Ehem. Feldmunitionslager / Munitionsniederlage der Luftverteidigungszone West bei Sulz am Neckar

Rüstungsindustrie, Waffen- und Munitionsproduktion, Munitionsanstalten, Tanklager, Depots, U-Verlagerungen etc.
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thomasbreitenbacher
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Ehem. Feldmunitionslager / Munitionsniederlage der Luftverteidigungszone West bei Sulz am Neckar

Beitrag von thomasbreitenbacher » 01.11.2015 18:19

Hallo,

wie bereits an anderer Stelle im Forum abgeführt, gab es bei Sulz am Neckar eine Feldmunitionslager Sulz (Quelle: Beitrag von zulufox über eine Aufstellung von Munitionsanstalten und Munitionslagern der Luftwaffe im Thema Munitionsanstalten unter Zweiter Weltkrieg – Rüstungsindustrie / Logistik) bzw. eine Munitionsniederlage der Luftverteidigungszone West (Quelle: Florian Friedrich und Felix Wein: Die Luftverteidigungszone West, Königsfeld, 2010).

Der Standort des Lagers ist durch die Wegestruktur noch heute problemlos zu identifizieren, sowohl auf den topographischen Karten als auch in Google Earth.

Eine Anfahrt erfolgt über den Ortsteil Weiden der Stadt Dornhan über den Hopfauer Weg zu dem nördlich der Gemeinde am Waldrand gelegenen Wanderparkplatz. In der Nähe des ehem. Munitionslagers befinden sich auch die Reste einer keltischen Viereckschanze (den Wegweisern Forlewangenhaus bzw. Viereckschanze folgen).

Das ehemalige stattliche Wachgebäude des Lagers ist, gründlich modernisiert, als Forst-Stützpunkt in Nutzung („Forlewangenhaus“, benannt nach dem Gewann, auf welchem sich das Lager befand).

In ehem. Lagerbereich selbst sind trotz der dichten Vegetation noch sechs Standorte ehem. Munitionshäuser durch die planierten Flächen im bewegten Waldboden gut auszumachen. Zu jedem dieser Flächen gehörten auch jeweils vier Betonsockel an den vier Ecken, welche sich ca. einen bis zu drei Meter von den planierten Flächen entfernt befinden (nicht alle vier Betonsockel sind heute in dem teils dichten Unterholz, teils von Überresten von Holzfäller- und -rückearbeiten bedeckten Waldboden auszumachen).

In dem Buch von Friedrich und Wein zur LVZ West ist der Munitionsniederlage ein eigenes Kapitel gewidmet. Demnach wurde das Wachgebäude 1940 mit dem Lager errichtet und das Lager bestand demnach aus insgesamt zehn Munitionshäusern. Durch ein dem Artikel beigefügtes Luftbild älteren Datums können die heute nicht oder so gut wie nicht mehr erkennbaren Standorte der restlichen vier Munitionshäuser ausgemacht und zugeordnet werden (siehe auch meine beigefügte Skizze). Nach dem Krieg wurden die Munitionshäusern wegen des Baumaterials abgebrochen.

Zu jeder dieser Flächen gehörten wohl auch jeweils vier würfelförmige Betonfundamente / -sockel an den vier Ecken, welche sich ca. einen Meter von den planierten Flächen entfernt befinden (nicht alle vier Betonsockel sind heute in dem teils dichten Unterholz, teils von Überresten von Holzfäller- und -rückearbeiten bedeckten Waldboden auszumachen). Diese Betonsockel dienten als Fundament für Stahlträger (siehe die entsprechenden Bilder).

Da ich nun kein Spezialist für Bauwerke aus Wehrmachtszeiten bin: kann jemand sagen, wofür diese Sockel gedient haben können ?

Nach Friedrich / Wein kam es 1944 zu weiteren Baumaßnahmen in dem Lager, es wurden mehrere einfache Baracken errichtet. Aber zu dieser Baumaßnahme passen diese Sockel nach meinem Verständnis nicht. Es muss (wiederum nach Friedrich / Wein) noch weitere pyramidenförmige Betonsockel als Fundamente für Stützen dieser Barracken in dem Gelände geben. Diese konnte ich jedoch nicht ausmachen (allerdings ist heute in weiten Bereichen des ehem. Lagers dichteste Vegetation).

Da ich nun kein Spezialist für Bauwerke aus Wehrmachtszeiten bin: kann jemand sagen, wofür diese würfelförmigen Sockel gedient haben können ?

Im folgenden Beitrag sende ich ein paar Bilder.


Viele Grüße
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thomasbreitenbacher
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Ehem. Feldmunitionslager / Munitionsniederlage der Luftverteidigungszone West bei Sulz am Neckar

Beitrag von thomasbreitenbacher » 01.11.2015 18:24

... und nun ein paar Bilder:
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HarmWulf
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Beitrag von HarmWulf » 09.11.2015 09:30

Moin Thomas,

ein interessanter Beitrag,der den Kopf zum Arbeiten anregt.
Feldmunitionslager dienten der Lagerung von Munition zum baldigen Verbrauch. Daher wurde baulich ein wesentlich geringerer Aufwand bei der Erstellung der Lagergebäude getrieben, die Munition mehr oder minder unter freiem Himmel gelagert. In diesem Falle wurden die von Dir beschriebenen Flächen planiert (kannst Du Maße, auch ungefähre, angeben?). Besitzen die Flächen eine Betonsohle? Den Bildern nach halte ich die, ehemals sicher wesentlich längeren, Stahlträger im Vergleich zur Boden- / Lagerfläche für nicht ausreichend, eine Dachkonstruktion zu Tragen. Vermutlich besassen die einzelnen Lagerstapel also nicht einmal ein einfaches Dach. Möglich, dass die Munitionsstapel lediglich mit wetterfesten Planen abgedeckt wurden und die Stahlträger der Befestigung von Tarnnetzen gegen Luftaufklärung dienten. Ob es sich auch um Relikte von Blitzschutzeinrichtungen handeln könnte, vermag ich mangels Erfahrung auf diesem Gebiet nicht zu sagen.


Gruß aus dem Norden,

Olli
Nur wer die Geschichte kennt, kann die Gegenwart verstehen

thomasbreitenbacher
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Beitrag von thomasbreitenbacher » 23.11.2015 06:40

Hallo Olli,

die Grundmaße der Lagerplätze (d.h. die ebenen Flächen zwischen leichten Erdaufschüttungen bzw. Böschungen) umfassten ca. 20 Meter mal 13 Meter. Befestigte Flächen sind heute oberflächlich nicht mehr auszumachen (alles ist mit unterholzartiger Vegetation bzw. jungen Bäumen, nur selten höher gewachsenen Stämmen, überwachsen).
Dieses Fehlen von Resten verwundert nach siebzig Jahren, die seit dem Abbruch der Munitionshäuser vergangen sind, auch nicht. Neben den Betonsockeln und dem Wachgebäude sind nur noch an drei ehem. Lagerplätze Reste von Beton-Durchlässen des Straßengrabens auszumachen.

Es waren offenkundig auch keine offenen Lagerplätze. Dies ist aus dem bereits erwähnten Buch „Die Luftverteidigungszone West“ (Florian Friedrich, Felix Wein, Königsfeld 2010), herauszulesen, welches explizit von „Munitionshäusern“ spricht sowie aus dem auf Seite 156 abgebildeten Luftbild, auf welchem zumindest einige Lagerhäuser gut zu erkennen sind.

Und dieses „gut zu erkennen“ kann vielleicht eine Erklärung der Betonsockel sein (welche übrigens ziemlich tief gründen und unterirdisch viel größer sind als die oberirdischen Sockel – erkennbar an einem durch die Baumwurzel eines umgestürzten Baumes herausgerissenen Sockel): könnten an den Stahlträgern, welchen diese Sockel als Fundament dienten, Tarnnetze oder ähnliches befestigt gewesen sein, welche die Erkennbarkeit der Munitionshäuser aus der Luft erschweren sollten ?

Ich kenne mich mit Wehrmachts-Infrastruktur zu wenig aus, um zu wissen, ob es so etwas gab ?

Viele Grüße, Thomas.

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Schneider-Huetter
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Beitrag von Schneider-Huetter » 12.11.2016 21:31

Hallo zusammen,

durch Zufall stolperte ich gerade über diesen älteren Thread, den ich schändlicherweise übersehen habe, obwohl er mein direktes Interessens- und auch lokales Einzugsgebiet betrifft.

In Spaichingen bei Tuttlingen ist noch eine dieser LVZ-Munitionsniederlagen weitgehend erhalten geblieben (lustigerweise bis auf das Wachgebäude), diese sollte dem Lager bei Sulz sehr ähnlich sein.

Ein paar Bilder von einem Munitionshaus habe ich schon mal in einem anderen Thread gepostet:
http://www.geschichtsspuren.de/forum/mu ... 18521.html

Ein weiteres Munitionshaus (LVZ-Munitionsniederlage Rottweil) ist in folgendem Thread zu sehen (zweiter Beitrag - als "Garage" bezeichnet, da ich es nicht für möglich hielt, dass dort Munition gelagert wurde :shocked:): https://www.geschichtsspuren.de/forum/u ... 16436.html

Von einem "feldmäßigen" Lager kann jedoch keinesfalls die Rede sein (wie Thomas schon ausführte) - auch wenn mich die einfache Bauweise durchaus verblüfft hat (man vergleiche mit den Lager"häusern" der Munas oder den Bunkern, die man von der Bundeswehr kennt). Nach meinem aktuellem Erkenntnisstand sollten von diesen Munitionsniederlagen die umliegenden LVZ-Stellungen versorgt werden. Es ist zumindest auffallend, dass bei LVZ-Stellungen, die sich ganz in der Nähe solcher Niederlagen befanden, offensichtlich keine Munitionsbunker gebaut wurden (im Raum Rottweil ist z.B. kein einziger nachgewiesen).

Falls Interesse besteht, kann ich noch weitere Bilder von Spaichingen einstellen.

Zu den ominösen Sockeln kann ich leider nichts beitragen...

Grüße
Mathias

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