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Truppenübungsplatz und Flüchtlingslager Oksböl - gestern, heute und morgen

Geschrieben von: Godeke Klinge   

Turm im Lager OksbölAn der dänischen Westküste nordwestlich von Esbjerg existierte am Ende des Zweiten Weltkriegs für einige Jahre eines der größten mit Deutschen belegten Flüchtlingslager. Nur wenige Kilometer von der Nordseeküste entfernt bewohnten ab 1945 in Spitzenzeiten über 35.000 Menschen auf dem Gelände eines Militärlagers der ehemaligen deutschen Wehrmacht quasi eine eigene Stadt.  Wie es dazu kam, was dort geschah und welche Auswirkungen dieses Phänomen hatte, will der folgende Aufsatz untersuchen – und einen Blick in die Zukunft werfen, denn durch die Aktivitäten einer dänischen Kulturinitiative des Vardemuseums zeichnet sich die Möglichkeit einer interessanten Zukunft für die Anlage ab.

1. Die Entstehung des Truppenübungsplatzes Oksböl-Lager 1929 - 1940

In den späten 20er Jahren entschloss sich das dänische Heer, für seine Artillerie neue Geschütze aus Frankreich zu beschaffen. Damit einher ging die Suche nach einem Schießgelände, denn die bisherigen Schießbahnen waren für die neuen Kaliber mit ihrer größeren Reichweite nicht mehr ausreichend. Die Suche endete schließlich im Ort Oksböl, einem kleinen Dorf mit Eisenbahnanschluss ca. 30 km nordwestlich von Esbjerg. Das Gelände erfüllte alle Anforderungen: es war bis auf einige kleine Häusergruppen fast menschenleer, es grenzte im Westen an das offene Meer und bestand praktisch nur aus leichten Bodenwellen, den Ausläufern der Sanddünen am Strandstreifen und einem anschließenden Heidegebiet mit Kiefernwäldchen. Ab Frühjahr 1929 entstand am südlichen Ufer des Praestesees einige km außerhalb des Ortes in Zelten und Baracken das ‚Oksböl-Lager’ als Stützpunkt der übenden dänischen Artillerie-Truppe. Im September 1929 wurde der Schießbetrieb aufgenommen. Im Übungsgelände wurde auf einem Dünenhügel ein befestigter Artillerieziel-Beobachtungsstand mit Holzturm gebaut, der auch als Waldbrand-Wachturm diente. In den 30er Jahren übten dort dann auch Dragoner-Einheiten (berittene Infanteristen), außerdem wurden östlich des Lagers im Wald bei Vrogum Gasballons für die Ausbildung von Artilleriebeobachtern stationiert. So wuchs auf dem Areal bis zum Beginn des 2. Weltkriegs der größte Truppenübungsplatz des Landes auf.


 2. Oksböl-Lager als deutscher Militärstützpunkt im besetzten Dänemark 1940 - 1945

Am 9.4.1940 wurde Dänemark von der deutschen Wehrmacht überfallen (Unternehmen ‚Weserübung’). Übergeordnetes Ziel dieses Feldzugs war vorrangig die Besetzung Norwegens, das mit Narvik über einen wichtigen Hafen zur Verschiffung schwedischen Eisenerzes verfügte, der auf keinen Fall in englische Hände fallen sollte.

Das große Übungsgebiet an der Nordsee fand dann schnell das Interesse der Besatzer, passte es doch gut in das militärisch-politische Konzept, das dem nördlichen Königreich für die nächsten Jahre zugedacht war. Dänemark sollte

  • Ausbildungsgebiet für neu aufzustellenden Einheiten sein (Ost-Feldzug ab 1941)
  • die Brücke nach Norwegen bilden (Eisenbahn, Marinehäfen, Flugplätze)
  • ein Teil des großen Atlantikwalls werden (ab 1942)
  • Genesungsgebiet für verwundete deutsche Soldaten und Urlaubsgebiet sein
  • als Lieferant von Lebensmitteln und Arbeitskräften für das Deutsche Reich dienen

Die Militärbehörden verhandelten mit den Dänen über den Bau eines großen Lagers westlich Oksböls in der ‚Al Plantage’, einem großen Kiefernwald und begannen im Frühjahr 1941 mit dem Bau eines mehrere qkm großen Baracken-Lagers, das am Ende ca. 12.000 – 15.000 Soldaten und bis zu 3.600 Pferde aufnehmen konnte. Praktisch hätte man hier eine ganze Division unterbringen und versorgen können.
Aufgrund des Besatzungsstatuts blieben die demobilisierten dänischen Truppen noch bis Herbst 1942 in ihren Unterkünften in Oksböl, dann mussten sie aufgrund der steigenden Widerstandstätigkeit ihre Standorte in Jütland räumen.

Das neue Lager -zuerst wurde der südliche, dann der nördliche Bereich gebaut- entstand nach einem einfachen Plan: von der Hauptwache aus führte die ‚Hauptstraße’ an der Verwaltung vorbei ungefähr von Ost nach West, nördlich davon entstanden die Parallelstraßen ‚Nordstraße 1’ - ‚Nordstraße 4’, südlich entsprechend die ‚Südstraßen 1 – 4’. Nun wurde das gesamte Areal immer in Nord-Süd-Richtung mit sog. ‚Querstraßen’ (1 - 17) gegliedert, dadurch entstanden ca. 20 ‚Blöcke’, die alphabetisch durchgezählt wurden. Der ‚Block’ war also das zentrale Element dieses Lagers. Er bestand in der Regel aus 9 genormten Unterkunftsbaracken sowie jeweils 1 Küchen- und Speisesaal-Baracke. So ausgestattet war der ‚Block’ geeignet, ein Bataillon aufzunehmen. Die ca. 70 Pferdestall-Gebäude entstanden ebenfalls meist blockweise in den Randbereichen. Dazu kamen natürlich noch alle logistisch notwendigen Einrichtungen im Lager bzw. an den Randbereichen, die für den reibungslosen Betrieb notwendig waren: ein eigenes Wasserwerk, ein Elektrizitäts- und ein Klärwerk, 2 Lazarette mit Ärzte- und Schwesternhäusern, Kasernenkommandant, Bauverwaltung, Kino/Theater, Friedhof, ein Scheibenhof für die militärische Zieldarstellung sowie am Praestesee eine Munitionsniederlage. Außerdem entstanden ein Technischer Bereich mit Garagen und Werkstätten, Arrest, Wäscherei, Badeanstalt, Friedhof und Telefonzentrale. Dazu gab es noch einen Offizierswohnbereich mit eigenem Casino.
Eingefriedet war das gesamte Objekt schließlich mit einem ca. 10 km langen Stacheldrahtzaum, einer Hauptwache und 6 Wachtürmen. Dänen hatten nur als Zivilarbeiter z.B. in den Kantinen oder Werkstätten Zutritt. Ab 1942 wurde ein Flak-Bataillon mit 14 Geschützen vom Kaliber 8,8 cm nach Oksböl verlegt. Die 3 Batterien gingen in der Nähe des Lagers in Stellung, um den Schutz der Liegenschaft und des Bahnhofs zu gewährleisten. Die Flak-Einheit diente außerdem der Ausbildung von neuen Flaksoldaten.
Ergänzt wurde der Gesamtkomplex schließlich durch ein Heeresverpflegungsamt mit Bäckerei und ein Kohlenlager. Beide Einrichtungen entstanden außerhalb des Lagers am Bahnhof von Oksböl. Der Bahnhof wurde ausgebaut, es wurden mehrere Rangier- und Ausweichgeleise sowie eine lange Seiten- und eine Kopframpe zum Entladen der Waggons gebaut. Von diesem Außenbereich führte eine ca. 8 km lange Feldbahn in und durch das Lager.
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass praktisch alle Bauten in Holzbauweise entstanden, in der Regel als typische Wohnbaracke bzw. als Pferdestall Eine Ausnahme bildeten die Kommandantur, das sich im nördlichen Bereich befindende ‚Lazarett A’; im Süden das ‚Lazarett B’ sowie 2 Lagerhäuser des Heeresverpflegungsamtes am Bahnhof, die als Steingebäude in landestypischer Art ebenerdig ausgeführt wurden sowie das Theater zur Truppenbetreuung.

Das Oksböl-Lager diente der Wehrmacht ebenfalls als Artillerie-Schießplatz. Viele Einheiten waren damals noch pferdebespannt. Es fanden Verbandsübungen wie Bataillonsschießen statt. Es ist aber auch bekannt, dass dort die Panzertruppe und Infanterieeinheiten übten, Kraftfahrer ausgebildet wurden sowie Scharfschützen-Lehrgänge stattfanden. Die Einheiten wechselten ständig und blieben vielleicht nur einigen Wochen oder Monate auf dem Gelände. In der Masse wurden dort Verbände für die Ostfront ausgebildet, aber auch die Sicherungstruppen in Dänemark hatten hier Übungsplatzaufenthalte. Schließlich diente das Lager auch der Aufstellung und Ausbildung von neuen Ersatzeinheiten.
Der ursprüngliche Übungsplatz, der sich direkt westlich an das Lager anschloss, wurde ab 1941 durch Zukauf noch einmal wesentlich vergrößert. Als Generalfeldmarschall Rommel, seit 1.12.1943 verantwortlicher oberster Militärführer für den Ausbau des Atlantikwalls in Europa, die dänische Westküste besuchte, wurde auch der Einbezug des Lagers Oksböl in die Gesamt-Verteidigungsplanungen angeordnet. So entstanden 1944 in der Nähe 4 neue Heeresküstenbatterien: Oksby (15,0 cm), Vrogum (10,5 cm), Borsmose (12,2 cm) und Dyreby (12,2 cm) sowie wenige km südlich des Platzes die Batterie ‚Tirpitz’ mit 2 Doppelgeschützen vom Kaliber 38,0 cm, deren Ausbau aber bis Kriegsande nicht mehr fertig gestellt werden konnte.
Bis in den Winter 1944/45 verlief der Betrieb im Oksböl-Lager gemäß den militärischen Abläufen, doch dann begann ein neues Kapitel im Kiefern- und Heidegebiet an der Nordseeküste.


 3. Oksböl-Lager als Aufnahmeort für Ost-Flüchtlinge 1945 - 1948

Der Rückzug der deutschen Wehrmacht an der Ostfront war im Oktober 1944 vorübergehend zur Ruhe gekommen, da die russischen Truppen ihren Vormarsch an den Grenzen des Reiches eingestellt hatten. Es war klar, dass dort Einheiten umgruppiert und Reserven herangeführt wurden. Aus ideologischen Gründen ließ die deutsche politische Führung die Zeit ungenutzt, die Zivilbevölkerung aus den gefährdeten Gebieten Ostpreußens und Pommerns geordnet nach Westen zu bringen. Die NSDAP-Gauleiter verfügten ein striktes Evakuierungsverbot. Als die russische Offensive am 13.1.1945 mit mehreren Armeegruppen begann, war es für viele Zivilisten zu spät. Die Umstände, in eine militärische Offensive zu geraten und gleichzeitig äußerst harten Witterungsverhältnissen ausgesetzt zu sein, forderten immens viele Opfer. Geschätzt 10 - 12 Millionen Menschen flüchteten Hals über Kopf mit Zügen, zu Fuß, auf Kutschen oder Schlitten nach Westen bzw. in die Ostsee-Häfen, um von dort auf ein rettendes Schiff zu gelangen.

Im Westen des Deutschen Reichs wuchs schnell der Druck, die Flüchtlinge unterbringen und ernähren zu müssen. Sie wurden in Schulen und Kasernen, in öffentlichen Gebäuden, auf Bauernhöfen und bei Privatpersonen einquartiert.
Am 4.2.1945 ordnete Hitler an, Flüchtlinge auch im besetzten Dänemark unterzubringen. Innerhalb weniger Tage danach erreichten die ersten Schiffe dänische Häfen, zumeist ging der Flüchtlingsstrom über Kopenhagen. Die insgesamt ca. 240.000 Flüchtlinge mussten innerhalb weniger Monate im ganzen Land in Schulen, Versammlungshäusern, Hotels, Sporthallen und deutschen Militäreinrichtungen untergebracht werden. Im Ganzen waren es über 1.1000 Unterkünfte unterschiedlicher Größe. Am 5.5.1945 kapitulierten die deutschen Truppen bei Lüneburg vor dem britischen Oberbefehlshaber Montgomery. Schon mit Beginn der russischen Offensive waren viele deutschen Truppenteile aus Dänemark in die Kampfgebiete verlegt worden, nach der Kapitulation bewegten sich noch einmal ca. 200.000 Soldaten in britische Gefangenschaft und wurden in bestimmten Sammelgebieten in Schleswig-Holstein interniert; im Laufe des Sommers folgten ihnen noch einmal ca. 100.000 genesene Verwundete.


 Am 8.2.1945 erreichte den Lagerkommandanten in Oksböl der Befehl, die Einquartierung von Flüchtlingen vorzubereiten, am 21.2. trafen die ersten 2.000 Menschen ein. Bei der Kapitulation im Mai waren es dann schon ca. 10.500. Nach einer kurzen Übergangsphase wurde dann das Oksböl-Lager als Flüchtlingseinrichtung ab 1.6.1945 unter dänische Leitung gestellt. Intern entstand eine deutsche Selbstverwaltung mit Bürgermeister und einer Kommunalverwaltung, die das Leben innerhalb des Lagerareals organisieren sollte. Im Buch von Ipsen (s.u.) befindet sich eine ausführliche interessante Darstellung des Lageralltags. Allerdings hielt die Planung mit der realen Entwicklung nicht mit: im Herbst waren es schon 20.000, am Jahresende dann 36.000 Flüchtlinge, die in Oksböl irgendwie untergebracht und ernährt werden mussten. Damit wurde Oksböl für kurze Zeit sogar zur fünftgrößten Stadt Dänemarks. Die schnell steigenden Belegungszahlen begründeten sich dadurch, dass die Dänen möglichst schnell ihre Schulen und kulturellen Einrichtungen wieder zur eigenen Verfügung haben und die deutschen Flüchtlinge in wenigen großen Einrichtungen zusammenziehen wollten, auch um die Versorgungslage und den Bewachungsaufwand zu vereinfachen. 

Neben der Unterbringung waren die dänischen Behörden auch für die Ernährung der Flüchtlinge, deren gesundheitliche Vorsorge, die Beschulung –allein in Oksböl gab es über 10.000 schulpflichtige Kinder- sowie viele andere soziokulturelle Leistungen verantwortlich. Angesichts dieser Aufgaben und der hohen Kosten verwundert es nicht, dass die dänische Regierung versuchte, das Problem möglichst schnell ’loszuwerden’.
Allerdings untersagten die alliierten Besatzungsmächte in Deutschland strikt eine Übersiedlung, da man mit der Versorgung der Kriegsgefangenen und der Organisation eines Alltags für die deutsche Zivilbevölkerung genug zu tun hatte. So verwundert es auch kaum, dass angesichts dieser unlösbaren Gemengelage in der dänischen Bevölkerung eine Diskussion tobte, wie man mit den ungebetenen Gästen umgehen solle. Diese Vorgänge beschreibt Gammelgaard in seinem Buch (s.u.) ausführlich. Die Positionen schwankten zwischen Forderungen, die Flüchtlinge wegen der Gewalt an den Dänen während des Besatzungsregimes quasi stellvertretend zu bestrafen, andere Kreise mahnten den Gedanken der Menschlichkeit und christliche Handlungsprinzipien an. Für die Regierung war das Flüchtlingsthema sehr belastend, da sie aufgrund der Blockadehaltung der Alliierten keine sichtbare Entwicklung einleiten konnte und sich vor ihren Kritikern immer wieder für die hohen Betreuungskosten rechtfertigen musste. Sie beschränkte sich darauf, die Lager streng von Militär-, später Polizeieinheiten bewachen zu lassen und den Kontakt der Flüchtlinge zu Dänen möglichst zu unterbinden. So galt für alle Dänen ein strenges Fraternisierungsverbot. Sehr kontrovers wurde die Debatte in neuerer Zeit, als die dänische Ärztin und Historikerin Kirsten Lylloff 2005 nach Untersuchung von Krankenakten die These aufstellte, es seien ca. 7.000 Flüchtlingskinder aufgrund von Lagerepidemien umgekommen, weil sie von dänischer Seite nicht die notwendige ärztliche Versorgung bekommen hätten.

1946 konnten so nur wenige Deutsche zurück nach Deutschland einreisen, erst 1947 und 1948 begann eine organisierte Rückführung der Heimatlosen. Nach langen Verhandlungen hatten die Alliierten für ihre jeweiligen Zonen genau Heimkehrer-Kontingente festgelegt: 50.000 sollten in die französische Zone, 50.000 in die britische, 15.000 in die amerikanische und 36.000 in die sowjetische Zone ausreisen. 50.000 hatten sich von 1945-1947 schon ‚schwarz’ nach Deutschland durchgeschlagen. Ende 1947 waren es immer noch ca. 70.000 Flüchtlinge, die in noch 23 dänischen Lagern zusammengefasst auf die Ausreise warteten. Der allerletzte Lagerinsasse verließ schließlich am 15.2.1949 das Ausreiselager in Kolding. In der Folgezeit verhandelten der dänische und der deutsche Staat im Vorfeld der ‚Bonn-Kopenhagener Erklärungen’ von 1955 über eine Kostenerstattung für die Unterbringungsmaßnahmen der Landsleute. Schließlich wurde 1953 ein Betrag von ca. 42 Millionen DM an den nördlichen Nachbarn überwiesen.


4. Abwicklung des Lagers und Dienstort für dänische ‚Militärverweigerer’ 1949 -1958

Im Januar 1949 verblieb im Lager noch ein Nachkommando von 75 Flüchtlingen, die das Lager vollständig demontieren sollten. Von der kompletten Baracke über jeden einzelnen Ziegelstein bis hin zum Wasserhahn sollte alles abgebaut, gereinigt und zur Weiterverwendung bereitgestellt werden. Noch immer herrschte in Dänemark Mangel an vielen Gebrauchsgegenständen und Baumaterial. Die Pferdeställe und Baracken wurden im ganzen Königreich verteilt und dienten nach dem Wiederaufbau als Schulen, Werkstätten, Kindergärten usw. Andere bildeten die Basis für einfache Ferienhäuser. Ein Ingenieurbüro wurde beauftragt, Umbau-Pläne für Häuser zwischen 25 und 85 qm Größe zu entwickeln. In großen Versteigerungen wurden die Möbel, Büromaterial, die Feldbahn und alles bewegliche Material an den Mann gebracht.

Da die Arbeiten nur schleppend vorangingen, errichtete die Regierung zum 1.5.1949 im ehemaligen Lazarett im Nordlager ein Lager für Militärdienstverweigerer mit bis zu 180 Dienstposten. Die Aufgaben der jungen Männer waren: Ausgraben der Wasser- und Abwasserleitungen, Entfernen von ca. 60.0000 qm Lagerstraße und aller Fundamente, Wiederaufforsten des gesamten Geländes von 250 ha Fläche, Abbau und Reinigung von ca. 15 Millionen Backsteinen. Als eine der größten Einzelmaßnahmen wurde das Theater komplett abgebaut und als Kino in einem Vorort Kopenhagens wieder aufgebaut. Diese Arbeiten dauerten noch bis Ende 1958.
Zum 1.7.1959 übernahm das dänische Heer das Gelände zur Errichtung einer Panzerschule, die Einrichtung fand dann ab 1982 erweitert zur Kampftruppenschule als ‚Oksböllejren’ einen neugebauten Standort einige Kilometer südwestlich des Lagergeländes.


 5. Das Oksböl-Lager heute – und in Zukunft?

Was ist geblieben von der aufregenden und wechselvollen Geschichte dieses Lagers in Oksböl? Heute erscheint das Areal vor allem als große Waldfläche mit einigen wenigen Überbleibseln. Die ehemaligen Lagerstraßen sind jetzt Wald- und Wanderwege und bilden das Wegenetz für einen Geschichtslehrpfad, der an einigen Stellen zu den Überresten führt und auf Informationstafeln Erklärungen gibt. 

Noch vorzufinden sind heute das Lazarett im Nordbereich, dass ab den 80er Jahren als Jugendherberge diente, eine Küchenbaracke, ein Werkstattgebäude und 2 Steingebäude der ehemaligen Lagerverwaltung, jetzt eingebaut in den Schulkomplex des Ortes. Zusammen mit dem Haus des dänischen Lagerkommandanten (heute ein Wohnhaus) bildeten diese Gebäude die Unterkünfte und Verwaltung des Militärdienstverweigerer-Lagers.


 Das Kernstück der aktuellen Aktivitäten und vielleicht auch Brücke in die Zukunft ist der am Nordrand des Lagerbereichs liegende Flüchtlingsfriedhof. Er wurde im Mai 1945 angelegt, bis zur Auflösung des Lagers wurden dort 1.247 Flüchtlinge beerdigt. Ab 1949 begannen zwischen dänischen und deutschen Behörden Verhandlungen über die zukünftige Existenz und Pflege der Anlage. Schon ab 1953 arbeiteten deutsche Jugendgruppen in den Ferien an der Pflege und Erhaltung des Friedhofs mit. Ab 1962 nahm der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge die Verhandlungen und Koordination der deutschen Kriegsgräber in Dänemark. Durch die Neuordnung kam es zu Umbettungen an verschiedenen Standorten. Für Oksböl bedeutete dies, dass auf dem Friedhof noch 549 gefallene Soldaten beigesetzt werden. Im August 1969 wurde die Anlage mit nunmehr 1.796 Grabstellen eingeweiht. 1997 kam es zu einer Gedenkveranstaltung in Oksböl, bei der eine Vertreterin der ehemaligen Flüchtlinge unter dem Motto ‚Tyskere takker Danmark – Deutsche danken Dänemark’ einem Vertreter der dänischen Regierung eine Dankesurkunde übergab. Die Friedhofsanlage ist bis heute ein vielbesuchter Ort von Dänen und Deutschen.


 Seit einigen Jahren gibt es Bemühungen, die historische Entwicklung diese großen Flüchtlingslagers und das seit Jahren wieder aktuelle Thema von Flucht und Vertreibung in einer zeitgemäßen Form zu präsentieren. Denn auch heute erinnern manche der damaligen Vorgänge und Argumentationen an die Diskussionen in der europäischen Flüchtlingskrise 2015/2016.

Die Basis für diese Idee soll das einige hundert Meter vom Friedhof entfernt stehende Gebäude des ehemaligen Lazaretts Nord bilden. Dort soll ein Museumscenter mit einer Ausstellung zur Lagergeschichte, aber auch aktuellen Bezügen zu Migration, Flucht und Vertreibung entstehen. Das ehemalige Lagergelände soll zu einem modernen Geschichtslehrpfad werden, für die Mitte des Geländes gibt es die Idee eines künstlerisch interpretierten Aussichtsturms.
Interessierte Dänen und Deutsche versuchen, verschiedene Unterstützungs- und Finanzierungsmöglichkeiten für ein solches Flüchtlingsmuseum bzw. eine Begegnungsstätte sicherzustellen.


 Bildquellen:

Fotos: VM = Sammlung Museet for Varde By og Omegn (Vardemuseum)
GK = Sammlung Godeke Klinge
OL = Sammlung Ole Larsen
CO = Sammlung Camp Oksböl

Literatur:
Gammelgaard, A.: Treibholz. Blavandshuk Egnsmuseum 1993
Ipsen, L.G.: Menschen hinter Stacheldraht. Blavandshuk Egnsmuseum 2002
Meissner, G.: Dänemark unterm Hakenkreuz. Berlin 1990
Jensen, J.: Storbyen bag Pigtraad. Faltkarte des Museet for Varde By og Omegn, ca. 2014
Web-Seite: http://www.oksbol1945-49.dk
Filmlink mit einem dänischen Dokumentar-Film zur Flüchtlingssituation aus dem Jahre 1949: http://www.dfi.dk/faktaomfilm/film/da/1803.aspx?id=1803

 

 
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