Abschaltung der privaten Telefonanschlüsse im V-Fall?

Militärische und militärisch (mit)genutzte Fernmeldeanlagen und -einrichtungen, Netze und Infrastruktur (ohne ELOKA)
Herr Auer
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Beitrag von Herr Auer » 04.11.2009 09:09

Moin !
Wie bereits gesagt, ein Teil der Leitungen wäre auf das Warnnetz umgelegt worden und
genau daraus hätten gewisse Engpässe resultiert.
Sicherlich wäre es zusätzlich noch von der Mitteilungsfreude der verängstigten
Bevölkerung abhängig gewesen, ob, wo und wie stark die Engpässe gewesen wären.
Dann hätte man ein sogenanntes "Gassenbesetzt" gekommen.
Ich werde mal mit dem anerkannten Warndienstexperten Herrn Lippski sprechen.....
Meldung folgt !
Gruß nochmal aus HH
Hamburg von unten : www.unter-hamburg.de

Spacehawk
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Beitrag von Spacehawk » 04.11.2009 13:15

Am TS-Gestell vor dem 1. GW konnten die TS´en über einen verplompten Schalter abgeschaltet werden ...
So war abgehend kein Verbindungsaufbau mehr möglich ( EMD-Technik )

Ich werde mal schauen, ob ich noch ein Schaltbild mit dem Schalter finde ....

Habe irgendwo noch nen AO/AS-1.GW Teppich rumliegen !

kahagee
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Beitrag von kahagee » 04.11.2009 20:11

Hallo,
Am TS-Gestell vor dem 1. GW konnten die TS´en über einen verplompten Schalter abgeschaltet werden ...
Das ist der sogenannte Katastrophenschutzschalter.
Dann hätte man ein sogenanntes "Gassenbesetzt" gekommen.
Das wäre dann durch die Katastrophenschutzschaltung vermieden worden.

Gruß
KHG

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VitaminB11
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Beitrag von VitaminB11 » 04.11.2009 20:55

Das mit dem einen Schalter am Gestell kann ich nicht bestätigen (dafür war ich auch nur für ein paar Wochen Praktikant bei der seinerzeit grauen Post). Allerdings hatten einige Anschlüsse am Gestell eine farbige Markierung, und dazu wurde uns gesagt, dass diese Anschlüsse im Krisenfall NICHT auf nur-ankommend geschaltet würden.

Zum Mobilfunk:
Bei UMTS ist das in der Technical Specification 3GPP TS22.011 geregelt (zitiert z.B: http://www.priorartdatabase.com/IPCOM/000131881/ ). Die Spec selbst kriegt man wohl nur, wenn man (selber oder die Firma) dafür gezahlt hat. Jedenfalls gibt es 15 access classes:

0 - 9 : alle "gewöhnlichen Teilnehmer", bei Einbuchen ins Netz zufällig zugeordnet. Bei hoher Last kann der Betreiber einen Kreis der Klassen 0 - 9 aussperren. Dabei sagt der Betreiber nur, *wieviele* dieser Klassen gesperrt werden sollen. Welche das zu einer gegebenen Zeit sind, wird per Zufallsgenerator ausgewählt und zeitlich durchrotiert.
10: "gewöhnlicher Teilnehmer", der aber einen Notruf absetzen will
11 - 15: Sonderdienste in aufsteigender Reihenfolge, ganz oben der Betreiber selbst -- ohne den läuft das ganze Netz nicht.

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turul
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Beitrag von turul » 05.11.2009 19:29

eclipse hat geschrieben:Hallo,

das Abschalten "privater" Telefonanschlüsse halte ich sogar für abwegig.

Über "Anschaltpunkte" und "Hausanschlusspunkte" (nagelt mich jetzt bitte nicht auf die genauen Begriffe fest, es geht um die grossen grauen Kästen am Straßenrand und die kleinen grauen Pilzchen an den Häusern, jeweils mit Posthörnchen drauf) hätte sich z.B. die Bundeswehr oder andere Organisationen aufgeschaltet. Dafür gabs ja den OB/ZB mit Wählscheibe oder die 10er Vermittlungen. Selbst mit einem OB/ZB ohne Wählscheibe konnte man mit etwas Übung dank dem damals üblichen Pulswählverwahren Verbindungen herstellen ;)
Dabei wären die zugehörigen Privat- oder Firmenanschlüsse stillgelegt worden.
Private Anschlüsse wären im V-Fall im großen Umfang stillgelegt worden. Für Anschlüsse, die von der Bundeswehr weitergenutzt werden sollten, musste die Aufnahme in die sog. "Sperrausschlussliste" beantragt werden. Zuständig dafür waren die Wehrbereichsfernmeldeführer bzw. die ihnen nachgeordneten Bereichsfernmeldeführer in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Dienststellen der Bundespost. Einzelheiten dazu waren u.a. in den Anlagen zu den Alarmkalendern sowie in der "Besonderen Anweisung für das Fernmeldewesen Nr. 3: Anforderungen von Leitungen der deutschen Bundespost (BesAnFmBw 3)" geregelt.
Diese Form der Nutzung privater Anschlüsse war z.B. häufig für die Mobilmachungsstationierung vorgesehen.

Die "grossen Kästen" am Straßenrand müssen nicht zwingend Anschaltpunkte für private Leitungen gewesen sein. Die Bundeswehr hatte bereits in Friedenszeiten ein Netz von eigenen Leitungsbündeln von der Post ermietet. Diese Leitungen wurden auf "Anschaltkästen" (AK) geschaltet. Dabei gab es AK 65 mit bis zu 50 Leitungen unterschiedlicher Art, AK 62 mit 20 Zweidrahtleitungen und AK 60 mit 5 Zweidrahtleitungen. AK 65 waren z.B. große Kästen, ähnlich denen der Post.
AK 65 lagen häufig in der Nähe von geplanten Gefechtsständen der Großverbände, AK 62 in Verfügungsräumen z.B. für den Gewässerübergang am Rhein usw. und AK 20 z.B. an Verkehrsknotenpunkten außerhalb von Ortschaften, die während des Aufmarsches oder der Folgebewegungen als Verkehrsleitpunkte oder Verkehrsleitstellen der Feldjäger eingeplant waren.
Dieses Verkehrsfernmeldenetz sah aber auch die Nutzung nicht stillgelegter Privatanschlüsse vor, was dann wiederum über die erwähnte Sperrausschlussliste beantragt werden musste (Quelle dazu: Besondere Anweisung für das Fernmeldewesen der Bundeswehr Nr. 20: Das Verkehrsfernmeldenezt)
Zuletzt geändert von turul am 05.11.2009 20:20, insgesamt 1-mal geändert.

Teefix
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Katastrophenschutzschalter

Beitrag von Teefix » 05.11.2009 20:15

Gibt es von dem Katastrophenschutzschalter eigentlich irgendwo ein Foto oder hat jemand ein??? Würde mich mal interessieren wie der aussieht.

Danke im voraus :!: :!: :!:

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VitaminB11
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Beitrag von VitaminB11 » 05.11.2009 21:21

[Nachtrag zu UMTS -- bevor es einer merkt - es sind natürlich 16 access classes, durchgezählt von 0 bis 15 ]

StoMunNdlg

Beitrag von StoMunNdlg » 05.11.2009 21:44

Zu den UMTS access classes könnte man auch einfach Prioritäten sagen. Einige "Anschlüsse" haben einfach eine höhere Priorität (Technisch gesehen) als andere.

Gleiches gilt ebenso für sämtlichen Datenverkehr wie Internet ect. . Da ein großteil des Telefonnetzes im Vermittlungsbereich ebenfalls Digitalisiert ist, wird es dort vermutlich ähnlich sein - ich glaube man nennt das ganze sogar Prioritätsbit. Läuft also rein Technisch ab (Programmiert).

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Olli_B
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Beitrag von Olli_B » 05.11.2009 22:17

Moin,

als ich zu meiner Schulzeit (vor ca. 25 Jahren), im Rahmen eines Projektes, die örtliche Vermittlung besichtigt habe, sind mir an den Gestellen für die EMD´s veschiedene Steckfahnen aufgefallen. Auf die Frage wofür die gut seien wollte der Zuständiege keine Antwort geben. Er sagte jedoch das das nichts mit gesperrten Leitungen zu tuen habe.
Ich könnte mir evtl. vorstellen das es auch was damit zu tuen hat, zumal das Warnamt zu der Zeit auch noch aktiv war.

Gruß

Olaf

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jobakampe
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Auch in der DDR Abschaltungen

Beitrag von jobakampe » 03.06.2013 16:09

Abschaltung von Telefonanschlüssen im Verteidigungsfall waren auch in der DDR vorgesehen. Die Handlungen und Vorbereitungen standen im Zusammenhang mit der gedeckten nachrichtentechnischen Vorbereitung des Territoriums. In jedem Bezirk der DDR gab es eine AG (Arbeitsgruppe) Nachrichten (Fernmelde-). Dieser gehörten an:
Leiter Nachrichten des Wehrbezirkskommandos (als Leiter),
Chef der Bezirksdirektion der Deutschen Post,
Chef Fernmeldewesen der Bezirksleitung der Partei,
Chef Fernmeldewesen des Rates des Bezirkes,
Leiter Nachrichten der Bezirksbehörde der Deutschen Volkspolizei,
Leiter Nachrichten der Bezirksverwaltung MfS,
Leiter Nachrichten der Zivilverteidigung,
um die wichtigsten Dienststellungen zu nennen.

Die AG's hielten in den Bezirken ein Schaltprogramm vor, welches die abzuschaltenden Anschlüsse und Leitungen beinhaltete. Gleichzeitig enthielt es die neu zu schaltenden Leitungen und Wähler. In der Regel umfassten diese Programme rd. 300 Schalthandlungen je Bezirk.
Neu zu schaltende Leitungen waren vorrangig gedacht für Führungsstellen, Sammelräume von Truppen, Anschlüsse an Marschstraßen, Meldepunkte usw..

mfG

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