Nebelverbände, -Einheiten im Bereich FLAK

Luftverteidigung durch Flak und andere Fliegerabwehr, Scheinwerferstellungen, Scheinanlagen und ähnliche Objekte
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bettika
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Vernebelung bei der Marine

Beitrag von bettika » 22.03.2011 22:35

Hallo,
im Zusammenhang mit der Recherche zu einem Marinestandort in Plön, hat man sich mit dem Thema Vernebelung bei der Marine und Zusammensetzung und Auswirkungen des Nebelgas beschäftigt.
Marinegasschutz- und Nebelschule seit Juni 1941 in Plön.
Marinegasschutz- und Luftschutzinspektion (G.L.I.) (ab Februar 1944-März 1944)
„Formed in April 1943 with an area of responsibility of Gasschutz, Nebelwesen, Tarnung, Scheinanlagen, Verdunkelung, Feuerschutz, baulicher Luftschutz and allgemeine Luftschutzangelegenheiten. It was based in Berlin-Charlottenburg until February 1944 when it was moved to Plön in Holstein. In the last weeks of the war it had moved to Moltkestein by Rendsburg. It was subordinate to OKM“
http://www.axishistory.com/index.php?id=10682
“ Die Marine-Gasschutz- und Luftschutzinspektion war keine Behörde im Ersten Weltkrieg wurde erst im April 1943 aus der Torpedoinspektion ausgegliedert, der bis dahin auch die Marinegasschutzschule in Kiel unterstand. Der Überwachungsbereich schloss außer Gasschutz und baulichem Luftschutz im Hafenbereich auch die Bereiche Verdunklung, Tarnung, Nebelwesen, Feuerschutz- und Scheinanlagen mit ein.“
http://de.wikipedia.org/wiki/Marineinsp ... Luftschutz

Zusammensetzung Nebelgas

„- Berger-Mischung (Hexachlorethan und Zink)
- Varianten derselben (Zink teilweise durch Magnesium
ersetzt und/oder Zusatz von Zink- oder Ammoniumchlorid)

- Titantetrachlorid
- Siliciumtetrachlorid
- Chlorsulfonsäure
- Schwefeltrioxid

Zur Erzeugung künstlichen Nebels werden hygroskopische (d.h. wasseranziehende) Stoffe
in der Luft feinverteilt. Mit der vorhandenen Luftfeuchtigkeit bildet sich sofort eine Nebelwolke.
Titan-, Siliciumtetrachlorid, Chlorsulfonsäure und Schwefeltrioxid reagieren sofort mit Wasser.
Wenn diese Nebelstoffe ……. in den Boden gelangen, sind sie dort nur kurze Zeit direkt nachweisbar, da sie mit dem Wasser des Bodenkörpers schwerlösliche Hydroxide oder leichtlösliche Salze bilden.
Die Bestandteile der Bergermischung reagieren nicht mit Wasser, sondern lösen sich in diesem
mehr oder weniger schnell auf ……..“


Was bei der Bewertung des Nebelgas zu beachten ist: Es sind nicht die Einzelsubstanzen zu betrachten, sondern die daraus bei der gewollten Reaktion entstehenden Folgeprodukte und deren mögliche Toxitität, die meist ungefährlicher sind als die Ausgangsprodukte .

Quellen :
Gutachten HE (IGU 1993/1994)
BA-MA
Handakte bzgL Nebelmittel 05133 - 04136, BA-MA, RH 12-4Iv. 97B
Die Nebelmittel und ihre Handhabung(01.09.39l, BA-MA, RHO 4121111
Nebelsäurefaß 1501 (Luft) Fertigungzeichnungen, BA-MA, RH 811llv. 1850

Grüsse
bettika
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Vernebelung ehem. Fliegerhorst

Beitrag von bettika » 18.04.2011 13:13

Hallo,
das auch über 60 Jahren nach Kriegsende die Nebelsäure noch reagiert, wurde aktuell am Lübecker Flughafen-Blankensee demonstriert. Letzte Woche führten 2 mal "mysteriöse" Rauchentwicklungen zu Sperrungen des Flugbetriebes. Am Samstag fand der Löschzug Gefahrgut der Feuerwehr einen "metallenen" Gegenstand in der Erde ,der einen Bombenalarm mit Sperrung der Bundesstraße, der Bahnstrecke, des Flugbetriebes auslöste.Die Analytische Taskforce Chemie (ATC) aus Hamburg
http://www.bbk.bund.de/cln_012/nn_39800 ... __nnn=true
konnte das Rätsel lösen:
"Bei dem Fund handelt es sich um etwa 20 Liter der Chemikalie Chlorsulfonsäure, die im Zweiten Weltkrieg zur Vernebelung militärischer Ziele eingesetzt wurde."
hier beim ehem. Fliegerhorst Lübeck-Blankensee
nachzulesen und zu sehen (Video) unter
http://www.shz.de/nachrichten/top-thema ... toppt.html

Grüsse
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Flughafen Blankensee: Nebelsäurefass und Kampfflugzeuge

Beitrag von bettika » 17.05.2011 19:49

Hallo,

das Nebelsäurefass mit Chlorsulforsäure, das im April die Vernebelung des Flughafens auslöste ,wurde heute geborgen. Dazu wurde der Flughafen bis zum späten Nachmittag gesperrt.
" Auf dem Flughafengelände waren noch an einer weiteren Stelle Kriegsaltlasten vermutet worden. Wie sich am Dienstag herausstellte, handelte es sich dabei allerdings nicht um Chemikalien, sondern um Überreste zweier Kampfflugzeuge. Nach Auskunft des Flughafens Lübeck verlief die Bergung von Metallschrott und Säurebehälter ohne Komplikationen."
http://www.ndr.de/regional/schleswig-ho ... ee157.html

Grüsse
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Flughafen Blankensee:geborgene Flugzeugüberreste

Beitrag von bettika » 18.05.2011 07:08

Hallo,
als Ergänzung der Artikel aus der "Lokalpresse"
http://www.shz.de/nachrichten/schleswig ... tbahn.html
"Zum Vorschein kamen die verrosteten Überreste zweier Flugzeuge, einer Messerschmitt Bf 110 und einer Heinkel He 111. Unter anderem wurde ein stark beschädigtes Propellerblatt ausgegraben.....
Vorerst muss die Hansestadt als Betreiber des Flughafens die Kosten tragen. Sie hofft aber, dass der Bund als Rechtsnachfolger des Deutschen Reichs die Rechnung übernehmen wird."


Grüsse
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Beitrag von niemandsland » 05.09.2011 20:59

In Hannover gab es die Nachtscheinanlage der Deurag-Nerag unweit des heutigen Sprengplatzes in Misburg. Den Namen der Einheit findet man im Bericht der Amerikaner. Ich habe vor einiger Zeit dazu einen Text verfasst, da ich die Reste der Anlage gerne unter Denkmalschutz gesehen hätte.

Ich liefere den Text und die Daten die Tage nach...

Gruß aus Hannover

Wolf (-NL-)

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Beitrag von niemandsland » 14.09.2011 08:18

Annex No. 2 to Periodic Report Continued

Two units of at least interest value were uncovered totday. One was the Heimat Lw Nebel Co 46, whose job it ordinarily was to generate artificial smoke around the oil refinery in MIESSBURG in case of air raids. When we approached HANNOVER the Co's 50 year olds were suddenly alerted and told to get ready to fight. But much of their relief no further orders came. The second unit was the 701st Home Guard Bn (=Volkssturm) which operated a dummy plant about a mile away from the actual MIESSBURG oil refinery. Their Job was to maintain the various props used to create the illusion. When first wave planes arrived and marked real rafinery with incendiary or smoke markers, their job was to create similar markers around the dummy plant so as to deceive succeeding bomber waves. The trick worked for a while and a good tonnage of bombs was wasted, but eventually the real plant was hit. This unit also was alerted for the defense of HANNOVER, but also was happily forgotten in the mess. Today they all are the happy guests of the 84th.
Quelle: Auszug aus G-2 PERIODIC REPORT (Nr. 146 vom 12. April 1945)

Hinweis: Der G-2 PR Nr. 146 behandelt die Zeit vom 10. April 21 Uhr bis 11. April 1945 21 Uhr.

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Beitrag von niemandsland » 14.09.2011 08:27

Scheinanlagen

Ihr Zweck war, den feindlichen Bomberverbänden der Alliierten (USAF/RAF) die gesuchten Angriffsziele nur vorzutäuschen und die Angriffe auf sich zu ziehen, und auf diese Weise die eigentlichen Zielobjekte zu schützen.

"Hampe" führt dazu aus: "Man versprach sich von ihnen nicht mit Unrecht eine gute Wirkung dadurch, dass angreifenden Fliegern bei der durch die Tarnung und Verdunklung der Objekte erschwerten Zielsuche der Eindruck des vermeintlich richtigen oder eines sonst lohnenden Zieles willkommener Anlass sein würde, ihre Bomben zu werfen und abzulenken, zumal wenn sie durch Flak-Beschuss oder Jägerabwehr bedrängt wurden." 1

Scheinanlagen wurden nach rein militärischen und taktischen Gesichtspunkten geplant, von Luftwaffendienststellen eingerichtet und mit Soldaten besetzt. Dabei wurde versucht, einen Sicherheitsabstand von mindestens einen Kilometer in alle Himmelsrichtungen einzuhalten. Nach Möglichkeit wurden die Scheinanlagen in der Nähe von Flak-Stellungen oder zumindest in deren Wirkungsbereich errichtet. Auch die Nähe zu Flugplätzen war gern gesehen. Dies geschah zum einen aus militärischen und wirtschaftlichen Gründen, da sie hier leichter zu Betreuen waren, und zum anderen sollten die feindlichen Flugzeuge in die Nähe der aktiven Luftverteidigung (Flak/Fliegerhorst) gelockt werden.

In Hannover kamen sowohl Tagesscheinanlagen, wie auch Nachtscheinanlagen zum Einsatz.

Nachtscheinanlage der DEURAG/NERAG ["Privatquartier"]

Im Senkbruch, auf den "Ahltener Wiesen" etwa 1,5 km Luftlinie von der Deurag-Nerag entfernt, wurde eine Nachtscheinanlage errichtet. Hierbei handelte es sich um den kompletten Nachbau (oder einen großen Teil) der Werksanlagen.
Es wurden künstliche Zielmarkierungen über der Anlage gesetzt, die denen der "Pathfinder" sehr ähnlich waren. Der Abschuss dieser Zielmarkierungen erfolgte aus einem Waldstück nahe der alten Celler-Heer-Straße.

Siegfried Engelhardt nennt Einzelheiten über die Anlage:
"Diese Anlage, Kodebezeichnung "Privatquartier", wurde von Soldaten der Luftwaffe betreut. Diese hatten die Aufgabe, bei Angriffsversuchen auf Misburg dort Feuer zu entfachen, um die angreifenden Flugzeuge auf diese Weise vom eigentlichen Ziel (die "DEURAG/NERAG") abzulenken." 3

Die Soldaten, die diese Anlage "betreuten" mussten während der Angriffe in einem "Erdbunker" etwa 500 m von der Scheinanlage entfernt, Schutz suchen. Hierbei dürfte es sich um einen einfachen Deckungsgraben für ca. 50 Personen gehandelt haben. Eine Baracke die für Wohnzwecke gedacht war, tauften die Soldaten "Villa Lockvogel".

[...]

Auf späteren Einsatzkarten der Alliierten (etwa ab 1943) war die Nachtscheinanlage der DEURAG/NERAG mit "Camouflage" gekennzeichnet. 2


1 vgl. Quelle (1) S. 559 ff. "Scheinanlagen"

2 vgl. Quelle (2) S. 61 "Britische Orientierungskarte für Bomberbesatzungen"

3 vgl. Quelle (3) S. 24 "Scheinanlage >> Privatquartier <<"



Quelle(n)

(1) "Der Zivile Luftschutz im Zweiten Weltkrieg, Dokumentation und Erfahrungsberichte über Aufbau und Einsatz", Autor Erich Hampe, 627 S., Verlag Bernard & Graefe, 1963, ISBN o.A.

(2) "Unter der Wolke des Todes leben...", Autor(en) Grabe/Hollmann/Mlynek/Radtke, S. 216, Verlag Ernst Kabel, 1983, ISBN 3921909171

(3) "5 Jahre im Hagel der Bomben, Die Chronik der Luftangriffe auf Misburg 1940 bis 1950", Autor Siegfried Engelhardt, 167 S., Eigentverlag, 1994, ISBN o.A.

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Nebelfässer im Rhein

Beitrag von bettika » 29.11.2011 23:09

Hallo,
der niedrige Wasserstand des Rheines bringt nicht nur Bomben zum Vorschein, sondern auch Nebelfässer, sie wurden sicherheitshalber gleich gesprengt:

"In Bendorf und Pfaffendorf glückte Sprengung der Nebelfässer
Nur einen Tag zuvor hatte der Kampfmittelräumdienst knapp zehn Kilometer entfernt nahe Bendorf ein anderes Giftfass gesprengt. «Das Wasser im Rhein steht derzeit so niedrig wie schon lange nicht mehr», erklärte ein Sprecher des Amts für Brand- und Katastrophenschutz in Koblenz am Sonntag die ungewöhnlich häufigen Funde. Bei den Fässern handelte es sich um Tarnnebelfässer, die im Krieg benutzt wurden, um sich mit dem Nebel vor Angriffen zu schützen.

Wegen der Sprengung des Fasses am Sonntag mussten etwa 1500 Menschen aus der Umgebung vorsichtshalber ihre Wohnungen verlassen."


http://www.rhein-zeitung.de/regionales_ ... 39324.html

Grüsse
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Re: Vernebelung bei der Marine: Marinegasschutzschule Kiel

Beitrag von bettika » 18.08.2015 23:38

bettika hat geschrieben: Marinegasschutz- und Nebelschule seit Juni 1941 in Plön.
.................
“ Die Marine-Gasschutz- und Luftschutzinspektion war keine Behörde im Ersten Weltkrieg wurde erst im April 1943 aus der Torpedoinspektion ausgegliedert, der bis dahin auch die Marinegasschutzschule in Kiel unterstand. Der Überwachungsbereich schloss außer Gasschutz und baulichem Luftschutz im Hafenbereich auch die Bereiche Verdunklung, Tarnung, Nebelwesen, Feuerschutz- und Scheinanlagen mit ein.“
http://de.wikipedia.org/wiki/Marineinsp ... Luftschutz


Halllo,
mich interessiert, wo sich denn die Marinegasschutzschule in Kiel befand ?
ich fand diese AK http://www.globalpostcards.de/Shop2.2/A ... -Fotokarte ,
wobei nicht explizit "marine" dabeisteht.
"Gefühlt" würde ich sie im Bereich SVK , Sperrschule https://www.geschichtsspuren.de/forum/p ... ule#151170
vermuten, nur fehlt mir der Beleg.

Kann jemand helfen?

Grüße
Beate
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Beitrag von g.aders » 19.08.2015 11:09

Noch zu der Frage von Eric Z. bezüglich der Kontaminierung des Bodens:

Es gab Merkblätter mit Warnungen für die Landewirtschaft, in welchem Umkreis um die Nebelfässer Getreide und Gemüse nicht mehr zu verwenden waren und dass in größerer Nähe zu den Fässern der mit den Säurebestandteilen vermengte Boden höchst aggressiv auf Hufe des Vieh sich auswirkte.
In den von mir geleiteten Kommunalarchiv waren noch die Luftkriegsschadensmeldungen erhalten (sind meist nach dem Krieg von den Behörden vernichtet worden), und das den konnte man sehen, dass die Bauern nach jedem Luftangriff "großzügig" Vernebelungsschäden anmeldeten, was die personell ausgedünnten Verwaltungen kaum überprüfen konnten. War jedenfalls ein guter Nebenverdienst für so manche Bauern!

(vergleichbar mit den zahllosen Meldungen über verbrannte Führerbilder im Haus)

Beste Grüße
Gebhard Aders

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