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Historische Anlagen im Hamburger Hafen

Geschrieben von: Michael Berndt   

Historische Anlagen aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg findet man im Gebiet des Hamburger Hafens nur noch selten. Die meisten Umschlaganlagen, die die Zerstörungen des Krieges überstanden hatten, wurden in den achtziger und neunziger Jahren abgerissen. Nur noch sehr wenige Reste sind bis heute erhalten geblieben, das herausragendste Beispiel sind die Anlagen um die Australiastraße.

Australiakai 

Die Becken des Hansahafens und des inzwischen zugeschütteten benachbarten Indiahafens wurden bereits 1893 fertiggestellt. Die Bebauung des Bremer Kais (Schuppen 50/51, Wohngebäude der Kaibeamten) und des Australiakais (Schuppen 52/53) erfolgte allerdings erst in den Jahren 1909 bis 1912. Hier sind mit den Schuppen 50 und 52 die letzten beiden Stückgutschuppen aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg noch weitgehend im Original erhalten.

Kopfgebäude
Freihafen Hamburg - 50er SchuppenFreihafen Hamburg - 50er SchuppenFreihafen Hamburg - 50er SchuppenFreihafen Hamburg - 50er Schuppen

Die Gebäude zeigen als letzte ihrer Art die über eine ganze Epoche hinweg charakteristische Bauweise der Hamburger Hafenschuppen. Die leichte Bauweise mit der dreischiffigen Binderkonstruktion aus Holz, dem zur besseren Belichtung erhöhten Mittelschiff und der ursprünglichen Ausstattung mit elektrischen Halbportalkranen an der Wasserseite galt schon zur Bauzeit als Prototyp für die Hamburger Kaiarchitektur der folgenden Jahrzehnte. "Die außerdem billigere Holzbauart gestattet aber schnellere Aufräumungsarbeiten nach einer Feuersbrunst und eine bedeutend schnellere Wiederherstellung." (Hamburg und seine Bauten, 1914)

Freihafen Hamburg - 50er SchuppenFreihafen Hamburg - 50er SchuppenFreihafen Hamburg - 50er SchuppenFreihafen Hamburg - 50er Schuppen

Die Schuppen waren 271 Meter lang und 48 Meter tief und boten damit eine Lagerfläche, die bis in die fünfziger Jahre für die Ladung von zwei Seeschiffen ausreichte. Die Kopfgebäude an den Schuppenenden mit Büroräumen für die Kaiverwaltung, Sanitär- und Aufenthaltsräumen für die Kaiarbeiter und Dienstwohnungen für die Kaibeamten stellte gleichzeitig eine neue Stufe in der Sozialfürsorge für die im Hafen beschäftigten Arbeitskräfte dar. Die Kopfbauten sind im Gegensatz zu der bis dahin im Hamburger Hafen üblichen Neugotik relativ schmucklos und schlicht, trotzdem aber in einem repräsentativen Charakter gehalten.

Zum Zeitpunkt der Fertigstellung völlig neuartig war das Konzept der Verbindung der verschiedenen Verkehrsmittel. So verlief auf beiden Seiten der Schuppen jeweils ein Gleis der Hafenbahn. Die Güter konnten damit von den Halbportalkranen auf der Wasserseite vom Schiff sowohl auf die Laderampe und von dort zur Zwischenlagerung weiter in den Schuppen, als auch direkt in bereitstehende Eisenbahnwagen umgeladen werden. Auch auf der Landseite war ein direktes Verladen aus dem Schuppen sowohl in Eisenbahnwaggons als auch auf Rollfuhrwerke möglich. Diese Konzeption ist bei den Schuppen 50 bis 53 erstmals umgesetzt worden und diente für Jahrzehnte als Vorbild ähnlicher Anlagen nicht nur in Hamburg.

Australiahafen
Freihafen Hamburg - 50er SchuppenFreihafen Hamburg - 50er SchuppenFreihafen Hamburg - 50er Schuppen
Freihafen Hamburg - 50er SchuppenFreihafen Hamburg - 50er SchuppenFreihafen Hamburg - 50er Schuppen

Nach den Verheerungen des Zweiten Weltkrieges - 80% des Hafengebietes galten als zerstört - wurden die Schuppen 51 und 53 um das Jahr 1950 wieder hergestellt, Schuppen 51 mit starken Veränderungen unter Verwendung von Originalbauteilen, Schuppen 53 als völlige Neukonstruktion aus Stahlbeton. Die Schuppen 50 und 52 hatten nur geringe Schäden davongetragen und sind daher nahezu unverändert vorhanden. Im Zuge der Nachkriegsmodernisierung wurde auch die Kaifläche für die Aufstellung von Vollportalkranen verbreitert. Eine ganze Sammlung ausgedienter Wipp-Krane, wie sie für den "schnellen Hafen" der fünfziger und sechziger Jahre typisch waren und in den letzten Jahren dem Containerumschlag zum Opfer fielen, ist heute am Bremer Kai abgestellt. Einige werden zur Zeit durch das Projekt "Jugend in Arbeit" wieder restauriert.

Am Bremer Kai haben auch die schwimmenden Schwergutkrane der Hamburger Hafen- und Lagerhaus-Aktiengesellschaft (HHLA) ihren Liegeplatz. Der Kran HHLA III mit einer Hubkraft von 100 t Tonnen stammt noch aus dem Jahr 1942. Er sollte eigentlich im Rahmen des Hitler-Stalin-Paktes an die UdSSR geliefert werden, verblieb dann aber nach dem Angriff auf die Sowjetunion in Hamburg. Der Schwimmkran HHLA IV mit einer Hubkraft von 200 Tonnen stammt aus dem Jahr 1957. Beide Krane wurden von der DEMAG gebaut. Sie werden trotz ihres Alters nach wie vor eingesetzt, hauptsächlich zur Verladung schwerster Stückgüter wie Maschinenteile oder Lokomotiven.

Kräne am Bremer Kai
Kräne am Bremer KaiKräne am Bremer KaiKräne am Bremer Kai

Durch die stetige Strukturwandlung im Hamburger Hafen sind die Anlagen am Bremer und Australiakai stark gefährdet. Der klassische Stückgutumschlag spielt im heutigen Hafenbetrieb praktisch keine Rolle mehr, die speziell hierfür geschaffenen Anlagen sind veraltet und überflüssig geworden. Für den Containerumschlag der heutigen Zeit werden große Lagerflächen, aber relativ wenige, seeschifftiefe Liegeplätze benötigt. Diese Anlagen werden im westlichen Teil des Hafen neu geschaffen (siehe Seite über die Hafenerweiterung in Altenwerder). Der östliche Hafenteil dagegen hat seine ursprüngliche Funktion verloren. Die klassischen Hafenbecken mit den Kaizungen und langen Kaistrecken werden zugeschüttet um Flächen für die Ansiedelung von "hafennahem Gewerbe" zu schaffen. Dieser Umwandlung ist der Indiahafen bereits zum Opfer gefallen, der ehemalige Australiakai hat seinen Wasserbezug verloren. Auch die Schuppen 52 und 53 stehen schon lange auf der Abrissliste. Mit dem Abriß von Schuppen 53 ist im Januar 2002 begonnen worden, seit April 2002 steht er nicht mehr. Für die Schuppen 50 und 51 besteht dagegen noch Hoffnung. Es gibt Bestrebungen, die Anlagen als letzte Zeugnisse der wilhelminischen Zeit des Hamburger Hafens zu erhalten und evt. museal zu nutzen.

Mit dem Datum vom 19.03.2002 ist das Ensemble der "50er Strecke", bestehend aus den Schuppen 50, 51 und 52 mit ihren Kopfgebäuden, dem Bremer- und Australiakai mit Ausstattung, den Straßenflächen mit Pflaster, dem Beamtenwohnhaus und dem Höft unter Denkmalschutz gestellt worden. In dem Gutachten des Denkmalschutzamtes zur Unterschutzstellung wird u.a. die bei dieser Anlage erstmals konsequent umgesetzte Vernetzung der verschiedenen Verkehrsmittel gewürdigt: "Diese charakteristische Erfindung für den Hamburger Hafen war in ihrer Schlüssigkeit beispielgebend für die Bauentwicklung in Häfen der ganzen Welt. Entsprechende regionale und überregionale Bedeutung hat die sogenannte Hamburger Kaizunge mit ihrer technischen Ausstattung gewonnen. Die Entwicklung der Hamburger Kaizunge war im ersten Jahrzehnt des 20. Jh. mit dem Ausbau der Kaizunge zwischen dem Hansa- und dem Indiahafen vollendet. Danach kam für den Stückgutumschlag nichts Neues mehr. (...) bis in den sechziger Jahren die Container-Ära anbrach."

Der Schuppen 53 ist von der Unterschutzstellung ausdrücklich ausgenommen worden. Als Stahlbeton-Neukonstruktion des im Krieg zerstörten Originalbauwerkes wurde ihm keine Denkmalfunktion zuerkannt. Schuppen 53 ist inzwischen vollständig abgebrochen worden, auf der Fläche steht heute ein Zollgebäudes. Die Erhaltung der übrigen Gebäude und Anlagen scheint dagegen nun vorerst gesichert zu sein.

Quellen und weiterführende Literatur:
- Hafenführer Hamburg, Zeise, Hamburg 1999
- Hinweise und Infos von Rudolf Menzel < Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. >
- Reclams Führer zu den Denkmalen der Industrie und Technik in Deutschland, Band 1 Alte Länder, Reclam, Stuttgart 1992
- Aspekte und Perspektiven der Hafendenkmalpflege, Schriftenreihe des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz, Band 40
- Industriekultur und Arbeitswelt an der Wasserkante, Arbeitshefte zur Denkmalpflege in Hamburg Nr. 11, Christians Verlag, Hamburg 1992
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