Geplantes Stollensystem am Elbhang

Luftschutzbunker, zivile Bunkeranlagen und Schutzbauwerke des 2. Weltkriegs
Biedermann (†)

Re: LS-Stollen

Beitrag von Biedermann (†) » 02.08.2006 20:15

klaushh hat geschrieben:Moin, moin!
Der zitierte Artikel im Klöhnschnack ist in der Tat recht interessant.
Neben den dort genannten Stollen waren etliche weitere in HH geplant und teilweise auch im Bau.
Wie bereits weiter oben beschrieben, wurde die überwiegende Zahl von Stollen als Selbsthilfestollen gebaut. Dabei kam man mehr oder weniger (meist weniger!) weit.
Richtig fachmännisch (mit Betonfertigteilen) wurden wohl nur drei Stollen geplant / gebaut, und zwar in den Stadtteilen Blankenese und Neustadt. Die übrigen Stollen wurden mit Holzstempeln und Holzbohlen ausgesteift.
Nach dem Kriege sind sie eingestürzt, weil Holz ausgebaut wurde oder verrottete. Reste wurden im Laufe der Zeit nach Möglichkeit verfüllt.
Heute gibt es wohl nur noch in Blankenese einen privat genutzten Stollenrest und in Neustadt einige Stollenteile, die unter Wasser stehen und zugemauert sind und nicht betreten weren können.
Gruß
klaushh
Hallo Klaus,

diesen Thread habe ich gerade erst gefunden (besser spät als nie...)
Was ist mit den Stolleneingängen im Botanischen Garten (s. Bild, Entschuldigung für die Murks"kamera")? Dort sind zwei Stollenportale bis auf Fledermauslöcher zugemauert. Ein Bild es im Bau befindlichen (Betonfertigteil)Stollens ist in Schmal/Selke, S. 46. Ohne Stollen(rest) macht so ein Fledermausloch nicht viel Sinn, da kann man das Portal auch gleich abbauen. (Vielleicht werde ich senil (die Exkursion war 10/03), aber ich meine mich auch an einen Schachtdeckel im Hof der Bucerius Law School erinnern zu können. 8m über dem Eingang und 20 oder so Meter nach NW)

Gleiche Situation am Stintfang: Am Hang westlich der JuHe, zur Helgoländer Allee hin, sind auf unterschiedlichen Höhen zwei Eingangsbauwerke zu finden. Ebenfalls mit Fledermauslöchern. Also dürfte zumindest der Eingangsbereich/Gasschleuse noch existieren. Wiederum machen aber auch diese keinen Sinn wenn der Rest des Stollens verfüllt ist. Zu der Zeit als diese Bauwerke beseitigt wurden (oder eben auch nicht) hat sicher noch niemand an den Schutz der großen Hufeisennase gedacht.
Diese Bauwerke gehören auch nicht zur U-Bahn (die läuft ja überirdisch) oder S-Bahn (die hat ihren Notausgang am Hotel Hafen Hamburg, neben dem Bunker Sylter Allee). Außerdem sind die Bahntrassen sehr weit südlich der beiden "Klötze".
P.S. gerade noch in Schmal/Selke gefunden: Aktenvermerk Amt für Bauordnung und Hochbau v. 02.05.1963: "Von diesem weitverzweigt geplanten Stollensystem konnten bei einer Begehung nur noch Reste entdeckt werden" (AHB 831-1001)

Grüße
Ingo
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Herr Auer
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Beitrag von Herr Auer » 02.08.2006 22:19

Moin Ingo !
Du hast ja recht ....
Die Stollen im Botanischen Garten sind noch dort , die drei Eingänge sprechen eine
eindeutige Sprache .
Die Vermauerung allerdings auch !
Anfang der 60er wurden für jeden erhaltenen Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg
sogenannte zivilschutztaktische Gutachten erstellt .
Im Jahre 61 sind die Herrschaften schon übereingekommen ,
daß die Stollen stark einsturzgefährdet sind und sich für eine "Modernisierung" nicht mehr eignen .....
Das ist 45 Jahre her - der Zustand wird sich nicht deutlich gebessert haben !
Diese Stollen (im Endausbau 32 Röhren - ähnlich groß wie im Röhrenbunker) waren
nur mäßig gesichert und sind heute extrem brüchig .
Ich würde dort nicht mal Fledermäuse hineinfliegen lassen .....
An den Landungsbrücken (genauer Helgoländer Allee) sieht die Situation etwas anders aus ,
im Hang befindet sich ein unterirdischer Rundbunker - ähnlich wie am Berliner Tor .
Der Zustand dieses Bauwerkes ist mir allerdings unbekannt ...Sorry !

Gruß aus HH
Ronald
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Biedermann (†)

Beitrag von Biedermann (†) » 03.08.2006 18:00

Herr Auer hat geschrieben: Im Jahre 61 sind die Herrschaften schon übereingekommen ,
daß die Stollen stark einsturzgefährdet sind und sich für eine "Modernisierung" nicht mehr eignen .....
Das ist 45 Jahre her - der Zustand wird sich nicht deutlich gebessert haben !
Diese Stollen (im Endausbau 32 Röhren - ähnlich groß wie im Röhrenbunker) waren
nur mäßig gesichert und sind heute extrem brüchig.
Hallo Ronald,

die Unbenutzbarkeit glaube ich gerne. Wier auf dem erwähnten Foto zu sehen besteht der Verbau aus recht schmale Betonfertigteilen (44 vermutlich von eher zweifelhafter Güte und mit ebensolcher Bewehrung). Durch Setzungen werden die Spalten zwischen den Teilen größer und das ganze Gebilde beginnt, sich selbst zu verfüllen.
Mir ist nur ein Stollen mit professioneller Verstrebung bekannt (Höfer, Kr. Celle, s. Artikel über U-Verlagerung LÖWE), errichtet von Bergleuten des Schachtes Mariaglück im Uferhang der Aschau, aber da die aus Holz war wurde der nach dem Krieg natürlich zurückgebaut. (Nein, ich weiß nicht ob es noch Geländespuren gibt)

32 Röhren unter dem (Ex-)Botanischen Institut?? Geplant oder wirklich gegraben?

Grüße
Ingo

Herr Auer
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Beitrag von Herr Auer » 04.08.2006 01:53

Moin !
Die 32 Röhren sind sicherlich nicht fertig geworden ....
Ich habe einen Baustellenplan in der Hand gehabt und da war die
Einrichtung der Baustelle mit März ´44 angegeben .
Die Planung der gesamten Bauzeit geht bis November 1945 (!) .
Die genaue Anzahl an fertigen Stollen ist nirgends vermerkt - leider .
Gruß
Ronald
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klaushh
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LS-Stollen

Beitrag von klaushh » 07.08.2006 00:13

Moin, moin!
Das kleine Bild von Ingo zeigt tatsächlich den einen noch vorhandenen, aber zugemauerten Eingang zum Stollen Botanischer Garten.
Zu der Anlage gibt es verschiedene Lagepläne. Allen ist gemeinsam, dass unbekannt ist, was war geplant und was ist tatsächlich gebut worden und schließlich: was ist nicht mehr fertig geworden.
Noch bis Ende 1945 gab es an der Anlage Arbeiten (u.a. Rettung von damals knappen Baumeterialien und -geräten). Außerdem plante man dort eine Pilz- und eine Käse-(!)-zucht einzurichten. Dazu wollte man im großen Lüftungsschacht ein Treppenhaus und einen Fahrstuhl einbauen. Geworden ist daraus nichts!
Im Laufe der Jahre sind die Stollen teilweise eingestürzt, die noch vorhandenen Reste stehen mehr oder weniger unter Wasser.
Die Zahl von 32 Röhren ist m.E. relativ willkürlich, es kommt einfach auf die Zählweise an. Auf jeden Fall war ein umfangreiches Stollennetz geplant mit einer Kapazität von über 2.000 Personen.

Die oben erwähnten Bauteile an der Helgoländer Allee gehören in der Tat zu einem Tiefbunker. Sie haben absolut nichts mit einem Stollen zu tun. Von dem ursprünglich in der Nähe geplanten Michaelisstollen (auch Hafenstollen genannt) ist absolut nichts mehr vorhanden. Die Bauarbeiten blieben bereits wegen Kriegsende in einem sehr frühen Baustadium liegen.

Gruß
klaushh

Gast

LS-Stollen Botan. Garten

Beitrag von Gast » 07.08.2006 12:08

Interessant ist, dass dort ein großer Lüftungsschacht ist. Die Frage ist, ob er jetzt auch noch vorhanden ist. Auf dem Gelände der Bucerius Law School sind mehrere Schachtdeckel unterschiedlicher Ausführung vorhanden, deren Zweck allerdings nicht erkennbar ist. Auf dem Gelände befindet sich allerdings auch ein viereckiges Metallgebilde (eine Art Häuschen), das im oberen Teil schräggestellte Lamellen (wie für Lüftungszwecke) hat. Die Bedeutung dieses Häuschens ist von außen nicht erkennbar, es könnte aber die Funktion haben, etwas abzudecken (irgendetwas müsste sich darin/darunter verbergen). Könnte sich der Lüftungsschacht unter diesem Häuschen befinden?

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Beitrag von klaushh » 07.08.2006 22:58

moin, moin!

...könnte, aber iss nicht!

Die Lüftungsschächte sind zuverlässigen Quellen zufolge alle sorgfältig verfüllt worden, so dass ausßer den beiden bereits erwähnten Eingangsbauten absolut nichts mehr zu sehen ist.

Gruß
klaushh

Gast

LS-Stollen Botan. Garten

Beitrag von Gast » 09.08.2006 09:52

Interessant ist aber, dass sich in der Jungiusstraße quasi zwischen zwei Häusern (ungefähr in der Mitte, wenn man vor dem jetzigen Gebäude steht) des ehem. Botan. Instituts ein Zugang zum Stollen befand. Diese Partie hebt sich von der jetzigen Gebäudefront ab. Dort geht es bei dem Gebäude eine Treppe hinab, es ist dort eine Tür (auch Fenster); dahinter sind aber nur Regale. Da dürfte damals eine Baulücke gewesen sein. Im Zuge der Nachkriegsbebauung dürfte das jetzige Gebäude errichtet worden sein. Es fragt sich, was mit dem Stollen(eingang) geschah.

Interessant ist auch, dass sich beim heutigen Fußweg an der Marseiller Straße ebenfalls ein Stollenzugang befand. Was geschah mit diesem Zugang? An der Marseiller Str. werden ja Tiefbauarbeiten auf dem Grundstück der Bucerius Law School durchgeführt, so dass es durchaus sein kann, dass man sich hierbei -insb. auch wegen der Bauwerksgründung in die Tiefe- in irgend einer Weise dem Stollen genähert hat.

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Beitrag von lars » 11.01.2018 13:50

Moin,

nachdem unterhalb des Altonaer Balkons (fast) alles freigeschnitten wurde ist das Objekt momentan zugänglich, anbei ein paar Bilder. Direkt oberhalb der Betonteile finden sich Reste einer Ziegelmauer, möglicherweise war hier mal eine Hangstützmauer als Teil einer Parkanlage oder ähnlichem,

Grüße Lars
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Stintfang-Stollen zufällig gefilmt

Beitrag von Herr Auer » 12.01.2018 21:18

Moin Moin.

In dem Nachkriegsfilm "Der Verlorene" (1951) gibt es zum Ende eine
Verfolgungsjagd und die führt direkt durch die Helgoländer Allee.
Zu sehen ist die Kersten-Miles-Brücke mit den alten Aufbauten,
der Stolleneingang, direkt daneben dann der Eingang zum Tiefbunker
und die Ruine der Seewarte (heutiger Standort der Jugendherberge):

Bitte "vorspulen" bis 1:24:00 !

Gruß aus HH
Hamburg von unten : www.unter-hamburg.de

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