Aufklärungsgruppe / Versuchsstelle für Höhenflüge

Fliegerhorste, Feldflugplätze, Einsatzhäfen und E-Stellen der Luftwaffe und andere, zugehörige Infrastruktur
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erlenmeier
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Aufklärungsgruppe / Versuchsstelle für Höhenflüge

Beitrag von erlenmeier » 24.06.2017 09:21

Über die Versuchsstelle für Höhenflüge in Oranienburg gibt es rel. wenig Informationsmaterial.
Klar, wg. höchster Geheimhaltungsstufe wie bei vielen ähnl. Projekten.
1.) http://www.luftkrieg-oberhavel.de/webs/germany/g029.htm schreibt z.B. kurz und knapp

"Wettererkundungsstaffel war nur eine Tarnbezeichnung für das Kommando Rowehl, das u.a. Fernaufklärungsflüge über Gebiete durchführte mit denen sich Deutschland noch nicht im Krieg befand. So führte das Kommando Rowehl vor dem 22.06.1941 Fernaufklärungsflüge über der Sowjetunion durch.
 
Oberst Rowehl wohnte während des Krieges in der Waldsiedlung in Lehnitz im Kiefernweg. Die Waldsiedlung in Lehnitz bei Oranienburg war eine Art Wohnpark für Offiziere der Versuchsstelle für Höhenflüge. Dort wohnte u.a. Hauptmann Gartenfeld, Major Knemeyer und Hauptmann Götz."

2.) und Jens Kleist schreibt auf http://www.zwangsarbeit-forschung.de/Be ... leist.html

"6. Versuchsstelle für Höhenflüge (Luftwaffe) - Kriegsgefangenenlager

Oranienburg-Süd, Alte Heerstr. heute: Hildburghauser Str. )
Bauantrag 06.1944. Dieses Lager wurde in Lager Nr. 5 hineingebaut. Bauantrag 06.1944 für 207 Gefangene. Bauarbeiten Flugplatz."

3.) Die fliegenden Augen des Oberst Rowehl Autor:Dr. Norbert Rohde; ISBN 978-3-9813649-3-4;
erschien im Dezember 2010. Herausgeber Leegebrucher Geschichtsverein. In der Kurzbeschreibung heisst es:
"Eine besondere Bedeutung in dieser Dokumentation nimmt der Standort Oranienburg-Wilhelminenhof in der historischen Betrachtung ein. An diesem Ort residierte in unmittelbarer Nähe zum Heinkel-Flugzeugwerk und seiner Werksiedlung Leegebruch der Stab der Fernbildaufklärer. Auf diesem Areal wurden Einsätze vorbereitet, Absprunghäfen definiert und lokalisiert, Bildkassetten ausgewertet, Flugzeuge frisiert und mit modernster Technik ausgerüstet und Agentenflüge – auch mit ausländischen Maschinen – vorbereitet. Der Autor beschreibt den militärischen Standort im Ortsteil Oranienburg-Wilhelmsthal mit all seinen Facetten und verweist auf eine Vielzahl von Dokumenten, die die ursprüngliche Bebauung des Areals belegen. Ergänzend und abrundend zur Darstellung des militärischen Standortes werden sowohl der Sitz der Verwaltung in Berlin als auch die zum sozialen Umfeld gehörenden Wohnungsstandorte in Oranienburg und Lehnitz beschrieben."

Nun meine Fragen an das Forum

1.) Wer weiss Näheres über die Kameras, die für den Zweck der Höhenaufnahme entwickelt wurden?

2.) Inwieweit wurde die Technik der Flugzeuge verändert, um die Höhen zu erreichen und überstehen?

3.) Waren Kabinendruck- und Sauerstoff-Einrichtungen vorhanden?

4.) Kann jemand eine Kurzfassung vom unter 3.) genannten Buch schreiben?
Nur wer die Vergangenheit kennt, kann auch Gegenwart und Zukunft bewältigen.

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ChrisMAg2
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Re: Aufklärungsgruppe / Versuchsstelle für Höhenflüge

Beitrag von ChrisMAg2 » 25.06.2017 06:07

erlenmeier hat geschrieben:...

Nun meine Fragen an das Forum

1.) Wer weiss Näheres über die Kameras, die für den Zweck der Höhenaufnahme entwickelt wurden?

2.) Inwieweit wurde die Technik der Flugzeuge verändert, um die Höhen zu erreichen und überstehen?

3.) Waren Kabinendruck- und Sauerstoff-Einrichtungen vorhanden?

4.) Kann jemand eine Kurzfassung vom unter 3.) genannten Buch schreiben?

ad 1.) Soweit Ich weiß, gab es keine spezielle Höhenkamera. Es wurden vorhandene Kameras verwandt, z.B. die Reihe Rb 30, aber mit längeren Brennweiten (500mm, 750mm) und in paarweiser Installation mit gleichen Brennweiten (für stereoskopische Auswertung) oder mit verschiedenen Brennweiten (um verschiedene Ausschnitte des Zielgebietes zu bekommen).

ad 2.) Zwei Systeme mussten eingeführt bzw. verändert werden, um Flugzeuge höhentauglich zu machen: eine Druckkabine für die Besatzung musste eingebaut werden und Motoren (Tragflächen und Propeller) mussten an die Höhe angemasst werden.
Während der Einbau einer Druckkabine vergleichsweise problemlos war, war das adaptieren der Motoren an die Höhe sehr aufwändig. Von einfach nur vergrößerten Ladern (Ju86) bis zum Einbau eines dritten Höhenladermotors (Hs128/ Hs130) wurde alles versucht. Sogar ein anderes Konzept (Raketenantieb, Gleiter, DFS228) wurde erdacht und erprobt.

ad 3.) Die Technologie für Kabinendruck-Einrichtungen war vohanden vorhanden, wurde aber (bei Kriegsbeginn) kaum bis gar nicht verwandt.
Sauerstoff-Einrichtungen war Standard für die meisten Flugzeuge. Einzig der Sauerstoffvorrat im Flugzeug ließ eine nur vergleichsweise kurze Verweildauer in größeren Höhen zu.

Zu 4.) Ich kenne das Buch leider nicht.
Gruß
Christian M. Aguilar

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erlenmeier
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Beitrag von erlenmeier » 25.06.2017 09:29

Danke für ausführliche Antworten, Chris!

zu Antwort 2.) Aufladung war in gr. Höhen nötig, weil in der angesaugten mageren Luft zu wenig Verbrennungs-Sauerstoffanteil vorhanden ist.

zu Antwort 3.) Gab es Sauerstoffflaschen für die Atemluft? Oder mehrere zum Wechseln? Oder einen Großbehälter? (Es waren ja einige Besatzungsmitglieder an Bord).
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ChrisMAg2
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Beitrag von ChrisMAg2 » 25.06.2017 10:35

erlenmeier hat geschrieben:...

zu Antwort 3.) Gab es Sauerstoffflaschen für die Atemluft? Oder mehrere zum Wechseln? Oder einen Großbehälter? (Es waren ja einige Besatzungsmitglieder an Bord).
Wie Ich schon sagte, "Sauerstoff-Einrichtungen war Standard für die meisten Flugzeuge". Es standen jedem Besatzungsmitglied Kugel- oder Zylinderflaschen von ca 4-5l bei 150 Atü/ Atm/ Bar zur Verfügung. Jedes Besatzungsmitglied hatte einen eigenen Anschluß für seine persönliche Atemmaske. Flugzeuge mit Druckkabine werden den normalerweise verbauten Sauerstoffvorrat mindestens für Notfälle beibehalten haben.
Gruß
Christian M. Aguilar

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zulufox
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Re: Aufklärungsgruppe / Versuchsstelle für Höhenflüge

Beitrag von zulufox » 25.06.2017 11:07

erlenmeier hat geschrieben:Über die Versuchsstelle für Höhenflüge in Oranienburg gibt es rel. wenig Informationsmaterial.
Klar, wg. höchster Geheimhaltungsstufe wie bei vielen ähnl. Projekten.
Hallo,

soo wenig Informationsmaterial gibt es eigentlich nicht, wenn man an Quellen herangeht, dann findet man z.B. im Bundesarchiv unter den Signaturen:

B 198/1007 Berichte über die Aufklärungsgruppe OB der Luftwaffe und die Versuchsstelle für Höhenflüge, Oranienburg
Benutzungsort Koblenz Endarchiv

R 154/8361 Versuchsstelle für Höhenflüge.- Wilhelminenhof, Reg. Bez. Potsdam 1940 - 1944
Benutzungsort Berlin-Lichterfelde.

Die angegebenen URL zeigen inhaltlich gravierende Fehlaussagen:

Wettererkundungsstaffeln waren schon etwas ganz anderes als Aufklärungsstaffeln. Ein gutes Buch hierzu:

Kington, John A.; Selinger, Franz
WEKUSTA Luftwaffe Meteorological Reconnaisance Units and Operations 1938 – 1945
Flight Recorder Publications Ltd.; ISBN: 9 – 780 954 560 584

Die am 23. November 1939 gegründete "Versuchsstelle für Höhenflüge Oranienburg e.V." und die Aufklärungsgruppe Oberbefehlhaber der Luftwaffe waren zwei ganz verschiedene Paar Schuhe. Die einzige Gemeinsamkeit bestand darin, dass zu den Gründungsmitgliedern der Versuchsstelle auch der "Landwirt Theo Rowehl, Berlin-Friedenau" gehörte. Oberstleutnant Theodor Rowehl war zu diesem Zeitpunkt Kommandeur der Aufklärungsgruppe.

Die Fernaufklärung wurde von "normalen" Fernaufklärern der verschiedensten Typen durchgeführt. Der Höhenaufklärer Junkers Ju 86 P-2 wurde 1939 entwickelt, der Nachfolger Junkers Ju 86 R-1 mit größerer Spannweite und stärkeren Motoren kam ab 1941 zum Einsatz. Kameras: 2 x Rb 75/30
Die Version R-3 mit zusätzlichem Höhenladertriebwerk DB 605 im Rumpf wurde nicht mehr gebaut.

Knappe, aber relativ gute Informationen zur Fernaufklärung sind hier zu finden:

Nowarra, Heinz J.
Fernaufklärer 1915 - 1945 - Entstehung - Entwicklung - Einsatz
Motorbuchverlag, Stuttgart, 1. Auflage 1982; ISBN: 3 – 87943 – 858 – 7

Sauerstoff wurde in Standard-Dreifach-Kugeln in größerer Zahl im Rumpfheck mitgeführt. Siehe Bild aus einer Restauration.

MfG
Zf :holy:
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Beitrag von Büttner » 08.05.2018 18:32

Für diese Waldsiedlung werden nach verschiedenen Quellen 20 Häuser angegeben. Jetzt war ich mal dort um mir das anzuschauen. Ich bin auf 22 statt 20 Häuser gekommen.

http://www.unser-lehnitz.de/waldsiedlung-lehnitz-nord/
http://www.friedrichwolf.de/?q=content/baugeschichte

Das allererste Haus von der Hauptstraße kommend verfügt über eine Tiefgarage im Gebäude. Ob das Haus für Oberst Rowehl gebaut wurde bzw. von ihm benutzt wurde?
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Beitrag von flugschüler » 10.05.2018 10:12

Hallo,
da mußt du wohl 2, nicht zum Komplex dazugehörige Häuser, dazugezählt haben. Es sind 20 Häuser.Oberst Rowehl wohnte im Haus mit der heutigen Nummerierung Kiefernweg 5
Gruß Flugschüler

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Beitrag von Büttner » 10.05.2018 14:20

flugschüler hat geschrieben:Hallo,
da mußt du wohl 2, nicht zum Komplex dazugehörige Häuser, dazugezählt haben. Es sind 20 Häuser.Oberst Rowehl wohnte im Haus mit der heutigen Nummerierung Kiefernweg 5
Gruß Flugschüler
Und welche beiden habe ich zuviel gezählt? Das gleichartige Erscheinungsbild der gemauerten Fassaden fällt einem sofort auf.
Mir scbeint das manche dieser Häuser später umgebaut wurden wie man an den Fenstern sehen kann. Teilweise sehr dunkel da drin. Aber das nur nebenbei.

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