Schleusenanlage "Masurischer Kanal"

Verkehrsgeschichte - Wasserwege, Häfen und zugehörige Bauwerke
Nelson
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Großer Masurischer Kanal

Beitrag von Nelson » 26.04.2016 18:11

Hallo Kai,
herzlichen Dank für Deine Mühe und Feedback.
Könntest Du beim "Nachschauen" auch prüfen ob sich der Kanal immer noch in den Rehsauer See entwässert?
Also weiterhin zur Wasserstandsregelung des Mauersees etwas beiträgt?
Besten Dank im voraus
Gruß Nelson
Ich bin ein Freund der Wasserwege und würde mich über eine respektvolle Antwort sehr freuen.
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Nelson vom Barton Broad

Janericloebe
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Beitrag von Janericloebe » 07.05.2016 08:59

Nelson hat geschrieben:Hallo Kai,
alles klar, aber nun weiß ich immer noch nicht, ob das Walzenwehr noch arbeitet, denn in WIKI ist das widersprüchlich.
Gruß Nelson
Also, im Jahr 2010 sah die Situation, die man auch auf den Bildern hier nachvollziehen kann, wie folgt aus:

Das einstige Walzenwehr des (von polnischer Seite) ersten Kanalabschnitts zwischen dem Mamry (Mauersee) und dem Jezioro Rydzówka (Rehsauer See) ist noch vorhanden, aber außer Betrieb. Stattdessen befindet sich südöstlich der Oberschleuse Fürstenau (poln. Śluza Leśniewo Górne) ein Fangedamm. Bis zur Einmündung in den See führt der Kanal nun deutlich weniger Wasser. In der Mitte fließt ein Bach, die ehemaligen Baugrube der Ober- und der Unterschleuse Fürstenau (poln. Śluza Leśniewo Górne) liegen teilweise unter Wasser. Das durch die komplett ausgefertigten Erdbauten des Kanals deutlich sichtbare Kanalbett ist heute stark verlandet. Der Schiffsverkehr sollte dann quer durch den Rehsauer See verlaufen.

Am nördlichen Ufer des Sees ist der Kanal bis zur Śluza Piaski (dt. Schleuse Sandhof) bei Guja (dt. Groß Guja) komplett mit Wasser gefüllt. Das manuelle Walzenwehr ist funktionsfähig, dient aber nur zur Entlastung der ebenfalls funktionsfähigen, aber nicht schiffbaren Schleuse Sandhof. Das Walzenwehr ist also in Betrieb, wird aber nicht ständig und kurzfristig bewegt. Die macht allerdings die Schleuse Sandhof, die den Wasserstand des Rehsauers Sees letztlich regelt bzw. den See vom weiteren, etwa halb gefüllten Kanalverlauf trennen kann. Aufgrund der starken Verlandung der nördlich gelegenen Seen wird das Wasser des Rehsauer Sees nicht dauerhaft über den Kanal abgeleitet.

Gruß
Jan-Eric Loebe

Nelson
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Großer Masurischer Kanal

Beitrag von Nelson » 07.05.2016 09:59

Hallo Herr Jan-Eric Loebe,
zunächst herzlichen Dank für die umfangreiche Antwort.
Ich habe noch vier Fragen:
1. Kann der Masurische Kanal auch weiter zur Entwässerung des Mauersees beitragen?
2. Wohin entwässert sich dann der Rehsauer See, wenn dahinter alles verlandet ist?
3. Könnten Sie diese Informationen auch bei WIKI eintragen, dann wäre diese Information komplett, ist ja wirklich sehr interessant.
4. Gibt es auch ein Bild von dem ersten Walzenwehr, das nicht mehr funktioniert?
Besten Dank im voraus
Beste Grüße Nelson
Ich bin ein Freund der Wasserwege und würde mich über eine respektvolle Antwort sehr freuen.
Don't be evil.
Nelson vom Barton Broad

Janericloebe
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Beitrag von Janericloebe » 12.05.2016 07:39

Zu Deinen Fragen: Im Jahr 2010 war es so:

1. Kann der Masurische Kanal auch weiter zur Entwässerung des Mauersees beitragen?

Nein. Vor der Oberschleuse Fürstenau (die mit dem Adler) endet die direkte Verbindung des Kanals zum Mauersee mit einem Fangedamm und einem sumpfigen, aber im Sommer weitgehend trockenem Kanalbett. Das Oberhaupt der Schleuse ist ebenfalls trocken. Das Wasser in der Baugrube der Schleuse ist Grundwasser. Es stammt nicht aus dem Mauersee.

2. Wohin entwässert sich dann der Rehsauer See, wenn dahinter alles verlandet ist?

In den Sommermonaten braucht der See nicht entwässert zu werden. Das war vor dem Kanalbau ja auch schon so. Das "unterhalb" in Betrieb befindliche Walzenwehr dient bei Hochwasser nur zur Entlastung der Schleuse Sandhof, der einzigen fertiggestellten Schleuse des Kanals. Und auch die leitet nicht ständig Wasser in den Kanal. Ohne die Schleuse und das Wehr würde der See über das Kanalbett abfließen. Es ist weiter nördlich auch nicht "alles verlandet". Der Kanal ist weiterhin etwa halb gefüllt. Der Nordenburger See und seine Umgebung sind nur deshalb verlandet, weil im Zweiten Weltkrieg ein Stauwehr zerstört wurde. Man hat es erst 1993 ersetzt, um den See nicht weiter austrocknen zu lassen. Es handelt sich hier im natürlichen Zustand um sumpfiges Ödland, das nördlich des Rehsauer Sees seit dem Zweiten Weltkrieg praktisch nicht mehr kultiviert wird. Die polnisch-russische Grenze befindet sich schließlich in unmittelbarer Nähe.

3. Könnten Sie diese Informationen auch bei WIKI eintragen, dann wäre diese Information komplett, ist ja wirklich sehr interessant.

Ich kann den Wiki-Artikel natürlich nur um Dinge ergänzen, die den Kanal betreffen.

4. Gibt es auch ein Bild von dem ersten Walzenwehr, das nicht mehr funktioniert?

Ich habe davon leider keines gemacht. Viele Kanalabschnitte sind auch nicht so ohne weiteres zugänglich bzw. zu fotografieren. Da empfiehlt sich m. E. auch eher ein Besuch im Frühjahr oder in trockenen Wintern, wenn die Vegetation noch nicht so üppig ist.

Gruß
Jan-Eric

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Großer Masurischer Kanal

Beitrag von Nelson » 14.05.2016 16:06

Hallo Jan-Eric,
herzlichen Dank für die ausgezeichneten Ausführungen und hilfreichen Informationen.
Wie schon gesagt bitte noch bei WIKI einbauen.
Gibt es keine Informationen über Revitalisierungspläne? Dachte ich habe bei Mamerki oder Angerburg eine Tafel gesehen?
Gruß Nelson
Ich bin ein Freund der Wasserwege und würde mich über eine respektvolle Antwort sehr freuen.
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Nelson vom Barton Broad

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Beitrag von Janericloebe » 16.05.2016 01:57

"Gibt es keine Informationen über Revitalisierungspläne? Dachte ich habe bei Mamerki oder Angerburg eine Tafel gesehen?"

Ja, es gab / gibt solche Pläne. In dem o. g. Buch ist von einem Konzept die Rede, das "Gefälle" des Kanals für Wasserkraftwerke nutzbar zu machen.

Ansonsten ist die Gegend an der polnischen Seite sehr dünn, die russische Seite so gut wie gar nicht besiedelt. Das und die Grenze sind der Grund, warum der Kanal und andere Gewässer nördlich der Schleuse Sandhof teilweise "verlanden". Das passiert mit jedem Gewässer, wenn es nicht gepflegt wird.

Den Kanal aber als Wasserstraße (auch nur touristisch) zu "re-"vitalisieren geht ohnehin nicht, da er nie fertiggestellt wurde. Allein der (Neu-)Bau auch nur einer Schleuse wäre bei einem Kanal, der nur an einigen Weilern vorbeiführt, auch touristisch kaum lohnenswert.

Gruß
Jan-Eric

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Beitrag von lucius » 06.12.2018 19:43

Ein Bericht von mir zum russischen Teil des Kanals mit aktuellen Bildern (vom Oktober diesen Jahres)ist in unserer Zeitschrift RELIKTE der Geschichte erschienen. Den polnischen Abschnitt hatte ich in der letzten Ausgabe dokumentiert.
http://relikte-der-geschichte.de/neue-s ... chichte-15

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