Geheimgeschwader KG 200

Militärische Objekte und Anlagen des 2. Weltkriegs (und 1933-1945)
oldmen
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Geheimgeschwader KG 200

Beitrag von oldmen » 02.05.2016 13:18

Das Thema "Kampfgeschwader 200", bisher erwähnt bei "WK II Flugplatz Wiener Neustadt", kann nicht an einem Standort festgemacht werden, weil dann die Bedeutung des KG in seiner Besonderheit nicht ausreichend dargestellt werden kann.

Die Anzahl der Flugplätze, auf denen Staffeln stationiert waren oder "Stationen" gebildet wurden, lag bei mindestens 20 bekannten, zu vermuten sind ebenso viele nicht bekannte oder nur vorübergehende.

Das Geschwader mit seinem im Febr. 1944 letztformulierten Auftrag - das Absetzen von Spionagepersonal im Feindesland, die Versorgung eigener Sondereinheiten hinter der Front, der Transport wichtiger militärischer Geräte über große Distanzen (Beispiel Irak, Mandschurei), existierte nur von diesem Zeitpunkt bis Kriegsende.
Die einzelnen Staffeln waren - je nach Aufgabenstellung - mit allen nur erdenklichen Flugzeugtypen aus deutscher, US-amerik., ebenso aus sowjetischer Produktion ausgerüstet
( Beuteflugzeuge, die über dem Reichsgebiet oder dem Einflussbereich nach Beschuss landen mussten und wieder hergestellt wurden ).
Die Erprobung dieser Flugzeuge war eine der Aufgaben des KG 200 - die deutschen Flieger lernten dabei auch die Vorteile mancher dieser Maschinen kennen: Beispiel der US-Bomber B 17 Flying Fortress. Dieser wurde dann auch mit deutscher Kennung im Einsatz verwendet - mindestens eine dieser B 17 wurde trotzdem von der eigenen Flak abgeschossen.


Der Stab lag in Finow / Brandenburg. Vorletzter Kommodore war Oberst Werner Baumbach.

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Geheimgeschwader KG 200

Beitrag von oldmen » 02.05.2016 13:37

In Finow waren auch einige der einsatzfähigen B 17 stationiert, die dort von deutschem Fachpersonal gewartet wurden.

Oberst Baumbach, damals 28-jährig, legte am 6. März 1944 sein Amt als Geschwader-Kommodore unter Rückgabe aller seiner Orden und Ehrenzeichen nieder, verbunden mit der Verweigerung ( ( Hitler und Göring gegenüber ), die im Geschwader ausgebildete Suizid-Fliegerabteilung
( Leonidas ) zur Zerstörung von Brücken an Oder und Neiße einzusetzen.

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zulufox
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Re: Geheimgeschwader KG 200

Beitrag von zulufox » 02.05.2016 14:09

oldmen hat geschrieben:Das Thema "Kampfgeschwader 200", bisher erwähnt bei "WK II Flugplatz Wiener Neustadt", kann nicht an einem Standort festgemacht werden, weil dann die Bedeutung des KG in seiner Besonderheit nicht ausreichend dargestellt werden kann.

Die Anzahl der Flugplätze, auf denen Staffeln stationiert waren oder "Stationen" gebildet wurden, lag bei mindestens 20 bekannten, zu vermuten sind ebenso viele nicht bekannte oder nur vorübergehende.
Hallo,

Einige Ergänzungen zu diesem sehr komplexen Thema, das tatsächlich noch einer genauen Aufarbeitung bedarf:

Mir sind z.B. bisher aus den verschiedensten Publikationen 28 verschiedene Plätze bekannt.
oldmen hat geschrieben:Das Geschwader mit seinem im Febr. 1944 letztformulierten Auftrag - das Absetzen von Spionagepersonal im Feindesland, die Versorgung eigener Sondereinheiten hinter der Front, der Transport wichtiger militärischer Geräte über große Distanzen (Beispiel Irak, Mandschurei), existierte nur von diesem Zeitpunkt bis Kriegsende.
Zum Teil richtig, aber das "Irak-Abenteuer" fand bereits 1941 statt. Was das KG 200 durchführte, war das einmalige Absetzen von fünf Iraqui, die im Auftrag des Großmufti von Jerusalem, Mohammed Amin Al Husseini, eine weitere "Erhebung" gegen die britische Fremdherrschaft anzetteln sollten.
oldmen hat geschrieben:Die einzelnen Staffeln waren - je nach Aufgabenstellung - mit allen nur erdenklichen Flugzeugtypen aus deutscher, US-amerik., ebenso aus sowjetischer Produktion ausgerüstet
( Beuteflugzeuge, die über dem Reichsgebiet oder dem Einflussbereich nach Beschuss landen mussten und wieder hergestellt wurden ).
Die Beuteflugzeuge bildeten aber nur einen geringen Anteil am Flugzeugbestand des KG 200.
oldmen hat geschrieben:Die Erprobung dieser Flugzeuge war eine der Aufgaben des KG 200 - die deutschen Flieger lernten dabei auch die Vorteile mancher dieser Maschinen kennen: Beispiel der US-Bomber B 17 Flying Fortress. Dieser wurde dann auch mit deutscher Kennung im Einsatz verwendet - mindestens eine dieser B 17 wurde trotzdem von der eigenen Flak abgeschossen.
Die Erprobung der Beuteflugzeuge war definitiv keine Aufgabe des KG 200. Für diese Zwecke hatte die Luftwaffe die Erprobungsstelle der Luftwaffe in Rechlin. Teilweise fanden solche Erprobungen auch bei der Erprobungsstelle (See) in Travemünde statt.
Außerdem gab es noch den Versuchsverband des Oberbefehlshabers der Luftwaffe, dessen 2. Staffel, der sog. "Zirkus Rosarius" Erprobungs- und Vergleichsflüge mit erbeuteten alliierten Jagdflugzeugen durch- und vorführte.
Solche Vorführungen wurden z.T. bei deutschen Jagdverbänden auch mit erbeuteten alliierten Bombern geflogen.

Beuteflugzeuge beim KG 200, die mit deutschen Kennzeichen flogen, wurden allein wegen deren Flugleistungen, z.B. ihrer Reichweite für Transportaufgaben, genutzt.
oldmen hat geschrieben:Der Stab lag in Finow / Brandenburg. Vorletzter Kommodore war Oberst Werner Baumbach.
Der Stab/KG 200 lag mindestens ab April 1944 bis ins Jahr 1945 hinein in Berlin-Gatow.

Nix für ungut.

MfG
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Geheimgeschwader KG 200

Beitrag von oldmen » 02.05.2016 21:37

Hallo Zulufox,

Dank und Respekt - jetzt kommt erfreulicherweise Bewegung in das Thema.

Aber vorab eine Korrektur in meinem vorigen Beitrag: Baumbach trat ab am 6. März 1945 - nicht ein Jahr vorher.

Und nun:
Das Geschwader unterstand letztlich dem Reichssicherheitshauptamt der SS in Berlin. Von dort kamen die Flugaufträge für Personen und Material.
Die ins Ausland zu befördernden Passagiere wurden den einzelnen Einheiten, die unter Decknamen irgendwo im Reichsgebiet platziert waren, nur der Anzahl nach als unbekannte Personen avisiert, die Identität blieb dem Flugpersonal häufig verborgen.
So kam damals bei den Fliegern schon der begründete Verdacht auf, dass sich auf diese Art und Weise einige Größen der obersten Reichsregierungsebene in der Phase des erkennbaren Zusammenbruchs ins neutrale Ausland ( Spanien ) haben absetzen lassen.

Außer den zur Verfügung stehenden verschiedene Flugzeugen der Hersteller Arado Ar 232, 196 und 240, der ganzen Palette der Junkers- und Heinkel- Gruppe wurden im Geschwader in ständiger Bereitschaft ein Flugboot von Blohm & Voss "BV 222 Wiking" gehalten, das von irgendwelchen Verantwortlichen für die eventuelle Evakuierung der Reichsregierung nach Japan über Grönland vorgesehen war.

Bis dann : Oldmen

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Beitrag von Mr. Baseball » 03.05.2016 11:45

Guten Tag Zusammen, ich empfehle hierzu das Buch von Peter Werner Stahl "KG 200" (Motorbuchverlag Stuttgart) sowie "Geheimflüge, Der Versuchsverban des Oberkommandos der Luftwaffe" von Smith, Creek u. Petrick aus dem selben Verlag und als ganz besonderes "Schmankerl" von Martin Drewes "Sand und Feuer" mit einem Vorwort des ehm. Bundespräsidenten Walter Scheel aus dem NeunundzwanzigSechs Verlag
Schönen Tag noch
Servus
Jochen
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Beitrag von oldmen » 03.05.2016 14:16

Hallo allerseits,

der von Zulufox oben erwähnte Großmufti von Jerusalem, über dessen Berliner Zeit vor wenigen Jahren ein Fernsehbericht gesendet wurde, war wohl Anlass für die allerletzte Mission des KG 200.

Am 7. Mai 1945 - als die Waffen schon schwiegen - landete auf dem Flughafen Belp in Bern / Schweiz eine Siebel Si 204 D-1 ohne jegliche nationale Kennung aus dem Bestand des KG 200: Einziger Passagier war besagter Großmufti, der aus Berlin über Klagenfurt ins neutrale Ausland verbracht wurde und von dort nach Kairo weiterreiste.

Das Flugzeug wurde beschlagnahmt, die Besatzung interniert. Die Si 204, die in dieser Version von Siebel ( Halle Saale ) nur einmal hergestellt worden war, wurde von der Schweizer Luftwaffe dann regulär erworben und 1946 in Dienst gestellt - und bis 1955 geflogen. Wer als Verkäufer aufgetreten ist, ist nicht überliefert.

Quelle:
Wiki - Siebel Si 204 DL+NT

Dank an Mr. Baseball für die Literatur-Empfehlung : bin derzeit mit dem Motorbuch-Verlag im Gespräch wegen Nutzung einiger Fotos aus Stahls Buch.

Bis dahin : Oldmen

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Beitrag von bettika » 03.05.2016 18:51

...wurden im Geschwader in ständiger Bereitschaft ein Flugboot von Blohm & Voss "BV 222 Wiking" gehalten, das von irgendwelchen Verantwortlichen für die eventuelle Evakuierung der Reichsregierung nach Japan über Grönland vorgesehen war. 
Hallo oldmen,
grundsätzlich macht es Sinn ,Deine Angaben mit Quellen zu belegen, sonst gleitet das Thema in Spekulation ab.

Was es gibt, ist die Anforderung Baumbachs vom 1.5.1945 an den Leiter der E-Stelle Travemünde, eine  BV 222 auf Befehl Dönitz in den Flensburger Raum zu verlegen, nachdem die in Travemünde liegende BV 222 am 30.4.1945 in Brand geschossen wurde. Geplant war eine Flucht von Speer und Baumbach. Das Flugboot kam aber nicht in Flensburg an.
Desweiteren findet sich der Hinweis , das bei der von Baumbach geplanten Flucht u.a. mit Speer die "Entsendung eines Fischkutters mit weiteren Vorräten nach Nordnorwegen" mit Gauleiter Kaufmann (Mitte April 1945) besprochen wurde
(Quelle: Gellermann  „Moskau ruft Heeresgruppe Nord“ S.203)
Baumbach befand sich bei Kriegsende in Dönitz Hauptquartier in Flensburg.

Über die Anwesenheit einer BV 222 in Flensburg kurz vor Kriegsende wird gerne spekuliert, aber leider gibt es dafür keinen Beleg.
3. Staffel on Rügen (3.45 Flensburg) with Ar 196, Do 24, He 59, He 115, Do 18, BV 138, BV 222
http://www.ww2.dk/air/kampf/kg200.htm
Grüße
Beate


[/quote]
„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana

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Beitrag von christianCH » 04.05.2016 08:29

Einige Hinweise zu Entstehung, Entwicklung und Einsätzen des KG 200 gibt es in «Die Verbände der Luftwaffe 1935-1945», Seiten 142-144, ISBN 3-925480-15-3.

Zu dessen Aufgabe hätte ja auch der Einsatz dieses Teils gehört (nicht nur gegen Oder- und Neißebrücken).
Gruss, christianCH

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Beitrag von zulufox » 04.05.2016 08:59

Zu den Flugzeugen, die beim KG 200 in der Schulung geflogen wurden und auch zum Einsatz gebracht werden sollten, gehörten auch die Mistel-Gespanne der II. Gruppe.

https://de.wikipedia.org/wiki/Mistelschlepp

Ebenso Fw 190 F-8 mit BT der ehemaligen Staffel Einhorn in der III. Gruppe

MfG
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Beitrag von oldmen » 04.05.2016 12:45

Hallo Beate,
Tadel ist angekommen - und berechtigt.

Aber ist denn nicht auch ein bisschen Spekulation belebend, zumal dann, wenn diese zu solch informativen und präzisen Beiträgen generiert wie die Deinigen ?

Die Geschichte mit dem Flugboot BV 222 und Kurs Grönland/Japan stammt meiner Erinnerung nach von Hans Baur, Chef der " Flugstaffel Reichsregierung ", Generalleutnant der Waffen-SS und Hitlers Privatpilot.

Mit Grüßen aus dem Hochtaunus nach " ganz weit da oben ":

Oldmen

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