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Waldkrankenhaus Wintermoor

Geschrieben von: Michael Grube   

Als Anfang der vierziger Jahre die Bombenangriffe auf deutsche Großstädte immer häufiger wurden, stieg der Bedarf an Krankenhausplätzen stark an. Wie viele andere Städte baute auch Hamburg nun verstärkt Ausweichkrankenhäuser in ländlichen Gebieten des Umlands, um die steigende Zahl an Patienten einigermaßen sicher bewältigen zu können.

Ehemalige Liegehalle 

Eine dieser Einrichtungen, das "Gesundungshaus Wintermoor", wurde 1942/1943 in der Nähe des kleinen Heideortes von der Organisation Todt mit Hilfe von sowjetischen und wahrscheinlich auch polnischen Zwangsarbeitern errichtet, ging in Hamburger Nutznießung über und konnte am 8.Februar 1943 den Betrieb aufnehmen. Ganz in der Nähe existierte ein Lager, in dem etwa einhundert Zivilarbeiter untergebracht waren, die genaue Lage ist allerdings noch unklar. Das Krankenhaus verfügte über eine allgemeine innere Abteilung, eine Infektions-, eine Lungen- und eine chirurgische Abteilung, ein Röntgenlabor, Operations- und Entbindungsräume, eine Apotheke und verschiedenste andere Einrichtungen. Zunächst standen rund 400 Betten zur Verfügung, nach der im Juli 1943 fertiggestellten Erweiterung stieg die Zahl auf 825 Betten. Die räumlich getrennt auf der anderen Straßenseite gelegene Anlage 2 wurde sofort und bis weit nach Kriegsende hauptsächlich als Ausweichquartier der ausgebombten Kinderklinik des Universitätskrankenhauses Eppendorf genutzt. Beide Anlagen, die etwa 500 Meter voneinander entfernt sind, waren praktisch autonom betreibbar.

Eine der Trafostationen

In den Jahren 1947/1948 wurde die Anlage zur Tuberkuloseklinik umgebaut und bekam 1949 den Namen "Hamburgisches Krankenhaus Wintermoor". Die Bettenzahl war jetzt auf 752 gesunken. In den Folgejahren konnte die chronische Überbelegung immer weiter gesenkt und dafür neue Einrichtungen geschaffen werden. Einige der ursprünglichen Holzgebäude wurden durch Ziegelbauten ersetzt oder ergänzt.

Ansichtskarten aus den 60ern
Ansichtskarte aus den 60ernAnsichtskarte aus den 60ernAnsichtskarte aus den 60ern 

1968 bezeichnete sich die Klinik bereits als "Fachklinik für Erkrankungen der Atemwege" - die Tuberkulose war glücklicherweise stark zurückgegangen. Die Klinik verfügte über eine große Zahl offener Liegehallen, in denen sich die Patienten an der frischen Luft aufhalten konnten. Der Feuerlöschteich wurde zeitweise als Schwimmbad genutzt und es gab sogar einen Minigolfplatz.

Ehemalige Liegehalle

1976 gab die Stadt Hamburg das Krankenhaus auf - die ENDO-Klinik Hamburg-Altona übernahm einen Teil der Anlage in Pacht, der nordöstliche Teil wurde zum Jugendwaldheim der niedersächsischen Landesforstverwaltung und für einige Zeit Jugendfreizeitheim und -lager des Landkreises Soltau-Fallingbostel. Auch die ENDO-Klinik verließ Wintermoor schließlich in den 90er Jahren. Südlich der Anlage 1 war ursprünglich eine Erweiterung geplant, doch über eine Rodung kamen die Arbeiten nicht mehr hinaus. Heute befindet sich auf dem Gelände ein Altenpflegeheim, auf dem Gelände der Anlage 2 weiterhin das Jugendwaldheim Ehrhorn. Einige Gebäude sind noch vorhanden, die meisten wurden aber abgerissen oder im Laufe der Jahre durch Neubauten ersetzt. Während Anlage 1 (südlich der L211) noch eine recht guten Gesamtwindruck des ehemaligen Gebäudebestands gibt, erinnern auf dem Gelände des Jugendwaldheims nur noch wenige Gebäude und einige freie Flächen an die Geschichte dieses Grundstücks. Auch die eigens für das Krankenhaus errichtete Müllverbrennungsanlage wurde inzwischen abgerissen..

Das heutige JugendwaldheimMüllverbrennungsanlageKellerrest

Einige weitere Details gibt es auf den Seiten der Freiwilligen Feuerwehr Ehrhorn/Wintermoor .

Quellen:
- versch. Zeitungsartikel
- versch. Zeitzeugen-Aussagen
- Chronik "25 Jahre ENDO-Klinik"
- 200 Jahre Colonie Wintermoor, Stadt Schneverdingen
- Die Entstehung der Hamburger Krankenanstalten, Arthur Kreßin
- Public Record Office, AIR 26/505
- eigene Recherchen



 
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