[Luftbildauswertung] Mögliches Arbeitslager ?

Zwangsarbeit, Fremdarbeiter-, Konzentrations- und Kriegsgefangenenlager (STALAG, DULAG etc.) und deren Außenlager
K Pagel
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Beitrag von K Pagel » 03.08.2018 12:46

... Klar für Zwangsarbeit würde ich mich auch bedanken. ...
Wo steht im Bezug auf die Letten ein einziges Wort von Zwangsarbeit? Ich verstehe das so, dass im Zuge des Rückzugs der Wehrmacht viele Letten von dort geflüchtet sind, weil sie die Rache der Russen wegen ihrer "Kollaboration" mit den "deutschen Hitlerfaschisten" fürchteten. Die Balten waren seit 1940 nun nicht gerade gut auf die Russen zu sprechen und begrüßten die Deutschen mehrheitlich als Befreier. Nicht wenige Balten traten der Waffen-SS bei und kämpften gegen die Russen.

Was du mir jetzt mit dem GoogleMaps-Link sagen willst erschließt sich mir nicht.

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nordfriese
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Beitrag von nordfriese » 03.08.2018 12:48

Moin!
Max S hat geschrieben: "Im Jahre 1944 wurde für geflüchtete Letten, die mit dem Rückzug des deutschen Heeres ihr Land verlassen hatten, in Großhabersdorf in umgebauten Baracken ein Lager errichtet."

Hier noch der Beitrag des lettischen Pfarrers der sich für die Letten stellvertretend bedankte, nachdem diese fast alle nach Übersee ausgewandert sind.

"... betonte aber, dass "die Erinnerung an die Fürsorge" von Großhabersdorf bei seinen Landsleuten" sehr lebendig sei" und dankte dafür."

Klar für Zwangsarbeit würde ich mich auch bedanken.
Meiner Meinung nach ist der zitierte Text Auslegungssache.

Ich z.B. lese das so, dass die Letten ebenfalls vor der Roten
Armee "geflohen" sind. Die Gründe seien 'mal dahingestellt.

Sie scheinen dort eine vorläufige "Unterkunft" gefunden zu
haben und der Pfarrer bedankte sich, dass sie anscheinend
"ordentlich" behandelt worden sind.

Von Zwangsarbeit kann ich da nix herauslesen.
Max S hat geschrieben:"Das Erscheinen von Soldaten der Waffen-SS ließ diese schnell sinken"
Hilf mir mal auf die Sprünge. Ich kann da grad nicht heraus-
lesen, was sank...
Max S hat geschrieben:"In Großhabersdorf sind während der Kriegsjahre, als der Mangel an Arbeitskräften immer spürbarer wurde, polnische Fremdarbeiter und französische Kriegsgefangene einigen Betrieben als Hilfskräfte zur Verfügung gestellt worden. Die meisten von ihnen sind gut behandelt worden. ... Ein Pole fungierte kurze zeit als Kommissar"

Das kommt mir doch schon sehr geschönt vor.
Ich kann ja jetzt leider nur von der hiesigen Gegend schreiben,
aber auch hier gab es sowohl polnische Fremdarbeiter, als auch
französische Kriegsgefangene, die in der Landwirtschaft arbeiten
mussten. Viele wurden gut behandelt, einige durften sogar mit
den Bauern an einem Tisch speisen, obwohl dies streng verboten
war. Natürlich gab es auch den einen oder anderen Guts-/Hofbe-
sitzer, die "ihren (z.B.) Polen", wie Dreck behandelten.

Den Text sehe ich daher nicht unbedingt als geschönt an.

Gruss aus NF!
Rolf
"Whatever you do, don't mention the war." (Basil Fawlty)

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Beitrag von Max S » 03.08.2018 22:04

Hallo nordfriese,

hier der volle Text:

"In dieser allgemeinen Verwirrung hofften die Menschen, dass der Einmarsch der fremden Truppen ohne Schwierigkeiten und Schäden vorübergehen und der ganze Spuk ein Ende nehmen möge.
Das Erscheinen von Soldaten der Waffen-SS ließ diese Hoffnung schnell sinken."

Wohl gemerkt waren in dieser Zeit auch die Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen vor Ort.

Da stellt sich mir die Frage, wie man dann davon schreiben kann, dass alle Beteiligten nach dem Krieg wieder ihre Wege gegangen sind, ganz im Sinne von "Friede, Freude, Eierkuchen" ?

Mir will es nunmal einfach nicht in den Kopf gehen, dass im Dritten Reich überall Morde, Kriegsverbrechen und Exekutionen stattfanden, aber in Großhabersdorf alles "Friede, Freude, Eierkuchen" war.
MfG Max

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Beitrag von Max S » 03.08.2018 22:42

K Pagel hat geschrieben:
... Klar für Zwangsarbeit würde ich mich auch bedanken. ...
Wo steht im Bezug auf die Letten ein einziges Wort von Zwangsarbeit? Ich verstehe das so, dass im Zuge des Rückzugs der Wehrmacht viele Letten von dort geflüchtet sind, weil sie die Rache der Russen wegen ihrer "Kollaboration" mit den "deutschen Hitlerfaschisten" fürchteten. Die Balten waren seit 1940 nun nicht gerade gut auf die Russen zu sprechen und begrüßten die Deutschen mehrheitlich als Befreier. Nicht wenige Balten traten der Waffen-SS bei und kämpften gegen die Russen.

Was du mir jetzt mit dem GoogleMaps-Link sagen willst erschließt sich mir nicht.
Lettenlager (1944-1948)

"Die Letten waren hergebracht worden, um bei Arbeiten am Flugplatz eingesetzt zu werden."

Ich dachte die sind hier her geflohen.

"Ihre Fahrt bis nach Großhabersdorf hatte etwa 4 Monate gedauert.
Als Folge der langen Fahrt sowie unzulänglicher Verpflegung waren viele erkrankt und geschwächt."

Ist der Grund für den Tot Einiger (genaue Zahl wird nicht erwähnt, ledeglich 12 Tote von 1944-48) wirklich glaubwürdig, oder hat man diese nicht wie Flüchtlinge behandelt ?
MfG Max

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Beitrag von K Pagel » 04.08.2018 07:49

Komisch. Ein vorheriges Zitat von dir zum "Lettenlager" las sich da ganz anders:
... Lettenlager (1944-1948)

"Im Jahre 1944 wurde für geflüchtete Letten, die mit dem Rückzug des deutschen Heeres ihr Land verlassen hatten, in Großhabersdorf in umgebauten Baracken ein Lager errichtet." ...
Zuletzt geändert von K Pagel am 04.08.2018 09:42, insgesamt 1-mal geändert.

Der Landfranke
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Beitrag von Der Landfranke » 04.08.2018 08:40

Max S hat geschrieben:Mir will es nunmal einfach nicht in den Kopf gehen, dass im Dritten Reich überall Morde, Kriegsverbrechen und Exekutionen stattfanden, aber in Großhabersdorf alles "Friede, Freude, Eierkuchen" war.
Das hing wohl wirklich sehr davon ab, wer vor Ort das Sagen hatte.
Z.B. als die Alliierten in Deutschland eingerückt sind, gab es Städte, die bis auf's Blut verteidigt wurden und dann gabe es Fälle wie auch Erlangen, das ohne einen Schuß an die Amerikaner übergeben wurde.

Ist also durchaus plausibel, das in Großhabersdorf ein relativ mildes Regime vorherrschte und es mit der Beschaulichkeit schlagartig zuende war, als die "Externen" Bluthunde von der Waffen-SS angerückt sind.

MfG
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Im Krieg bringen sich Menschen, die sich nicht kennen, für Menschen um, die sich kennen, aber sich nicht umbringen. - Paul Valéry

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Beitrag von Max S » 04.08.2018 10:15

K Pagel hat geschrieben:Komisch. Ein vorheriges Zitat von dir zum "Lettenlager" las sich da ganz anders:
... Lettenlager (1944-1948)

"Im Jahre 1944 wurde für geflüchtete Letten, die mit dem Rückzug des deutschen Heeres ihr Land verlassen hatten, in Großhabersdorf in umgebauten Baracken ein Lager errichtet." ...
Warum las sich das anders ?
Das ist ein Zitat, aus einem großen Text.
MfG Max

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Beitrag von wobo » 04.08.2018 10:41

Moin Max
Manchmal sind es ganz banale Dinge, die zum Erscheinen von SS-Soldaten führen,
so auch in Großhabersdorf: http://www.panther1944.de/de/sdkfz-171- ... gt-22.html
... Liste durchgehen bis zum 17.04.1945

Gruß Wolf

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Beitrag von Max S » 04.08.2018 11:33

wobo hat geschrieben:Moin Max
Manchmal sind es ganz banale Dinge, die zum Erscheinen von SS-Soldaten führen,
so auch in Großhabersdorf: http://www.panther1944.de/de/sdkfz-171- ... gt-22.html
... Liste durchgehen bis zum 17.04.1945

Gruß Wolf
Sehr interessant, vielen dank.
MfG Max

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Beitrag von wobo » 04.08.2018 14:46

Max S hat geschrieben: Lettenlager (1944-1948)
Moin Max
In Bodenteich (heute = Bad Bodenteich) Kreis Uelzen/Niedersachsen
gab es nach 1945 ein Letten-Lager,
dieses wurde auf dem Gelände einer ehem. Muna eingerichtet
und stand unter Englischer Verwaltung.
Das bedeutet für uns "Forscher", es gibt keinerlei Unterlagen
bei den heutigen Gemeindeverwaltungen,
denn die hat der Engländer alle unter Verschluß.

Ich weiß wovon ich schreibe, denn mein leiblicher Vater war (angeblich) ein Lette.

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Todesfälle bei den Letten können vielfälltig sein, Selbstmord, Unfälle oder Alkohol:
für letzteres hänge ich mal eine Begebenheit aus der "WiFo-Hitzacker" an,
dort waren Letten für die Engländer(Besatzer) als Holzfäller tätig.

Gruß Wolf
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