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Restricted AreaWie die meisten anderen NATO-Länder (und nicht nur die ...) hatte auch Großbritannien während des Kalten Krieges bauliche Vorsorge getroffen, um die Regierung und Verwaltung im Falle eines Krieges in geschützten Bauwerken zumindest für begrenzte Zeit arbeits- und funktionsfähig zu halten. Im Gegensatz zu vielen anderen Staaten in Ost und West setzte das Vereinigte Königreich allerdings nicht auf einen zentralen Ausweichsitz bzw. Regierungsbunker, sondern plante mit verteilten Ressourcen, also mehreren Schutzbauwerken an unterschiedlichen Orten.

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Rick (†)
Gast





Beitrag Verfasst am: 05.04.2007 19:34 Antworten mit Zitat

Danke, Jürgen,
das passt ja jetzt mit Eckernförde sehr schön. Inzwischen habe ich weitere Unterlagen zur Nuklearplanung der Marine eingesehen, muss diese aber über Ostern erst einmal sortieren. Also demnächst mehr.
Viele Grüße
Rick
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Rick (†)
Gast





Beitrag Verfasst am: 06.04.2007 19:39
Titel: Marineflieger und A-Waffen
Antworten mit Zitat

Die folgenden Angaben stammen aus verschiedenen Akten „Diverse, Marine“ und stehen nicht immer in einem direkten Zusammenhang. Ich habe sie daher einfach chronologisch sortiert.

18.08.60
Fü L teilt mit, dass eine Nutzung des Flugplatzes Sylt als dritter Flugplatz für die Marineflieger nicht mehr in Frage kommt, da er sich nicht für die Aufnahme eines F-104-Verbandes ausbauen lässt. Damit entfällt die Forderung „Westerland als dritter Flugplatz“. Es wird jedoch gebeten, die Einrichtung eines B[=Marine]- oder C[=Luftwaffe]-Custodian-Lagers bei oder in der Nähe dieses Flugplatzes zu untersuchen.

18.05.61
SHAPE will einen Typ C in Jagel in Slice XIII. Das BMVg hingegen möchte den ersten von zwei Typ C in Nordholz („wegen der günstigeren geografischen Lage“ = weil westlich der Elbe). SHAPE hatte in Slice XI zwei Typ B (Nordholz und Jagel) empfohlen; Fü M befürwortete einen Typ C in Jagel und einen Typ B in Nordholz (Oxstedt).

22.03.62
Bisher ist noch keine Entscheidung gefallen über die Art einer etwaigen Verwendung der Seeluftstreitkräfte bezüglich ihres Einsatzes in der (nuklearen) Strike-Rolle. Die Ausrüstung mit F-104G wird erst im Frühjahr 1965 beginnen. Sonderbauten für eine QRA(quick reaction alert)-Anlage in Nordholz sind daher nicht in der Slice XIV sondern frühestens unter Slice XV zu programmieren. (In Slice ist jedoch ein Typ C für Nordholz beantragt.)

19.03.62
Aus einem Schreiben des SACEUR: „At present, Büchel and Nörvenich are being developed on the basis of two F-104G strike squadrons at each airfield. Additionally, informal information indicates that the German Air Force (GAF)/German Navy (GNY) plan to locate two F-104G strike squadrons each at:
Memmingen
Lechfeld
Wittmundhafen
Hopsten
Nordholz (GNY)
The requirement for QRA is four aircraft per squadron.“

04.04.62
Der Standpunkt der Bundesmarine: Die F-104G-Verbände werden völlig für Marinezwecke (Verteidigung der Ostseeausgänge) benötigt. Die Rolle „nuclear strike“ würde die Verbände von dieser Rolle abziehen. „Flugzeuge, die an das QRA-System gebunden seien, befänden sich in einem konventionellen Krieg am Boden.“ Wenn „nuclear strike“ gefordert werde, dann nur unter der Verantwortlichkeit der NATO-Befehlshaber. [Gemeint sind hier wohl die regionalen Marine-Befehlshaber im Gegensatz zu SACEUR.] Denn dann seien die Verbände jederzeit seetaktisch einsetzbar. Möglich sei eine eventuelle Einplanung von VAP-Flugzeugen [„AP“ steht für „Attack and Patrol“, „V“ ist unbekannt.] in den „regional strike plan“ oder den „interdiction plan“ von CINCNORTH.
Hier wird erklärt, dass die „Typ-B-Waffe“ bisher lediglich eine atomare Wasserbombe sei, bis Frühjahr 1965 aber ihre Weiterentwicklung zu einer „versatile weapon“ zu erwarten sei. (Das „Typ B“ bezieht sich entweder auf „bomb“, wie es als Abkürzung „B“ die verschiedenen amerikanischen Flugzeugbomben kennzeichnet, oder vielleicht sogar auf den Lagertyp B.)
Die Bundesmarine empfiehlt die „Beschaffung von Waffen und Bunkern Typ B“ sowie die Einplanung in „regional strike plan“ oder „interdiction plan“, wobei darauf zu achten sei, dass keine Zweckentfremdung für konventionelle Aufgaben stattfinde. [Gemeint ist hier wahrscheinlich, dass nuklear ausgerüstete Flugzeuge dann in diesem Rahmen auch Strike-Aufträge erhalten sollten und nicht die in diesen Plänen auch enthaltenen konventionellen Attack-Aufträge.] Abgelehnt werden Einsätze im Rahmen des „scheduled program“ von SACEUR und damit im QRA-Plan.

10.04.62
Die NATO fordert, ein „possible deployment of GNY F-104Gs to Royal Danish Air Force stations in time of war“ zu prüfen.

19.05.62
Leider vertritt CINCNORTH (Gen. Pyman) ebenso wie COMNAVNORTH, auf deren Unterstützung man wohl bei der Bundesmarine gesetzt hatte, die gegenteilige Auffassung. [Hintergrund dürfte sein, dass es im Bereich von AFNORTH keine eigenen, d.h. norwegische oder dänische, A-Waffen-Träger gibt, also außer den deutschen Marinefliegern nur Gast-Verbände aus den USA oder Großbritannien für „nuclear strike“ in Frage kommen, solange der V-Fall nicht eingetreten ist.] Man einigt sich auf den Kompromiss, eine „geringe“ Anzahl von Flugzeugen für den nuklearen Einsatz im taktischen Gebiet (also AFNORTH) herzurichten und deren Flugzeugführer entsprechend auszubilden. Die Flugzeuge sollten jedoch nicht dem konventionellen Einsatz entzogen werden.

01.06.62
Der NATO-Oberbefehlshaber Europa äußert sich jetzt dezidiert zur erwarteten Rolle der Marineflieger. „SACEUR plans to assign the first F-104G squadron to pre-planned strike missions, (implying) that their targets would not necessarily be of naval interest. The German Ministry of Defense (MOD) did not agree with this assignment as it meant the loss of a large force essential to the support of the naval offensive in the Baltic. The German MOD is prepared to compromise if these aircraft were employed exclusively on naval targets and controlled by NATO naval commanders.”

“The first 30 F-104G aircraft will be fitted for conventional fighter-bomber (FB) attack, the second batch of 30 aircraft for reconnaissance. The F-104G was purchased to carry out the same function as the SEA HAWK, and no request for F-104Gs to be fitted out for special weapons had been made. NAVNORTH is surprised: This is contrary to CINCNORTH’s, BALTAP’s and SACEUR’s understandings.”

Die Bundesrepublik hat auch eine Aufstellung an die NATO gegeben, die die Einsatzbereitschaft der F-104G-Staffeln mitteilt.
1. Geschwader, Jagel
1. Stff: 18 x SEA HAWK bis 01.10.63; 18 x F-104G ab 01.04.61.
3. Stff: 18 x SEA HAWK, werden 01.07.63 dem 2. Geschwader in Nordholz unterstellt bis zur Neuaufstellung in Jagel mit Einsatzbereitschaft von 18 x F-104G ab 01.01.65.
2. Geschwader, Nordholz
1. Stff: 12 X (ab Mitte 1963 18 x) SEA HAWK bis 31.12.64; 18 x F-104G ab 01.10.65.
2. Stff: 18 x F-104G ab einem späteren Zeitpunkt.

Zur Belastung durch QRA-Einsatz: Strike-Staffeln bestehen aus 18 Flugzeugen. 70% (= 12-13) müssen einsatzklar sein, davon vier einsatzbereit für QRA (innerhalb 15 Min.) und 8-9 Standby (innerhalb 3 Std.). Dies stellt nicht nur unerfüllbare Anforderungen an die Einsatzbereitschaft der Flugzeuge, sondern ist auch mit den dann vorhandenen Flugzeugführern kaum zu schaffen (zwischen 15 und 25 je Staffel). Außerdem bindet der QRA-Plan, wie schon erwähnt, anderweitig (Kampf gegen Seestreitkräfte) benötigte Flugzeuge.

06.06.62
Besuch von Gen. Pyman in der Bundesrepublik.

19.06.62
Bei diesem Besuch prallten die Ansichten offenbar heftig auf einander. Die Bundesmarine sei nicht gewillt, einen Teil der F-104G in das NSP (Nuclear Strike Program) des SACEUR einzugliedern. Ein Einsatz von nuklearen Waffen sei aber laut NATO außerhalb des NSP für landgestützte (shore-based) Flugzeuge nicht denkbar. Dies sei auch für die US Navy bindend. Von allen atomwaffenfähigen Flugzeugen müsse ein bestimmter Prozentsatz für QRA innerhalb des NSP zur Verfügung gestellt werden. Bei einer Staffelstärke von 18 Flugzeugen seien dies vier, bei einer solchen von 12 zwei Flugzeuge. Ein „wechselseitiger“ Einsatz dieser Flugzeuge für nukleare und konventionelle Aufgaben sei technisch und praktisch undurchführbar.

Der deutsche Verteidigungsminister Strauß schlägt Pyman die Unterstellung der Marineflieger unter 2 ATAF vor, was Pyman ablehnt. [Vermutlich sollte dieser Vorschlag dazu dienen, der NATO die drastischen Folgen vor Augen zu führen, wenn die Marineflieger der Verteidigung der Ostseezugänge nicht mehr zugute kämen.]

26.07.62
Alle sechs FB-Geschwader der Luftwaffe werden auf Verlangen von SACEUR nach Umrüstung auf F-104G voll im NSP eingesetzt. Jede Staffel (18 Flugzeuge + 3 Reserve) hat ständig drei Flugzeuge in 15-Min.-QRA-Bereitschaft zu halten.

Sogar das Konzept für den künftigen Einsatz der G.91 sieht eine Fähigkeit zum Tragen von A-Waffen als „gegeben“. Es geht nur noch um die Frage, ob der Einsatz der GINA innerhalb des NSP oder in anderer Form erfolge. (Hier stellt sich vor allem das Problem, dass die G.91 in Schwärmen von je vier Flugzeugen nahe hinter der Front eingesetzt werden sollen. Dies würde Lagerung und Nachschub von A-Waffen erheblich erschweren, wenn nicht unmöglich machen.)

Die Marineflieger schlagen auf der Basis von nur noch drei Staffeln folgenden Einsatz vor:
1 Stff als konventioneller FB (Lenkkörper AS.30)
1 Stff für Aufklärung und mit AS.30 bewaffnet (FB soweit technisch möglich)
1 Stff (in Nordholz) voll in den NSP integriert (also Strike)

02.08.62
Der „SACEUR Scheduled Plan“ (SSP) sieht hingegen zwei Staffeln F-104G in Nordholz in voller SSP-Integration vor (und als einzige Strike Force bei CINCNORTH).

Das Munitionslager Typ C in Nordholz ist immer noch in der Slice XIII programmiert.

08.10.62
Die Aufstellung der Marinefliegerstaffeln F-104G läuft zunächst nur im Rahmen der MC70 an (Massive Retaliation?). Es sind 54 VAP-Flugzeuge in drei Staffeln vorgesehen, von denen jede 12 Flugzeuge für Angriff und sechs für Aufklärung einsetzt. Für Ende 1966 fordert die NATO aber schon 72 VAP-Flugzeuge, davon 36 als VSTOL! Dies ist, wie sich alle Beteiligten klar sind, nicht machbar. Es bringt jedoch Überlegungen und Versuche in Bewegung, die F-104G mit JATO (jet-assisted take-off), arresting gear (d.h., indem man die Landung mit Fangnetz stark verkürzt) oder einer Kombination von SATS (Katapult) und Einsatz des Fangnetz STOL-fähig zu machen.

16.01.63
Die NATO zeigt sich wieder einmal „überrascht“, als die Bundesrepublik bei einer Tagung mitteilt, dass die ersten 30 bestellten F-104G für die Marineflieger zwar „technically capable of nuclear strike“ (und ohne Aufklärer-Kameras) seien, dass aber eine Umrüstung von konventioneller auf nukleare Kapazität nicht Stunden, wie die NATO angenommen hat, sondern Tage brauche.
Der erzielte Kompromiss sieht so aus:
1. Stff: ab Ende 1964 visual recce/conventional attack
2. Stff: ab Frühjahr 1965 visual recce/conventional attack (aber zum Zeitpunkt ihrer Einsatzbereitschaft Umstellung der 1. Stff auf nuclear strike)
3. Stff: ab Frühjahr 1966 photo recce/conventional attack „in support of nuclear program“ (für “pre- and post-strike”-Aufgaben)
4. Stff: ohne Zeitpunkt nuclear strike

02.02.63
Soll die “custodianship” für die Sonderwaffenlager bei USAFE (Vorschlag von Fü M; dann Typ C) oder US Navy liegen (dann Typ B)?

14.05.63
Eine für die Zukunft wohl entscheidende Wende ist mit der Verabschiedung der MC48 erfolgt, die mehr Wert auf die konventionelle Kriegführung der NATO legt.

22.05.63
SHAPE schlägt USAFE als „custodian“ vor.

Eine interessante Übersicht über die relevanten Programme von AIRBALTAP:
(1) SNOW CAT (31 Ziele): „support, which can be conventional, of nuclear operations, “
(2a) SSR (20 Ziele): “post strike reconnaissance”
(2b) RPP (23 Ziele) : “strike external forces“
(3) RPP (32 Ziele) : 19 Häfen und 13 Verkehrsknotenpunkte
(3a) “pre-strike reconnaissance“
(3b) “strike“
(3c) “post-strike reconnaissance“
RPP = Regional Priority Program

11.06.63
1. Stff Strike: nicht einsatzbereit vor 01.07.65
2. Stff Strike: nicht einsatzbereit vor 01.01.67

Voraussichtliche Ausstattung mit Sondermunition: Mk.28RE, Mk.43, Mk.57.

15.01.65
Die derzeitigen Pläne sehen eine 50-prozentige Beteiligung der GNY am Strike-Programm vor:
1 Stff Strike: ab 01.07.65
1 Stff Strike: ab 01.01.67
(beide – oder jede? – zunächst mit 1, später 5 Flugzeugen QRA)
1 Stff Photo-Recce: ab 01.01.66 für pre- and post-strike-Aufklärung

22.01.68
Ein Argumentationspapier der Bundesmarine weist darauf hin, dass „die Wirkung nuklearer Marine-Waffen im KT-Bereich auf See kaum größer (ist) als die Wirkung konventioneller Waffen. Daher (sind sie) als demonstrative Drohung mit einer Eskalation besonders geeignet. Eine solche sollte aber nicht unbedingt von einem deutschen Flugzeug ausgelöst werden.“

01.02.68
Im BMVg beschäftigt man sich mit dem nuklearen Beitrag der Bundeswehr, um den deutschen Einfluss in der Nuclear Planning Group zu erhalten.
Luftwaffe:
Bis 1972 6 Stff F-104 (Erstrolle Strike) und 4 Grp alte PERSHING 1.
Ab 1972 4 Stff F-104, evtl. 6 (Erstrolle Strike); Einführung von 8 Grp PERSHING 1A mit 72 Werfern.
Heer:
4 Btl SERGEANT, später Nachfolgesystem.
11 Btl HONEST JOHN (werden auf 5 reduziert), 66 (später 30) Werfer.
11 Bttr 203 mm: 66 Rohre sollen erhalten werden.
Marine:
Kein Beitrag (Entlassung aus Strike-Rolle).
Noch umstritten: 1 (= 36 Werfer), 2 (= 72 Werfer) oder 3 (= 108 Werfer) Gruppen PERSHING 1A? Die Finanzierung einer Gruppe PERSHING 1A bedeutet den Verzicht auf 25.000 Heeressoldaten. Das ist genau die Anzahl von Soldaten, die dem Heer fehlen.

08.02.68
Aus einem Schreiben des Stellvertretenden Inspekteurs der Marine:
„Die USA verweigerten vor zwei Jahren (also 1966) eine verbindliche Zusage zur Lieferung von Sonderwaffen. Weder die USA noch SACEUR haben Interesse an einer nuklearen Ausrüstung der Marineflieger. In einem mit der Luftwaffe abgesprochenen Schreiben wurde beantragt, die Marineflieger aus der nuklearen Rolle herauszunehmen.“
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CliffMcLane
 


Anmeldungsdatum: 09.01.2003
Beiträge: 240
Wohnort oder Region: Berlin

Beitrag Verfasst am: 08.04.2007 16:00
Titel: Marineflieger und A-Waffen
Antworten mit Zitat

Hier noch einige Ergänzungen aus Johannes Berthold Sander-Nagashima: Die Bundesmarine 1950 bis 1972, München 2006:

06.03.58
Eine Studie von OLT Dahms empfiehlt die operative Unterordnung der gesamten Marinefliegerei unter die Luftwaffe, damit unter die 2. ATAF (S. 109f.).

25.09.58
In seiner abschlägigen Stellungnahme nennt der Führungsstab der Marine (FüM) folgende Details: Laut NATO MC 70 sind 72 deutsche Marineflieger vorgesehen [also wohl 4 x 18] für taktische Aufklärung, U-Jagd und Kampfunterstützung der eigenen Seestreitkräfte. „Spezifische Luftwaffenaufgaben seien dagegen ‚Strike’-Einsätze (Interdiction) gegen für die Seekriegführung wichtige Landziele wie Häfen und Flugplätze“ etc. (S. 116).

Generell scheint es innerhalb der Marine einen Interessengegensatz gegenüber der nuklearen Rolle der F-104 gegeben zu haben. Militärisch war sie kontraproduktiv, weil die Flieger damit für eigentliche Seekriegsaufgaben entfielen, politisch hingegen wuchsen dadurch das Gewicht und die Mitspracherechte der Marine (s.u.).

14.06.61
So wurden in einer Studie zur G 91 allgemeine Zweifel an der Tauglichkeit der F-104 auch in der konventionellen Rolle für den Seekrieg geäußert. Die langen, betonierten SLB seien ihre Achillesferse. Die F-104 würden einen ersten überrraschenden Schlag des Feindes deswegen kaum überleben oder gar einsatzfähig bleiben bzw. sollten im Alarmfall ohnehin weit nach Westen verlegt werden. Es sei unwahrscheinlich, dass solche Verbände dann noch fest in der Hand des Seebefehlshabers bzw. für ihn verfügbar blieben (S. 126). Daraufhin konterte Flottenchef Rolf Johannesson pro F-104: Ihre Einführung werde „zu einer außerordentlichen Erhöhung der Kampf- und Schlagkraft als Folge der großen Eindringtiefe und atomaren Kapazität führen“ (S. 127) [sic!]. Geplant sind zu diesem Zeitpunkt drei F-104-Staffeln und eine vierte in 1966 (S. 127).

Die atomare Fähigkeit der F-104 weckt Begehrlichkeiten bei SACEUR und AFNORTH, wo es bislang keine derartigen Mittel gibt. Sander-Nagashima: „Die atomare Verwendung von Teilen der F-104-Staffeln hätte diese jedoch ihrem Seeluftkriegsauftrag entzogen und die ohnehin geringen Kräfte der Marine... erneut verringert. Wegen der entscheidenden Rolle dieser Staffeln war dies jedoch für die Marine unannehmbar. Die Debatte hierum sollte indessen bis in die zweite Hälfte der 60er Jahre andauern“ (S. 128).

Im Juni 1961 beschließt VMin Franz Josef Strauß die Anschaffung von 90 „Strike“-Flugzeugen (F-104G) für die Marineflieger (S. 194).

Dezember 1961
In einer Kurzfassung zur „Konzeption der Bundesmarine“ werden als Aufgaben der F-104 auch „Einsatz taktischer Atomwaffen gegen feindliche Schiffsansammlungen und amphibische Verbände sowie Minenverseuchung“ genannt. Angeschafft werden sollen laut MC 96 nun zweieinhalb Geschwader mit 90 Flugzeugen. Die Marine fordert hingegen vier Geschwader mit 144 Maschinen (S. 208).

1963
Beginn der Umrüstung von Sea Hawk auf F-104 bei MFG 1 und MFG 2.

März 1963
Laut Kdr Marineflieger ist die Bindung von Teilen seiner F-104 für „Strike“-Aufgaben ein Hindernis für andere Einsätze (z.B. gegen einen feindlichen Landungsverband) (S. 291). Außerdem werde die schnelle Einsatzbereitschaft dadurch erschwert, dass die Bodeneinrichtungen der Fliegerhorste zugleich auch die für den „Strike“ vorgesehenen Jagdbomber bedienen müssten (S. 303).

Juni 1965
Der Leiter der Studiengruppe Marine wies in einem Vortrag vor dem Inspekteur Marine darauf hin, dass „die Möglichkeiten der Seeluftstreitkräfte der Bundesmarine durch die Bindung der Hälfte ihrer Jagdbomber für den ‚Strike’ erheblich eingeschränkt wurden: Jede hierfür reservierte F-104 sei für den Einsatz im konventionellen Seekrieg verloren, da sie hierdurch bis zur Auslösung des ‚Strike’ am Boden festgehalten werden, wo sie besonders verwundbar sei“ (S. 319).

Ende 1965
Umrüstung auf F-104 abgeschlossen.

Juli 1966
Der Inspekteur der Marine meldet VMin Kai Uwe von Hassel, mittlerweile seien 101 F-104 verfügbar.

September 1966
Im revidierten Schiffbauprogramm der Marine (das bereits auf das absehbare Umsteuern in Richtung „Flexible Response“ reagiert) wird als Aufgabe u.a. reklamiert, „mit einem angemessenen Beitrag am atomaren Gegenschlag im Allgemeinen Krieg teilzunehmen“. Allerdings werde dieser Teil des Auftrags „durch das zögernde Verhalten des amerikanischen Bündnispartners hinsichtlich der Zustimmung zur Lagerung von ‚Special Ammunition’ zu diesem Zweck in Frage gestellt“ (S. 374).

Sommer 1967
Unterrichtung der Kommandeure durch den Stv. Inspekteur der Marine, Erich Topp: MFG 1 und MFG 2 verfügen Mitte 1967 über insgesamt 92 F-104 in vier Staffeln, wovon „drei für den Einsatz konventioneller Waffen gegen Schiffs- und Landziele, eine für Aufklärungsaurgaben einsatzbereit waren“. Die Differenz zu den einmal vorhandenen 101 ist offenbar abgestürzt. Sander-Nagashima: „Topps Ausführungen scheinen ... ein Hinweis darauf zu sein, dass die eigentlich 1962 beschlossene Assignierung von zwei Staffeln für die ‚Strike’-Rolle noch nicht stattgefunden hatte.“ (S. 402)

Rudolf Arendt, Ex-Chef des Stabes Fü S, in einem Beitrag als „Zeitzeuge“: „Eine Einbindung dieser Flugzeuge der Marine in die nukleare „strike role“ des NATO-Befehlshabers in Europa, SACEUR, konnte vermieden werden“ (S. 453).

April 1970
In der neuen Grundlagenstudie zur Konzeption der Marine fehlen die Hinweise auf eine nukleare Aufgabe konsequenterweise. Es ist nur noch von einem „Beitrag zum Allgemeinen Krieg“ die Rede (S. 406).
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Rick (†)
Gast





Beitrag Verfasst am: 08.04.2007 18:22 Antworten mit Zitat

Danke, CML,

für die Ergänzungen aus Sander-Nagashima. Und man sieht, welchen Einfluss bei den deutschen Fliegern auch niedere Dienstgrade hatten icon_mrgreen.gif
Zitat:
Eine Studie von OLT Dahms empfiehlt die operative Unterordnung der gesamten Marinefliegerei unter die Luftwaffe, damit unter die 2. ATAF (S. 109f.).

Hier noch die tatsächlich von den Marinefliegern übernommenen Stückzahlen von STARFIGHTERN:
Los 1: 27 Aeritalia RF-104G für 1./MFG 2;
Los 2: 26 MBB F-104G für 1./MFG 1;
Los 3: 29 MBB F-104G für 2./MFG 1;
Los 4: 26 MBB F-104G für 2./MFG 2 (7 später in RF-104G umgebaut);
Los 5: 36 MBB F-104G als Ersatz für Verluste;
Los 6: 12 Luftwaffe (R)F-104G als Ersatz für Verluste;
Los 7: 19 Luftwaffe TF-104G.
Die Absturzdaten sind bekannt, aber ich beschränke mich mal auf diese Angaben.

Gruß
Rick
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CliffMcLane
 


Anmeldungsdatum: 09.01.2003
Beiträge: 240
Wohnort oder Region: Berlin

Beitrag Verfasst am: 08.04.2007 18:38
Titel: Marineflieger und A-Waffen
Antworten mit Zitat

Du bist gemein. Wart nur, ich guck auch nach Tippfehlern 2_hammer.gif . Aber okay, es muss natürlich OTL heißen.

Mag irgendjemand vielleicht mal eine Zusammenfassung schreiben? Aus meiner Sicht sind schon noch ein paar Fragen offen: Z.B.: Gab es in Nordholz nun einen Typ C oder Typ B? In Eggebek? Waren in Jagel tatsächlich Amerikaner vor Ort? Hat man dort (von wann bis wann?) den atomaren Einsatz geübt - auch wenn die realen SW dann tatsächlich niemals ausgeliefert wurden?

CML
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Biedermann (†)
Gast





Beitrag Verfasst am: 08.04.2007 20:00 Antworten mit Zitat

Rick hat folgendes geschrieben:
08.10.62
Die Aufstellung der Marinefliegerstaffeln F-104G läuft zunächst nur im Rahmen der MC70 an (Massive Retaliation?).


Da 1962 MC14/2 galt war MC70 zu der Zeit selbstverständlich auf Massive Retaliation abgestellt.
MC14/3 wurde ja erst 67/68 beschlossen. MC70 dürfte im Laufe des Jahres 68 an MC14/3 angepasst worden sein, vielleicht auch schon 67, falls die Entscheidung vom 16.09.67 (Annahme von MC14/3 durch die Chiefs of Staff) eine ausgemachte Sache war.

Grüße
Ingo
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Rick (†)
Gast





Beitrag Verfasst am: 08.04.2007 20:38 Antworten mit Zitat

@ Ingo: Danke für die Klarstellung.

@ CML: Schade 1_heilig.gif: Ich dachte, unsereiner hätte da auch noch eine Chance, Studien zu schreiben. Eggebeck und Nordholz kommen noch dran, das Jahr hat ja noch ein paar Tage. Zu Jagel möchte ich auf die offensichtliche Reduzierung der SichStff "S" hinweisen (könnte aber auch besonders groß gewesen sein, um Ohlingslust und Jagel abzudecken). Die MfNV-Aufklärung hat eine Nummer für das amerikanische Detachment, vielleicht haben sie aber auch nur Akten gelesen... Mehr weiß ich auch (noch) nicht.

Gruß
Rick
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stefan64
 


Anmeldungsdatum: 10.06.2010
Beiträge: 50
Wohnort oder Region: Böklund

Beitrag Verfasst am: 03.09.2012 12:40
Titel: SAS Schleswig/Jagel
Antworten mit Zitat

Moin moin,

nachdem ich jetzt einiges über diverse SAS gelesen habe und in einem anderen Threat gelesen habe, dass die Munitionsniederlage Jagel rein "Verbandsintern" vorgesehen war haben sich bei mir Fragen aufgeworfen:

Auf dem Fliegerhorst Schleswig/Jagel gibt es ein ehemaliges SAS. Für wen wurde das gebaut? Haben die Briten das noch genutzt, oder hat die Bundesmarine Kernwaffen getragen? Es gab auch mal einen QRA (Quick Reaction Alert) Bereich auf dem Fliegerhorst. Hing der mit dem SAS zusammen? Wer hat den genutzt, die Bundesmarine (MfG 1)oder andere Einheiten?

Ich sage schon mal danke,

Stefan Plagge

PS: Suche habe ich verwendet, komme aber nicht klar damit. Entweder ich bin zu dusselig oder die ist zu kompliziert. Ich vermute mal Ersteres icon_wink.gif
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Oberst Villa
 


Anmeldungsdatum: 06.08.2012
Beiträge: 20
Wohnort oder Region: Eine kleine Stadt in Deutschland

Beitrag Verfasst am: 03.09.2012 14:04 Antworten mit Zitat

Ich gehe mal davon aus, dass auch die Tornados der Marine im V-Fall mit tak. Kernwaffen ausgestattet worden wären. Jedenfalls wäre das eine Erklärung.
Beweisen kann ich das allerding nicht.
_________________
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zulufox
 


Anmeldungsdatum: 02.10.2006
Beiträge: 2748
Wohnort oder Region: In der Nähe des Urpferdchens

Beitrag Verfasst am: 04.09.2012 16:46
Titel: Re: SAS Schleswig/Jagel
Antworten mit Zitat

stefan64 hat folgendes geschrieben:
Auf dem Fliegerhorst Schleswig/Jagel gibt es ein ehemaliges SAS.
Stefan Plagge


Moin,

wenn du so sicher bist, dass es eins gab/gibt, dann musst du doch auch wissen, wo?

Wie wäre es mal mit einer einfachen Angabe in Google Earth? Oder Google Maps?

MfG
Zf 1_heilig.gif
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Friedrich Hebbel: Tagebücher:
"Es gibt nur eine Sünde, die gegen die Menschheit mit allen ihren Geschlechtern begangen werden kann, und dies ist die Verfälschung der Geschichte."
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