Luftschutzbunker in Pforzheim

Luftschutzbunker, zivile Bunkeranlagen und Schutzbauwerke des 2. Weltkriegs
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Leif
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Luftschutzbunker in Pforzheim

Beitrag von Leif » 19.02.2005 12:26

Aus der Pforzheimer Zeitung Onlineausgabe, besucht am 19.2.2005

http://www.pz-news.de/pforzheim/65533/index.html

Geld und Baumaterial fehlen

Mit Einrichten von Luftschutzräumen erst spät begonnen - Am Ende todbringende Fallen für tausende von Menschen


PFORZHEIM. Von den Luftschutzbunkern, die zum Ende des Zweiten Weltkriegs vermehrt entstanden, ist im Stadtbild kaum mehr etwas zu entdecken. Im Keller des Hilda-Gymnasiums findet man noch Hinweise.

"Wenngleich das Leben in unserer Stadt weiter seinen geordneten Gang nahm, stellte man sich doch immer mehr auf die Erfordernisse des Krieges ein. Dies galt sowohl für den privaten Lebensbereich wie auch für die industrielle Produktion", ist dem städtischen Verwaltungsbericht für das Jahr 1941 zu entnehmen. Teile des Stadtarchivs kamen schon jetzt in den Tresor der Stadtkasse im Rathaus, Gegenstände aus dem Reuchlinmuseum wurden im Archivbau eingelagert. Im Jahr darauf wurde weiteres Schrift- und Druckmaterial in einen Raum im Untergeschoss der Hilda-Schule gebracht. Die Sammlung des Schmuckmuseums wurde zunächst in einem Banktresor gesichert, später nach auswärts verlagert. Das Stadtbauamt kümmerte sich fortan insbesondere um den Luftschutz-, Bunker- und Stollenbau.

Bombensicherer Schutz gering

Die ersten schweren Luftangriffe im Jahr 1944 mit vielen Toten führte "zu wilden Bestrebungen im Stollenbau", ist im Verwaltungsbericht vermerkt. Die Stadtverwaltung musste jedoch, so sehr die privaten Initiativen begrüßt wurden, darauf verweisen, dass nur die zuvor genehmigten Bauten behördliche Unterstützung erhalten. Sie war nicht mehr in der Lage, das benötigte Abstützholz zu liefern. Dabei war nicht das Schlagen der Bäume das Problem, sondern deren Abfuhr. Zudem wurde darauf verwiesen, dass nur einem sehr kleinen Teil der Bevölkerung bombensicherer Schutz gegeben werden könne. Daher wurde dem bestmöglichen Ausbau der vorhandenen Luftschutzräume in den Häusern grundsätzlich der Vorzug gegeben.

Zu Beginn des Jahres 1944 waren der Stadtverwaltung in den Landkreisen Karlsruhe und Bruchsal elf Wehrmachtsbunker zugewiesen worden. Dorthin konnte alles Wertvolle und Unersetzliche gebracht werden. Doch die Hoffnung, so das Wichtigste aus dem Archiv in Sicherheit zu haben, war nur von kurzer Dauer. Viele der überlassenen Bauwerke mussten wieder zurückgegeben werden - ein folgenschwerer Schritt, wie sich später zeigen sollte. Ersatz wurde in den Kellern der Hilda-Schule, des Enzkraftwerks, im Rathaus und im Grösseltal gefunden.

Da Pforzheim nur als Luftschutzort zweiter Ordnung galt, wurden diese Bauten nicht gefördert. Zudem waren Fachkräfte, ja ganze Firmen für Wehrzwecke dienstverpflichtet. Und es fehlte an Eisen sowie Zement. Erst gegen das spätere Ende des Krieges und als Pforzheim vermehrt Angriffe erleiden musste, förderte das Luftgaukommando den Ausbau von Stollen.

Ständige Forderungen

Pläne lagen schon aus dem Jahr 1940 für Bauten bei der Schwarzwaldschule, beim Turnplatz und am Bahnhof vor. Trotz aller Schwierigkeiten und ständiger Nachforderungen beim Baubevollmächtigten in Straßburg, um das benötigte Material zu erhalten, waren in Pforzheim Anfang 1945 über 60 öffentliche Luftschutzräume vorhanden, die sich in den Kellern mehrerer größerer Gebäude befanden. So im Haus Makrtplatz 10, im Rathaus, der Barfüßerkirche. Sie konnten an die 7000 Personen (zwischen 40 und 250) Schutz bieten.

Außerdem gab es 20 Luftschutzstollen, die aber noch nicht alle fertiggestellt waren, als es zum Bombardement vom 23. Februar kam. Vier waren mit Reichsmitteln an der Gustav-Rau- und der Calwer Straße beim Kupferhammer, an der Kling-/St. Georgenstraße und am Davosweg erstellt worden. Die anderen befanden sich in Privatbesitz. Die größten waren gegenüber Schaub an der Östlichen, bei der Papierfabrik in Dillweißenstein und an der Bleich-/Lisainestraße.

Da viele Keller in den Häusern nur wenige Meter unter der Erde lagen, wurden Betonklötze vor die Fenster gestellt. Pfeile an den Außenwänden zeigten die Richtung zum Notausstieg an. An einigen Stellen der Enz und Nagold wurden Holztreppen errichtet, um sich so ins Flussvorland retten zu können. Zudem wurden zum Schutz gegen Splitter an mehreren Stellen der Stadt, so am Theater- und am Lindenplatz Deckungsgräben ausgehoben.

Nicht rechtzeitig verlassen

Als die Bomber der Royal Air Force am 23. Februar ihre todbringende Last über Pforzheim abwarfen, hatte das Aufsuchen der Bunker, Stollen und Keller für viele tausend Menschen nicht den erhofften Schutz gebracht. Sie waren wegen Gasentwicklung eingeschlafen, durch den Luftdruck sofort getötet worden, sie verbrannten oder sie erstickten, weil sie die Schutzräume nicht rechtzeitig verlassen hatten. Andere, denen das gelungen war, starben dann im Feuersturm, der in der Stadt wütete.

Erstellt am: 19.02.2005

Gast

Beitrag von Gast » 19.02.2005 19:34

Zudem muss gesagt werden, das Pforzheim eine einzige Altstadt war, die wie Zunder gebrannt hat. Das wurde dann auch von den Angreifern mir einem überdurchschnittlichen Anteil an Brandbomben gefördert. Ich weiß nicht ob ihr aus dem Norden die Stadt schon einmal gesehen habt aber Pforzheim hat überhaupt keine alten Gebäude mehr. Die ersten findet man vereinzelt erst etwa 3 km Luftlinie vom Stadtzentrum entfernt. Der Feuerschein war so groß, dass man ihn am Rhein noch gesehen hat. Sehr eindrucksvoll ist auch der Trümmerberg über der Stadt. Ich muss mal nach einem Bild davon suchen. Vielleicht hat Alix ja eins.

Gruß Nero

Alix
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Beitrag von Alix » 20.02.2005 19:09

Hallo,

zum Jahrestag der Bombardierung veröffentlicht die Pforzheimer Zeitung eine Sonderserie jeden Tag bis zum 23.02. Sehr lesenswert :!: (auch Vorher-Nachher Bilder)
Alle Ausgaben kann man unter www.pz-news.de [url] nachlesen.
Unteranderem wird auch das Buch der "Untergang einer Stadt"neu aufgelegt.
Zu dem Trümmerberg (Wallberg): Es wird gerade gestritten ob ein Denkmal den markanten Gipfel schmücken soll. (ich such fleißig nach Bildern!!)

Gruß
Alix :)

Gast

Beitrag von Gast » 20.02.2005 19:50

Ich will Alix wiedersprechen. Auf dem Trümmerberg ist schon ein Denkmal. Es sind 3 Steinstehlen, die nachts angestrahlt werden. Sie wurden jetzt ganz aktuell, vor etwa einem Monat, übergeben.

Gruß Nero

mbarny

Luftschutzbunker in Pforzheim

Beitrag von mbarny » 20.02.2005 20:34

Hi,

past vielleicht jetzt nicht 100%, aber ich habe vor kurzen mal einen Mannesmann Luftschutz Deckel gefunden (Pfhm. Hauptfriedhof, ist noch dort!).

Habe leider z.Z. kein Webspace, kann es aber gerne jemand senden, das er es hier einstellen kann.


Gruß Michael

mbarny

Jetzt das Bild

Beitrag von mbarny » 21.02.2005 18:44

Hier das Bild
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Gast

Beitrag von Gast » 23.02.2005 15:29

Nebenbei wurden in Pforzheim neben Mechanischem Gerät wie Uhren und dergleichen gegen Ende des Krieges auch in großem Stil Zünder hergestellt, d.h. es wurden teilweise große Mengen an brennabrem Material in den und um die Fabriken gelagert, was neben der engen Bebauung die Einstufung der Stadt als "besonders zum Flächenbrand geeignet" noch mal unterstrichen hat, zumal die Fabriken nicht so weit weg von der Innenstadt lagen...

Gast

Beitrag von Gast » 23.02.2005 20:37

Ich wollte nur noch einmal erinnern, obwohl das bestimmt allen bekannt ist, dass sich dieses Ereignis in wenigen Stunden zum sechzigsten Mal jährt. :(

Gruß Nero

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Beitrag von Alix » 24.02.2005 17:54

Hallo,

hier hab ich ein Bild von der Gedenkstätte auf dem Wallberg
Quelle: www.pz-news.de[/i]

Gruß
Alix :)
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Gast

Beitrag von Gast » 24.02.2005 20:25

Ok! Alix hat es geschaft und war schneller. :megawut:

Gruß Nero

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