Reichsautobahn Tarnzüge

Fliegerhorste, Feldflugplätze, Einsatzhäfen und E-Stellen der Luftwaffe und andere, zugehörige Infrastruktur
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pennywize
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Reichsautobahn Tarnzüge

Beitrag von pennywize » 07.10.2018 15:37

Hallo zusammen,

im KTB zum Fliegerhorst Marx bin ich auf "Reichsautobahntarnzüge" gestoßen, die wohl die Start- und Landebahn des Fliegerhorstes Marx zu Tarnzwecken angemalt haben. Das Ergebnis sah aus der Luft "quasi" wie landwirschaftlich bearbeiteten Flächen aus. Natürlich ließen sich solche Anlagen nicht durch diese Tarnanstriche wegtarnen. Beispielhaft habe ich einmal ein Lubi des FH Vechta anbei gelegt, wo man ebenfalls solche "Tarnarbeiten" erkennen kann.

Leider habe ich bislang keine weiteren Hinweise zu den Reichsautobahntarnzügen gefunden. Bevor ich den Weg zur BAMA nach Freiburg antrete, meine Frage in die Runde, wer kann mir Hinweise, Quellenhinweise etc. zu den Tarnzügen liefern.

Für Eure Mühen vielen Dank im Voraus.

FG

Jan-Bernd
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niemandsland
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Beitrag von niemandsland » 17.11.2018 20:34

Moin,

gerade erst gelesen. Weil normal schaue ich hier im Unterforum eher seltener vorbei. ;-)

General der Flieger, Wolff nennt in seiner selbst verfassten Geschichte Tarnzüge, die u.a. auf Fliegerhorsten lagen. Außerdem wurden in Hamburg und Hannover (das sind die beiden Beispiele, die Wolff nannte) Theatermaler herangezogen um z.B. Objekte auf "Zerstörung" zu trimmen. Sprich auf Wände und Dachflächen wurden Bombentreffer oder Beschädigungen aufgemalt.

Ein Beispiel das man schnell findet, ist der Fliegerhorst bei Travemünde (Priwall). Dort waren auf der Landebahn und auf den Hangars Bombentrichter aufgemalt, die Wände sahen so aus, als sei die eine oder andere durchschlagen bzw. zusammengebrochen.

In Hannover sei als "Kunstwerk" der Theatermaler die Straßenzüge auf dem Conti-Gelände Vahrenwald, sowie die künstlichen Straßen und die Verlängerung über den Bahnhofsvorplatz am Hauptbahnhof zu nennen. Ich gehe davon aus, das es in dieser Richtung mehr gegeben hat.

Quelle(n)

Bahnhof Hannover:
https://ncap.org.uk/frame/6-1-7-3-595?pos=0
E/0313 Bild: 4089 vom 04.10.1943

Travemünde/Priwall:
https://ncap.org.uk/frame/6-1-1-36-343?pos=6
106G/5301 Bild: 3185 vom 14.04.1945
Für 3D -> plus Bild: 3184

-> Die Bilder kann man via NCAP (600 DPI) oder Luftbilddatenbank Dr. Carls (ca. 1200 DPI) beziehen. Preise zwischen 80 und 120 EUR. Etwa...!

Das Thema Luftbild und Conti Vahrenwald hatten wir hier im Forum mal als Thema.

Die Geschichte mit den Theatermalern findet sich in Freiburg und im Hamburger Staatsarchiv (handschriftlich). Signatur (alt, war): RL 19/424.

Soweit erstmal was ich dazu habe.

Außerdem gab es auf diversen Flughäfen sogenannte Scheinanlagenzüge.

Gruß aus Hannover
Guido Janthor
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pennywize
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Reichsautobahn Tarnzüge

Beitrag von pennywize » 18.11.2018 19:45

Hallo Guido,

vielen Dank für Deinen kreativen Input!!!

Theatermaler. Da muß man erst einmal darauf kommen. Wie es auf den Fliegerhorsten Vechta und umzu gelaufen ist leider unbekannt. Daher fand ich den Eintrag im KTB des FH Marx umso interessanter und kann mir daher vorstellen, daß der Tarnzug auch auf dem FH Vechta tätig war.

Aus diversen Flugbucheintragungen konnte ich entnehmen, daß der jeweilige Fliegerhorstkommandeur es sich nicht nehmen ließ, Tarnüberwachungsflüge durchzuführen. Vielleicht auch nur ein vorgeschobener Grund um fliegen zu dürfen. Jedenfalls fand von Bastmatten, Dachbepflanzungen bis hin zur Bemalung der Start- und Landebahn alles Verwendung. Genutzt hat es leider kein bißchen.

Munter bleiben und bis demnächst!

Jan-Bernd
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Beitrag von Sunninger » 20.11.2018 07:43

Servus,

vom Flughafen Butzweilerhof / Köln gibt es ein Foto, welches Tarnnetze zur Verschleieung der Gebäude zeigt.
http://www.luftfahrtarchiv-koeln.de/193 ... _Krieg.JPG

Auf einem Luftbild des Fliegerhorstes Zeltweg scheint auch die Startbahn "getarnt" worden zu sein,..
http://www.geheimprojekte.at/p_gr_zeltweg_flugplatz.jpg

..ebenso auf dem Fliegerhorst Großsachsenheim.
http://chronik.eichwald.info/images/fli ... e_1944.jpg

mfg
Holger

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niemandsland
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Re: Reichsautobahn Tarnzüge

Beitrag von niemandsland » 20.11.2018 09:30

pennywize hat geschrieben: Aus diversen Flugbucheintragungen konnte ich entnehmen, daß der jeweilige Fliegerhorstkommandeur es sich nicht nehmen ließ, Tarnüberwachungsflüge durchzuführen. Vielleicht auch nur ein vorgeschobener Grund um fliegen zu dürfen. Jedenfalls fand von Bastmatten, Dachbepflanzungen bis hin zur Bemalung der Start- und Landebahn alles Verwendung. Genutzt hat es leider kein bißchen.
Hallo Jan-Bernd,

die Tarnüberwachungsflüge und Prüfung der Scheinanlagen aus der Luft hat es auch andern Orts gegeben. Jedenfalls definitiv im Luftgau XI. Ob "reichsweit" kann ich nicht sagen, da ich meine Forschung zuerst auf Hannover und später auf den LG XI ausgedehnt habe.
Mehr wollte und möchte ich auch nicht. ;-)

Auch die von mir benannten Beispiele hier in Hannover haben nicht sehr viel gebracht. Hauptbahnhof und Conti wurden mehrfach erfolgreich angegriffen. Beim Hauptbahnhof Hannover wurde wohl der ganze Vorbei wieder zerstört. Jedenfalls ist nach den schweren Luftangriffen 1943 davon nichts mehr zu sehen. Ebenso wenig hat die Tarnung des Maschsees gebracht.
Die Alliierten Bomber hatten ganz andere Möglichkeiten, sich zu orientieren. Wie aus den Targetmaps hervor geht, so war die Autobahn sehr beliebt.

Man hat ja ganz offensichtlich versucht, die Objekte zu tarnen und mit den Scheinanlagen abzulenken. Nur was bringt das, wenn die Luftaufklärung funktioniert? Sicher, es wurden nicht alle Scheinanlagen erkannt. Und selbst im April 1945 wurden noch Bomben auf Scheinanlagen bei Hannover abgeworfen. Aber die Zerstörung der Industrie und der Städte konnte auch das nicht verhindern, höchstens etwas hinaus zögern.

Soweit mal...

Gruß aus Hannover
Guido Janthor
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