Flakschießplatz Hedwigenkoog (Luftwaffenkoog)

Militärische Objekte und Anlagen des 2. Weltkriegs (und 1933-1945)
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augustdieter
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Flakschießplatz Hedwigenkoog (Luftwaffenkoog)

Beitrag von augustdieter » 12.11.2012 08:58

Hallo zusammen,


bei einer Recherche bin ich auf auf den Schießplatz "Luftwaffenkoog" gestoßen.
Im Netz gibt es ja eine paar Infos die aber nicht sehr ergiebig sind.

Hat jemand etwas ergiebiges zu dem Standort. (Lage,Nutzung von wann bis, usw.)

Der Betreiber des Schießplatzes war , nach jetzigem Kenntnisstand, der
Ausbildungs - und Schießstab Büsum(Lw)
Gruss Dieter

OWW
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Beitrag von OWW » 12.11.2012 17:12

Moin,
brauchbare Infos findet man in dem Buch: "Hedwigenkoog -Geschichte eines 300jährigen Kooges", zusammengestellt von Kurt Schulte, erschienen 1994 bei Westholsteinische Verlagsanstalt Boyens & Co. - erhältlich z.B. in der SH-Landesbibliothek.

Gruß
Oliver

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nordfriese
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Beitrag von nordfriese » 12.11.2012 18:33

Moin!

Ganz genaue Daten habe ich leider nicht parat, aber ein wenig über das Gelände habe ich doch im Bücher-
schrank. Oliver hat dir ja schon ein Buch empfohlen.
Das Gelände wird zwar als Flakschiessplatz Büsum bezeichnet, aber vereinzelt findet man hierzu auch die
Bezeichnungen Hedwigenkoog oder Hirtenstall.

K.-O. Hoffmann erwähnt den Platz mit der "Ln. Stelle Flak-Schießplatz, Büsum (Oberfeldw. Peters)".


Holger Piening hat drei interessante Bücher über den Nordfriesland/Dithmarschen bzw. den Nordseeküsten-
bereich geschrieben.

In "Nordseeküste im Krieg 1939-1942" schreibt er über die Tage vor Kriegsbeginn, dass selbst kleinere
Gemeinden zu Aufstellungsorten für neue militärische Einheiten wurden:
"...So rief der Landwehr-Kommandeur des Wehrbereiches X den Stab des neuen Infanterieregiments 333
in Büsum (Hedwigenkoog) und Friedrichstadt ins Leben."

Am 4.9.39 gab es in Tönning Fliegeralarm. Ein Flugzeug löste 4 Bomben aus, die am nächsten Tag von Fach-
leuten des Flakschiessplatzes Hedwigenkoog untersucht wurden.

Über Dithmarschen wird folgendes geschrieben:
"In Dithmarschen erfolgt im Krieg keine Landgewinnung, aber es werden einige Deiche gebaut.So entsteht
1939 auf Betreiben er Luftwaffe in dem Hedwigensommerkoog nördlich Büsum der 120 Hektar grosse
Hedwigen-Westerkoog, anfangs Luftwaffenkoog genannt. Er wird für den Flakartillerieschiessplatz benötigt."


Holger Piening schreibt in "Westküste 1945" über die militärische Ordnung im Kriegsgefangenen-"Sperrgebiet G"
der Alliierten. Dies bestand aus Eiderstedt (Abschnitt A) und Norderdithmarschen (Abschnitt B). Im "Abschnitt B"
wird der "Unterabschnitt 2" (846. Division) in Büsumer Deichhausen erwähnt. Zum "Unterabschnitt 2" gehörte u.a.
Hedwigenkoog.

Am 5. September 1945 bestanden noch mehrere grössere Lazarette im "Abschnitt B". Eines davon war in Hedwigen-
koog. Eine Meldung besagt, dass am 20. Juni 45 in diesem Lazarett 2000 Soldaten waren. Am 6.10.45 wurde der
"Sperrbereich G" aufgelöst, inkl. der Lazarette. Ausnahme waren die Lazarette in Gudendorf und Hedwigenkoog,
aus denen die ersten Kreiskrankenhäuser der Kreise Norder- und Süderdithmarschen entstanden.


In "Als die Waffen schwiegen" erwähnt er nach Kriegsende das Ortslazarett Hedwigenkoog und das Offizierslager
Hedwigenkoog. Zum Thema Wohnungsnot berichtet er, dass in Hedwigenkoog 350 Flüchtlinge untergebracht werden
mussten, obwohl dort 3000 bis 4000 Soldaten lagen und auf ihre Entlassung warteten.

Dem "Luftwaffenlazarett Hedwigenkoog" ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Hier ein paar Stichpunkte:
- Seit 1938 Entstehung umfangreicher militärischer Anlagen am Aussendeich
- Neben Ortsteil Hirtenstall Bau von über 30 Baracken (anscheinend zwei Lagerbereiche mit jeweils einer grossen
Wirtschaftsbaracke mit je einer Grossküche.
- Ein Lager dient der Bauleitung der Luftwaffe, ein zweites Fallschirmjägern der Wehrmacht und der Marine-Lehrab-
teilung. (später? siehe unten)
- Am Strand Bau des Flakschiessplatzes
- Gegen Kriegsende Umwandlung in Luftwaffenlazarett
- 23.10.45 Knapp die Hälfte der 68 Generäle, 210 Oberste und 32 Generalstabsangehörigen werden ins rückwärtige
Gebiet nach Hedwigenkoog verlegt. "Hier ist bald darauf eine ganze Baracke des Luftwaffenlazaretts mit internierten
Generälen und Admirälen belegt. Sie werden später nach England abtransportiert."


http://www.militaria-fundforum.de/showt ... p?t=188906
- 7. M.L.A. Ostsee Lütjenholm im Januar 1944 aus der 1. E.-M.A.A. hervorgegangen, im September 1944 nach Hirten-
stall, dann Norddorf auf Amrum verlegt mit Teilen in Büsum und Sülzenholm.

Auch passend zu Hedwigenkoog als einer der Orte des "Sperrbereichs G":
http://konzentrationslager-neuengamme.b ... er-ss.html
Dort geht es um einen KZ-Blockführer namens Frahm:
"Frahm soll Ende Mai 1945 nach Hause (Kleve/Dithmarschen) zurückgekehrt sein und sich im Kriegsgefangenen-
sammellager Hedwigenkoog in Dithmarschen gemeldet haben."

Aus "300 Jahre Garnisonsstadt Husum":
http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=& ... _rPdvwmvQg
Im Folgejahr (1972) kann dann die ebenfalls neu erstellte Munitionsdepotanlage in Süderlügum, nahe der dänischen
Grenze, das Luftwaffenmunitionsdepot (LwMunDp) aufnehmen. Bis zu diesem Zeitpunkt betreiben die Soldaten das
Munitionsdepot in Hedwigenkoog, nahe dem bekannten Badeort Büsum, unter doch sehr einfachen Bedingungen.
Hedwigenkoog wird als abgesetzter Lagerbezirk vorerst weiter betrieben.

Im "Lexikon der Wehrmacht" kann man noch was unter "Büsum" finden... ;)

Anbei noch die Lage und ein Foto von ein paar Flak-Bettungsbrocken, die auf einer Weide noch zu finden sind.
Ansonsten ist Flak-technisch alles weg. Das ehemalige Lager/Depot ist inzwischen verkauft.

Gruss aus NF!
Rolf
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Beitrag von augustdieter » 12.11.2012 19:09

Hallo Rolf,
Hallo Oliver,

@Rolf,
Im "Lexikon der Wehrmacht" kann man noch was unter "Büsum" finden...
ach ;);)

genau das was ich wissen wollte, die Existenz des Schießplatzes, hatten wir noch nicht.
Da hier die "Nordlicht Dichte" ;) größer ist als bei uns dachte ich Fragen kost nix :8):

Die Web Quellen hatte ich so auch schon war mir aber nicht ganz sicher.

@Oliver,

geht die das Buch über die Web Quellen hinaus und kann man das Buch bei der SH-Landesbibliothek kaufen ?
Gruss Dieter

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Beitrag von OWW » 13.11.2012 15:53

Hallo,

nein kaufen geht da nicht, bei der Landesbibliothek kann man es einsehen oder ggf. über die Fernleihe beziehen.

Den Inhalt habe ich nicht abgeglichen mit dem Netz, vom ersten Eindruck her scheint das Buch umfangreicher zu sein, aber Fernleihe kostet ja (fast) nix.

Gruß
Oliver

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