- (etwas 1km), Mittel- (etwa 10km) und Außenzone eingeteilt. Bei einer Gradeinteilung von 30 ergeben sich daraus verscheidenen "Tortenstücke". Im Falle eines Falles würde nun anhand der Ergebnisse des Mesnetzes, der eingesetzten Messtrupps (KHG in den inneren, ABC-Dienst in den Äußeren gebieten), Wetterlage und Menge der zu Erwartenden Strahlenbeladenen Auswürfe für jeden Sektor eine mögliche Dosisleistung abgeschätzt und Maßnahmen ergriffen.

Die Maßnahmen reichen vom verbleiben in den Häußern, der geordeten Evakuierung bis hin zu einzelnen Räumungen.

Im Falle der Evakuierung wird es in Bereichen außerhalb, an den markierten Ausfallstraßen, besonders eingerichtetet Kontaminationsnachweisstellen geben, nachgeordnet dann sogenannte Notfallstationen. Diese hilfsangebote sind i.d.R. freiwillig von den Betroffenen zu besuchen und in der Lage, nach abkärung mit einem im Strahlenschutz ermächtigten Arzt, auch medizinische Maßnahmen einzuleiten.

Speziell zum Thema Jodblokade ist zu sagen, dass in der Mittel- und Teilweise auch in der Außenzone diese Tabletten entweder friedensmäßig bereits verteilt oder aber im Fall eines Falles nach vorgegebenen Plänen der Komunen an bestimmten Orten verteilt werden. Ersteres wird heute bevorzugt, da man um zum Verteilungort zu kommen ja das Haus verlassen müsste.

Ebenso wie diese Orte stehen i.d.R. Orte für Notfallstationen, "Bushaltestellen" in den betroffenen Orten bis hin zu Evakuierungsrouten allerhand Dinge bereits fest. In Hessen wurden für alle Landkreise und Städte NFS festgelegt, auch wenn dort keine AKW sind. Sie dienen meist nur der Übung der Örtlichen ABC- und San-Züge.

Hier http://www.crash-and-burn.de/Download/K ... ENFSHE.doc finden sich die Rahmenempfehlungen für den Betrieb einer Notfallstation, hier http://www.rwepower.com/generator.aspx/ ... 01-pdf.pdf das Notfallschutz-Handbuch zum AKW Biblis (Achtung 2MB!).

Gruß, Matze

Lasse
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Beitrag von Lasse » 27.05.2004 20:06

Matze hat geschrieben:@Sejerlänner: Als ich damals noch Dienst bei der ABC-Melde-und Auswertestelle geschoben habe, konnten wir die Sonden mit dem Telefon anrufen, aber das ist schon ein paar Jahre her.
Ich hoffe meine Frage ist nicht zu blöde. Aber funktionieren diese Telefonnummern noch?
"Siehst Du einen Atompilz: Schau gut hin, Du bekommst so etwas nie wieder zu sehen."

Matze
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Beitrag von Matze » 28.05.2004 09:12

Blöde ist die Frage nicht. So viel ich weiß ist dieses Meßsondennetz nach Ende des Kalten Kriegs in den Besitz des Bundesumweltministerium übergegangen. Ob es heute noch funktioniert bzw. ob diese Telefonnummern noch verwendet werden, kann ich leider nicht sagen. Vielleicht wissen hier andere mehr....

Grüße
Matthias

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