DB-Telefonnetz

Verkehrsgeschichte - Bauwerke der Bahn, U-Bahn, S-Bahn etc.
Benutzeravatar
MikeG
Administrator
Beiträge: 8439
Registriert: 07.05.2002 14:38
Ort/Region: Bispingen
Kontaktdaten:

DB-Telefonnetz

Beitrag von MikeG » 14.05.2004 23:33

Moin!

Nach der Liberalisierung des Telefonmarktes hat ja Arcor (oder wer immer) das Fernsprechnetz der Deutschen Bahn übernommen. Mir geht es aber natürlich um die Zeit davor. Hat irgendwer - vielleicht einer unserer Bahner - Infos zu diesem Fernmeldenetz bzw. weiss eine Quelle/Literatur?

Mike

Benutzeravatar
Eisenbahnfreund
Forenuser
Beiträge: 514
Registriert: 10.06.2002 07:32
Ort/Region: Hamburg

Beitrag von Eisenbahnfreund » 15.05.2004 07:14

Moin Mike,
Du meinst die BASA. Literatur habe ich keine, aber ein kurzes googlen hat schon mal folgendes ergeben.
BASA
Die Bahn-Selbstanschluss-Anlage (BASA) war das betriebsinterne Selbstwähl-Fernsprechnetz der Deutschen Bahn (Reichsbahn / Bundesbahn). Praktisch von jedem Bahnhof und Stellwerk Deutschlands aus konnte ein anderes über das bahneigene Netz angerufen werden. Nach dem öffentlichen Fernsprechnetz der Post war die BASA das zweitgrößte Fernsprechnetz Deutschlands.
Ab 1997 Kooperation von Deutscher Bahn und (Mannesmann-)Arcor als DBKom, die das modernisierte Netz nach der Liberalisierung des Telefonmarktes auch öffentlich zugänglich machte. Seit 2002 wieder hundertprozentig im Besitz der Deutschen Bahn als DB Telematik GmbH. Bei der Bahn wird der Begriff BASA oft noch verwendet, wenn Telefonnummern mit bahninternernen Vorwahlen geschrieben werden.
Besonders interessant waren früher Ferngespräche über die BASA.
Man konnte, falls alle Fernleitungen z.B. von Berlin nach Dresden besetzt waren, einfach zuerst die Leipziger Vorwahl wählen und direkt danach die Dresdener. Im Hörer hörte man dann: "hier Leipzig, hier Leipzig,..." und kurz danach "hier Dresden, hier Dresden,...). Man hätte auch eine Verbindung über "Paris-Rom-Erkner" (Berliner Witz über 'unsinnige Umwege'; Erkner ist ein Berliner Vorort) schalten können. Nur wäre dann, dank der musealen Technik der Reichsbahn, nichts mehr zu hören gewesen. Jedes Amt meldete sich mit Namen oder Morsecode - eine hübsche Sache. So war einem das "Fern" von Ferngespräch viel realer und man konnte besetzte Leitungen umgehen, quasi umwählen. Heutzutage macht das ein digitales Netz von allein (leider ohne darüber zu sprechen).
Quelle: http://www.fernsprecher.de/glossar.htm
MfG
der Eisenbahnfreund

Devon

Beitrag von Devon » 15.05.2004 09:52

Hie rnoch ein kurzer Artikel der Berliner Zeitung vom 29.12.2001 dazu:

Das Nervensystem der Bahn AG

Die Bahn hat ihr eigenes Telekommunikationsgeschäft zurückgekauft. Über ein gemeinsames Unternehmen mit der Vodafone-Tochter Arcor hält die Bahn wieder knapp 50 Prozent an der Telekom-Sparte - mit der Option auf den Erwerb weiterer Anteile. Der Deal war teuer und lässt den Schuldenberg der Bahn weiter wachsen - doch Bahnchef Hartmut Mehdorn hatte keine andere Wahl.

Noch heute ist es ein Rätsel, weshalb der damalige Bahnchef Heinz Dürr Anfang 1997 das 40 000 Kilometer lange Bahn-Telefonnetz verkauft hatte. Denn das Netz ist das zentrale Nervensystem der Bahn. Alle Zugfernleitungen, Stellwerke, Zugbeeinflussungssysteme und die gesamte Unternehmens-Kommunikation laufen darüber. Offenbar ging es Dürr vor allem darum, Kasse zu machen. Dies war jedoch sehr kurzfristig gedacht.

Die Bahn hatte sich mit dem Verkauf stattdessen in eine teure Abhängigkeit begeben. Sie verpflichtete sich, zehn Jahre lang nur über Arcor zu telefonieren - und das just in der Zeit der Liberalisierung des Telefonmarktes, in dessen Folge die Preise anderer Anbieter kräftig gesunken sind. Die jährlichen Telefongebühren der Bahn überstiegen schon bald den einst erzielten Kaufpreis.

Das wäre schon Grund genug gewesen, den Rückkauf in Angriff zu nehmen. Mit der Übernahme von Mannesmann Arcor durch die britische Vodafone wurde die Angelegenheit dann richtig pikant. Vodafone zeigte wenig Interesse am Bahn-Kommunikationsnetz und wollte sich davon trennen. Einer der Kaufinteressenten war ausgerechnet die französische Staatsbahn SNCF. Das Nervensystem der Deutschen Bahn in der Hand eines Wettbewerbers? Das ließ bei der Bahn die Alarmglocken läuten. Selbst wenn Arcor nicht an die Franzosen gegangen, sondern in andere Hände geraten wäre - Mehdorn zog es vor, lieber selbst am Schalthebel seines Unternehmens zu sitzen.

Benutzeravatar
Lacky
Forenuser
Beiträge: 316
Registriert: 27.05.2002 18:41
Ort/Region: Lübeck

Beitrag von Lacky » 15.05.2004 11:30

Moin erstmal!

Das wesentliche ist ja schon geschrieben worden. Aber noch mal ein kleines Detail am Rande:

Die Bundes- und die Reichsbahn waren ja in einzelne Direktionsbezirke unterteilt. Wenn man nun einen Kollegen in einem anderen Direktionsbezirk anrufen wollte, mußte mann zuerst die Vorwahl der Direktion und dann erst die Vorwahl des gewünschten Ortes wählen (für ein Gespräch von Oberammergau nach Lübeck mußte man die Vorwahl von München wählen, dann die von Hamburg und noch die von Lübeck und dann die direkte Nummer des gewünschten Teilnehmers. Das ergab dann die Situation, daß zwei benachbarte Bahnhöfe, die vielleicht nur zwei km auseinander lagen aber zu verschiedenen Direktionen gehörten über einen großen Umweg die Leitung aufbauen mußten. Alle Direktionen hatten (und haben auch heute noch) dreistellige Vorwahlen, die mit einer 9 beginnen, die Vorwahlen von gewöhnlichen Knotenpunkten begannen mit einer 8. Telefongespräche ins "normale" Postnetz waren (und sind auch heute noch) nur von bestimmten Anschlüssen aus möglich.

Mir sind auch Dienstposten bekannt, die noch Anfang der 90er nur über ein Telefon mit Kurbelinduktor verfügten. Diese mußten dann ein bestimmtes Morsezeichen kurbeln und wurden dann über eine Vermittlungsstelle weiterverbunden.

Lacky
Mut ist oft ein Mangel an Einsicht, während Feigheit nicht selten auf guten Informationen beruht - Sir Peter Ustinov

willem
Forenuser
Beiträge: 284
Registriert: 01.03.2003 14:58
Ort/Region: Garstedt

Beitrag von willem » 16.05.2004 23:49

Moin,
jaja,die guten alten"Ackerschnacker"mit der Kurbel.Die gibt es sogar heute noch.Versuch mal,in Tostedt,Lauenbrück,Rothenburgsort usw.(also in Fernsteuerbezirken) den Fdl (abk. für Feind des lokführers) zu erreichen.Wenn man nicht genau die vorgegebenen Kurbelumdrehungen macht,dann steht man morgen noch da.Trotz Computertechnik immer noch:kurz-lang-lang-kurz.
Leidgeprüft
willem

Benutzeravatar
Lacky
Forenuser
Beiträge: 316
Registriert: 27.05.2002 18:41
Ort/Region: Lübeck

Beitrag von Lacky » 17.05.2004 11:14

Moin Willem!

Die heutigen Kurbelapperate haben aber nichts mehr mit dem BASA-Netz zu tun. Diese sind nur an der Streckenleitung angeschlossen, welche die Stellwerke an einer Strecke untereinander verbindet.

Lacky
Mut ist oft ein Mangel an Einsicht, während Feigheit nicht selten auf guten Informationen beruht - Sir Peter Ustinov

Benutzeravatar
MikeG
Administrator
Beiträge: 8439
Registriert: 07.05.2002 14:38
Ort/Region: Bispingen
Kontaktdaten:

Beitrag von MikeG » 17.05.2004 13:43

Moin!

Ich nehme dann mal an, daß besagte Streckenleitung ein Zweidraht ist, an dem die Telefone parallel hängen?

Mike

Benutzeravatar
Lacky
Forenuser
Beiträge: 316
Registriert: 27.05.2002 18:41
Ort/Region: Lübeck

Beitrag von Lacky » 17.05.2004 16:38

Moin Mike!

Die Streckenleitung verbindet zwei Knotenbahnhöfe mit allen dazwischen befindlichen Betriebsstellen miteinander.

Daneben gibt es auch noch die Zugmeldeleitung, die wesentlich wichtiger ist, da hierüber alle betriebswichtigen Gespräche geführt werden. Diese Leitung verbindet nur zwei Fahrdienstleiter-Stellwerke mit den dazwischenliegenden Stellen miteinander, ist also wesentlich kürzer als eine Streckenleitung. Jede Betriebsstelle hat ein eigenes Morsezeichen als Rufcode, nur unbesetzte Stellen wie Streckenfernsprecher an Signalen oder Bahnübergängen haben ein einheitliches Zeichen. Normalerweise ist auf jedem Stellwerk auch ein Rufausscheider installiert, so daß nur die Klingelzeichen durchkommen, die für die entsprechende Stelle relevant sind.

Leider habe ich in meinem vorherigen Posting die beiden Leitungen zusammengelegt, sorry, mein Fehler. :oops: Kommt aber auch daher, daß die Leitungen auf Stellwerken oft auf dem selben Apperat zusammenlaufen und man im ersten Moment nicht unterscheiden kann, woher der Ruf eigentlich kommt.

Lacky
Mut ist oft ein Mangel an Einsicht, während Feigheit nicht selten auf guten Informationen beruht - Sir Peter Ustinov

wkrach

Beitrag von wkrach » 29.05.2004 11:55

Ich habe einen Kumpel bei der Bahn, der auf dem Stellwerk arbeitet, und ich hab mir das mal angesehen:

Es gibt mehrere Telefonleitungen für mehrere Zwecke

1. Das normale Basa-Telefon (heute ISDN-Netz mit einheitlichen Vorwahlen (z.b. 9637 für Rosenheim, 999 für Berlin, 962 für München).

2. die Leitung zur Zü (ich glaub zugüberwachung heisst des, die disponieren z.b. wenn ein zug irgendwo zu spät ist oder irgendwo beiseite gestellt werden muss)

3. die Leitung zum Unterwerk (Umspannwerk), benutzt für Schaltaufgaben

4. Der ZF (Zugfunk), er wird aber irgendwann durch GSM-R (Handys) ersetzt

5. Das Streckentelefon (OB-Apperat mit Morsezeichen als Rufzeichen)

Manchmal gabs auch noch eine OB-Leitung für irgendwelche Notfälle

Ich hoffe das ich das richtig beobachtet habe, denn oft ist das alles in einem Telefon (sog. allfernsprecher) zusammengefasst

Beste grüsse

wkrach

Benutzeravatar
Lacky
Forenuser
Beiträge: 316
Registriert: 27.05.2002 18:41
Ort/Region: Lübeck

Beitrag von Lacky » 29.05.2004 12:01

Och, es gibt sogar noch wesentlich mehr Leitungen, die auf einem Stellwerk zusammenlaufen, haben aber mit dem Basa-Netzt alle nichts zu tun.

Lacky
Mut ist oft ein Mangel an Einsicht, während Feigheit nicht selten auf guten Informationen beruht - Sir Peter Ustinov

Antworten