alter Flugplatz Langeoog

Fliegerhorste, Feldflugplätze, Einsatzhäfen und E-Stellen der Luftwaffe und andere, zugehörige Infrastruktur
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Helmholtz
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alter Flugplatz Langeoog

Beitrag von Helmholtz » 26.12.2009 17:56

Hallo!


Ich habe auf Google Earth einen alten Flugplatz auf Langeoog "entdeckt".

Leider findet sich im Netz nicht wirklich viel darüber, lediglich daß die gekreuzten Landebahnen von den Briten gesprengt wurden und sich jetzt das sogenannte "Wäldchen", ein kleines Erholungsgebiet dort befindet.

Wer hat Infos darüber, vor allem über die dort stationierten Einheiten und Flugzeugtypen?!

Da ein Freund morgen dorthinreist kann ich ihn gerne um aktuelle Fotos bitten.




:-)
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aflubing
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Beitrag von aflubing » 26.12.2009 18:13

Hallo Helmholtz,
tolle "Entdeckung" - Langeoog hatte keine befestigten SLBen.
Dein Freundt kann sich ja bei seinem Besuch auf der Insel schlau fragen.
MfG aflubing.

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redsea
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Beitrag von redsea » 26.12.2009 18:31

Hallo Helmholtz,

für Details muß ich mal in meinen alten Fotokisten stöbern. Aber vorweg schon mal folgende Informationen:

Auf Langeoog gab es den von Dir genannten Flughafen II. Ordnung, darüber hinaus noch eine Grasnabe und einen Scheinflugplatz weiter östlich im Bereich Große Schloop / Hellerwiesen.

Das Gebiet des ehem. Flugplatzes wird von den Insulanern wie Du schon schreibst als Wäldchen bezeichnet. Als Erholungsgebiet würde ich es allerdings nicht bezeichnen. Der Ring nebst Abstellflächen bestand aus großen Betonplatten, die von den Briten zick-zack-förmig gesprengt wurden. Der Ring läßt sich mit Fahrrädern also slalommäßig befahren, was als Kind immer einen mords Gaudi machte. Das Wäldchen selbst ist mit Dornengestrüpp völlig zugewuchert und läßt sich nur auf dem Kreuz der ehem. Landebahnen durchqueren. Im nördlichen Bereich des Rings befinden sich an den alten Abstellflächen sogenannte Ranchen, die Schrebergärten der Insulaner. Daran nördlich anschließend befinden sich die alten Soldatenhäuser und östlich davon auch noch ein paar Kasernengebäude wie z.B. die Kommandantur, die später als Schule genutzt wurde. Ob die heute jedoch noch steht kann ich nicht sagen, sie muß so vor gut 10 Jahren geschlossen worden sein und stand lange Zeit leer.

Ob es sich lohnt dort Fotos zu machen, hängt vom jeweiligen persönlichen Interessenschwerpunkt ab, denn neben den oben beschriebenen Einrichtungen und Resten gibt es sonst nichts weiter zu sehen.

Viele Grüße

redsea

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Beitrag von redsea » 26.12.2009 18:54

... und hier noch ein kurzer geschichtlicher Abriss:

1937 Baubeginn für den Ausbau von Hafen und Flughafen für militärische Zwecke
1941 Vollendung des Hafens
1946 Sprengung der Betonstraßen, Bunker und Aufpflügen der Landeflächen des einstigen Rollfeldes
1949 Beginn der Aufforstung auf dem früheren Rollfeld

Quelle: 150 Jahre Nordseeheilbad Langeoog - Kurverwaltung Langeoog

Grüße redsea

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Helmholtz
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Beitrag von Helmholtz » 26.12.2009 21:02

Danke erstmal!


Mal sehen ob man noch rausbekommen kann wer und was dort stationiert war...

Dachte mir doch, daß die Bahnen dort in irgendeiner Form befestigt sein mußten, bei dem Google Earth Bild.


Was ich mich allerdings frage, warum man einen Flugplatz dieser Art auf eine Insel baut und nicht aufs nahe gelegene Festland.

Wäre doch alles um einiges einfacher gewesen.


:?

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zulufox
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Beitrag von zulufox » 26.12.2009 22:48

Hier fliegt mal wieder alles so herrlich durcheinander:

Zunächst einmal gab es in Langeoog einen zivilen Flughafen II. Ordnung.
Der befand sich südlich des heutigen Verkehrslandeplatzes EDWL ostwärts der Hafenstraße

Dann wurde, wie schon angegeben, der Einsatzhafen Land und See Langeoog (militärisch) gebaut (dazu gab es ein gut recherchiertes Heft: Langeoog, Chronik einer ostfriesischen Insel von Ingo Obstfeld. )

Das Rollfeld war aufgespült worden, hatte außer dem umlaufenden, fas überalle doppelten Rollweg keine Startbahnen.

Der Bau zog sich hin, deshalb hatte der Platz auch nur eine geringe Bedeutung
Juli bis Anfang September 1941 waren dort Jäger stationiert
Von Oktober 1943 bis Herbst 1944 die Ergänzungsstaffel der Minensuchgruppe (Ju 52 3m/MS)

Sonstige Geschichte wie geschildert.
Friedrich Hebbel: Tagebücher:
"Es gibt nur eine Sünde, die gegen die Menschheit mit allen ihren Geschlechtern begangen werden kann, und dies ist die Verfälschung der Geschichte."

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Beitrag von redsea » 26.12.2009 23:38

redsea hat geschrieben:(...)Daran nördlich anschließend befinden sich die alten Soldatenhäuser und östlich davon auch noch ein paar Kasernengebäude wie z.B. die Kommandantur, die später als Schule genutzt wurde. Ob die heute jedoch noch steht kann ich nicht sagen, sie muß so vor gut 10 Jahren geschlossen worden sein und stand lange Zeit leer. (...)

Hallo Helmholtz,

in vorgenanntem Punkt muß ich mich leider korrigieren, denn das geschichtsträchtige Wehrmachtsgebäude ist am 13. Mai diesen Jahres von zwei jungen Männern angezündet worden und brannte bis auf die Grundmauern nieder: Foto

Nach einem Bericht des General-Anzeigers in Rhauderfehn konnten die Verursacher des Feuers im ehemaligen Wehrmachts-Verwaltungsgebäude und späteren Internats auf Langeoog ermittelt werden. Wie auf der Luftaufnahme des ausgebrannten Gebäudes gut zu erkennen ist, hat das Gebäude die Grundform eines Hakenkreuzflügels. Ursprünglich sollte das Gebäude als vollständiges Hakenkreuz gebaut werden. Warum der zweite Flügel nicht gebaut wurde, der die vorhandene Achse in deren Mitte im 90-Gradwinkel durchschnitten hätte, ist unklar.
Quelle: Langeooger Geschichtswerkstatt

Artikel in Weser-Ems.business-on.de


@zf

Danke für Deine Ergänzungen, ich hatte schon erwartet, dass Du dieses Thema mit mehr Leben füllst. ;)

Bzgl. der betonierten Rollwege, im Norden und Süden doppelt angelegt, sind wir uns ja einig. Die Startbahnen kenne ich jedoch nur als befestigte, kreuzförmig angelegte, die später von den Briten umgepflügt wurden, weshalb es dort auch keinen Bewuchs gibt, da sich dieser Boden nicht aufforsten ließ. Auch vor Ort ergibt sich dieser Eindruck. So kenne ich es zumindest.

Der Bau zog sich so lange hin, weil zunächst nur Luftwaffesoldaten eingesetzt wurden und nur nach und nach holländische Arbeitskräfte auf die Insel geholt wurden.

Die ersten Jäger wurden bereits 1940 nach Langeoog verlegt. Die erste Staffel kam mit sieben ME 109 am 21.02.1940 nach Langeoog.

Erwähnenswert ist auch noch, dass der Flugplatz nur sehr wenig und zu dem unbedeutende Treffer erhielt, da die überwiegende Anzahl an Angriffen auf den Scheinflugplatz gerichtet war.

Viele Grüße

redsea

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Beitrag von Helmholtz » 27.12.2009 11:13

Danke der Aufklärung!


Keine befestigten Bahnen, sah auf GE zuerst anders aus weil es dort einen Bereich mit typischer, anderer Vergetation gibt.

(der gekreuzte Bereich in dem man offenbar das "Wäldchen" durchqueren kann)

:-)

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Beitrag von zulufox » 27.12.2009 14:29

Hallo Helmholtz,

ich habe mir gerade mal alte Luftbilder vom Platz Langeoog angeschaut:

a) die waren da Anfang 1945 immer noch am Basteln
b) dein Kumpel kann ja bei der .kmz mal graben, vielleicht holt er noch die Kompensierscheibe raus.
c) das Rollfeld wurde auf aufgespültem Land angelegt und im Gegensatz zu z.B. Tarnewitz hat es keine Bitumenoberfläche bekommen, deshalb scheint es noch ziemlich lange ziemlich nass gewesen zu sein.

Fröhliches Suchen

Zf :holy:

@redsea: Weißt du, welche Staffel schon am 21.02.1940 dort hingekommen sein soll?
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Beitrag von Helmholtz » 27.12.2009 14:39

Ob ich den noch erreiche... der ist schon auf der Autobahn!

Mit dem buddeln dürfte schwierig werden, der hat ein 6 Monate altes Kind und seine Frau mit... :mrgreen: Sie verstehen...


Trotzdem danke für die ganzen Infos!

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