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Heeresmunitionsanstalt Scheuen

Geschrieben von: Michael Grube   

Schon 1870/71 wurde nahe des kleinen Ortes Scheuen bei Celle ein Schießplatz für die Reichswehr eingerichtet. Im Ersten Weltkrieg kam dann ein Marineflugplatz hinzu.

In den Jahren 1934 bis 1939 wurde eine Munitionsanstalt mit mehr als zweihundert Gebäuden errichtet. Für die leitenden Mitarbeiter entstand eine Siedlung mit 24 Wohnungen in zwölf Doppelhäusern. Gefertigt wurde Infanteriemunition, Handgranaten sowie Panzerabwehrgeschosse. Die Arbeit in der Fabrik wurde zum größten Teil von rund 400 Zwangsarbeitern verrichtet, die, getrennt nach Geschlecht, in zwei Lagern untergebracht waren. Es handelte sich hauptsächlich um Serben und Jugoslawen, später auch um Russen und Belgier. Auch viele Frauen aus der Umgebung wurden zur Arbeit in der MunA dienstverpflichtet.

Fahrzeugunterstand
Heeresmuna ScheuenHeeresmuna ScheuenHeeresmuna Scheuen
Heeresmuna ScheuenHeeresmuna Scheuen

In etwa hundert unterirdischen Bunkern mit doppelten Stahltüren wurden noch drei Wochen vor Kriegsende große Mengen Kampfstoff-Munition eingelagert. Laut Sonderbefehl sollte diese Munition bei einer Bedrohung durch die Alliierten nach Wettenberg verlagert oder, falls das nicht möglich gewesen wäre, in der Elbe versenkt werden.

Dazu kam es nicht mehr, die Briten erreichten Scheuen am 13.April 1945, die Anlagen wurden kampflos und unbeschädigt übergeben. Noch im selben Jahr wurde mit der Demontage, Räumung und teilweisen Sprengung begonnen, Plünderungen besorgten dann den Rest. In der Folgezeit wurde die Restanlage als Lager für mehrere tausend DP' s (displaced persons) genutzt.

Die Freiherr-von-Fritsch-Kaserne, die bei den Briten den Namen Ironside Barracks trug, sowie die dazugehörigen Anlagen und der Übungsplatz werden noch heute militärisch genutzt (Panzerbataillon 334, Truppenambulanz u.a.). Die britischen Truppen zogen Mitte der neunziger Jahre vom Gelände ab, der Flugplatz wird heute von der Flugsportvereinigung Celle privat genutzt. Die ungenutzten Ruinen der MunA wurden inzwischen größtenteils abgerissen, die Kaserne bleibt bis auf weiteres als solche bestehen.

Quellen (Auszug):
- Celle '45, Bomann-Museum
- Das nationalsozialistische Lagersystem, Martin Weinmann
- Der Kieg, der nie stattfand, Günther W.Gellermann
- Fassberg, Hans Stärk
- Gefährdungsabschätzung von Rüstungsaltlasten in Niedersachsen, NLÖ
- Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Bd.2, Niedersachsen I
- Militarisierungsatlas der Bundesrepublik, Alfred Mechtersheimer/Peter Barth
- Tödliche Gefahr aus der Tiefe, Andreas Oberholz
- Unruhige Zeiten - Erlebnisberichte aus dem Landkreis Celle 1945-1949, Rainer Schulze
- Die Bundeswehr der Zukunft - Ressortkonzept Stationierung 2001, BMVg
- Deutscher Bundestag, Drucksache 11/6972
- Public Record Office, Bestände AIR 26/505 und WO 208/2176
- Archiv T.Wolf, Stedden
- Aussagen von Zeitzeugen
- eigene Recherchen

 
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