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Die V-2 und V-3 Anlagen am Pas-de-Calais

Geschrieben von: Bernd Diekmann   
ÜbersichtskarteImmer wieder liest man von den riesigen Bunkern am Pas de Calais, von denen aus die deutschen "Vergeltungswaffen" gegen Ziele in England starten sollten. Wenn man sich aber genauer mit der Materie beschäftigt, ergeben sich schnell viele Fragen, die in der Literatur nicht oder nur unzureichend beantwortet werden. Das ist umso seltsamer, weil hier die Möglichkeit besteht, diese Anlagen jeweils als Museum zu besichtigen und sich somit direkt vor Ort ein Bild zu machen. Dieser Bericht ist Ergebnis eines solchen Besuches.

Die Anlagen der V-1 wurden hier ausgelassen, Bei den Bauten für die V-2 und V-3 handelt es sich um die Anlagen Wizernes, Watten, Mimoycques und Roquetoire. Alle Anlagen befinden sich somit in der Nähe der Stadt St. Omer. Die Namen der Anlagen basieren auf den nahegelegenen Orten, heute sind sie allerdings meist nach dem Museen benannt: Wizernes findet man unter La Coupole, St. Omer und Watten als Blockhaus Eperlecques. Ich benutze im folgenden die vor Ort üblichen Namen. Alle Museen sind gut ausgeschildert.

Warum diese Ungetüme in die Landschaft gesetzt wurden, war auch eine der Fragen, die ich mir immer stellte. Solche Bunker stellten ja schließlich ein einladendes Ziel dar und konnten vielleicht nicht zerstört, aber doch leicht gestört und beschädigt werden. Und wie wurden diese Monster gebaut?

Die Anlage Eperlecques

Am 3. Oktober 1942 fand in Peenemünde der erste erfolgreiche Start der A-4 Rakete (V-2) statt. Zu dieser Zeit begann der Umschwung im Luftkrieg und die Luftwaffe hatte immer mehr Probleme, die Luftherrschaft über den besetzten Europa aufrecht zu erhalten. Zudem wurde fast die komplette Luftflotte für den Vernichtungsfeldzug im Osten gebraucht. Mit den Raketen wollte man den Bombenkrieg gegen England wieder aufleben lassen. Der Entwickler Wernher von Braun und General Dornberger führten Hitler einen Film des Starts vor - Hitler war beeindruckt und gab am 22. 12. 1942 Befehl zum Bau von zwei Abschussbunkern. Für den ersten Bunker wurde die Gegend von St. Omer gewählt - das lag nahe genug am Kanal und damit an England und weit genug im Inland, um eine gewisse Tarnung zu gewährleisten. Außerdem gab es hier bereits die wichtigen Bahnlinien, die für die Versorgung der Anlagen unerlässlich waren. Zu diesem Zeitpunkt dachte man noch, dass man einen festen Platz zum Start der Raketen benötigen würde, da eine Startbereitung um die sieben Stunden dauerte und feste Gerätschaften dafür benötigt wurden. Man hielt einen mobilen Abschuss erst mehrere Jahre später für machbar.

Eperlecques - Bunker

Am 20.04.1943 (Hitlers Geburtstag) benannte Englands Premier Churchill seinen Schwiegersohn Duncan Sandys als Beauftragten für die deutsche Fernwaffenentwicklung. Schon am 5. 11. 1939 wurde England durch seine Botschaft in Oslo über den Stand der Fernwaffenentwicklung umfassend informiert. Allerdings wurde das Oslo-Papier als geschickte Fälschung der Abwehr angesehen. Sandys musste gegen Windmühlen kämpfen, da diese Waffen noch als Fiktion abgetan wurden. Nur wenig später stiess man auf die Anlagen in Peenemünde und liess diese durch Aufklärer überwachen.

Januar 1943 - In St. Omer traf eine Sonderkommission aus Peenemünde ein. Sie entschied sich für Eperlecques als Standort des ersten Abschussbunkers. Pläne wurden erstellt und das Objekt als "Kraftwerk Nord West (KNW)" benannt. Ende März rückte eine Arbeitseinheit in den Ort ein, ausgerüstet mit riesigen Baggern und gigantischen Betonmischern. Neben Arbeitern der Organisation Todt (OT) und des Reichsarbeitsdienstes (RAD) wurden für die eigentlichen Arbeiten vor allem Zwangsarbeiter und KZ-Insassen aus Frankreich, Belgien, Polen, Russland, Jugoslawien und der Tschechei als Arbeitssklaven eingesetzt. Da das Gebäude am 31.10.1943 einsatzbereit sein sollte, wurde in zwei Schichten zu je zwölf Stunden ununterbrochen gearbeitet.

Eperlecques - BunkerEperlecques - BunkerEperlecques - BunkerEperlecques - Bunker
Eperlecques - BunkerEperlecques - BunkerEperlecques - Bunker

In der Nacht vom 16. auf den 17. 8. 1943 fand ein Großangriff auf Peenemünde statt, die alliierte Luftaufklärung hatte längst Beweise für die beginnende deutsche Raketenproduktion gefunden. Durch die Schäden wurde der Produktionsablauf nun monatelang verzögert. Mittlerweile war auch der Bau des Abschussbunkers in Eperlecques bekannt geworden. Am 27.8.1943 griffen 185 B-17 Flying Fortress der 8th Air Force die Anlage an. 366 1000kg-Bomben gingen zwischen 18:45 und 19:42 Uhr auf und unmittelbar neben der Anlage nieder. Viele Arbeiter starben. Die Gegend ist noch heute von Kratern übersäht und bietet noch bis heute ein bedrückendes Bild der Zerstörung. Zwischen dem 30.8. und dem 7.9. erfolgten vier weitere Großangriffe. Im September musste die OT schliesslich bekannt geben, dass der Nordteil der Baustelle nicht mehr wiederherstellbar wäre. Doch das war nicht das Ende für die Anlage Eperlecques. Noch im Oktober wurde ein Weiterbau des südlichen Teils beschlossen - nun aber nicht mehr als Abschussbunker sondern als Fabrik für flüssigen Sauerstoff zur Versorgung der V2.

Hierzu wurde eine damals neue Bautechnik eingesetzt: Zuerst goß man das riesige, fünf Meter hohe Dach, dann wurde dieses durch Tunnel unterhöhlt und mit Hilfe von hydraulischen Winden um fünf Meter angehoben. Unter dem Schutz des Daches wurden nun die Bunkerwände gegossen. Reichten die Wände bis zum Dach, wurde dieses nochmals um 5 Meter angehoben und die Mauern weiter aufgegossen. Alle Arbeiten liefen dabei unter dem Schutz des Daches. Das "Wachstum" des Gebäudes war durch die Luftaufklärung kaum zu verfolgen. Im Januar 1944 war der Bunker außen fertiggestellt, nun begann der Innenausbau. Ab Februar erfolgten nun immer wieder Angriffe gegen die Anlage - insgesamt 20 schwere Angriffe bis August. Am 19.6. und am 27.7.1944 wurde der Bunker auch von britischen Bombern mit den berühmten 6 to. "Tall Boy" Bomben angegriffen. Alle Angriffe konnten der Anlage nichts mehr anhaben. Am 6. 9. 1944 wurde Eperlecques befreit. Die Anlage war nie in Betrieb. Im Januar 1945 erprobte die US Air Force nochmals eine neue Bombe an der Anlage. Die Schäden dieser Bombe kann man noch heute besichtigen, die Betonwand wurde nicht durchschlagen.

Eperlecques - MuseumDas Museum "Blockhaus Eperlecques"

Abmessungen des Bunkers: 95x75x28m
Abmessungen des Komplexes: 103x216x28m
Verbauter Beton: 131 000 m³

Das Museum zeigt verschiedene Relikte aus dem 2. Weltkrieg, darunter Gehäuse von Blindgängern etc. Die Begehung wird audiovisuell unterstützt, auch in deutscher Sprache! Man kann nicht nur außen am Bunker entlanggehen, sondern auch in den zerstörten Südteil und die Halle für die Sauerstofffabrikation (Höhe 22.5 m). Seit 1988 funktioniert auch das von der OT nie fertiggestellte, über 200to schwere Aussentor. Im Aussengelände findet man eine erhaltene V-1 Rampe (mit Geschoss) in voller Länge (Eperlecques hatte aber sonst nichts mit der V-1 zu tun!). Museumsshop im Foyer.Ein deutschsprachiger Museumsführer ist erhältlich.

Eperlecques - MuseumEperlecques - V1-Rampe im Museum

Die Anlage Mimoyecques

Eine andere Art von Anlage war der Stollenbau für das weittragende Mehrkammerngeschütz Langrohrkanone LRK 15, Bekannter wurde die Waffe allerdings unter den Namen "Röchling-Kanone", "Fernzielkanone", "Fleißiges Lieschen", "Vielkartuschengeschütz", "Tausendfüßler", "Englandkanone", "Hochdruckpumpe (HDP)" oder einfach V-3 . Schon die vielen Tarnnamen lassen auf ein Projekt des Dritten Reiches schließen, bei dem viele Kompetenzen gegeneinander liefen.

Gegenüber anderslautenden Berichten (auch in Mimoyecques im Museum) war das Prinzip dieser Kanone schon seit 1855 durch ein Patent der Amerikaner Lyman und Haskell bekannt. Schon auf der Weltausstellung von 1878 in Paris stellte der Franzose Perreaux ein funktionsfähiges Mehrkammerngeschütz in Europa vor. Nach Sichtung militärischer Unterlagen nach dem Überfall auf Frankreich fand man Baupläne für eine nach gleichen Prinzip arbeitende französische Kanone, die als Antwort auf die 21cm und 28cm ("Paris-Geschütz") Kanonen der Deutschen im 1. Weltkrieg gebaut werden sollte. Diese Pläne wurden durch die Röchling-Stahlwerke A.G. neu bewertet und dort, auf Grundlage einer eigenen schon getesteten 2cm Version eines Mehrfachkammerngeschützes, weiterentwicklet.

Mimoyecques HDP - Modell

Vereinfacht war das Prinzip der HDP, dass nach dem Abfeuern der Granate verschiedene Treibladungen gezündet wurden, um den Schub des Projektils immer mehr zu erhöhen. Die Schussfolge wäre 1 Schuss alle 6 Sekunden gewesen. Verwendet werden sollte ein betonbrechendes 150mm-Projektil, ähnlich dem Peenemünder Pfeilgeschoss (PPG), nach der Herstellerfirma "Röchling-Speer" (offiziell: 15cm Sprgr 4481) genannt. Es wurden aber auch Geschossprojektile vom Bochumer Verein, von Wittkowitz und von Skoda gebaut und getestet. Da es sich bei der V-3 eigentlich nicht um ein bewegliches Geschütz handelte, war der Bau der Anlage entscheidend auf ein festes Ziel ausgerichtet. Für den ersten Angriffspunkt, die Innenstadt von London (als Zielpunkt wurde die Tower-Bridge gewählt), wurde Mimoyecques ausgewählt. Der Deckname für die Anlage lautete "Wiese" oder auch "Bauvorhaben 61". Bei der Schussfolge von 6 Sekunden, einem Aufschlaggewicht von über 200 kg (Geschossgewicht: 83kg im Flug und 97 kg Ladegewicht) und den vorhandenen 25 Rohren kann man sich einen Beschuss von London eindringlich vorstellen. Ohne dass die Kanone real existierte und getestet werden konnte, wurde der Bau der Anlage begonnen. Eigentlich war das nicht ungewöhnlich, da man mit ähnlichen Projekten (z.B. auch Me 163 Raketen- oder Me 262 Strahljäger) bereits ähnlich verfahren hatte - allerdings gab es im Fall der HDP immer wieder Hinweise auf Misswirtschaft. So wurde behauptet,die Kanone sei durch "empirisches Herumprobieren", unter "Missachtung innen- und aussenbalistischer Vorgänge sowie der einfachsten physikalischen Gesetze" entwickelt worden (Bericht zur V-3 von Werner Osenberg an Martin Bormann).

Im April 1943 begannen die ersten offiziellen Waffentests in Hillersleben. Obwohl es immer wieder zu Rohrproblemen kam, war Hitler nach einer Vorführung der Waffe und Zureden von Albert Speer begeistert. Seine Vorliebe für weitreichende Artillerie, die ja schon durch Aufkommen von Jagdbombern absolut veraltet war, trieb ihn an, das Projekt immer wieder zu forcieren. Er drängte Speer, die Produktion auf 10.000 Projektile im Monat festzulegen und berauschte sich an der Vorstellung eines unter permanentem Artilleriefeuer liegenden London.

Der ausgesuchte Berg am Pas-de-Calais besteht aus Kreidefels und ist nur 8km vom Kanal entfernt. Im September 1943 begannen die Bauarbeiten. Zuerst wurde eine Art Eisenbahntunnel in den Berg getrieben. Dieser Tunnel war der Grundstock der Anlage. 450 Bergleute aus dem Ruhrgebiet und Facharbeiter von Krupp und Mannesmann leiteten die Arbeiten in den Schächten von Mimoyecques. Außerdem wurden permanent etwa 5.000 Deportierte, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge aus allen besetzten Ländern unter unmenschlichen Bedingungen eingesetzt. Von Anfang an hatte man Probleme mit Grundwasser, das mehrmals in die tieferen Ebenen und die Fahrstuhlschächte eindrang.

Mimoyecques HDP - StollenMimoyecques HDP - KanoneStollenMimoyecques HDP - Stollen

Von dem zentralen Eisenbahntunnel führten Stollen zu den schrägen Tunneln für die Geschützrohre. Mimoyecques sollte mit fünf Tunneln mit jeweils fünf Rohren ausgerüstet werden. Ein Geschützrohr hatte eine Länge von 127m. Am oberen Ende jedes Tunnels wurde eine große Betonplatte gegossen, um das Rohr bei Angriffen zu schützen.

Die Anlage bestand aus verschiedenen, durch Fahrstühle erreichbaren Ebenen, um die Kanone warten und laden zu können. Auch die Produktion des "Röchling Speers" wurde in der Anlage vorbereitet. Im November 1943 entdecken britische Aufklärer die Anlage. Gerade weil die britische Aufklärung sie für eine der geplanten Anlagen der V2 hielt, begannen sofort Angriffe. Die Deutschen vertrauten den dreissig Meter starken Kreidefelsen-Überdeckung vollkommen, bei Angriffen zogen sich die Arbeiter meist in die unteren Ebenen zurück. Am 6. Juli 1944 wurden drei "Tall Boy"-Bomben auf die Anlage abgeworfen - für die Arbeiter wurde das zur Katastrophe.Eine der Explosionen führte zu erdbebenähnlichen Erschütterungen und Erdverschiebungen in den unteren Ebenen. Wasser brach in die Schächte ein und floss in die tiefergelegenen Schächte. Der größte Teil der Zwangsarbeiter, Soldaten und OT-Leute ertrank qualvoll. Noch heute ruhen in den unteren Schächten die Überreste der Toten, sie konnten nie geborgen werden.

Am 4. August 1944 wurde erstmals eine Aktion der amerikanischen "Operation Aphrodite" gegen Mimoyecques gestartet. Hierbei wurden B-17 Bomber als Ladungsträger umgebaut (ähnlich der deutschen Mistel-Idee) und durch Begleitflugzeuge ferngesteuert ins Ziel geführt. Dazu wurden der Maschine das Cockpit und sämtliche Geschütztürme entfernt. Den Start erledigten freiwillige Piloten, die den umgebauten Bomber dann per Fallschirm verliessen. Der erste Angriff zerstörte den schon stark angeschlagenen Tunneleingang fast vollständig. Der Bau der Anlage wurde endgültig abgebrochen. Die Kanone war bis auf zwei Rohre noch nicht installiert und nun wurde festgestellt, dass es bei starker Geschütztätigkeit in den Schächten große Probleme mit der Entlüftung geben würde.

Dass die "Festung Mimoyecques" mittlerweile nicht mehr genutzt wurde, war der alliierten Aufklärung entgangen. Am 8. August sollte in neuer "Aphrodite-Angriff" erfolgen. Der Pilot der B-17 war Lt. Joseph Kennedy, der Bruder des späteren US-Präsidenten J.F. Kennedy. Wahrscheinlich durch einen Kurzschluss der Bordelektrik kam es zu einer Explosion und die B-17 und die begleitende Führungs-B-24 explodierten in der Luft. Kennedy konnte nicht mehr rechtzeitig abspringen.

Am 11. 9. 1944 wurde Mimoyeques von Kanadiern besetzt, im Mai 1945 sprengten britische Pioniere die Anlage. Die vorhandenen Projektile sollen noch mit Adapter durch Eisenbahngeschütze K5 Glattrohr, angeblich z.B. auch während der Hürtgenwald-Schlacht, als Ersatz für fehlende PPG verschossen worden sein.

Mimoyecques HDP - MuseumDas Museum V-3 Anlage Festung Mimoyeques

Besichtigt werden können der große Eisenbahnstollen und verschiedene Tunnel der oberen Ebene. Die unteren Ebenen sind seit dem Angriff vom 6. Juli 1944 verschüttet, die Anlage ist ein Friedhof. Neben einen Mahnmal für die Opfer gibt es auch einen Nachbau der Hochdruckpumpe aus Originalteilen zu sehen. Auch für Joseph Kennedy ist ein Gedenkstein zu finden. Im Eingangsbereich kann man sich bei einem örtlichen Imbiss stärken. Der Betreiber des Museums und des Imbiss, Herr Simon, spricht sehr gut deutsch und erklärt gerne Umstände und beantwortet Fragen. Texte nur in Französisch, Englisch und Niederländisch. Deutscher Museumsführer erhältlich.

Die Anlage La Coupole

Nach dem Angriff auf Eperlecques wurde eine neue Stelle für einen sicheren Abschussbunker für die V2 gesucht. Man blieb in der Gegend von St. Omer. Am 27.8.1943 wurde der Bau beschlossen. In Helfaut-Wizernes wurde im Januar 1944 an der Oberfläche eines Plateaus eine Betonkuppel mit über 70m Durchmesser gegossen. Die Anlage wurde "Schotterwerk Nord West(SNW)" genannt. Danach höhlte man den Fels unter der Kuppel langsam aus. Gleichzeitig trieb man verschiedene Stollen in den Berg hinein. Auch hier wurden die Arbeiten von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlinge aus allen besetzten Gebieten unter unmenschlichen Bedingungen ausgeführt. Die aus Nordhausen (KZ Dora) ankommenden V2 Raketen sollten hier betankt und aus der Anlage heraus gestartet werden. Die vorhandene Infrastruktur sollte eine Abschussquote von bis zu fünfzig Raketen am Tag sicherstellen. Fünfhundert Raketen sollten gelagert werden können. Dazu sollte das Bauwerk mit zwei Abschussanlagen (Gretchen und Gustav) ausgestattet werden. Die innerhalb der Bunkeranlage fertig betankte und versorgte Rakete sollte auf einer der beiden Rampen dann in kürzester Zeit gestartet werden. Beinahe erscheint La Coupole damit als so etwas wie eine fiktive Vorwegnahme von Cape Kennedy. Ab März 1944 wurde Wizernes schwer bombardiert, unter anderem mit den "Tall Boy" Bomben der Briten. Hierbei kam es zu keinem größeren Schaden an der Anlage, lediglich der Kreidefelsen in der Nähe der Kuppel brach bei einem "Tall Boy" Angriff in sich zusammen. Am 28. Juli wurde der Bau gestoppt, eine Rakete ist hier nie gestartet.

Wizernes V2 - StollenWizernes V2 - StollenWizernes V2 - StollenWizernes V2 - Stollen

Wizernes V2 -  Museum La CoupoleDas Museum La Coupole

Das "Zentrum für Kriegs- und Raketengeschichte La Coupole" ist das modernste Museum zur Geschichte der V-Waffen am Pas-de-Calais. Gezeigt werden neben einer original V1 und einer V2 vor allem Dioramen und Multimedia-Schauen zum Thema. Was man in den vorhergehenden Museen nicht ganz verstanden hatte - hier wird es in mehreren Sprachen erklärt. Man sollte sich Zeit lassen für die verschiedenen Stationen. Besonders erwähnenswert sind die vielen beweglichen Bunkermodelle, an denen die vorgesehene Funktionsweise erläutert wird. Auch die Darstellung der verschiedenen Bauweisen ist sehr interessant und nur hier zu finden. Umfangreicher Buchshop. Deutscher Museumsführer erhältlich.


Wizernes V2 - MuseumWizernes V2 - MuseumWizernes V2 -  V1 im Museum

Die Anlage Roquetoire

Etwa acht Kilometer südöstlich von La Coupole liegt der Richtstrahlbunker Roquetoire, sein Codename lautete "Umspannwerk C". Hier sollte der Richtstrahltrupp seine mobile Einheit unterstellen. Die Anlage ist nicht leicht zu finden. Der Bunker liegt mitten im Dorf, ohne jede Ausschilderung. Als Merkpunkt sollte man sich Richtung Kirche und Friedhof , ca. 70m hinter der Kirche liegt das Bauwerk. Der Bunker ist nicht begehbar. Sehr viel interessantes darüber gibt"s auf www.v2rocket.com/start/deployment/leitstrahl.html .


Rocquetoire BunkerRocquetoire Bunker
Rocquetoire BunkerRocquetoire BunkerRocquetoire Bunker

Die mobilen Einheiten

Nach einer gewissen Zeit hatten die deutschen Ingenieure die Verletzbarkeit der Bunkeranlagen erkannt und planten 45 mobile Abschusseinheiten (später nur noch 27) für die V2/A4. Hierdurch konnte die Rakete dann auch noch Angriffe z.B. aus Den Haag gegen London fliegen. Mittlerweile war die Aufbereitungszeit der Waffe wesentlich verbessert und Spezialfahrzeuge für die Einheiten entwickelt worden. Auch die V3 wurde mobil und von Hermeskeil in Deutschland gegen die Stadt Luxemburg eingesetzt.

Diorama mobile V-Waffen-EinheitenDiorama mobile V-Waffen-EinheitenDiorama mobile V-Waffen-EinheitenDiorama mobile V-Waffen-Einheiten

Ich habe mich vor allem aus den folgenden Büchern auf die Reise vorbereitet:

Fritz Hahn
Waffen und Geheimwaffen des deutschen Heeres 1933 - 1945
Bernhard & Graefe (Das bekannte Standartwerk)

Ian Hogg
Deutsche Artilleriewaffen im Zweiten Weltkrieg
Motorbuch Verlag (Standartwerk-leider vergriffen)

B. Johnson
Streng Geheim - Wissenschaft und Technik im Zweiten Weltkrieg
Paul Pietsch Verlag

Dr. Axel Turra
Waffen-Arsenal Sonderband S-57 - Das "Fleissige Lieschen"
Podzun Pallas

Albert Speer
Erinnerungen
Ullstein

Walter Dornberger
V-2 Der Schuß in den Weltraum (Peenemünde-Geschichte der V-Waffen)
Ullstein

Rainer Eisfeld
Mondsüchtig - Wernher von Braun und die Geburt der Raumfahrt aus dem Geist der Barbarei (sehr empfehlenswert!)
Rowohlt

Zur Vorbereitung immer das Beste:

After the Battle No. 6 - The V-Weapons
After the Battle No. 114 - The V3 and V4
(für Battlefield Tourists einfach nicht zu missen)

Vor Ort:

Museumsführer La Coupole - Krieg, Raketen, Erinnerung
Offizieller MF - leider sehr kurz gehalten zu der Anlage

Museumsführer Bunker Eperlecques
Offizieller MF - guter Überblick und seltene historische Bilder

Wolfgang Kern
Wissant - damals und heute
Edition Kernklangwerk
ISBN 3-933481-00-7

Wolfgang Kern, Luc Previsani
Museumsführer V-3 Anlage Festung Mimoyecques
Offizieller MF - mit dem Museums-Texten aus der Anlage






 
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