möglicher Me 262 Verlagerungsstandort "Tall" gesucht

Rüstungsindustrie, Waffen- und Munitionsproduktion, Munitionsanstalten, Tanklager, Depots, U-Verlagerungen etc.
Franz Ferdinand
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möglicher Me 262 Verlagerungsstandort "Tall" gesucht

Beitrag von Franz Ferdinand » 22.04.2018 21:32

Vom Verlagerungsstandort Arbeitshaus Suben/Österreich (in der Nähe von Passau) sind im Oberösterreichischen Landesarchiv 15 Abschriften von unbezahlten Rechnungen an die Messerschmittwerke erhalten "Oö. Landesarchiv, Akten der Bezirkshauptmannschaft Schärding, Schachtel 162, 1945, I, Hauptverwaltung, ab Mai 1945, 49 Arbeitshaus Suben, Rechnungen an die Messerschmidtwerke (sic!) Augsburg-Regensburg".

Interessant ist die Rechnung Zl. 116/45 vom 27.4.1945 über Fernfahrten mit dem LKW.
Dort sind folgende Orte angeführt:
6x Regensburg (Anmerkung ca. 140km entfernt), 4x St.Georgen (Anm. 106 km), 1x Obernzell (Anm. 41km entfernt) und 2x Tall.
Regensburg, St. Georgen an der Gusen (Bergkristall)/Mauthausen und Obernzell/Bayern sind mir bekannt.
Zum Ort Tall habe ich bisher nichts gefunden. Ich hoffe ich lese den Namen richtig? Diese Ortsbezeichnung gibt es in Südtirol https://de.wikipedia.org/wiki/Tall_(Schenna) . Ich habe auch Tschechische Ortsbezeichnungen durchsucht.
Für die Fernfahrten wurden 170 RM bzw. einmal 140 verrechnet. Nach Obernzell 60 RM, liegt ja in der Nähe.

Weiß jemand näheres zu dieser Ortsbezeichnung?

Schöne Grüße
Kurt
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janne
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Beitrag von janne » 28.04.2018 18:14

Tall liegt am Passeiertal bei Verdins nahe Schenna.

https://www.suedtirolerland.it/de/suedt ... enna/tall/

Gruß
Jan

josef
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Beitrag von josef » 28.04.2018 18:56

janne hat geschrieben:Tall liegt am Passeiertal bei Verdins nahe Schenna...
Gruß
Jan
Kann auf Grund des verrechneten Betrages nicht Tall (Ortsteil von Schenna) im Passeier sein! Da wäre ein weit höherer Betrag als für Fahrten nach Regensburg bzw. St.Georgen fällig gewesen...

lg
josef

Siehe Google-Earth Karte im Anhang:
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Franz Ferdinand
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Franzensthal (Františkov)

Beitrag von Franz Ferdinand » 29.04.2018 23:43

Ich habe bei der Suche die Ortschaft Franzensthal in der Ortsgemeinde Kvilda (Außergefild) in Böhmen gefunden:
Entfernung von Suben etwa gleich wie St. Georgen/Gusen: 105km

https://de.wikipedia.org/wiki/Kvilda
"In Franzensthal befand sich während des Zweiten Weltkrieges eine unterirdische Fertigungsstätte der Messerschmitt AG, die 1941 in der ehemaligen Papierfabrik unter dem Tarnnamen Möbelwerke Franzensthal errichtet wurde.[2]" Anmerkung: den Einzelnachweis Nr. 2 kann ich nicht mehr öffnen.

Ob zwischen der Schreibwiese "Tall" und der Namensendung "-thal "ein Zusammenhang besteht? Das ist nur eine Vermutung von mir, vielleicht wurde eine verkürzte Bezeichnung verwendet. Die Abschriften der Rechnungen wurden jedenfalls nach Kriegsende, das Begleitschreiben ist mit 25. Juli 1945 datiert, gemacht.

Da ich die Literatur zur Me262 nicht kenne: ist jemandem dieser Ort bekannt?

Mit freundlichen Grüßen
Kurt
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Franz Ferdinand
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Beitrag von Franz Ferdinand » 30.04.2018 22:06

janne hat geschrieben:Tall liegt am Passeiertal bei Verdins nahe Schenna.

https://www.suedtirolerland.it/de/suedt ... enna/tall/

Gruß
Jan
Bin der gleichen Meinung wie Josef. Tall in Südtirol kann es nicht sein. Ca. 420 km entfernt und inkl. Alpenüberquerung. In Nordtirol gab es auch Messerschmitt Verlagerungsstandorte (Kematen etc.) aber auch noch 270 km weit weg.

Ich habe über google noch folgendes gefunden: Stadt Volary (Wallern)

..."Der Besitzer der Metallwarenfabrik Knäbel und Co. OHG, Oskar Knäbel, übernahm 1941 die Geschäftsführung der in der ehemaligen Papierfabrik Franzensthal im Tal der Warmen Moldau unter dem Tarnnamen „Möbelwerke Franzensthal AG“ errichteten unterirdischen Fertigungsstätte der Messerschmitt AG. Zwischen 1943 und 1944 erwarb Knäbel die „Möbelwerke Franzensthal“ und verlagerte seine Kettenfabrik von Wallern nach Franzensthal."
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Volary

Anbei ein Link mit Fotos:

http://www.npsumava.cz/de/5782/9489/clanek/
"Franz Thun .... Nach ihm wurde der Ort Franzensthal genannt."
..."Während des 2. Weltkriegs wurden Ersatzteile für die Firma Messerschmitt erzeugt. In den 50er Jahren sprengte man die Fabrikgebäude"...

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alex k.
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Beitrag von alex k. » 04.05.2018 14:35

Hallo,

in meinem Buch "Produktion der Messerschmitt Me 262" (ISBN 978-3-7450-3207-9) habe ich ein Kapitel über Franzensthal geschrieben. Hier ein paar Infos daraus:

In Franzensthal (heute Františkov) existierte seit 1871 eine Glashütte, welche 1912 vom Wiener Unternehmer Jakob Kraus übernommen und in eine Papierfabrik umgewandelt wurde. 1939 übernahm der Industrielle Oskar Knäbel mit seiner Metallwarenfabrik Knäbel & Co. (Wallern) die Fabrik und stellte hier Ketten für Fahrräder und Motorräder her. Am 12. Juni 1941 kam es zur Gründung der Möbelfabrik Franzensthal, wobei es sich hier um eine Scheinfirma zur Produktion von Möbeln und anderen Holzhalbfabrikaten aller Art handelte, tatsächlich fertigte man hier Rüstungsprodukte. Ab 1942 kamen russische Kriegsgefangene in die Fabrik, 1943 mietete das Messerschmitt Werk Regensburg die Fabrik wo sie Führerraumwannen herstellte.

Von August 1943 bis Januar 1944 wurden im Keller der Fabrik unterirdische Räume gebaut, in dieser Zeit wurde nicht produziert. Ab dem 7. Januar 1944 wurden in den unterirdischen Räumen Führerraumwannen für die Me 262 produziert.

Die Verlagerungsstelle wurde in den Listen der Messerschmitt AG allerdings mit dem Tarnnamen "Johannisthal" geführt, nicht als "Tall"...

Gruß, Alex

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Re: möglicher Me 262 Verlagerungsstandort "Tall" gesucht

Beitrag von wobo » 06.05.2018 11:11

Franz Ferdinand hat geschrieben: und 2x Tall.
Weiß jemand näheres zu dieser Ortsbezeichnung?
Hallo Kurt
Manchmal ist es gut, auch nach einfache Erklärungen zu suchen,
eine LKW Fahrt zu 170 RM, muß ja nicht zwangweise an einen Radius von ca. 140 km gebunden sein
und es müßen auch nicht unbedingt Teile für den Flugzeugbau aus "Tall" geholt worden sein.

In so einem Werk werden auch banale Teile wie zB. Bretter und Latten zum Paletten/Kisten-Bau gebraucht.

Interessant wäre eine Straßenkarte aus der Zeit, denn es besteht ja die Möglichkeit, das "Tall"
garnicht so weit weg liegt, aber per LKW nur schwer und über Umwege zu erreichen war,
wodurch dann dieser Fahrpreis anfiel.

Gruß Wolf
(Der in der WiFo-Hitzacker gelernt hat, daß es für manche Dinge ganz einfache Erklärungen gibt)

Franz Ferdinand
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Re: möglicher Me 262 Verlagerungsstandort "Tall" gesucht

Beitrag von Franz Ferdinand » 09.05.2018 20:24

wobo hat geschrieben: das "Tall"
garnicht so weit weg liegt
Hallo Wobo,
die Bezeichnung der Rechnung lautet "Fernfahrten mit dem LKW". Und es sind Orte zur Fertigung der Me 262 genannt.
wie etwa in Peter Schmoll: Die Messerschmitt-Werke im Zweiten Weltkrieg, 3. Auflage, 2004, Seite 204 beschrieben:
- Regensburg Materialzufuhr?
- St. Georgen = KZ Mauthausen-Gusen (Rumpfteile)
- Obernzell (Rumpfmontage)
- und Tall

In diesem Buch ist auch der Ort Marienthal/Deggendorf? (Elt. Ausrüstung) angeführt. Noch eine Thal-Endung!. 76 km von Suben entfernt. Die 170 RM Fahrtkosten wären für diese Strecke allerdings zu hoch, da nach St Georgen (104km) 140 RM gefordert wurden.

Es gibt eine Rechnung "Material-Zufuhr" mit Auto. Dort sind die Orte Suben, Ried (im Innkreis) und Schaerd. (Schärding) gelistet.
Außerdem gibt es 2 Rechnungen "Materialzufuhr und Material-Transport" mit Pferdefuhrwerk. Ich denke damit wurden eventuell auch die von dir angesprochenen Holztransporte aus der Umgebung durchgeführt.

In Suben wurden laut P. Schmoll Elektrische Anlagen und Leitungen gefertigt.

Mit freundlichen Grüßen
Kurt

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Re: möglicher Me 262 Verlagerungsstandort "Tall" gesucht

Beitrag von Taller » 29.07.2018 22:05

Franz Ferdinand hat geschrieben: Für die Fernfahrten wurden 170 RM bzw. einmal 140 verrechnet. Nach Obernzell 60 RM, liegt ja in der Nähe.
Das stimmt nicht ganz; für die 4 Fahrten nach St. Georgen wurden je zwei Mal 140 bzw. 170 RM verrechnet. Der Preis konnte also auch bei einer Destination variieren. Aber warum?

Und was war das Transportgut dieser LKW-Fernfahrten? Warum wurde nicht wie anscheinend üblich mit der Bahn transportiert?

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EPmuc
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Re: möglicher Me 262 Verlagerungsstandort "Tall" gesucht

Beitrag von EPmuc » 29.07.2018 22:18

Taller hat geschrieben:...Warum wurde nicht wie anscheinend üblich mit der Bahn transportiert?
Vielleicht weil die Bahngleise zerbombt waren und Lokomotiven von Tieffliegern gern aufs Korn genommen wurden? Wir reden hier von einer Zeit, als sogar Bauern auf dem Feld aus der Luft beschossen wurden, und die allierten Luftwaffen nahezu ungehindert über den noch nicht besetzten Gebieten agierten. Strassentransporte (vorzugsweise nachts) waren Ende des Krieges keineswegs unüblich.
Gruß, Eugen
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