Bunker in Hamburg-Farmsen

Luftschutzbunker, zivile Bunkeranlagen und Schutzbauwerke des 2. Weltkriegs
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J.P.
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Bunker in Hamburg-Farmsen

Beitrag von J.P. » 25.04.2017 13:16

Also,

keine Ahnung, ob ich im richtigen Unterforum unterwegs bin, aber ich probiere es einmal.

Letztens bei einem Spaziergang fiel mir in Hamburg-Farmsen in der Straße Rönk direkt an der Gabelung zur Straße Buschhägen die unten als Fotos angehängte Struktur auf.
Die Anlage liegt direkt zwischen einem Kleingartenverein und einer kleinen Wohnstraße.

Diese wurde hier bereits von einem User namens Volkiwolf vor einigen Jahren angesprochen, aber nur am Rande eines anderen Themas (Grenzsteine). Ich konnte keine Antwort dafür recherchieren und probiere es daher erneut.

Hier trotzdem mal der Link auf den alten Beitrag:

https://www.geschichtsspuren.de/forum/v ... n&start=30

Als ich die Fotos nahm, kam gleich eine Anwohnerin auf mich zu, der ich wohl verdächtig vorkam.
Auf ihre Frage, was ich hier mache, antwortete ich sofort mit der Gegenfrage nach dieser Struktur.

Die Antwort war, dass das Ganze ein Bunker wäre und schon sehr alt.

Nun, wie ihr euch denken könnt, hat mich das nicht sonderlich erleuchtet, da ich das ebenfalls schon gemutmaßt hatte.

Meine Frage ist also, weiß hier irgendjemand mehr darüber oder kann etwas fachkundigere Mutmaßungen anstellen, als ich dazu in der Lage bin ?

Ich bin ehrlich gesagt nicht einmal sicher, ob es sich um eine oder mehrere Strukturen handelt. Das Ganze ist in einem kleinen Hügel verborgen und überwachsen. Markant ist dieser viereckige "Deckel", den ich so gar nicht deuten kann.

Für jede Hilfe dankbar.
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klaushh
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Luftschutz in Farmsen

Beitrag von klaushh » 25.04.2017 16:02

Moin, moin!

@J.P.
Ja, Du bist hier im richtigen Unterforum gelandet.
Bei dem von Dir beschriebenen Objekt handelt es sich im strengen Sinn der Nomenklatur während des Krieges nicht um einen Bunker, sondern um einen Schutzbau. Trotzdem: der Volksmund spricht von einem Bunker.
Hier ist es ein Deckungsgraben vom Typ A.K.E.60 in gebrochener Linienführung.
Der Bau hat eine Länge von ca. 30 m, eine Breite von ca. 2,80 m und eine Höhe von (ursprünglich) ca. 2,70m. Das Fassungsvermögen lag bei nominell 60 Personen.
Erbaut wurde er von einer Firma namens Harder (wie übrigen viele der Deckungsgräben in der dortigen Gegend Farmsen).
Das Baudatum dürfte nach den Gomorrha-Angriffen 1943, wenn nicht sogar erst Anfang 1944 gelegen haben.
1972 wurde festgestellt, dass eine evtl. Instandsetzung im Rahmen des Grundschutzes wirtschaftlich unvertretbar ist und das BMI verzichtete gem. § 19 Abs. 1 Satz 2 SBauG auf eine Wiederverwendung.
Seit ca. 1991 unterliegt der Bau nur noch dem allgemeinen Baurecht und könnte in diesem Rahmen abgebrochen werden.

Gruß
klaushh
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Djensi
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Beitrag von Djensi » 26.04.2017 10:06

Moin J.P.,

in der Siedlung zwischen den Straßen Neusurenland und Stuhtsweg gibt es auch noch ein paar Schutzbauten, weitgehend ohne Erddeckung, jedenfalls war es vor 3 Jahren noch so. Allerdings lagen die auf Privatgrundstücken und ich habe es dann unterlassen zu fotografieren. Wenn Du die Straße "In den Hörsten" Richtung Norden gehst/fährst, müsstest Du sie entdecken.

Grüße
Djensi

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klaushh
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Deckungsgräben im Ortsteil Farmsen-Berne

Beitrag von klaushh » 26.04.2017 11:42

Moin, moin!

@J.P.
@Djensi
In dem von Euch beiden erwähnten Gebieten "wimmelt(e)" es nur so von Deckungsgräben. Die meisten sind im Laufe der Jahre vermutlich abgebrochen worden.

In J.P.s Gebiet Rönk gab es vier, von denen zwei sicher abgebrochen sind.

In Djensis Gebiet um In de Hörsten gab es sechs Deckungsgräben, die sicher nicht mehr alle existieren.

Also dankbare Aufgabe für den Farmsener J.P., mal auf Suche zu gehen.

Und wenn Du schon dabei bist: in dem Gebiet ostwärts der August Krogmann Str. - Asperort - Meilskamp - Neusurenland (einschl.) gab es 11 weitere Deckungsgräben. Keine Ahnung, wieviele davon noch existieren.Die Deckgr. dieser Gruppe wurden im Frühjahr / Frühsommer 1943 gebaut.

Baufirma in den beiden ersten Gebieten war die bereits erwähnte Firma Harder, im dritten Gebiet war es die Firma Köthenbürger.

Alle erwähnten Deckungsgräben waren von Typ A.K.E.60; manche in gebrochener, andere in gerader Linienführung.

Gruß
klaushh
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J.P.
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Beitrag von J.P. » 01.05.2017 14:59

Also, da mich eine recht hartnäckige Erkältung im Griff hat, bin ich dieses Wochenende leider noch nicht zu größeren Exkursionen gekommen. Lediglich ein kleiner Besuch "In den Hörsten" hat stattgefunden.
Das Erste, was mir auffällt: Ich bin zur falschen Jahreszeit unterwegs. Natürlich habe ich nichts gegen wärmere Temperaturen, aber es ist halt alles zugewachsen.
Das Nächste, was mir auffällt: Mir steht etwas meine eigene Scheu beim Auskundschaften im Wege. Ich achte die Privatsphäre anderer, dadurch fällt es mir nicht so leicht, einfach irgendwo reinzugehen.

Ohne viel Mühe fallen einem jedoch zwei Strukturen in die Augen.

Erst einmal direkt an der Ecke Neusurenland/In den Hörsten mindestens eine, vielleicht sogar zwei Strukturen auf einem verwunschenen Grundstück, welches sehr verlassen aussieht. Leider stark zugewachsen.

Wesentlich schöner ist ein Bunker ein Stück weiter hoch Ecke In den Hörsten / Krumbeksweg. Dort hat die Siedlungsgemeinschaft offenbar ein paar unbebaute Flächen und nutzt diese für eine Gedenkstätte und für einen Spielplatz.

Mehr habe ich dort auf die Schnelle nicht ausmachen können. Wie gesagt, es ist alles derzeit sehr zugewachsen. Allerdings scheinen mir in der ganzen Gegend in den letzten Jahren recht viele Einfamilienhäuser dazu gekommen zu sein, z.T. durch Ersatz alter Strukturen, z.T. durch dichtere Bebauung. Kann also durchaus sein, dass dort nicht mehr viel zu finden ist.

Ausflug in der Gegend um Neusurenland wird fortgesetzt ...
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Beitrag von klaushh » 01.05.2017 17:30

Moin, moin!

@J.P.
Die wichtigste Aussage in Deiner Mail ist die, dass die Jahreszeit für solche Suche zu spät ist!Richtig lohnende Entdeckungsreisen werden wohl erst wieder im Herbst nach dem Laubfall möglich sein.

Schließlich muß ich meine pauschalierten Aussagen in meinem Beitrag vom 26.4. teilweise relativieren und berichtigen.

Bei den heute von J.P. erwähnten Schutzanlagen handelt es sich nicht um Typbauten, schon garnicht um den Typ A.K.E.60. Vielmehr sind es "typenlose" Bauten.
An beiden Stellen (Ecke Neusurenland / In de Hörsten und In de Hörsten geg. Krumbecksweg) standen ursprünglich je zwei Bauwerke.
Mit den Erdarbeiten für die ersteren wurde am 26.11.12.41 begonnen, die Betonarbeiten am 10.9.42 beendet und am 15.10.42 wurden sie "vorläufig in Benutzung" genommen
Die Erdarbeiten für das zweite Paar begannen am 15.12.41, betonfertig waren sie am 10.11.42 und "vorläufig in Benutzung" genommen wurden sie ebenfalls am 15.12.42.
Die Baukosten je Einzelanlage beliefen sich auf 9.000 RM.
Baufirma war eine Argru Oberelbe, ein Konsortium aus mehreren Einzelfirmen.

Gruß
klaushh
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