Gruson Hartgusspanzerturm

Militärische Objekte des Ersten Weltkriegs, der Kaiserzeit etc.
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Red Baron
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Gruson Hartgusspanzerturm

Beitrag von Red Baron » 28.11.2007 08:54

Vorgeschichte:
Die Spezialität der Gruson-Werke in Magdeburg-Buckau war im 19. Jahrhundert die Herstellung von Hartguss. Hierbei machte sich Herrmann Gruson die Eigenschaft spezieller Eisenlegierungen zu eigen, sich beim Giessen in kalte Formen durch die plötzliche Abschreckung an der Oberfläche zu härten. So entstanden Eisengussstücke mit harter Oberfläche und weicher Unterlage. Obwohl dieses Verfahren seit dem Mittelalter bekannt war, war Gruson der erste in Deutschland, der den Hartguss durch ausgedehnte Versuche experimentell perfektionierte.
Als Produkte entstanden zunächst überwiegend Gußstücke für das Eisenbahnwesen, die Gruson erfolgreich verkaufen konnte. Jedoch erkannte Gruson auch schnell die Bedeutung des Hartguss für das Militär. Zunächst bot er die Herstellung von Hartgussgranaten an, die bei Schiessversuchen 1866 zur Überraschung der Artilleristen überzeugen konnten. Es zeigte sich deutlich eine Überlegenheit gegenüber ungehärteten Stahl.
Aufgrund der Schießversuche in Mainz mit dem Schumann’schen Panzerstand kam Gruson die Idee, auch für Panzertürme seinen Hartguss anzuwenden. Jedoch war es zunächst nicht einfach das Militär zu überzeugen, Beschussversuche mit seinem Panzermaterial durchzuführen. Schließlich fand 1869 ein Beschussversuch gegen Schartenplatten in Tegel bei Berlin statt. Die Platte zeigte eine nicht erwartete Wiederstandsfähigkeit. Im zweiten Gang durfte Gruson einen Panzerturm herstellen, allerdings in den Abmessungen des Schumann’schen Panzerturmes von Mainz. Den Misserfolg ahnte Gruson jedoch voraus. Die Beschießung erfolgte im März 1873 mit einer 15 cm Ringkanonen und nach 55 Schuß breschierte die Platte. Die Kommission hielt das Ergebnis für völlig unzureichend. Gruson bot daraufhin an, auf eigene Kosten einen neuen Panzerturm herzustellen, vorausgesetzt, dass ihm die Wahl der Abmessungen des Turmes überlassen werde. Dies wurde akzeptiert.
Gruson veränderte Form und Panzerdicke des Turmes und im Mai 1874 erfolgten weitere Beschussversuche. Insgesamt wurden 288 Schuß aus 15 und 17 cm Kanonen auf den Panzerturm abgegeben, ohne das dieser schwerwiegend beschädigt wurde. Damit war die Brauchbarkeit des Hartgusses als Panzermaterial für Befestigungen erwiesen. Es folgten sofort entsprechende Aufträge.
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Beitrag von Red Baron » 28.11.2007 08:57

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 annektierte das Deutsche Reich Elsaß und Lothringen und begann seinen neuen Besitz zu sichern. Es entstanden die Festungen von Diedenhofen, Metz und Strassburg. Um Metz herum entstand innerhalb kürzester Zeit ein Festungsgürtel bestehend aus veränderten französischen und neuen preussischen Forts. Eines dieser neuen preussischen Forts ist das Fort Kameke (franz. Fort Dèroulède), das nordwestlich von Metz zwischen 1876 und 1879 gebaut wurde. Aufgabe des Forts bestand im Schutz der Straße und Eisenbahnlinie Metz-Diedenhofen. Als Besonderheit bekam dieses Fort zwei Gruson Hartgusspanzertürme. Es waren die ersten Panzertürme von Gruson neben denen von Köln und Ingolstadt. Von diesen ersten fünf Panzertürmen existieren heute nur noch die beiden Türme in Metz. Sie stellen damit außerordentlich wertvolle Denkmale einer technischen Entwicklung dar, die schon kurze Zeit später technisch völlig überholt waren. Das Fort Kameke gehört dem französischen Innenministerium, dass dort lange Zeit Fundmunition gelagert hat. Es ist nicht zu besichtigen. Der Verein um die Feste Wagner organisierte letztes Wochenende eine der extrem seltenen Besichtigungsmöglichkeiten.

Gruss

Andreas
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Markus
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Beitrag von Markus » 28.11.2007 12:42

Hallo Andreas,
danke - sehr,sehr interessant!!!
Was hälst Du davon ,wenn wir/Du aus Deinem Forenbeitrag einen richtigen Artikel für die lostplaces-Homepage basten? Das wäre doch erstklassig!!!
Gruß, Markus
Militärgeschichtliche Exkursionen und Recherchen / Maas - Argonnen - Champagne / Preußischer und französischer Festungsbau

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Beitrag von katschützer » 28.11.2007 15:23

Moin

Interessante Bilder, gerade die vom Innenleben des Turms. :thumbup: Mehr Info über die Anlage wäre wirklich wünschenswert, wenn es deine Zeit zulässt.

Was ist das denn für ein Gestell en der Decke? War da eine Luke für Beobachter?

MfG
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Beitrag von Djensi » 29.11.2007 09:54

Schau doch mal auf den Planbildern, eine Luke beim obigen Bild und aus der Pos. kann wohl auch nachgeladen werden, oder?

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Beitrag von Red Baron » 29.11.2007 10:17

Antworten:
Markus, wir können gerne einen Artikel daraus machen. Ich werde dann noch etwas mehr Material zusammentragen und sage dann Bescheid.

Katschützer, der Turmkommandant steht beim Richten auf diesem Podium und visiert durch das in der Decke angebrachte Mannloch das Ziel an. Zum Schutz gegen Shrapneschüsse ist das Mannloch mit einem Deckel versehen. Der Deckel wird vor dem Richten nur gehoben und festgestellt. Das Visier ist an dem Rande des Mannloches, das Korn auf der Decke befestigt.

Die Föderung der Granaten und Kartuschen erfolgt über zwei seitliche Förderschächte und geschieht mittels eines Aufzuges. Die beiden Förderkörbe sind an einer Kette derart befestigt, dass der eine Korb sinkt, während der andere sich hebt.

Gruss

Andreas
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Beitrag von katschützer » 25.04.2008 17:14

Ganz nebenbei: bin gerade über diese Seite gestolpert. Ich finde sie recht interessant.


MfG
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Grusonscher Fahrpanzer auf dem früheren Artiklerieschießplatz Kummersdorf?

Beitrag von arche-foto » 01.08.2016 10:37

Hallo,

ich suche Infos u. Standort zum Grusonschen Fahrpanzer auf dem früheren Artiklerieschießplatz Kummersdorf(-Gut), habe den bisher nicht finden können. Am liebsten wären mir natürlich Geokoordinaten...

Gruß v. arche-foto

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